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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Carrie Soto des Eiskunsttanzes

The Favourites
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Worum geht’s?

Seit Katarina ihr Idol Sheila Lin das erste Mal Eiskunsttanzen gesehen hat, war für sie klar: So erfolgreich will sie auch werden. Genauso klar war für sie, wer ihr Partner ist: Ihr kindheitsfreund ...

Worum geht’s?

Seit Katarina ihr Idol Sheila Lin das erste Mal Eiskunsttanzen gesehen hat, war für sie klar: So erfolgreich will sie auch werden. Genauso klar war für sie, wer ihr Partner ist: Ihr kindheitsfreund Heath. Während jedoch für Heath Kat an erster Stelle steht, ist es für Kat das Ziel Olympia. Und dann ist da noch die Konkurrenz…

Wie war’s?

The Favourites lag eine ganze Weile auf meinem Sub, obwohl ich der felsenfesten Überzeugung war, dass ich sehr gerne lesen werde. Nun war es endlich so weit und ich habe es regelrecht verschlungen. Der Aufbau war ziemlich genial. Jedes Kapitel beginnt mit Interview-Ausschnitten und kurzen Beschreibungen von Filmausschnitten wie in einer Reportage oder Doku. Anschließend folgt die Handlung aus Katarinas Sicht. Das lässt die gesamten Geschehnisse derart real wirken, dass man das Gefühl hatte in der Welt des Eiskunsttanzes direkt dabei zu sein. Und woran erinnert das wiederum? Ganz klar, an Taylor Jenkins Reid. Für mich ist sie die Meisterin darin ihre fiktiven Handlungen absolut real wirken zu lassen (Habe ich schon mal erwähnt, dass ich ihre Bücher liebe?). Das gilt auch für die Charaktere. Katarina ist getrieben von Ehrgeiz und kämpft sich von ganz unten nach ganz oben. Dabei ist sie nicht unbedingt eine besonders sympathische Protagonistin, aber eine sehr authentische mit Ecken und Kanten. Katarina ist quasi die Carrie Soto des Eiskunsttanzes.

Layne Fargo weiß außerdem, wie man den Spannungsbogen aufrecht erhält. Die Kapitel sind kurz und enden durchweg so, dass man am Ende immer wieder denkt „Okay, ein Kapitel muss ich noch lesen. Ich will jetzt wissen, was passiert.“ Ich wurde unterhalten und das ziemlich gut, denn ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Und obwohl die Skandale und Dramen präsent sind, geht es insgesamt doch um die Entwicklung von Katarina, ihre Beziehung zu Heath (die intensiv, kompliziert und auch toxisch ist) und die Frage, was der Erfolg wert ist. Und dann das Ende … puh!

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Charaktergetriebene Erzählung mit Tiefgang

Open Hearts
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Worum geht’s?

Nach der Trennung von ihrem Verlobten zieht Misty wieder bei ihrer Mutter ein und weiß zunächst gar nicht mehr, wo sie im Leben steht, was sie erwartet, was sie selbst will. Um das Herauszufinden, ...

Worum geht’s?

Nach der Trennung von ihrem Verlobten zieht Misty wieder bei ihrer Mutter ein und weiß zunächst gar nicht mehr, wo sie im Leben steht, was sie erwartet, was sie selbst will. Um das Herauszufinden, meldet sie sich auf einer Dating-App an und lernt Christopher kennen. Christopher lebt in einer offenen Beziehung, etwas dass sich Misty so gar nicht vorstellen kann. Dennoch lässt sie sich auf dieses Experiment ein.

Wie war’s?

Open Hearts war für mich kein klassischer Page Turner, sondern eher eine Geschichte, die man langsam verdaut und noch nachhallt.

Roxy Dunn schreibt wunderbar schnörkellos. Sie verliert sich nicht in Beschreibungen, sondern trifft den Kern und das immer wieder mit einer Prise Humor. Ein interessantes gestalterisches Merkmal, das Dunn nutzt, ist der regelmäßige Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede in den Dialogen. Während dies dem Schreibstil eine ganz eigene, beinahe beobachtende Note verleiht, hat es für mich persönlich an einigen Stellen eine kleine Distanz zum Geschehen aufgebaut, an denen ich mir mehr Unmittelbarkeit gewünscht hätte.

Misty und ihre Suche nach dem „Mehr“ im Leben bilden das Herzstück. Ich mochte sie als Protagonistin sehr gerne. Sie ist ehrlich, aufgeschlossen, klug und reflektiert. Insofern hat es mich fast schon etwas traurig gemacht, dass sie Christopher auf ein kleines Podest stellt und sich im Vergleich immer wieder klein macht.

