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Veröffentlicht am 16.11.2020

Übertrifft den ersten Band beim weitem

Forever Mine - San Teresa University
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Vor einem halben Jahr habe ich mit „Forever Free“ den ersten Band aus der „Forever“-Reihe von Kara Atkin gelesen. Mit schwerem Herzen habe ich drei Sterne gegeben, aber ein paar stilistische Mängel waren ...

Vor einem halben Jahr habe ich mit „Forever Free“ den ersten Band aus der „Forever“-Reihe von Kara Atkin gelesen. Mit schwerem Herzen habe ich drei Sterne gegeben, aber ein paar stilistische Mängel waren doch so schwerwiegend, dass ich für all die anderen tollen Ansätze nicht einfach mit der Bewertung übers Ziel hinausschießen konnte. Im Rückblick bin ich dankbar für diese Entscheidung, denn meine Hoffnung „dann macht es wahrscheinlich explosionsartig klick“ hat sich haargenau bestätigt.

Kate kannte man bereits aus „Forever Free“ und ich habe mich auf ihren Band sehr gefreut, da sie bereits beim ersten Kennenlernen eine durch und durch sympathische Persönlichkeit ist. Vielleicht kann ich ihre Geltungssucht in als Everbody’s Darling nicht recht nachvollziehen, aber sie ist in sich vollkommen logisch und nachvollziehbar gestaltet worden. Und trotz dieser oberflächlichen Welt, in der sie gerne agiert, ist sie sehr bodenständig und wohl die beste Freundin, die man sich wünschen könnte. Ihr gegenüber wurde mit Alec ein Neuling eingeführt, aber einer, der wirklich gut mithalten kann. Er ist zwar auch jemand, der wie Hunter gerne mal seine grummlige Seite auspackt, aber er ist ein Familienmensch, er ist ein treuer Freund und er ist jemand, der immer für das einsteht, woran er glaubt. Er ist in meinen Augen auch tausendmal besser als Hunter weggekommen, weil Alec von der Perspektivenverteilung her deutlich mehr Anteil bekommen hat als er. Zwar mag auch hier Kate die treibende Kraft gewesen sein, aber ich hatte dennoch das Gefühl, Alec zu kennen, ihn zu verstehen und das ist für mich das wichtigste Aspekt bei der Charakterarbeit.

Häufig laufen New Adult-Bücher so ab, dass die Figuren lange umeinander herumschleichen, bis sie sich letztlich aufeinander einlassen. Und dann gibt es die Bücher des Genres, die genau umgekehrt ablaufen. Dort gibt sich die Paarung zuerst der körperlichen Anziehung hin, um sich dann erst wirklich kennenzulernen. Auch wenn ich so meinen Traumprinzen selbst wohl nie finden werden, weil mir das emotionale immer wichtiger ist als die Anziehung, so finde ich diese Umkehrung immer wieder spannend zu lesen. Bei Kate und Alec hat es wirklich hervorragend geklappt, zumal es Atkin auch geschafft hat, dass diese benötigte körperliche Anziehung auch vom ersten Moment an auf den Leser übergesprungen ist. Wenn die beiden sich später wirklich kennenlernen, ist zwar die Luft ein wenig raus, weil das erste Mal schon hinter sich gebracht wurde, aber diese Fokussierung auf der emotionalen Ebene hat ebenso wunderbar geklappt und es hat wirklich viele tolle Momente gegeben, in denen man nur mitschwärmen konnte.

Im ersten Band hat sich Atkin schon an wichtigen Themen versucht, aber hier klappt das eindeutig besser. Zum einen haben wir Kate, die Mobbing und Slutshaming erfährt und zum anderen haben wir Alec, der zu seiner Bisexualität steht, aber trotzdem auch Kritik auszuhalten hat. Ein paar Mal hätte man noch richtig tief gehen können, aber weil die Liebesgeschichte so hervorragend funktioniert hat, verstehe ich, dass die Erzählzeit lieber dorthin verteilt wurde. Zumal ich eben die Behandlung der Themen keinesfalls als oberflächlich bewerten würde.

Fazit: Noch einmal, ich bin wirklich froh, bei dem ersten Band so tief gestapelt zu haben mit der Bewertung, weil „Forever Mine“ in meinen Augen wirklich deutlich besser ist als der Auftaktband und das kann ich mit der Sternenbewertung nun abbilden. Die Charaktere sind großartig, ihre gemeinsame Chemie ist grandios und die gesamte Erzählung ist wirklich wunderbar mit sensiblen Themen gepickt worden und dabei stets rund erzählt worden. Weiter so!

