Heimat im Herzen, Krieg im Rücken
Zugwind„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die ...
„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die lähmende Angst, aber auch über das Aufkeimen von Hoffnung.
Inhaltlich begleitet man die ukrainische Hausärztin Mira bei ihrer täglichen Arbeit und ihrem Alltag mit ihrer Familie, während in ihrem Heimatland Krieg herrscht. Dabei gibt das Buch viele Einblicke in Miras Gedanken, die von ihren Gefühlen erschlagen wird. Zwischen Trauer, Angst, Wut & Verzweiflung versucht Mira ihr Leben weiterzuführen, für ihre Familie (besonders die Tochter) da zu sein und nicht aufzugeben.
Das Buch kennzeichnet sich durch einen intensiven, rohen Schreibstil. Wie ein literarisches Ventil für all den Schmerz, der verarbeitet werden muss. Was ich hier besonders authentisch fand, war die Darstellung der vielen verschiedenen Geschichten von Geflüchteten (meistens Patient:innen von Mira), die aufzeigen wie schwer es ist in einem fremden Land anzukommen, wenn das Herz sich nach der Heimat sehnt.
„Zugwind“ ist dabei kein Buch was man mal ebenso „weglesen“ kann. Der Schreibstil hat mich stellenweise definitiv gefordert. Aber vielleicht ist auch genau das, ein wichtiger Aspekt des Buches. Es muss nicht „gemütlich“ und leicht lesbar sein. Es muss echt sein. Dabei zeigt der Roman immer wieder auf wie kompliziert, wirr und oft auch ermüdend es für die Protagonistin ist, am Leben und der Hoffnung festzuhalten, wenn jeden Tag neue schreckliche Meldungen aus der Ukraine kommen.
Ein wirklich starker Roman, den ich sehr empfehlen kann.