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Veröffentlicht am 22.03.2026

Ein Weckruf für den Umweltschutz

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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EDEN – Wenn das Sterben beginnt (Marc Elsberg)

​Nachdem Marc Elsberg uns bereits in BLACKOUT vor Augen geführt hat, wie fragil unser Stromnetz ist, widmet er sich in seinem neuesten Thriller „EDEN“ einem ...

EDEN – Wenn das Sterben beginnt (Marc Elsberg)

​Nachdem Marc Elsberg uns bereits in BLACKOUT vor Augen geführt hat, wie fragil unser Stromnetz ist, widmet er sich in seinem neuesten Thriller „EDEN“ einem noch fundamentaleren System: unserer Biosphäre.

Die Geschichte beginnt mit scheinbar isolierten Naturphänomenen – einem Riesenkalmar in der Karibik, einem massiven Fischsterben vor Triest und einer extremen Dürre im Amazonas. Doch als der IT-Experte Piero Manzano (bekannt aus BLACKOUT) sein KI-Programm Vysyon füttert, zeigt sich ein erschreckendes Bild: Es ist kein Zufall, sondern ein globaler Countdown zum Kollaps unserer Lebensgrundlagen. Die Handlung folgt einer Gruppe unterschiedlicher Charaktere – vom Influencer Linus über die Meeresbiologin Sarah bis hin zur Politikerin Karla –, die versuchen, das Unausweichliche zu verstehen oder gar aufzuhalten.

​Dieser Thriller ist kein Buch für zwischendurch – es ist ein literarischer Weckruf.
Elsberg nutzt extrem kurze, prägnante Kapitel. Das sorgt für einen enormen Spannungsbogen und ein Tempo, das die Dringlichkeit der ökologischen Krise perfekt widerspiegelt. Man fliegt förmlich durch die Seiten, während die Welt im Buch langsam stillsteht.
Besonders die Dynamik zwischen Linus, der komplexe Themen für die Massen greifbar macht, und der wissenschaftlich fundierten Sarah hat mir gut gefallen. Ein unerwartetes Highlight war für mich die Figur des Großinvestors Viktor. Seine Entwicklung während eines Safari-Ausflugs zeigt sehr authentisch, dass selbst in harten Charakteren moralische Fragen aufkeimen können, wenn es um die eigene Familie und die rohe Natur geht.

Als jemand, dem Tierschutz am Herzen liegt, fand ich einige Passagen schwer zu ertragen. Elsberg schönt nichts. Die Beschreibungen der Grausamkeiten in der Massentierhaltung und in Fischzuchten (das Thema Lachsläuse ist hier ein gruseliges Beispiel) sind drastisch, aber absolut notwendig. Er hält uns den Spiegel vor: Wir sind der „Asteroid“, der das sechste große Artensterben aktiv vorantreibt.
Die Idee, den Verlust einer einzigen Schlüsselart als Dominostein für den Zusammenbruch der Zivilisation darzustellen, wirkt erschreckend real und ist hervorragend recherchiert.
​„EDEN“ lässt einen mit einem flauen Gefühl im Magen zurück – und genau das ist seine Stärke. Es gibt kein klassisches Hollywood-Happy-End, was angesichts der Thematik die einzig ehrliche Konsequenz ist.
​Das Buch ist ein hochgradig politisches Plädoyer gegen den Raubbau an der Natur und den maßlosen Fleischkonsum. Es ist eine Pflichtlektüre für jeden, der verstehen will, wie eng wir mit unserer Umwelt verzahnt sind. Ich würde es am liebsten jedem aktuellen Politiker als Pflichtlektüre auf den Schreibtisch legen.
​Absolut empfehlenswert für alle, die Thriller mit Tiefgang und einer wichtigen Botschaft suchen.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Reise nach Redu und komm zur Ruhe

Mathilde und Marie
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Torsten Woywod hat mit „Mathilde und Marie“ ein Buch geschrieben, das mich sehr berührt hat.

Er hat die Atmosphäre unglaublich schön beschrieben. Ich war vorher noch nie in Redu, aber beim Lesen hatte ...

Torsten Woywod hat mit „Mathilde und Marie“ ein Buch geschrieben, das mich sehr berührt hat.