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Veröffentlicht am 09.11.2020

Wenn es nur eine Figur einem richtig schwer macht...

What if we Drown
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Der deutsche New Adult Autorenkreis bei Lyx hat mit Sarah Sprinz einen weiteren Namen dazugewonnen. Bei diesen wunderschönen Covern und vor allem der Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Medizinerin ...

Der deutsche New Adult Autorenkreis bei Lyx hat mit Sarah Sprinz einen weiteren Namen dazugewonnen. Bei diesen wunderschönen Covern und vor allem der Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Medizinerin handelt, die eine ganz andere Perspektive bereit hält, war für mich völlig klar, dass ich mich von ihren Fähigkeiten in „What If We Drown“ überzeugen würde. Auch wenn ich das Buch nun vor einigen Tagen bereits beendet habe, fällt es mir aber immer noch unheimlich schwer, ein abschließendes Urteil zu fällen. Vielleicht hilft es, meine Gedanken für diese Rezension einmal niederzuschreiben.

Zunächst bin ich begeistert, dass Sprinz sich für Kanada als Setting entschieden hat. Die USA ist mit den anderen Autoren ja genug abgedeckt, so dass ich es absolut genial finde, wenn mit Toronto/Vancouver mal etwas Neues ins Spiel kommt, zumal ich Kanada aufgrund der weiten Landschaft und der wesentlich toleranteren Bevölkerung ohnehin immer bevorzugen würde. Weiterhin finde ich es ohne Diskussion so, dass die Autorin schreiben kann. Ich finde ihren Schreibstil manchmal etwas edgy, ohne genau erklären zu können, was ich damit meine, aber am ehesten trifft es der Eindruck, dass es zig kleine Momente gab, wo ich nicht erwartet hatte, dass passiert, was passiert ist und gerade zum Kapitelende wurde es schon mal etwas abrupt, aber ich fand beides definitiv nicht schlecht. Denn es ist ein eigener Stil, eine eigene Stimme und das im breiten Feld der Veröffentlichungen zu haben, ist definitiv ein Geschenk. Und eine neue Stilistik mag erstmal etwas holprig wirken, aber es ist nur Gewöhnungssache, das habe ich beim Lesen selbst bemerkt.

Etwas schwieriger wird es schon bei den Charakteren. Während ich die Nebenfiguren bereits feiere und mich auf alle weiteren Bände freue und ich auch Hauptfigur Sam die Welt zu Füßen legen würde, ist Laurie ein rotes Tuch für mich. Aber hier kommt auch wieder dieser edgy Erzählstil ins Spiel, denn ihre Figur ist sich vollkommen bewusst, dass sie sich zu 90% der Geschichte wie ein A*** verhält. Ist es dann schlimmer oder halbwegs okay, dass sie sich so verhält? Ich bin leider zu keinem abschließenden Urteil gekommen. Ich weiß nur, dass ich oft Probleme mit weiblichen Hauptfiguren haben, aber dort ist keinerlei Selbstreflexion zu erkennen, von daher ist die Darstellung hier sicherlich ein Fortschritt, aber trotzdem macht es das Leseerlebnis dadurch nicht besser.

Ein großer Knackpunkt bei Laurie ist für mich sicherlich auch ihre Trauer um Austin. Die hat mich nämlich nicht überzeugend packen können. So wie sie sich teilweise verhalten hat, hatte ich das Gefühl, ihr großer Bruder ist erst vor zwei Wochen gestorben, stattdessen sind mehrere Jahre ins Land gezogen. Natürlich verläuft ein Trauerprozess bei jedem Menschen anders, aber trotzdem fand ich die Dramatik, die erzeugt wurde, zu viel, zumal es eben Laurie in Handlungen bestärkt, die man wirklich nicht unterstützen kann. Natürlich hatte sie auch gute Momente. Momente, in denen durchschien, was sie auszeichnet, wenn nicht alles von ihrer Trauer überdeckt wurde, aber es ist schade, dass diese Seite nicht viel eher gewonnen hat. Und das alles ist doppelt und dreifach schade, weil Sam wirklich so großartig ist in allem, dass er eigentlich eine Hauptfigur verdient gehabt hätte, die ihm in all dem würdiger gewesen wäre.

