Transparenz
Sherry landet in einem Camp für straffällige Jugendliche, nachdem sie ein Verbrechen begangen hat. Das erste Mal in ihrem Leben ist sie an einem Ort, an dem sie Niemand kennt. Denn Sherrys Leben wird seit ...
Sherry landet in einem Camp für straffällige Jugendliche, nachdem sie ein Verbrechen begangen hat. Das erste Mal in ihrem Leben ist sie an einem Ort, an dem sie Niemand kennt. Denn Sherrys Leben wird seit sie ein Baby ist von ihren Eltern im Internet gepostet. Jede Peinlichkeit, jeder Fehltritt, alles, was Sherry ausmacht, wird von einem Millionenpublikum bewertet und kommentiert. Im Camp kann sie das erste Mal durchatmen und zu sich selbst finden. Doch auch hier scheint ihre Vergangenheit ans Licht zu kommen und droht erneut die Sicherheit zu zerstören, die sie sich so mühevoll aufgebaut hat.
Meiner Meinung nach sollte jeder junge Mensch, der Social Media nutzt, dieses Buch gelesen haben. Die Erzählperspektive wechselt zwischen der Gegenwart in der Sherry in das Camp gebracht wird und Ausschnitten aus ihrer Kindheit, die in Videos vermarktet werden. Dabei ist nicht nur das Verhalten ihrer Eltern als extrem toxisch zu bewerten, die ihr Leben und das ihrer Tochter für Kooperationen zur freien Verfügung stellen, sondern man bekommt auch einen Ausschnitt der Kommentare zu den Videos mitgeliefert, die von anzüglich bis übergriffig alle Facetten umfassen. Sherry ist aufgewachsen, ohne frei entscheiden zu können, welche Aspekte ihres Lebens sie mit anderen teilen möchte. Trotz ihrer „Transparenz“ und ihrer „Follower“ ist sie unglaublich einsam. Erst im Kontakt mit den anderen Jugendlichen im Camp lernt sie das erste Mal was Freundschaft und Vertrauen wirklich bedeuten. Auch die anderen Jugendlichen mochte ich sehr gerne. Jeder von ihnen hat seine eigene ebenfalls berührende Geschichte. Aber besonders ihr respektvoller Umgang mit Sherry und ihren Sorgen hat mich sehr beeindruckt. Natürlich handelt es sich hier um einen fiktiven Charakter und eine fiktive Geschichte, dennoch sind die Parallelen zu echten Vorkommnissen nicht von der Hand zu weisen. Besonders bei einigen Kommentaren musste ich tief durchatmen, da ich genau solche Posts schon gesehen habe, in denen die Anonymität des Internets ausgenutzt wird.
Ein großartiges Buch, dass sich sehr kritisch mit den Rechten von Kindern und Jugendlichen auf Social Media auseinandersetzt und zeigt, was solche Videos mit einem Menschenleben machen können. Mich hat Sherrys Geschichte emotional sehr mitgenommen und tief berührt.