Er hat die Atmosphäre unglaublich schön beschrieben. Ich war vorher noch nie in Redu, aber beim Lesen hatte ich das Gefühl, ich stehe selbst in diesem kleinen Bücherdorf und spüre die Ruhe dort. Redu ist so wunderschön beschrieben, dass ich sofort Fernweh bekommen habe. Es ist alles so lebendig, als wäre man mitten im Geschehen.

Die Hauptfiguren, Marie, Mathilde und Jònina, sind mir richtig ans Herz gewachsen. Wie schön, wie sich die Protagonistinnen entwickelt haben. Vor allem, dass Marie so sehr die neue Stille hier in Redu liebt und dass Mathilde sich nach und nach öffnen konnte, um dann zu einer sensiblen und richtig guten Freundin wurde.

Torsten Woywod beschreibt ihre Gefühle und Gedanken, dass man sich mit ihnen freut.

Besonders beeindruckt hat mich, wie gut der Autor die Natur beschreibt. Man merkt beim Lesen, wie viel Liebe er in seine Geschichte gesteckt hat.

Es ist kein Buch, durch das man durchhetzt, sondern eines, das man genießt. Wer Geschichten über die Liebe zu Büchern und tiefe Freundschaft mag, wird dieses Buch genauso lieben wie ich.

Wer allerdings lieber ein Buch mit Spannung und Action sucht, wird mit diesem Buch nicht glücklich. Es ist eine ruhige Beschreibung und Erzählung, die mich bewegt hat, mein Handy endlich auch einmal abzuschalten, in die Natur zu gehen und diese zu genießen.

Ein riesiges Dankeschön für diese schönen Lesestunden. Für mich ein absolutes Jahreshighlight! Und demnächst werde auch ich einmal nach Redu reisen...

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Jede ist ihres Glückes Schmiedin: Ein Weckruf für jede Frau!

Bible Bad Ass
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Bible Bad Ass von Edith Löhle
Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem ich mir so viele Notizen gemacht habe wie in "Bible Ass" von Edith Löhle. Es ist für mich etwas ganz Besonderes – ein Werk, das den ...

Bible Bad Ass von Edith Löhle
Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem ich mir so viele Notizen gemacht habe wie in "Bible Ass" von Edith Löhle. Es ist für mich etwas ganz Besonderes – ein Werk, das den Zeitgeist nicht nur trifft, sondern ihn mit voller Wucht seziert.
Der Aufbau: Drei Akte und eine geniale Playlist
Das Buch ist in drei Akte unterteilt, was der Geschichte eine wunderbare Struktur gibt. Ein absolutes Highlight ist für mich die Playlist: Ich habe mir jeden einzelnen Titel angehört, und die Musik verstärkt die Atmosphäre des Textes ungemein. Es macht das Leseerlebnis modern und greifbar.
Abrechnung mit einem veralteten System
Edith Löhle schafft einen modernen Umgang mit dem Thema Kirche, der mir aus der Seele spricht. Ich selbst bin aus Frust und wegen der Geldgier ausgetreten – weg von Pastoren, die Schuldgefühle predigen, während die Institution Missbrauch vertuscht und sich „goldene Wasserhähne“ leistet. Die Autorin zeigt auf, was Kirche heute sein müsste: Ein Ort des Miteinanders, wie ihn meine Enkelkinder erleben (mit Theater, Lachen und Gemeinschaft), statt ein exklusiver „Männerclub“, der Lohnpfändungen betreibt.
Die Wut der Protagonistin ist auch meine Wut
Besonders getriggert haben mich die gesellschaftlichen Erwartungen an uns Frauen, die im Buch brillant analysiert werden:
Körperkontrolle: Warum werden Frauen auf Partys schräg angesehen oder mit „Babynews“ bedrängt, wenn sie keinen Alkohol trinken? Warum wird von uns ständig Perfektion verlangt, während man uns beim Friseur zu Permanent-Makeup oder Lippen-Aufspritzen rät?
Fremdbestimmung: Die traditionelle Brautübergabe fand ich schon immer schrecklich. Ich bin eigenständig und lasse mich nicht „übergeben“ – eine Ansicht, für die mein Vater sogar noch bei meiner zweiten Hochzeit mit 52 beleidigt war, weil mein Mann nicht „um meine Hand anhielt“.
* Unsichtbarkeit: Von den Gebrüdern Grimm, die die Lorbeeren für die Geschichten einer Dorothea Viehmann ernteten, bis hin zu Rosalind Franklin, deren Entdeckung der DNA-Struktur von Männern für den Nobelpreis geraubt wurde – das Buch benennt diese Ungerechtigkeiten klar beim Namen.
Modern, mutig und diskussionswürdig
Dass die biblischen Frauen mit der Protagonistin Klara per WhatsApp in Kontakt treten, mag „crazy“ wirken, ist aber ein genialer Schachzug, um diese uralten Stimmen in unsere technisierte Welt zu holen. Es macht die verleumdete Geschichte von Frauen wie Maria Magdalena (die erst 2016 (!) den Aposteln gleichgestellt wurde) endlich nahbar. Wortspiele wie „gynäkologische Gleitzeit“ oder die kritische Betrachtung des Wortes „Menstruation“ regen zum Nachdenken an.
Fazit
Dieses Buch ist ein Weckruf. Es thematisiert die bittere Realität: Solange Frauen über Schönheit definiert werden, solange Sex auf Macht basiert und solange wir weniger verdienen, sind wir alle unfrei. Auf Seite 72 findet sich mein Lebensmotto: „Jede ist ihres Glückes Schmiedin“.
Edith Löhle hat recht mit jedem Wort. Wer wissen will, warum wir im 21. Jahrhundert immer noch für echte Gleichberechtigung kämpfen müssen und warum der Glaube an etwas Größeres nichts mit „alten weißen Männern“ zu tun haben muss, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Ein absolutes Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Magie, Mut und echtes Teamwork: ein glitzerndes Museumsabenteuer mit Henriette und Barbara

