Jede ist ihres Glückes Schmiedin: Ein Weckruf für jede Frau!
Bible Bad Ass von Edith Löhle
Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem ich mir so viele Notizen gemacht habe wie in "Bible Ass" von Edith Löhle. Es ist für mich etwas ganz Besonderes – ein Werk, das den ...
Bible Bad Ass von Edith Löhle
Ich habe selten ein Buch gelesen, in dem ich mir so viele Notizen gemacht habe wie in "Bible Ass" von Edith Löhle. Es ist für mich etwas ganz Besonderes – ein Werk, das den Zeitgeist nicht nur trifft, sondern ihn mit voller Wucht seziert.
Der Aufbau: Drei Akte und eine geniale Playlist
Das Buch ist in drei Akte unterteilt, was der Geschichte eine wunderbare Struktur gibt. Ein absolutes Highlight ist für mich die Playlist: Ich habe mir jeden einzelnen Titel angehört, und die Musik verstärkt die Atmosphäre des Textes ungemein. Es macht das Leseerlebnis modern und greifbar.
Abrechnung mit einem veralteten System
Edith Löhle schafft einen modernen Umgang mit dem Thema Kirche, der mir aus der Seele spricht. Ich selbst bin aus Frust und wegen der Geldgier ausgetreten – weg von Pastoren, die Schuldgefühle predigen, während die Institution Missbrauch vertuscht und sich „goldene Wasserhähne“ leistet. Die Autorin zeigt auf, was Kirche heute sein müsste: Ein Ort des Miteinanders, wie ihn meine Enkelkinder erleben (mit Theater, Lachen und Gemeinschaft), statt ein exklusiver „Männerclub“, der Lohnpfändungen betreibt.
Die Wut der Protagonistin ist auch meine Wut
Besonders getriggert haben mich die gesellschaftlichen Erwartungen an uns Frauen, die im Buch brillant analysiert werden:
Körperkontrolle: Warum werden Frauen auf Partys schräg angesehen oder mit „Babynews“ bedrängt, wenn sie keinen Alkohol trinken? Warum wird von uns ständig Perfektion verlangt, während man uns beim Friseur zu Permanent-Makeup oder Lippen-Aufspritzen rät?
Fremdbestimmung: Die traditionelle Brautübergabe fand ich schon immer schrecklich. Ich bin eigenständig und lasse mich nicht „übergeben“ – eine Ansicht, für die mein Vater sogar noch bei meiner zweiten Hochzeit mit 52 beleidigt war, weil mein Mann nicht „um meine Hand anhielt“.
* Unsichtbarkeit: Von den Gebrüdern Grimm, die die Lorbeeren für die Geschichten einer Dorothea Viehmann ernteten, bis hin zu Rosalind Franklin, deren Entdeckung der DNA-Struktur von Männern für den Nobelpreis geraubt wurde – das Buch benennt diese Ungerechtigkeiten klar beim Namen.
Modern, mutig und diskussionswürdig
Dass die biblischen Frauen mit der Protagonistin Klara per WhatsApp in Kontakt treten, mag „crazy“ wirken, ist aber ein genialer Schachzug, um diese uralten Stimmen in unsere technisierte Welt zu holen. Es macht die verleumdete Geschichte von Frauen wie Maria Magdalena (die erst 2016 (!) den Aposteln gleichgestellt wurde) endlich nahbar. Wortspiele wie „gynäkologische Gleitzeit“ oder die kritische Betrachtung des Wortes „Menstruation“ regen zum Nachdenken an.
Fazit
Dieses Buch ist ein Weckruf. Es thematisiert die bittere Realität: Solange Frauen über Schönheit definiert werden, solange Sex auf Macht basiert und solange wir weniger verdienen, sind wir alle unfrei. Auf Seite 72 findet sich mein Lebensmotto: „Jede ist ihres Glückes Schmiedin“.
Edith Löhle hat recht mit jedem Wort. Wer wissen will, warum wir im 21. Jahrhundert immer noch für echte Gleichberechtigung kämpfen müssen und warum der Glaube an etwas Größeres nichts mit „alten weißen Männern“ zu tun haben muss, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
Ein absolutes Jahreshighlight!