Eine letzte Anmerkung habe ich noch. Zwar hat es mir gefallen, dass es einige Momente gegeben hat, in denen etwas Unerwartetes passiert, z. B. der Moment, als sie sich zum ersten Mal küssen, den ich genau da niemals erwartet hätte, aber dem gegenüber stehen auch die Momente, in denen die Geschichte zu sehr konstruiert wirkt. Gerade zum Ende hin wurde es zu durchschaubar und da nenne ich beispielhaft, wie Sam die Wahrheit erfährt und wie die Versöhnung herbeigeführt wird. Aber das verbuche ich als Anfängerfehler, denn weichere Übergänge sind reine Übungssache, weswegen ich das hier auch nicht so hochhängen möchte.

Fazit: „What If We Drown“ ist in einigen Aspekten mit viel Potenzial versehen und besonders gefällt mir, dass Sprinz sich bereits mit einem ihrer ersten Bücher eine so eigenständige Erzählstimme zugelegt hat. Aber leider war das Lesen wegen Hauptfigur Laurie mit viel Frust versehen. Sie ist sich zwar bewusst, was sie falsch macht, aber sie macht die Fehler trotzdem weiter und das hat die Liebesgeschichte nicht so unbeschwert erscheinen lassen, wie es ihr Gegenüber, Sam, verdient gehabt hätte. Aber es ist alles da, damit die nächsten zwei Bände mich richtig überzeugen können.

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Veröffentlicht am 04.11.2020

Mein persönlicher Lieblingsband

Someone to Stay
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Auch wenn ich Laura Kneidl als Autorin großartig finde, so bin mit ihrer „Someone“-Reihe bislang nicht hundertprozentig glücklich geworden, weil angesichts der Aussicht, Themen wie Transgender und gemischtrassige ...

Auch wenn ich Laura Kneidl als Autorin großartig finde, so bin mit ihrer „Someone“-Reihe bislang nicht hundertprozentig glücklich geworden, weil angesichts der Aussicht, Themen wie Transgender und gemischtrassige Beziehungen präsentiert zu bekommen, einfach zu wenig aus den Vorlagen gemacht wurde. Wenn man aufrütteln und sensibilisieren will, dann bitte auch richtig. Das klingt jetzt vernichtend, aber dennoch waren die ersten beiden Bände ohne Frage sehr gut zu lesen und ich habe es definitiv auch nicht bereut, zugegriffen zu haben, aber es ist immer so, wenn gewisse Erwartungen entstehen, die nicht erfüllt werden, dann steigt automatisch auch die Enttäuschung.

Nun aber ist mit „Someone to Stay“ der letzte Band der Reihe erschienen und ehrlich gesagt, war meine Vorfreude auf Aliza und Lucien nicht sonderlich groß, denn es waren beides keine Figuren, bei denen es für mich klick gemacht hat. Umso überraschter bin ich letztlich, dass die beiden sich zu meinen Lieblingen gemausert haben, aber weniger als Paarung, sondern vielmehr als Einzelfiguren und da im Besonderen Aliza! Aliza ist genau die Betrachtung einer Figur, die ich mir schon viel früher in diese Reihe gewünscht hätte. Bislang habe ich persönlich im NA-Genre noch keine muslimische Hauptfigur gehabt, alleine dafür muss ich schon den Hut ziehen. Auch wenn sicherlich nur wenig Themen angesprochen werden, die man rein aus dem Bauch heraus mit einer muslimischen Herkunft hätte verbinden können, fand ich die Darstellung dennoch stets sehr authentisch. Kneidl hat sich bewusst dafür entschieden, dass Aliza selbst gar nicht gläubig und auch ihre Familie recht liberal ist, dadurch hat diese Darstellung auch wunderbar gepasst.

Aber auch abseits von ihrer Herkunft ist Aliza eine sehr faszinierende Persönlichkeit, der man eigentlich nur vorwerfen kann, dass sie nicht weiß, wann für sich selbst genug ist. Aber sie ist selbstbewusst, mutig, idealistisch, prinzipientreu und höchst empathisch. Sie ist eine Stimme für unsere Frauengeneration, die man gerne klonen würde. Vor allem hat mir sehr gut gefallen, dass es auch weg von ihrem Kochblog geht. Er steht für ihre Anfänge und für das, was sie immer ausmachen wird, aber sie hat mehr zu sagen und deswegen fand ich es so passend, dass sie auch in gesellschaftspolitischen Aspekten ihre Stimme findet. Und in all dem ist Aliza völlig ruhig und gelassen. Sie steht zwar oft unter immensem Druck, aber hat sie das nie hektisch gemacht, weil sie immer stur weitergemacht hat. Ich kann es nämlich absolut nicht leiden, wenn sich die Hektik von den Figuren auch auf die Leserschaft überträgt, so dass man sich selbst plötzlich unruhig fühlt.

