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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2026

Heimat im Herzen, Krieg im Rücken

Zugwind
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„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die ...

„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die lähmende Angst, aber auch über das Aufkeimen von Hoffnung.
Inhaltlich begleitet man die ukrainische Hausärztin Mira bei ihrer täglichen Arbeit und ihrem Alltag mit ihrer Familie, während in ihrem Heimatland Krieg herrscht. Dabei gibt das Buch viele Einblicke in Miras Gedanken, die von ihren Gefühlen erschlagen wird. Zwischen Trauer, Angst, Wut & Verzweiflung versucht Mira ihr Leben weiterzuführen, für ihre Familie (besonders die Tochter) da zu sein und nicht aufzugeben.
Das Buch kennzeichnet sich durch einen intensiven, rohen Schreibstil. Wie ein literarisches Ventil für all den Schmerz, der verarbeitet werden muss. Was ich hier besonders authentisch fand, war die Darstellung der vielen verschiedenen Geschichten von Geflüchteten (meistens Patient:innen von Mira), die aufzeigen wie schwer es ist in einem fremden Land anzukommen, wenn das Herz sich nach der Heimat sehnt.
„Zugwind“ ist dabei kein Buch was man mal ebenso „weglesen“ kann. Der Schreibstil hat mich stellenweise definitiv gefordert. Aber vielleicht ist auch genau das, ein wichtiger Aspekt des Buches. Es muss nicht „gemütlich“ und leicht lesbar sein. Es muss echt sein. Dabei zeigt der Roman immer wieder auf wie kompliziert, wirr und oft auch ermüdend es für die Protagonistin ist, am Leben und der Hoffnung festzuhalten, wenn jeden Tag neue schreckliche Meldungen aus der Ukraine kommen.
Ein wirklich starker Roman, den ich sehr empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Ganz okay, aber kein Highlight

Open Hearts
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Der Roman „Open Hearts“ von Roxy Dunn, erschienen im Pola Verlag, erzählt eine Geschichte rund um das Thema Polyamorie bzw. offene Beziehung/offene Ehe und behandelt das Leben einer Frau, die sich selbst ...

Der Roman „Open Hearts“ von Roxy Dunn, erschienen im Pola Verlag, erzählt eine Geschichte rund um das Thema Polyamorie bzw. offene Beziehung/offene Ehe und behandelt das Leben einer Frau, die sich selbst sucht.

Misty fällt aus allen Wolken, als ihr Partner die Verlobung aufhebt und sich von ihr trennt. Schnell stürzt sie sich wieder ins Dating Leben und lernt Christopher kenne, der allerdings in einer offenen Ehe lebt und dementsprechend keine monogame Bindung eingehen möchte. Schnell findet sich Misty in einer Situation wieder, in der sie ihre bisherige Vorstellung von Beziehungen und Liebe hinterfragt. Nach und nach werden die Gefühle zu Christopher immer intensiver und sie sich fragt sich: Was möchte ich eigentlich?

Ich mag es, wenn Bücher Diversität beleuchten und einen Diskussionsraum für gesellschaftliche Themen erschaffen. So hat „Open Hearts“ inhaltlich erstmal eine Grundlage gesetzt, die mich interessiert hat. Was mir jedoch nicht gefallen hat, war die Dynamik zwischen Misty und Christopher. Um als aufklärendes Beispiel für eine potenzielle Poly-Beziehung zu stehen, hatte diese mir zu viele „toxische“ Tendenzen und spielt stereotypischen Vorurteilen von offenen Beziehungen so in die Karten. So hatte ich oft das Gefühl Misty passt sich Christophers Erwartungen an und wird auch nur dann für ihn interessant, wenn sie seinen Ansprüchen gerecht wird. Mistys Bedürfnisse bleiben dabei meistens zweitrangig. Auch herrschte eine seltsame Hierarchie innerhalb der Beziehung, bei der Christopher ständig auf einem Podest stand und die „Richtung“ vorgegeben hat. Natürlich ist es realistisch, dass solche Verhaltensmuster eben in allen Beziehungsmodellen vorkommen können, aber dann hätte ich mir ein anderes Gesamtkonzept/ einen anderen Aufbau der Geschichte gewünscht.
Das letzte Drittel fand ich inhaltlich am stärksten, da Misty beginnt ihre eigenen Wünsche zu priorisieren und einen „gesünderen“ Weg einschlägt, der auf Selbstverwirklichung setzt statt auf zwischenmenschliche Abhängigkeit.
Schreibstil und Aufbau des Buches haben mir aufgrund der Leichtigkeit beim Lesen sehr gut gefallen. Für Zwischendurch finde ich das Buch durchaus lesenswert, auch wenn es für mich persönlich kein Highlight war.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Fernweh vorprogrammiert

Hidden Japan
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„Hidden Japan“ ist das richtige Buch für alle Menschen, die Einblicke in andere Kulturen mögen und sich von Tokyos Schönheit verzaubern lassen wollen. Man findet hier verschiedene wissenswerte Informationen ...

