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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2021

Viel mehr als eine Erinnerung...

Hast du uns endlich gefunden
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Momentan ist es sehr beliebt, sich autobiografisch mit seinem Leben auseinanderzusetzen - was dem Leser wiederrum neben tiefen privaten auch Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt des Autors ermöglicht.
Nun ...

Momentan ist es sehr beliebt, sich autobiografisch mit seinem Leben auseinanderzusetzen - was dem Leser wiederrum neben tiefen privaten auch Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt des Autors ermöglicht.
Nun also das Buch "Hast du uns endlich gefunden" des bekannten Schauspielers Edgar Selge.
In Erwartung der durch den Titel suggeriertenThematik war der Einstieg für mich recht zäh und ich war kurz davor abzubrechen. Zum Glück habe ich mich jedoch durchgerungen weiter zu hören, denn mit dem Hörfortschritt wurde das Buch für mich zunehmend interessanter. Eine Verbindung des Titels mit dem Inhalt konnte ich jedoch nicht wirklich herstellen.
Nach dem etwas unspektakulären Einstieg mit der Arbeits- und Familiensituation dringt der Autor immer tiefer in die Problematik der Nachkriegsjahre, in der neue politische Ausrichtungen mit der Vergangenheit, explizit bestimmten Personen, korrelieren, alle alten Werte falsch plötzlich falsch sind und man seinen Platz erst wieder finden muss. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Eltern, deren tief verwurzelten Ansichten immer wieder zu Konflikten mit den Söhnen führen, die auch über die Vergangenheit reden wollen, anstatt sie totzuschweigen. Es wird sehr deutlich, das es noch ein weiter und schwerer Weg sein wird, sich diesem Thema unbefangen stellen zu können, die Auswirkungen des Krieges noch lange in die Gegenwart ausstrahlen werden.
Der Autor liest sein Buch selbst - und das ist in meinen Augen (oder wohl besser Ohren) sehr gelungen. Es ist vor allem die angenehme Stimme des alten Mannes, der zurückblickend mit viel Schalk von seiner Kindheit und Jugend erzählt, die sehr fesselt. Dadurch wirken die Schilderungen sehr authentisch.
Hatte ich anfänglich noch Schwierigkeiten mit dem Buch, war ich zum Schluss schon fast traurig, das es zu Ende war. Ich hätte Edgar Selge noch ewig zuhören können.

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Veröffentlicht am 02.11.2021

Eine humorvolle Liebeserklärung

Pfoten vom Tisch!
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Bereits bei dem Autor lässt sich vermuten, das sich dem Thema locker und humorvoll gewidmet wird. Das wird es definitiv - perfekt abgerundet durch Hape selbst als Sprecher!
Einige Formulierungen wie "Fellnasen" ...

Bereits bei dem Autor lässt sich vermuten, das sich dem Thema locker und humorvoll gewidmet wird. Das wird es definitiv - perfekt abgerundet durch Hape selbst als Sprecher!
Einige Formulierungen wie "Fellnasen" oder "meine zweitbeste Freundin Gudrun" (wer ist denn da die erstbeste?) lassen mich jetzt noch beim Schreiben der Rezi schmunzeln. Leider gibt es jedoch auch einige längere Phasen, z.B. die Aufzählung der Rassen, die es etwas anstrengend machen, weiter zuzuhören. Diese Passagen habe ich dann doch eher "vorbeirauschen" lassen und mich auf lustigere Episoden konzentriert.
Alles in Allem sorgt die Mischung aus augenzwinkerndem Ratgeber und pointierter Erzählung für kurzweilige Unterhaltung - nur für etwas langatmigeren Teile ziehe ich einen Stern ab.

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Veröffentlicht am 02.11.2021

Gelungene Milieustudie

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein großer Rausch
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Dies ist bereits der 2.Teil der Buchreihe um die sympathische Polizeiärztin Magda Fuchs und er lässt sich auch sehr gut ohne Vorkenntnisse des ersten Bands lesen.
Neben dem Dienst als Polizeiärztin, in ...

Dies ist bereits der 2.Teil der Buchreihe um die sympathische Polizeiärztin Magda Fuchs und er lässt sich auch sehr gut ohne Vorkenntnisse des ersten Bands lesen.
Neben dem Dienst als Polizeiärztin, in dem sie hauptsächlich für die medizinische Untersuchung von Prostituierten zuständig ist und das Leid dieser Frauen ungefiltert erfährt bietet sich ihr die Chance eine eigene Frauenarztpraxis zu errichten. Doch auch hier scheint ist das beherrschende Thema die Beseitigung unerwünschten Lebens. So sehr Magda die Verzweiflung der unglücklichen Frauen nachvollziehen kann fühlt sie sich an ihren Ehrenkodex als Ärztin gebunden...
Dieses Buch vereint eine romantische (Liebes)geschichte mit der harten Realität des verlorenen Ersten Weltkrieges in der Inflation und Armut Menschen an ihre Grenzen bringt - i.d.R.zu Lasten der Kinder. Aber auch die Abgängigkeit der Frau von (ihrem) Mann wird sehr deutlich. Eine Zeit in der ihr Wille, ihr Wunsch nichts wert zu sein scheint und die ersten Anfänge des Aufbegehrens zu erkennen sind. Es ist sehr interessant zu reflektieren, das alles was uns (Frauen) heut so selbstverständlich erscheint ein langer und schwerer Kampf war.
Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten - und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung.
Klare Leseempfehlung!!