Auch Lucien ist mir im Verlauf sehr sympathisch geworden. Zwar bleibt er deutlich blasser als Aliza, aber das gilt für die gesamte Reihe, dass die männlichen Protagonisten, obwohl sie alle immenses Potenzial hatten, nie den Raum bekommen haben, den sie verdient haben. Dennoch haben Lucien und Aliza für mich als Paar nichts besonderes herausgerissen. Und nein, es liegt nicht daran, dass ihre gemeinsame Geschichte so ruhig erzählt ist und dass es keine Sexszene gibt. Im Gegenteil beides hat haargenau auf die beiden gepasst. Aber insgesamt hatte ich das Gefühl, dass in „Someone to Stay“ nicht die Liebesgeschichte zentral war. Es ging vielmehr darum, dass zwei Figuren ihren Weg gefunden haben und dabei ganz zufällig auch einander. Und deswegen ist es vollkommen in Ordnung, dass mich die Liebesgeschichte nicht restlos vom Hocher gerissen hat. Ein wahres Geschenk war es auch, dass die dramatische Sequenz, die das Paar am Ende auseinander zu gehen droht, so knapp gehalten wurde. Auch das war für die beiden als Paar wieder goldrichtig.

Fazit: „Someone to Stay“ ist völlig überraschend für mich mein Lieblingsband geworden. Und das liegt vor allem daran, dass für mich diesmal nicht die Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Es geht um zwei faszinierende Figuren, die eine Reise zu sich selbst machen und das Seite an Seite. Aliza war für mich das absolute Highlight der Reihe und ich denke, dass mit ihr ein neuer Typus von Hauptfiguren im NA-Genre geschaffen wurde, den es viel öfters geben sollte!

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Veröffentlicht am 28.10.2020

Für mich zu spät erschienen

Sonnengelber Frühling
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Ach, was war das für ein schöner Sommer 2013, als gefühlt alle von Carina Bartsch die Dilogie „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ gelesen haben und wirklich aller Hype völlig begründet war, ...

Ach, was war das für ein schöner Sommer 2013, als gefühlt alle von Carina Bartsch die Dilogie „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ gelesen haben und wirklich aller Hype völlig begründet war, denn mit Elyas und Emely ist der Autorin eine Paarung geglückt, die durch ihr ewiges Hin und Her zu keinem Zeitpunkt nervig war, sondern es war eben so, dass man dieses Hinauszögern auch irgendwie genoss, weil es eine unterschwellige Spannung entstehen ließ, die dann ganz am Ende befriedigt wurde. Anschließend waren die Rufe nach weiteren Bänden sehr laut, aber Bartsch war mit dieser Geschichte erstmal durch, nur ab und zu hat sie Szenen aus Elyas‘ Sicht veröffentlicht. Nun sieben Jahre später doch noch der dritte Band, aber ich muss gestehen, dass es für mich fast schon zu spät war. Ich habe lange nach jedem Schnipsel gesucht, den ich bekommen konnte, aber irgendwann wendet man sich neuen Dingen zu und Altes gerät in Vergessenheit. Deswegen war es für mich nicht selbstverständlich, „Sonnengelber Frühling“ sofort mit Erscheinen zu kaufen. Aber ganz dran vorbeigehen konnte ich eben auch nicht.

Bartsch schreibt selbst in einem Vorwort, dass man die ersten beiden Bände noch einmal lesen sollte, um das ultimative Lesevergnügen zu haben. Das habe ich nicht gemacht, weswegen es mir tatsächlich schwerer fiel, ins Geschehen reinzukommen, denn die Ereignisse knüpfen unmittelbar an „Türkisgrüner Winter“ an, weswegen ich es verstehe, dass es nicht erst noch eine Zusammenfassung gegeben hat. Jetzt ist die Welt von Elyas und Emely zum Glück keine völlig komplexe, weswegen ich mich letztlich doch wieder eingefunden habe, nicht zuletzt eben wegen dieser Paarung, denn sie war es schon immer, um die sich alles gedreht hat und die uns alle zu leidenschaftlichen Fans gemacht hat. Auch wenn sofort wieder diese besonderen Funken entstanden und die Kabbeleien immer noch genauso sind, wie ich sie in Erinnerung hatte, so es ist schlichtweg für mich nicht wie vor sieben Jahren gewesen und ich wollte mich auch nicht erzwingen, etwas entstehen zu lassen, was nicht da ist.

