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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.04.2026

Comfort Read mit Substanz

Homesick
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Worum geht’s?
Mara erbt eine kleine Summe und will sich dafür eine Wohnung in London kaufen. Ihr Freund Tom ist allerdings noch unschlüssig, ob er mit einziehen möchte. Denn er hängt sehr an seiner Heimat ...

Worum geht’s?
Mara erbt eine kleine Summe und will sich dafür eine Wohnung in London kaufen. Ihr Freund Tom ist allerdings noch unschlüssig, ob er mit einziehen möchte. Denn er hängt sehr an seiner Heimat und auch beruflich ist er völlig am Limit. Das stellt auch ihre Beziehung vor eine neue Herausforderung.

Wie war’s?
Ich habe Homesick als tollen Read für zwischendurch empfunden. Silvia Saunders schreibt leicht, flüssig und humorvoll und durch die kurzen Kapitel hat man schnell mehr gelesen als geplant.

Thematisch ist das Buch sehr aus dem Leben gegriffen. Es geht um alltägliche Probleme, die jede kennt: Probleme bei der Wohnungssuche, mit den Nachbarn oder Mitbewohnern und auch Alltagssexismus. Das lässt sich so gut nachempfinden.
Was mir auch gefällt, ist das Aufgreifen einer psychischen Erkrankung bei Tom als Mann. Hier ist es mal die Frau, die die Stütze ist, während der Mann seine Emotionen zeigen darf.

Durch Themen wie Depression oder Alltagssexismus bekommt das Buch eine gewisse Tiefe. Es geht jedoch nicht darum Lösungen dafür zu finden, sondern vielmehr diese Themen sichtbar zu machen. Mara empfand ich als Protagonistin in ihrem Verhalten sehr nachvollziehbar. Sie sieht sich mit all diesen Problemen konfrontiert und ist damit auch ein wenig überfordert. Für den einen vielleicht Charakterschwäche, für mich sehr authentisch, denn wie oft denken wir selbst im Alltag im Nachhinein: Hättest du mal auf diese oder jene Art reagiert…?

Mit Fortschreiten der Handlung steht die Beziehung zwischen Mara und Tom mehr im Fokus. Das hätte ich in der Form nicht gebraucht. Dennoch gefällt mir, wie wertschätzend die Autorin dies umgesetzt hat. Dadurch hat Tom als Nebencharakter viel Tiefe bekommen. Eine Szene mit den beiden ist bei mir besonders hängen geblieben.

Homesick ist kein super tiefgründiges Buch, aber dennoch ein Buch mit Substanz, das einen darüber nachdenken lässt, was man eigentlich braucht, um sich zu Hause zu fühlen.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Was bist du bereit zu opfern?

The Poet Empress
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Worum geht’s?

Wei wächst als Bauerstochter zu Zeiten der Hungersnot auf. Als der Thronfolger Prinz Terren Konkubinen auswählt, nutzt Wei die Chance, um so ihrer Familie zu helfen. Doch Terren ist grausam ...

Worum geht’s?

Wei wächst als Bauerstochter zu Zeiten der Hungersnot auf. Als der Thronfolger Prinz Terren Konkubinen auswählt, nutzt Wei die Chance, um so ihrer Familie zu helfen. Doch Terren ist grausam und das Leben am kaiserlichen Hof geprägt von Machtspielen und Intrigen. Um zu überleben muss Wei versuchen sich hier zu behaupten.

Wie war’s?

Diese Buch hat mich wieder total getroffen. Es ließ sich super lesen, aber täuscht euch nicht: Es ist brutal, düster und greift für ein Jugendbuch einige wirklich heftige Themen auf. Checkt ggf. die Triggerwarnungen.

Das Magiesystem war vergleichsweise dezent, aber besonders. Grob geht es um Sprache und das Verfassen von Gedichten zum Wirken von Magie. Das hat mich an Babel oder Blood over Bright Haven erinnert. Es fügt sich in ein Geflecht aus patriarchalen Strukturen ein, denn nur Männern ist es erlaubt Lesen zu lernen und damit Magie wirken zu können. Es geht also viel um Politik, Macht und Intrigen. Und hier behauptet sich Wei unglaublich gut.