Christopher dagegen wirkt eher kontrolliert, beinahe professionell. Dadurch ist die Beziehung zwischen den beiden für mich nicht immer greifbar. Für die Geschichte selbst ist es jedoch nicht schlimm, da es nicht die Romantik ist, die Vordergrund steht, sondern vielmehr die individuellen Gefühle, die emotionale Abhängigkeit, die Machtstrukturen in dem Beziehungsgeflecht zwischen Misty, Christopher und seiner Partnerin Sara und das Wachsen an sich selbst. Es ist also Mistys Entwicklung, die klar im Fokus steht und meiner Meinung nach zum Ende sehr gelungen und glaubwürdig ist. Was mir besonders gefällt, ist dass gängige gesellschaftliche Konventionen hinterfragt werden. Es gibt kein richtig oder falsch und keine Beziehungsform wird romantisiert oder verurteilend dargestellt.

Open Hearts ist für mich ein Roman über Selbstfindung und die Komplexität von Beziehungen. Wer charaktergetriebene Erzählungen und ein ruhiges Erzähltempo mag, wird hier auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Kann es mit Fourth Wing aufnehmen

Heat of the Everflame
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Worum geht’s?

Um nicht zu spoilern, verzichte ich auf eine Zusammenfassung, da es sich um Band 3 der Reihe handelt.

Wie war’s?

Penn Cole hat eine Welt erschaffen, die mich von Beginn an gefesselt hat. ...

Worum geht’s?

Um nicht zu spoilern, verzichte ich auf eine Zusammenfassung, da es sich um Band 3 der Reihe handelt.

Wie war’s?

Penn Cole hat eine Welt erschaffen, die mich von Beginn an gefesselt hat. Das Worldbuilding und Magiesystem bauen sich über die Reihe immer weiter auf und in diesem Band bekommen wir endlich tiefere Einblicke in die übrigen Länder Emarions.

Politik, Intrigen, das Magiesystem und der anschwellende Krieg spielen eine große Rolle und es passieren Dinge, mit denen ich niemals gerechnet hätte! All das bekommt Raum, um sich langsam aufzubauen. Das mag möglicherweise für die ein oder andere zwischenzeitig etwas langatmig sein, ich finde es aber absolut passend. Alles bekommt Zeit zu wachsen, nichts wird überstürtzt. Insbesondere die Komplexität der Welt und des gesellschaftlichen Zwiespalts zwischen den Mortals und den Decended wird so sehr nachvollziehbar dargestellt. Man merkt schnell, dass sich nichts einfach in richtig und falsch, schwarz und weiß einteilen lässt.

Das gleiche gilt auch für Diems Entwicklung, der viel Raum gegeben wird. Sie ist trotz ihrer Selbstzweifel eine starke Protagonistin, die sich mit allem, was ihr möglich ist für Gerechtigkeit einsetzt. Diem ist dadurch eine Protagonistin, die Female Rage meiner Meinung nach ziemlich gut beschreibt. ;)

Und weil das Ganze trotz des wahnsinnig gut ausgearbeiteten Settings eine Romantasy ist, darf natürlich auch der Romance-Part nicht fehlen. Wenn ihr Slow-Burn mögt, kommt ihr hier voll auf eure Kosten, denn erst in Band 3 baut sich die Beziehung richtig aus. Allerdings ohne die Story in den Hintergrund zu drängen. Das liebe ich! Und der Love-Interest (den ich mal nicht beim Namen nenne) kann es problemlos mit Xaden oder Rhysand aufnehmen! Er unterstützt Diem bedingungslos und hat absolut kein Problem damit, dass seine Partnerin stärker und mächtiger ist als er selbst.

Seit Fourth Wing hat es kaum ein Buch geschafft mich so sehr in seinen Bann zu ziehen. Gebt der Reihe also unbedingt eine Chance! 😊

Ein Kritikpunkt am Rande, der jedoch das Korrektorat betrifft: Genau wie schon in Band 1, sind mir auch in diesem jede Menge Fehler aufgefallen. Das kommt vor, in der Fülle finde ich es allerdings sehr schade, weil es den Lesefluss ausbremst.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Wie viel Schmerz gehört uns? Wie viel haben wir geerbt?

Evil Eye
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Worum geht’s?

Yara lebt als Tochter palästinensischer Einwanderer in den USA und führt nach außen hin ein perfektes, selbstbestimmtes Leben: ein liebevoller Ehemann, zwei tolle Töchter und ein guter Job. ...

Worum geht’s?