Ein Grund, warum es nicht mehr wie vor sieben Jahr war, ist sicherlich, dass „Sonnengelber Frühling“ nicht unbedingt inhaltsreich ist. Die größte Handlung ist letztlich, ob Elyas und Emely irgendwann miteinander schlafen oder nicht. Es gibt zwar noch genug Nebenhandlungen, wie rund um Jessica, Eva/Nicholas und vieles mehr, aber das sind immer nur dahin geworfene Schnipsel, die aber nicht zum Weiterlesen animieren. Der Grund waren immer schon Emely und Elyas und da passiert einfach zu wenig. Warum sie ihn solange auf körperlichem Abstand hält, ist zwar absolut nachvollziehbar gestaltet worden, aber dennoch ist es kein Handlungsstrang, für den ich zu einem Buch greifen würde. Ich hätte mir wirklich eine weitere Geschichte gewünscht, aber das ist eigentlich nur Fan Service.

In den sieben Jahren hat Bartsch noch „Nachtblumen“ geschrieben, das sich bereits intensiv mit Depressionen auseinandergesetzt hat. Man merkt, dass es der Autorin ein wirkliches Anliegen ist, weswegen sie es in Form von Jessica auch hier noch einmal aufgegriffen hat. Aber in der Gesamtschau der nun doch Trilogie passt es nur bedingt. Auch wenn Emely zu Jessica in dem Gespräch viel Richtiges sagt, so wirkt es doch völlig oberlehrerhaft. Weiterhin finde ich auch die eingearbeitete Kommerzkritik am deutschen Buchmarkt völlig übertrieben. Auch wenn hier ebenfalls viele wichtige Aspekte drinstecken, frage ich mich, was die Autorin damit sagen will? Ihr anderen leiben Autoren schreibt nicht so einzig wahrhaft wie ich selbst? Wenn bei jemandem eine andere Botschaft angekommen ist, immer her damit. Aber das sind leider Töne, die null in „Sonnengelber Frühling“ passen.

Fazit: Für mich persönlich ist „Sonnengelber Frühling“ leider zu spät erschienen, denn die besondere Magie konnte nicht mehr entstehen, auch wenn die Charaktere, das Miteinander, der Ton der Geschichte und alles andere absolut den ersten beiden Bänden entspricht. Es hat aber auch nicht geholfen, dass der nun wohl endgültige Abschluss recht inhaltsleer ist. Ich hätte mir mehr rote Fäden gewünscht, vielleicht wäre dann doch noch mehr entstanden.

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Veröffentlicht am 26.10.2020

Ernste Thematik unter dem Deckmantel einer typischen Liebesgeschichte

Wenn aus Funken Flammen werden
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Bold, das Imprint von DTV, veröffentlich nicht einfach nur Liebesromane, sondern Romane, die noch ein Stückchen weitergehen und oft sehr moderne Themen in den Blick nehmen. Durch dieses mehr ist der Verlag ...

Bold, das Imprint von DTV, veröffentlich nicht einfach nur Liebesromane, sondern Romane, die noch ein Stückchen weitergehen und oft sehr moderne Themen in den Blick nehmen. Durch dieses mehr ist der Verlag sicherlich der Zulaufpunkt, bei dem eine breite Mehrheit sich wohl fühlt, aber wenn man nicht nur Mainstream sein will, ist das wohl Konsequenz. Daher war ich insgesamt sehr überrascht, als ich mehr und mehr „Wenn aus Funken Flammen werden“ reingelesen haben, denn es beginnt eins zu eins wie ein klassischer Liebesroman. Mann trifft zufällig auf Frau, beide finden sich auf Anhieb attraktiv, aber vor allem sie gibt sich erstmal abweisend, bis nach einem Katz und Maus-Spiel beide erkennen, dass sie doch gegenseitig ihre große Liebe sind. Aber keine Sorge, das ist erstmal nur die äußere Verpackung, letztlich steckt in dem Buch doch noch deutlich mehr und das macht es wieder zur optimalen Wahl für bold.

