Comfort Read mit Substanz
HomesickWorum geht’s?
Mara erbt eine kleine Summe und will sich dafür eine Wohnung in London kaufen. Ihr Freund Tom ist allerdings noch unschlüssig, ob er mit einziehen möchte. Denn er hängt sehr an seiner Heimat ...
Worum geht’s?
Mara erbt eine kleine Summe und will sich dafür eine Wohnung in London kaufen. Ihr Freund Tom ist allerdings noch unschlüssig, ob er mit einziehen möchte. Denn er hängt sehr an seiner Heimat und auch beruflich ist er völlig am Limit. Das stellt auch ihre Beziehung vor eine neue Herausforderung.
Wie war’s?
Ich habe Homesick als tollen Read für zwischendurch empfunden. Silvia Saunders schreibt leicht, flüssig und humorvoll und durch die kurzen Kapitel hat man schnell mehr gelesen als geplant.
Thematisch ist das Buch sehr aus dem Leben gegriffen. Es geht um alltägliche Probleme, die jede kennt: Probleme bei der Wohnungssuche, mit den Nachbarn oder Mitbewohnern und auch Alltagssexismus. Das lässt sich so gut nachempfinden.
Was mir auch gefällt, ist das Aufgreifen einer psychischen Erkrankung bei Tom als Mann. Hier ist es mal die Frau, die die Stütze ist, während der Mann seine Emotionen zeigen darf.
Durch Themen wie Depression oder Alltagssexismus bekommt das Buch eine gewisse Tiefe. Es geht jedoch nicht darum Lösungen dafür zu finden, sondern vielmehr diese Themen sichtbar zu machen. Mara empfand ich als Protagonistin in ihrem Verhalten sehr nachvollziehbar. Sie sieht sich mit all diesen Problemen konfrontiert und ist damit auch ein wenig überfordert. Für den einen vielleicht Charakterschwäche, für mich sehr authentisch, denn wie oft denken wir selbst im Alltag im Nachhinein: Hättest du mal auf diese oder jene Art reagiert…?
Mit Fortschreiten der Handlung steht die Beziehung zwischen Mara und Tom mehr im Fokus. Das hätte ich in der Form nicht gebraucht. Dennoch gefällt mir, wie wertschätzend die Autorin dies umgesetzt hat. Dadurch hat Tom als Nebencharakter viel Tiefe bekommen. Eine Szene mit den beiden ist bei mir besonders hängen geblieben.
Homesick ist kein super tiefgründiges Buch, aber dennoch ein Buch mit Substanz, das einen darüber nachdenken lässt, was man eigentlich braucht, um sich zu Hause zu fühlen.