Fantasiereiches Spiel mit der griechischen Mythologie
Villains Are Made (1). Der Fluch der MedusaNachdem Julia Holz, die man bei Social Media als julezreads kennt, ihre erste Buchreihe bei arena angekündigt hat, musste ich doch sehr an einige Jahre davor denken, als Anabelle Stehl offiziell zur Autorin ...
Nachdem Julia Holz, die man bei Social Media als julezreads kennt, ihre erste Buchreihe bei arena angekündigt hat, musste ich doch sehr an einige Jahre davor denken, als Anabelle Stehl offiziell zur Autorin wurde. Da war es auch schon echt cool, dass eine Bloggerin, die ich länger verfolgt habe, ihren Traum erfüllen konnte und das ist jetzt hier schon wieder der Fall.
Was zusätzlich wunderbar gepasst hat, „Villains Are Made“ und generell die gesamte Reihe beschäftigt sich mit der griechischen Mythologie. Für die habe ich schon mehr als die Hälfte meines Lebens einen besonderen Platz in meinem Herzen, weil ich zunächst ganz alte Bücher meines Vaters über die griechen Sagen gelesen habe und dann immer mehr Filme/Bücher dazu konsumiert habe. Besonders natürlich auch die „Göttlich“-Reihe von Josephine Angelini, die wohl hier auch eine Rolle für Julia gespielt hat. Dementsprechend war für mich schnell klar, dass ich die Reihe ausprobieren möchte. Ich habe mir das Hörbuch genommen, das von Martha Kindermann eingesprochen wurde. Ich war über die Laufzeit doch erst etwas erstaunt, weil ich es normalerweise am liebsten zwischen zehn bis zwölf Stunden habe. Die gewählte Stimme für Isla war auf jeden Fall wunderbar, zumal ich den Eindruck hatte, dass sie auch sehr variabel mit ihrer Stimme war, um anderen Figuren etwas Einzigartiges mitzugeben. Das Highlight war natürlich Silas, ganz klar, aber auch so hat sie es geschafft, die doch umfangreiche Handlung zu rahmen.
Meine Sorge bezüglich der Laufzeit hat sich in Teilen bewahrheitet. Ich würde schon sagen, dass Julia sich etwas zu sehr ausgetobt hat. Es geht auch gar nicht um viel, weil sie keinesfalls repetitiv erzählt hat, aber wenn ich mir vor Augen führe, was letztlich an aktiver Handlung passiert ist, dann hätte man es durchaus etwas knapper halten können. Manche Medusa-Einblicke hätte man vielleicht kürzen können und auch in der Gegenwart gab es verzichtbare Szenen, aber zum Glück war es in der Gesamtsumme nichts, was mich in die Gefahr gebracht hätte, das Buch abbrechen zu wollen (was ich nie tue, aber schon drüber nachzudenken ist kein gutes Zeichen).
Abgesehen davon habe ich eigentlich von der angekündigten Handlung genau das bekommen, was ich wollte. Ich mochte das Retelling der griechischen Mythologie wirklich sehr. Medusa in der Vergangenheit und Isla in der Gegenwart haben mich als zwei Personen mit einer Geschichte doch sehr berührt. Medusa war zwar für mich nie eine der faszinierenderen Persönlichkeiten, aber sie wird gerne gewählt, um andere Sichtweisen auf ihre Geschichte zu ermöglichen. Das habe ich bislang aber nicht verfolgt, sodass Julias Perspektive darauf sich für mich sehr neu anfühlte und es war interessant, richtig tief in die alten Sagen-Fakten einzutauchen, mehr zu erfahren und dann eben das gesponnen zu bekommen, was ganz alleine Julias Fantasie ist. Medusas Geschichte kann da nur tragisch sein und es tat mir in der Gegenwart weh, so eine eingeschüchterte und belastete junge Frau kennenzulernen, die die Welt für sich noch einmal ganz neu erkunden muss.
Genauso spannend war es aber auch, die ganzen Figuren um sie herum kennenzulernen. Thea und Silas als enge Gefährten, die werden in ihrer Identität nicht verschleiert und es war schön, die Beziehungen zu ergründen. Wendungsreicher waren da dann andere Charaktere wie Grace, Quinn und natürlich Adrian und wen sie wohl darstellen. Es war schon völlig klar, dass Adrian kein menschlicher Love Interest war, aber die Spekulationen hätten echt überall hinführen können, zumal ich auch eher immer bei den oberflächlicheren Basics zur griechischen Mythologie geblieben bin, sodass Julia mich hier gut hätte austricksen können. Die Wendungen und die Enthüllungen der Identitäten haben für mich sehr gut gepasst und es waren echte Richtungswechsel, sodass sich die Handlung dadurch immer mehr von einer vermeintlichen typischen College-Geschichte zu einer Fantasy-Geschichte entwickelt. Natürlich haben auch schon Medusas Kapitel eine andere Tonart, aber Islas Geschichte ist länger eher harmlos, bis dann eben auch dort das Tempo angezogen wird.
Da sich Julia ab da auch alle Freiheiten der Welt erlauben konnte, war für mich die Handlung in keiner Weise vorhersehbar. Ich war schon sehr gespannt, wie Isla ihren Fluch in den Griff bekommen kann, wie sie dann einen richtig sozialen Kreis aufbaut und wie der Plan der Gruppe umgesetzt wird, sich endlich vom Schicksal zu befreien. Ich finde vor allem auch, dass die Autorin schon einen guten Umriss gibt, wie die ganze Reihe funktionieren wird. Die Ankündigungen zu Pandora und Cassandra klingen da echt vielversprechend, zumal es ebenfalls nicht die allerbekanntesten Figuren der griechischen Mythologie sind. Da wird Julia ihre Ideen dann weiter sprudeln lassen können.
Fazit: Ich mochte „Villains Are Made” echt gerne und das Wichtigste ist: Es war gut, dass Julia Holz ihren Traum verfolgt hat, denn sie kann definitiv schreiben und überzeugt gleich mit einer komplexen Geschichte, die viele Facetten hat. Ja, es gab Längen, in der Kürze liegt manchmal die Würze und ich habe den Band auch lieber für seine Vielfalt anstatt für die Liebesgeschichte gelesen, aber das passt für so ein Erstlingswerk, denn es gab so viel zu entdecken und dabei auch noch so viel Gutes. Weiter so!