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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.07.2026

Der Trad-Wife-Albtraum

Yesteryear
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„Yesteryear“ von Caro Claire Burke, beschäftigt sich mit dem aktuellen „Tradwife“-Phänomen, welches vorallem durch die sozialen Medien verbreitet wurde. Im Zentrum der Geschichte steht eine „christliche“ ...

„Yesteryear“ von Caro Claire Burke, beschäftigt sich mit dem aktuellen „Tradwife“-Phänomen, welches vorallem durch die sozialen Medien verbreitet wurde. Im Zentrum der Geschichte steht eine „christliche“ Frau, die sich ein „traditionelles“, konservatives Leben wünscht. Im Laufe des Buches erfährt man als Leser:in wie die Protagonistin versucht sich diesen Traum zu erfüllen, indem ihr bisheriger Lebensweg rekonstruiert wird.
Uff.. was für ein Buch. Mich hat „Yesteryear“ ab Seite 1 in den Bann gezogen und dafür gesorgt, dass ich immer weiterlesen wollte. Ich wusste bis zum Schluss nicht so ganz was genau es mit den wechselnden Perspektiven auf sich hat. Das Ende hat mich dann echt umgehauen und rückblickend wirkt das ganze Buch wie ein Fiebertraum. Aber auf eine wichtige und gute Art und Weise, weil es immer wieder den Finger in eine Wunde legt, die man nicht ignorieren sollte. Nämlich der Anstieg rechter Ideologien, scheinbarer „alternativen“ Realitäten hinter denen Faschismus und patriarchale Ausbeutung steckt.
„Yesteryear“ schafft es an den richtigen Stellen zu schocken. Dadurch wird die im Buch dargestellte Tradwife-Ideologie nicht einfach nur entromantisiert sondern auch als Teil eines größeren, gesellschaftlichen Problems dargestellt. Abgesehen von dem starken Inhalt konnte mich das Buch auch mit seinem Schreibstil überzeugen. Die Autorin schafft es Spannung zu erzeugen und die Lesenden abzuholen. Ich denke, Bücher wie dieses brauchen wir aktuell ganz besonders. Denn hier wird aufgezeigt in welche falschen Richtungen sich scheinbar harmlose Lebensmodelle entwickeln können, wenn sie unreflektiert propagiert werden. Gerade auf Social Media, wo der Trad Wife Lifestyle romantisiert wird. Ein wirklich schlaues, extrem wichtiges Buch und ein absolutes Jahreshighlight für mich.

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Veröffentlicht am 21.07.2026

Märchenhaft und düster

Ein Haus aus Salz und Tränen
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In „Ein Haus aus Salz und Tränen“, von Erin A. Craig, erschüttert eine Reihe rätselhafter Todesfälle die Familie Thaumas und fordert das Leben mehrerer Schwestern. Annaleigh, eine der wenigen Überlebenden, ...

In „Ein Haus aus Salz und Tränen“, von Erin A. Craig, erschüttert eine Reihe rätselhafter Todesfälle die Familie Thaumas und fordert das Leben mehrerer Schwestern. Annaleigh, eine der wenigen Überlebenden, beginnt den geheimnisvollen Umständen hinter dem Tod ihrer Schwester Eulalie nachzugehen, um das düstere Geheimnis ihrer Familie zu lüften. Als Gerüchte um einen möglichen Fluch laut werden und Annaleigh von schrecklichen Albträumen geplagt wird, beginnen Realität und Illusion zu verschwimmen.
Wenn man düstere Geschichten mag, die gleichzeitig märchenhaft und gruselig sind, ist man bei diesem Buch genau richtig. Durchgehend herrscht eine intensive, schaurige Stimmung und auch die verschiedenen Kulissen passen zu dieser Atmosphäre. Wenn man keinen Spice in Büchern mag, dann ist man hier ebenfalls gut aufgehoben. Es gibt zwar eine Liebesgeschichte, diese kommt aber ohne explizite Szenen aus.
Mir hat „Ein Haus aus Salz und Tränen“ richtig gut gefallen, auch wenn ich das Ende und die Auflösung ein kleines bisschen zu rund fand. Hier hätte ich mir etwas mehr von der restlichen Stimmung des Buches gewünscht. Ich finde die Geschichte eignet sich perfekt um sie während Halloween bzw. im Herbst zu lesen, wenn es draußen kühl und stürmisch ist. Für mich war es definitiv ein Highlight, von dem ich glaube, dass es einigen gefallen könnte.

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Veröffentlicht am 14.07.2026

Konnte mich leider nicht überzeugen

Pause
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„Pause“ von Lena Kupke, erschienen im dtv Verlag, erzählt die Geschichte einer Protagonistin, die aufgrund von Panikattacken und mentalen Problemen vorübergehend zurück zu ihren Eltern zieht. Hier wird ...

„Pause“ von Lena Kupke, erschienen im dtv Verlag, erzählt die Geschichte einer Protagonistin, die aufgrund von Panikattacken und mentalen Problemen vorübergehend zurück zu ihren Eltern zieht. Hier wird sie mit der Beziehung zu ihrer Familie, inneren Konflikten und den angsterfüllten Blick in die Zukunft konfrontiert.
Tatsächlich waren meine Erwartungen an „Pause“ aufgrund de vielen positiven Rezensionen relativ hoch. Ich habe mit einer Geschichte über Selbstfindung und psychische Gesundheit gerechnet, habe aber leider eher einen sehr chaotischen Einblick in ein Familienleben bekommen, den ich überhaupt nicht greifen konnte. Obwohl ich viele Ansätze gut beschrieben fand, konnte ich insgesamt keinen Zugang zum Buch finden und fand viele Gespräche sehr sehr ermüdend. Es blieben auch häufig einfach nur Ansätze, denn mir hat bei vielen Themen wie zb den Panikattacken der Prota die Tiefe gefehlt. Es wurde nur oberflächlich behandelt ohne eine gewisse Einordnung.
Mit der Prota konnte ich mich zusätzlich auch irgendwie gar nicht identifizieren, obwohl viel der geschilderten Probleme ja absolut nachvollziehbar waren. Trotzdem blieb sie mir irgendwie fern und teils auch leider unsympathisch (aber auf keine gute Art und Weise).
Oft fand ich die Gespräche auch sehr hektisch und anstrengend zu lesen, was mich irgendwann schon echt genervt hat. Ich denke, aber das Buch kann für andere Leute durchaus gut funktionieren. Ich persönlich habe einfach keinen Zugang gefunden und würde „Pause“ deswegen eher nicht weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Zart, melancholisch & sommerlich