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Veröffentlicht am 16.10.2021

Wer ist "Er"?

Ausweglos
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Als Noah Klingenberg auf dem Boden die Wäsche abnehmen möchte, wird er überfallen und von einem Unbekannten gezwungen, ihn zu seiner Frau zu führen. Aufgrund geplanter Abwesenheit der Nachbarn hat Noah ...

Als Noah Klingenberg auf dem Boden die Wäsche abnehmen möchte, wird er überfallen und von einem Unbekannten gezwungen, ihn zu seiner Frau zu führen. Aufgrund geplanter Abwesenheit der Nachbarn hat Noah einen Türschlüssel und führt den Täter in die falsche Wohnung....
Was im ersten Moment nach einer simplen Psychopatentäterschaft klingt, entpuppt sich im weiteren Verlauf als ein Verwirrspiel der verschiedenen Charaktere. Obwohl überwiegend vier, als Ich-Erzähler begrenzte Akteure ( Noah, seine Frau Linda, den Ermittler Elias Bloom sowie den Täter "Er"), bietet sich eine Bandbreite von vermuteten Tatabläufen, falschen Geständnissen, Vertuschungen und Rache. Mitunter (und das liebe ich!) wusste ich nicht mehr, wer als Täter in Frage kommen könnte. Die Lösung ist mehr als überraschend, aber durch den doch sehr kreativen Alleingang von Bloom ziemlich unrealistisch.
Prinzipiell könnte die Handlung damit abgeschlossen sein, jedoch setzt der Autor noch ein Ende nach dem Ende drauf. Meiner Meinung nach hätte dieser Schwenker nicht mehr sein müssen. Dafür ein Stern Abstrich, aber ansonsten gute Story.

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Veröffentlicht am 16.10.2021

Ungewöhnliches Buch aus ungewöhnlicher Perspektive - dennoch einfach nur verwirrend...

Vierunddreißigster September
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Ein Dorf mit seiner Gemeinschaft im Osten Deutschlands. Der Zeit seines Lebens aufbrausende, aber dann aufgrund seines wachsenden Hirntumores lammfromme Walter wird mit von einer Axt gespaltenem Schädel ...

Ein Dorf mit seiner Gemeinschaft im Osten Deutschlands. Der Zeit seines Lebens aufbrausende, aber dann aufgrund seines wachsenden Hirntumores lammfromme Walter wird mit von einer Axt gespaltenem Schädel aufgefunden. Seine Frau ist verschwunden. Doch was trieb sie zu dieser Tat?
Bereits der Titel lässt erahnen, das dies ein Buch der besonderen Art sein könnte. Und er macht auf jeden Fall neugierig.
Hatte ich aufgrund des Klappentextes eine Story mit den Auseinandersetzungen und daraus resultierenden Problemen zwischen (Ehe)Partnern erwartet, so war ich über den tatsächlichen Inhalt sehr überrascht. Utopie ist sonst nicht so meins, doch die Autorin überzeugte durch stimmige Schilderungen, so das man glauben könne, es sei wahr.
Das Bild der Dorfgemeinschaft ist - wie wahrscheinlich sehr oft - ein völlig anderes, als was sich tatsächlich in den Köpfen der Menschen und hinter Mauern der Häuser darstellt. Im Dies- wie im Jenseits stehen die Akteure mit vielen Fragen. Soweit das Positive.
Leider habe ich jedoch den Eindruck, das Ostdeutschland und die Ostdeutschen, insbesondere in den - einsam liegenden und "abgehängten" Dörfern - mal wieder auf die Klischees reduziert werden: arbeitsscheue Hartz-IV-Empfänger, verbohrte, dem vergangenem Regime Glaubenstreue, Versoffene, Perspektivlose, drogenabhängige Jugendliche...So etwas von einer - zumindestens den Wurzeln nach - ostdeutschen Autorin zu lesen, verstört mich etwas. Ebenfalls lässt sich ein Zusammenhang nur schwer bis fast gar nicht erkennen und ich grübele auch immer noch über die Botschaft des Ganzen. Das Buch enthält zwar einige bemerkenswerte Gedanken bzw. Zitate (meist von Walter), über die es sich nachzudenken definitiv lohnt. Aber dies wertet für mich das Gesamtwerk nicht auf.
Ich habe "Vierunddreissigster September" als Hörbuch gehört und in der Hoffnung auf eine Erkenntnis auch bis zu Ende gehört, jedoch muss es wohl ab der Hälfte eher durchhalten heissen...
Zu den Sprechern habe ich noch die Anmerkung, das Corinna Harforch stellenweise echt ungekonnt spricht. Denn das deutliche Einatmen vor dem Erzählen (z.B.bei der dicken Huber) war einfach nur störend.
Fazit: dieses Buch hat mich gar nicht überzeugt und ich würde es weder verschenken noch empfehlen.

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