Yara lebt als Tochter palästinensischer Einwanderer in den USA und führt nach außen hin ein perfektes, selbstbestimmtes Leben: ein liebevoller Ehemann, zwei tolle Töchter und ein guter Job. Das zumindest bekommt sie von ihrem familiären Umfeld immer wieder zu hören. Aber unter der Oberfläche brodelt es. Nach und nach beginnt die Fassade zu bröckeln und die Geister ihrer Vergangenheit holen Yara ein.

Wie war’s?

Auf dieses Buch habe ich mich schon sehr gefreut. Es ist ein Schrei nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Etaf Rum schreibt schonungslos ehrlich über wichtige Themen wie Depressionen, kulturelle Erwartungen, familiäre Traumata und den Mut, die es braucht, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Das allein hat mich schon sehr bewegt.

Mit Yara hat sie außerdem eine Protagonistin geschaffen, die mich nicht loslässt und die ich gerne zwischendurch in den Arm genommen hätte. Sie ist getrieben von tiefsitzenden Selbstzweifeln, die aus ihrer Kindheit herrühren und einer Erschöpfung, die über Generationen weitergereicht wurde. Und gleichzeitig versucht sie die perfekte Tochter und Ehefrau zu sein.

Aber trotz allem ist Yara eine Kämpfern. Sie setzt sich für ihre Freiheit, für ihre Selbstbestimmung, für ihre Heilung ein und macht ihrer Wut zunehmend Luft. Somit hat mir das Buch immer wieder ziemliche Female Rage Vibes gegeben. Durch Rückblicke und Tagebucheinträge bekommt man einprägsame Einblicke in Yaras Kindheit, die es mir leicht gemacht haben ihre Beweggründe nachzuvollziehen.

Beeindruckt hat mich auch, wie Etaf Rum es gelingt, die Komplexität kultureller Unterschiede darzustellen und dabei so soghaft und klar zu schreiben, dass ich oft das Gefühl hatte mittendrin zu sein.

Es ist nicht immer leichte Kost, aber jede Seite wert!

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Wichtige Message, teilweise etwas zu plakativ

Please unfollow
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Worum geht’s?

Sherry wächst bei einem Elternpaar auf, das ihr ganzes Leben öffentlich auf Social Media darstellt. Umso älter Sherry wird, umso mehr wird es für sie zum Problem. Als sie sich nicht mehr ...

Worum geht’s?

Sherry wächst bei einem Elternpaar auf, das ihr ganzes Leben öffentlich auf Social Media darstellt. Umso älter Sherry wird, umso mehr wird es für sie zum Problem. Als sie sich nicht mehr anders zu helfen weiß, eskaliert sie und findet sich in einer Einrichtung für straffällig gewordene Jugendliche wieder. Hier scheint sie keiner zu erkennen und das ermöglicht ihr ganz neue Erfahrungen.

Wie war’s?

Das Thema ist total aktuell. Die Kindheit als Content zu vermarkten ist schon krass und dennoch nicht aus der Luft gegriffen. Was das für ein Kind bedeuten kann, können wir in diesem Buch eindringlich miterleben. Das hat mich zwischendurch schon wütend und auch immer wieder sprachlos gemacht. Sherrys Eltern sind dermaßen egozentrisch und kein bisschen empfänglich für die Wünsche und Privatsphäre ihrer Tochter, da kann man nur den Kopf schütteln. Es will gar nicht in meinen Kopf, dass es solche Eltern tatsächlich geben kann.

Die Rückblicke waren für mich tatsächlich die spannendsten Momente im Buch. Man erfährt, was Sherry in ihrem Leben erdulden musste und gleichzeitig schockieren diese Szenen durch die Verhaltensweisen der Eltern und die Kommentare unter den geposteten Videos.

Die Szenen in der Gegenwart waren mir dagegen etwas zu langatmig. Langezeit war mir auch nicht klar, wohin die Reise gehen soll. Gewünscht hätte ich mir außerdem ein bisschen mehr Tiefgang in Bezug auf das Umfeld gewünscht. Gerade in der Schule ist doch offensichtlich, dass es Sherry nicht gut geht, dass sie keine Freunde hat, dass sie ausgegrenzt wird. Und wirklich niemand sucht das Gespräch mit ihr, nimmt sie ernst, sieht das problematische Verhalten der Eltern? Dennoch lässt sich das Buch, nicht auch zuletzt dank des leichten, unkomplizierten Schreibstils, gut und schnell lesen.

Please Unfollow ist kein Pageturner, aber ein Buch mit einer wichtigen Message. In der Umsetzung bleibt es mir häufig jedoch zu schwarz-weiß.

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