Henriette Huckepack – Hokus Pokus Fidibus, was ist da im Museum los?
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In ihrem neuesten Abenteuer „Hokuspokus Fidibus, was ist da im Museum los?“ verschlägt es die sympathische Junghexe Henriette Huckepack in das alte Hexeninstitut. Eigentlich soll es ein spannender Ausflug ...

In ihrem neuesten Abenteuer „Hokuspokus Fidibus, was ist da im Museum los?“ verschlägt es die sympathische Junghexe Henriette Huckepack in das alte Hexeninstitut. Eigentlich soll es ein spannender Ausflug werden, doch als ihre Großtante Martha eine geheimnisvolle Inschrift vorliest, passiert das Unglück: Martha erstarrt zu Stein! Um den Fluch zu brechen und das Rätsel des Museums zu lösen, muss Henriette tief in die Welt der Schreckgespenster und magischen Bibliotheken eintauchen. Dabei verlässt sie sich wie gewohnt nicht nur auf ihren Zauberstab, sondern vor allem auf ihren geliebten Werkzeugkoffer und eine ordentliche Portion Köpfchen.

Uns hat dieser Band wieder einmal komplett begeistert, da die Geschichte vor Witz und Spannung nur so sprüht. Ein optisches Highlight, das unsere Fantasie sofort angeregt hat, war das wunderschöne Glitzermoos – ein zauberhaftes Detail, das toll in die magische Welt passt. Besonders gefreut haben wir uns über die Junghexenfreundin Barbara, die zufällig auftaucht. Die beiden bilden ein richtig tolles Team und zeigen eindrucksvoll, dass man gemeinsam einfach stärker ist und so jedes noch so knifflige Rätsel lösen kann. Wir wünschen uns, dass die beiden Freundinnen auch ihr nächsten Abenteuer gemeinsam meistern.

Neben der spannenden Handlung haben uns die süßen Hexentiere viele Schmunzler beschert, und auch die kreative Bastel-Überraschung am Ende des Buchs war ein echtes Highlight für uns.

Andrea Lienesch ist hier wieder eine wunderbare Fortsetzung gelungen, die durch die liebevollen Illustrationen von Sabine Sauter perfekt abgerundet wird. Es ist ein rundum gelungenes Kinderbuch, das zeigt, wie wichtig Freundschaft und Zusammenhalt sind. Eine klare Leseempfehlung für alle kleinen und großen Hexenfans!

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