Weißer Sommer
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''Weißer Sommer'' von Eva Pramschüfer erzählt die Geschichte einer Beziehung, die erst aufblüht und sich dann im Erwachsenwerden verfängt. Es geht um die schmerzliche Erkenntnis, dass Liebe allein oft ...

''Weißer Sommer'' von Eva Pramschüfer erzählt die Geschichte einer Beziehung, die erst aufblüht und sich dann im Erwachsenwerden verfängt. Es geht um die schmerzliche Erkenntnis, dass Liebe allein oft nicht ausreichend ist. Ums sich Finden und dann wieder Loslassen müssen. Ums ''Wer bin ich und wer will ich sein?''.

Besonders bemerkenswert fand ich den unglaublich schönen Schreibstil, der mit seiner malerischen Detailverliebtheit überzeugen konnte. Die Autorin spielt mit Worten als wären es feine Pinselstriche und erschafft somit lebhafte Kulissen, intensive Gespräche und charakterstarke Figuren. Die verschiedenen Lebensrealitäten der einzelnen Protagonistinnen wurden überzeugend transportiert. Dabei behandelt das Buch auch gesellschaftliche Themen wie z.B: Klassismus. So zeigt das Buch auf wo finanzielle Mittel, den Unterschied machen und welches Privileg es ist seinem Lebenstraum nacheifern zu können wie Alma, während Theo nicht die selben Möglichkeiten hat. Ich hätte mir hier noch mehr Einblicke und Kapitalismuskritik gewünscht.

Das Ende fand ich traurig, aber nachvollziehbar und realistisch. Ein klassisches Happy Ende wäre aus meiner Sicht nicht passend gewesen und hätte der Geschichte die Wucht genommen. So aber, zeigte die Geschichte auf, dass eine Beziehung eine Entscheidung ist, für die man sich trotz vorhandener Liebe nicht immer entscheiden kann. Die Priorisierung des eigenen Glücks seitens der Protas fand ich sehr gelungen.

Ein wunderschönes, stellenweise auch melancholiches Buch über einen letzten Sommer voller Sehnsucht, Entscheidungen und dem schmerzhaften Blick in eine ungewisse Zukunft. Ich kann das Buch definitiv weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Female Rage trifft auf dunkle Magie

Ein unheimlich guter Mensch
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Im Buch „Ein unheimlich guter Mensch“ von Kirsten King, erschienen im Ecco Verlag, steht eine Situationship im Mittelpunkt, die vielen Frauen, die Männer daten (oder in der Vergangenheit gedatet haben), ...

Im Buch „Ein unheimlich guter Mensch“ von Kirsten King, erschienen im Ecco Verlag, steht eine Situationship im Mittelpunkt, die vielen Frauen, die Männer daten (oder in der Vergangenheit gedatet haben), vermutlich vertraut vorkommen wird. Henry ist dieser Typ, der sich nur dann meldet wenn er was braucht (meistens Sex), der am liebsten sich selbst sprechen hört & dem der Egoismus (dank des Patriarchats) bereits in die Wiege gelegt wurde. Lilian, die all dies auszublenden scheint, möchte mehr. Sie will mit Henry zusammenkommen, zusammenziehen, am besten sofort heiraten.
Umso schockierter ist Lilian, als Henry die „Beziehung“ beendet. Das kann und will sie nicht auf sich sitzen lassen und belegt ihn aus einer Laune heraus und nach vielen Drinks mit einem Rachezauber. Als Henry schließlich tot aufgefunden wird, beginnt Alles aus dem Ruder zu laufen.

Mir hat die Geschichte rund um Lilian richtig gut gefallen. Als Protagonistin verkörpert sie eine Wut, die sehr viele Frauen kennen. Bewusst überspitzt und bösartig gezeichnet, bricht Lilian mit dem was die Gesellschaft von Frauen erwartet. Sie passt sich nicht an, geht über moralische Grenzen und verkörpert eine „Female Rage“-Prota, die wir in der Literatur dringend brauchen.
Besonders eindrücklich fand ich die Darstellung des sexuellen Übergriffs. Solche Übergriffe werden in Medien und öffentlichen Diskussionen noch immer viel zu selten thematisiert, obwohl sie sehr häufig vorkommen. Oft ist es eben nicht der unbekannte Täter, sondern jemand aus dem eigenen Umfeld oder eine Person, zu der gerade Vertrauen aufgebaut wird. Gerade diese Situationen sind oft schwer einzuordnen, sodass Betroffene wie Lilian nicht immer sofort erkennen, dass ein Übergriff stattgefunden hat.
Gerne hätte ich noch mehr zu dem Rachezauber oder Flüchen generell erfahren. Die „Wellness-Hexe“ hätte gerne noch mehr Raum bekommen können.
Insgesamt ein wirklich gutes Buch, welches ich definitiv empfehlen kann.

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