Denn was ich sehr erfrischend fand war, dass wir mit Wei eine Protagonistin haben, die nicht hübsch, stark oder kampferprobt ist. Sie kann noch nicht mal lesen. Aber sie ist eine Strategin. Sie wächst mit ihren Aufgaben, lernt das Spiel am kaiserlichen Hof mitzuspielen, ohne ihre eigene Identität zu verlieren. Das war eine ziemlich gut umgesetzte Charakterentwicklung!

Die große Frage, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist: Was bist du bereit zu tun? Und wie sehr bist zu bereit dich zu verändern, um zu überleben? Eigentlich sind asiatische Settings nicht so meins, aber Shen Tao hat mich hier komplett abgeholt. Die Story ist so dicht gewebt, voller Emotionen und auch immer wieder sehr tragisch, sodass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Zwischen Plattenbau-Romantik und Selbstfindung

Palastplatte
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Worum geht’s?

Henri wächst in den 80ern auf zwischen Plattenbau-Romantik, Freibadsommern und der ersten vorsichtigen Liebe zu Mo. Doch mit ihrem Vater scheint etwas nicht zu stimmen und das bringt das ...

Worum geht’s?

Henri wächst in den 80ern auf zwischen Plattenbau-Romantik, Freibadsommern und der ersten vorsichtigen Liebe zu Mo. Doch mit ihrem Vater scheint etwas nicht zu stimmen und das bringt das Familiengefüge immer wieder ins Wanken. Während Henri versucht hierbei ihren Platz in der Welt zu finden, flüchtet sie sich in Gruselgeschichten.

Wie war’s?

Dieses Buch hat sich ganz anders entwickelt, als ich es anfangs erwartet hätte. Es ist tragisch, emotional, schaurig und wunderschön zugleich.

Faszinierend fand ich vor allem die Entwicklung: Das Buch startet eher als klassischer Coming-of-Age-Roman mit vielen nostalgischen Vibes. In der zweiten Hälfte wird es aber gemeinsam mit Henri deutlich erwachsener, ernster und tiefgründiger. Es gibt viele besondere Nebenaspekte, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen und der Geschichte Charakter verleihen.

Im Grunde ziehen sich zwei wesentliche Themen durch das Buch, die natürlich mitteinander verwoben sind. Zum einen ist das die Beziehung zwischen Hernri und Mo mit allem, was an Gefühlschaos dazu gehört. Die Beziehung fand ich sehr tiefgründig und echt dargestellt und bringt auch viel Leichtigkeit mit sich.

Zum anderen ist es die familiäre Ebene, in der schwere Themen, wie die psychische Erkrankung des Vaters und die daraus resultierenden familiären Probleme aufgegriffen werden. Diese werden von Mara Floren sehr feinfühlig beschrieben. Auch die melancholische Stimmung, die sich von Anfang an durch das Buch zieht, wurde von der Autorin wirklich gut getroffen. Gerade die Geistergeschichten passen perfekt zur Stimmung.

Und dann ist da noch die Beziehung zwischen Henri und ihren Eltern, die sich sehr auf Henri und ihre Entwicklung auswirkt und erst nach und nach von ihr durchdrungen wird. Dadurch wird das Buch auf emotionaler Ebene sehr tief, aber auch schwer. Ich musste das Gelesene zwischendurch immer mal wieder sacken lassen.

Das Ende lässt mich aber schließlich mit einem wehmütigen Lächeln zurück.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Witchy Romantasy zum Wegsnacken

Her Dark Power
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Worum geht’s?

Edda gehört zu den weißen Hexen und verheimlicht daher die dunkle, unkontrollierbare Kraft, die sie immer wieder spürt. Als sie bei ihrer Initiierung ausbricht, wird sie ans Crescent College ...

Worum geht’s?