Auch wenn definitiv sehr viele Aspekte eines typischen Liebesromans aufgegriffen wurden, so habe ich dennoch früh gemerkt, dass es dennoch kleinere Unterschiede gibt. So ist Hauptfigur Kristen in einer Beziehung, als sie Josh kennenlernt. Während sonst oft gleich der Betrug eine große Rolle spielt, ist Kristen sehr rigoros in Bezug auf ihre Treue in der Partnerschaft, auch wenn sie zunehmend etwas für Josh empfindet. Das hat mir unheimlich gut gefallen, denn das beweist starke Prinzipien und trotzdem habe ich es zu keinem Zeitpunkt als Schwächung der Liebesgeschichte empfunden, ganz im Gegenteil hat es sie in meinem Ansehen steigen lassen, denn auch Josh hat zu keinem Zeitpunkt übermäßig gedrängt und diese gegenseitige Akzeptanz für Werte hat mir zumindest bewiesen, dass sie auch in diesem Aspekt auf einer Wellenlänge sind.

Ein zweites Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich die Darstellung von Kristens Krankheitsbild. So schonungslos dargestellt zu bekommen, von was eine Frau geplagt werden kann, was schließlich sogar zur Unfruchtbarkeit führt, war heftig, aber auch wichtig, denn bekanntlich wird über die Gründe, warum Frauen keine Kinder bekommen können, oft drüber hinweggesehen, sie werden lieber weiter als Gebärmaschinen gesehen. Es ist sicherlich nicht überdrastisch ins Details gegangen worden, aber als Frau, die einmal im Monat ihre Tage hat, kenne ich wie so viele andere Leserinnen auch, um welche Bereiche es hier geht, so dass man sich vieles denken kann, was Kristen erleidet. Die dadurch bei ihr ausgelösten inneren Prozesse, ihre Entscheidungen und Prinzipien, die sie dadurch ableitet, all das konnte ich sehr gut mit ihr fühlen. Und es ist tatsächlich eine Thematik, die die Liebe auf die Probe stellen kann, gegenseitige heftige Vorwürfe nicht ausgeschlossen.

Zuletzt kommt noch der Aspekt Vorhersehbarkeit ins Spiel. Auch wenn ich im Verlauf gemerkt hatte, dass die Geschichte nicht brav alle Schritte einer Liebesgeschichte durchläuft, so habe ich mir doch ein bestimmtes Ende ausgemalt. Und wie falsch ich damit lag, denn irgendwann gibt es wirklich ein Ereignis, mit dem ich null gerechnet hätte. Danach dachte ich, dass nun doch der Höhepunkt des Leids erreicht sein muss, doch die Autorin kann noch einmal drauflegen. Ich ziehe definitiv den Hut davor, dass es hier so unvorhersehbar wurde, auch wenn es die Geschichte von Kristen und Josh nicht gebraucht hätte. Hier wurden definitiv die Grundsteine für einen zweiten Band gelegt. Als gutes Stilmittel lasse ich es dennoch gerne stehen.

Warum gebe ich trotzdem keine fünf Sterne? Gegen Ende hin geht dem Buch leider aus zweierlei Gründen die Puste aus. Zum einen hat mir die Autorin mindestens eine, wenn nicht sogar zwei Runden zu viel der Frage beschert, ob die beiden Protagonisten nun zusammenkommen. Dieses ewige Hin und Her war irgendwann ermüdend. Zum zweiten ist es das Ausmaß des Happy Ends, das geboten wird. Es war für die Thematik des Buchs zu happy. Ich hätte wunderbar damit leben können, wenn es einen gewissen Entwicklungsschritt so nicht gegeben hätte, da es der Geschichte an sich gerechter geworden wäre. Dennoch ist es insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre.

Fazit: „Wenn aus Funken Flammen werden“ beschäftigt sich auf eindrückliche Weise mit dem Thema Unfruchtbarkeit bei der Frau und wie sich das auf eine Beziehung auswirken kann. Zunächst unter dem Deckmantel einer 08/15-Liebesgeschichte, zeigt sich schnell, dass dieses Buch eine Botschaft hat und dass auf viel Drama nicht verzichtet wird. Dieses kommt aber so unvorhersehbar, dass es definitiv mit allem nachhallt. Erst am Schluss zieht sich das Geschehen zu lange hin und das Happy End ist zu happy, womit sicherlich viele andere Leserinnen sofort wissen, was ich damit meine.

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