„Hidden Japan“ ist das richtige Buch für alle Menschen, die Einblicke in andere Kulturen mögen und sich von Tokyos Schönheit verzaubern lassen wollen. Man findet hier verschiedene wissenswerte Informationen über japanische Traditionen, Tipps für die Reise, sehenswerte Orte, Empfehlungen für Cafés usw. Ein moderner Reiseführer, der absolute Reiselust in mir geweckt hat und mir die Schönheit Japans gezeigt hat. Ich werde dieses Buch definitiv weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Im Wirbel des Lebens

Salto
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Im Roman „Salto“ von Kurt Prödel, erschienen bei park x ullstein, fängt der Autor die aufregende Zeit nach dem Abitur ein und zeigt auf wie schwere Krankheiten oft mit großen Plänen kollidieren.

Jetzt ...

Im Roman „Salto“ von Kurt Prödel, erschienen bei park x ullstein, fängt der Autor die aufregende Zeit nach dem Abitur ein und zeigt auf wie schwere Krankheiten oft mit großen Plänen kollidieren.

Jetzt beginnt es endlich. Das Leben. Das „richtige“ Leben. Das ist es was Marko denkt, denn so oft wie man diesen Satz nach dem Ende der Schulzeit hört, muss ja was dran sein oder? Also stolpert er in dieses neue, richtige Leben mit Studienplatz im Ausland und Nebenjob bei Mcces und wird bevor er richtig durchstarten kann vom Schicksal umgehauen. Auch Claire, Markos Exfreundin, will endlich in den Genuss vom bedeutungsvollen „Danach“ kommen, doch auch sie wird schnell von ihrer eigenen Psyche ausgebremst.
Kurt Prödels Schreibstil ist eindrucksvoll und durch eine Tiefe gekennzeichnet, die ständig zwischen den Zeilen lauert. Er schafft es die beängstigende Realität von Marko und Claire so intensiv darzustellen, dass ich richtig mitfühlen konnte. Gerade die Abschnitte, in denen Claires Schübe thematisiert wurden, waren wirklich heftig zu lesen. Auch inhaltlich konnte das Buch noch überzeugen, wenn es auch ein paar Stellen gab die mir etwas zu überspitzt und konstruiert waren. Außerdem hätte ich mir noch mehr Aufklärung und medizinisches Wissen über Claires Diagnose gewünscht.
Kurt Prödels Coming-of-Age-Roman bleibt definitiv im Kopf hängen. Es ist eine Geschichte über zerbrochene Pläne, vorsichtige Neuanfänge und dem großen, richtigen Leben, welches sich davor, danach und dazwischen abspielt.

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Veröffentlicht am 18.02.2026

Willkommen im Club

Kein Bock Club
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„Kein Bock Club“ von Maria Popov, erschienen bei Kiwi Space, ist eine feministische Kampfansage gegen die tief verankerten allonormativen Erwartungen unserer Gesellschaft.

Bis heute überdauert die Annahme, ...

„Kein Bock Club“ von Maria Popov, erschienen bei Kiwi Space, ist eine feministische Kampfansage gegen die tief verankerten allonormativen Erwartungen unserer Gesellschaft.

Bis heute überdauert die Annahme, dass jeder „normale“ Mensch sexuell aktiv ist und sich „ausleben“ möchte. Tut man dies nicht, egal ob vorübergehend oder dauerhaft, wertet die Gesellschaft dieses Verhalten schnell als „Abweichung“ der „Norm“. Die Autorin zeigt auf warum dieses Denken problematisch ist, Individualität einschränkt und mit dem Patriarchat verbunden ist. In ihrem Buch räumt sie mit Vorurteilen auf, bricht mit veralteten Klischees und schafft einen Raum für sexuelle Selbstbestimmung, die nicht auf gesellschaftlichem Druck basieren darf.
Besonders gefallen haben mir die vielen Informationen rund um das Thema Asexualität. Der Gedanke, dass nicht automatisch etwas „wegfällt“, wenn man Sex teilweise oder ganz aus dem Leben streicht, sondern stattdessen Raum für andere Formen der Intimität entsteht, fand ich besonders spannend. Auch oder gerade, wenn man sich (wie ich) nicht auf dem asexuellen Spektrum bewegt, kann man hier unglaublich viel mitnehmen und lernen.
Beim Lesen merkt man, wie gut recherchiert wurde. So stützt die Autorin ihre Aussagen immer wieder mit Studien oder auch kulturellen Fakten. Mir hat „Kein Bock Club“ viel neues Wissen vermittelt, zur Selbstreflexion ermutigt und eine Tür zu alternativen Denkweisen geöffnet.
Ein großartiges Buch, welches noch lange nachhallen wird! Natürlich gibt es von mir eine ganz klare Leseempfehlung.

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