Edda gehört zu den weißen Hexen und verheimlicht daher die dunkle, unkontrollierbare Kraft, die sie immer wieder spürt. Als sie bei ihrer Initiierung ausbricht, wird sie ans Crescent College geschickt, wo schwarze Magie gelehrt wird. Dort trifft sie auf Morven, der auch ein dunkles Geheimnis hütet.

Wie war’s`?

Dieses Buch hat mich vor allem durch seine düstere Atmosphäre gleich zu Beginn in seinen Bann gezogen. Auch die Dark-Academia Vibes haben mir gefallen. Es ist kein besonders tiefgründiges Buch und auch inhaltlich wurde das Rad nicht neu erfunden. Als kleines Fantasy-Snack-Buch zwischendurch lässt es sich aber sehr gut lesen.

Edda, als Protagonistin mochte ich, besonders wie sie versucht mit ihrer neuen, dunklen Seite klarzukommen. Die Dynamik mit Morven hat mich anfangs etwas verwirrt. Es gab zwei Spice-Szenen, die meiner Meinung nach nicht notwendig gewesen wären. Mir reicht ja eine gute Tension. Mit Myr und Reik haben wir außerdem noch zwei tolle Nebencharaktere, auf die ich mich in der Fortsetzung noch freue. Da habe ich noch die ein oder andere Erwartung.

Zum Ende hin hat die Story nochmal richtig an Fahrt aufgenommen und es wurde sehr packend. Jetzt muss ich unbedingt wissen, wie es in Band 2 weiter. Der Cliffhanger war wirklich fies und ich bin direkt bereit für das Finale im Oktober.

Wer ein paar düstere witchy und Dark Academia Vibes für zwischendurch zum Wegsnacken sucht, kann hiermit auf jeden Fall nichts falsch machen. ;)

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Stell dir vor...

Der andere Arthur
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Worum geht’s?

Arthur Opp ist ein einsamer, übergewichtiger Literaturprofessor, der sein Haus nicht mehr verlässt. Sein einziger sozialer Kontakt ist eine jahrelange Brieffreundschaft mit seiner ehemaligen ...

Worum geht’s?

Arthur Opp ist ein einsamer, übergewichtiger Literaturprofessor, der sein Haus nicht mehr verlässt. Sein einziger sozialer Kontakt ist eine jahrelange Brieffreundschaft mit seiner ehemaligen Studentin Charlene. Als Sie ihn um Hilfe für ihren Sohn bittet, gerät sein isoliertes Leben ins Wanken. Parallel begleiten wir den jungen Kel, der mit ganz anderen Problemen zu kämpfen hat.



Wie war’s?

Das war mein erstes Buch von Liz Moore, aber ganz sicher nicht mein letztes! Es lies sich unglaublich gut lesen und hat sich nach und nach zu einer immer tiefgreifenderen und emotionalen Geschichte entwickelt. Die Richtung, die das Buch genommen hat, habe ich nicht erwartet.

Was mir sehr gefallen hat, war die Umsetzung der beiden POVs. Der Wechsel ist nicht gekennzeichnet, aber Liz Moore arbeitet hier mit völlig verschiedenen Schreibstilen. Das erleichtert den Wechsel zwischen den Charakteren und macht die die jeweiligen Persönlichkeit sehr greifbar und real.

Die Geschichte ist zwischenzeitig wirklich tragisch und sehr emotional. Ich war immer wieder sehr ergriffen. Es geht um Einsamkeit, verpasste Chancen und die Frage, wer wir eigentlich sind. Gleichzeitig gibt es aber so viele schöne und hoffnungsvolle Momente. Liz Moore schreibt einfach sehr empathisch, sodass ich mich den Charakteren nicht entziehen konnte.

Ich will gar nicht mehr auf den Inhalt und die Charaktere eingehen, um durch die Rezension kein Überraschungsmoment kaputt zu machen. Das war für mich auch ein wenig das Besondere an diesem Buch.

Gebt diesem Buch unbedingt eine Chance! Mich hat es berührt und damit überrascht, wie es seine wahre Stärke nach und nach entfaltet.

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