Wichtige Message, teilweise etwas zu plakativ
Please unfollowWorum geht’s?
Sherry wächst bei einem Elternpaar auf, das ihr ganzes Leben öffentlich auf Social Media darstellt. Umso älter Sherry wird, umso mehr wird es für sie zum Problem. Als sie sich nicht mehr ...
Worum geht’s?
Sherry wächst bei einem Elternpaar auf, das ihr ganzes Leben öffentlich auf Social Media darstellt. Umso älter Sherry wird, umso mehr wird es für sie zum Problem. Als sie sich nicht mehr anders zu helfen weiß, eskaliert sie und findet sich in einer Einrichtung für straffällig gewordene Jugendliche wieder. Hier scheint sie keiner zu erkennen und das ermöglicht ihr ganz neue Erfahrungen.
Wie war’s?
Das Thema ist total aktuell. Die Kindheit als Content zu vermarkten ist schon krass und dennoch nicht aus der Luft gegriffen. Was das für ein Kind bedeuten kann, können wir in diesem Buch eindringlich miterleben. Das hat mich zwischendurch schon wütend und auch immer wieder sprachlos gemacht. Sherrys Eltern sind dermaßen egozentrisch und kein bisschen empfänglich für die Wünsche und Privatsphäre ihrer Tochter, da kann man nur den Kopf schütteln. Es will gar nicht in meinen Kopf, dass es solche Eltern tatsächlich geben kann.
Die Rückblicke waren für mich tatsächlich die spannendsten Momente im Buch. Man erfährt, was Sherry in ihrem Leben erdulden musste und gleichzeitig schockieren diese Szenen durch die Verhaltensweisen der Eltern und die Kommentare unter den geposteten Videos.
Die Szenen in der Gegenwart waren mir dagegen etwas zu langatmig. Langezeit war mir auch nicht klar, wohin die Reise gehen soll. Gewünscht hätte ich mir außerdem ein bisschen mehr Tiefgang in Bezug auf das Umfeld gewünscht. Gerade in der Schule ist doch offensichtlich, dass es Sherry nicht gut geht, dass sie keine Freunde hat, dass sie ausgegrenzt wird. Und wirklich niemand sucht das Gespräch mit ihr, nimmt sie ernst, sieht das problematische Verhalten der Eltern? Dennoch lässt sich das Buch, nicht auch zuletzt dank des leichten, unkomplizierten Schreibstils, gut und schnell lesen.
Please Unfollow ist kein Pageturner, aber ein Buch mit einer wichtigen Message. In der Umsetzung bleibt es mir häufig jedoch zu schwarz-weiß.