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Veröffentlicht am 04.08.2021

Am Scheideweg

Totenschrein
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2018 war „Todeskäfig“ von Ellison Cooper definitiv der Thriller des Jahres für mich, da er so faszinierend und spannend geschrieben worden ist. Der zweite Band, „Knochengrab“, hatte sicherlich nicht mehr ...

2018 war „Todeskäfig“ von Ellison Cooper definitiv der Thriller des Jahres für mich, da er so faszinierend und spannend geschrieben worden ist. Der zweite Band, „Knochengrab“, hatte sicherlich nicht mehr ganz den Glanz des ersten Kennenlernens, aber da stellte sich für mich schon deutlich an, dass ich mit den Figuren bereits eng zusammengewachsen bin. Nun steht also bereits der dritte Band der Reihe, „Totenschrein“, in den Bücherregalen und hier erfahrt ihr meine Meinung.

Nach der Lektüre des Thrillers ist mir relativ schnell bewusst geworden, dass sich die Reihe gerade definitiv am Scheideweg befindet, wo sie ganz gewaltig aufpassen muss, um nicht langsam aber sicher in Richtung „gewaltige Enttäuschung“ abzurutschen. Den dritten Band würde ich definitiv noch nicht als Enttäuschung bezeichnen, aber es sind schon deutliche Ansätze zu bemerken, die gerade nicht unbedingt Hoffnung machen. Coopers Hauptfigur Sayer zeichnet sich neben ihrem Job als FBI-Agentin dadurch aus, dass sie auch leidenschaftliche Neurowissenschaftlerin ist, die in die Psyche der Serientäter einsteigt. Das war und ist für mich ein sehr spannender Aspekt, der gerade im ersten Band auch brutal gut ausgespielt wurde. In diesem Band ist davon aber leider nicht mehr viel zu sehen. Zwar ist da immer noch die Verbindung zu dem ominösen Studienteilnehmer, der so präsent wie nie zuvor ist, aber es geht nicht mehr um die konkreten Untersuchungen an sich. Auch in dem Fall selbst werden ihre Fähigkeiten dazu kaum ausgespielt und es ist einfach schade, dass so ein Alleinstellungsmerkmal nicht konsequent beibehalten wird.

Kommen wir nun zum dargestellten Kriminalfall, den ich rein vom Papier her als extrem gut bezeichnen würde, denn ein Bus mit 24 Jugendlichen zu entführen, wovon ruckzuck die Hälfte tot ist, oh wow, das ist eine Ausgangslage, die man in Krimis und Thrillern jetzt nicht gerade häufig präsentiert bekommt. Ich war davon wirklich so beeindruckt, dass ich dachte, so jetzt kommt ein richtiger Knall, weil es nach diesem Auftakt doch nur überragend werden kann. Aber tatsächlich werden die Ermittlungen und die Spurensuche in Richtung des Täters nicht gerade intelligent und spannend erzählt. Das liegt leider zu einem großen Teil daran, dass sich in die Ermittlungen eine zweite Teilhandlung einschleicht, wo man mit zunehmend Verlauf merkt, dass diese von der Autorin als wichtiger eingeschätzt wurde. Das sorgt zum einen dafür, dass viel zu früh offensichtlich ist, wer der Täter ist und es sorgt dafür, dass der Weg dahin nicht raffiniert und mit Wendungen erzählt ist, sondern nur etwas dauert, weil es von außen manipuliert wird.

Die zweite Teilhandlung wiederum hätte nun wirklich sehr spannend werden können, aber in dieser konkreten Umsetzung fand ich fast schon, dass sie soapig gestaltet wurde. Hier wurde mit vielen Klischees gespielt, was dann wiederum dafür gesorgt hat, dass der Überraschungseffekt sich gelegt hat, denn in Soaps ist bekanntlich vieles bereits im Vorfeld zu prognostizieren. Es tut mir leid, aber für diese doch sehr brisante Teilhandlung, weil sie Sayer so extrem beeinflusst, hätte man sich ein besseres Setting einfallen lassen müssen. Einfach besser, raffinierter und all so etwas hätte es sein müssen. Auch die Rolle des Studienteilnehmers war dann irgendwann vorherzusehen und dass darf Cooper einfach nicht passieren. Vor allem wenn ich bedenke, dass im ersten Band diese Kritik nicht ansatzweise anzubringen war. All diese Kritik ist nun sehr schade, denn die Figuren, die nun schon drei Bände dabei sind und so viel Profil gewinnen konnten, sind mir wirklich ans Herz gewachsen, aber diese Tendenz muss definitiv durchbrochen werden!

Fazit: „Totenschrein“ ist noch nicht als Enttäuschung zu klassifizieren, aber auch nicht weit davon entfernt. Der Kriminalfall war vom Papier her vielversprechend, doch wurde durch eine zweite Teilhandlung völlig ausgebremst. Die zweite Teilhandlung war zwar wichtig, ist aber zu vorhersehbar gestaltet worden. So ist von Coopers Brillanz erstmal nicht viel zu sehen. Die Reihe befindet sich hiernach am Scheideweg. Bekommt die Autorin das Ruder noch mal umgerissen?

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Veröffentlicht am 29.07.2021

Thematisch viele emotionale Brocken

A Reason To Stay
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Jennifer Benkau hat sich bislang als eine sehr breit aufgestellte Autorin ausgezeichnet. Mit „Das Reich der Schatten“-Reihe und „One True Queen“ hat sie ihre bislang wohl größten Erfolge gefeiert. Nun ...

Jennifer Benkau hat sich bislang als eine sehr breit aufgestellte Autorin ausgezeichnet. Mit „Das Reich der Schatten“-Reihe und „One True Queen“ hat sie ihre bislang wohl größten Erfolge gefeiert. Nun versucht sie sich mit „A Reason to Stay“ erstmals im New Adult Genre, was natürlich für mich dann immer ein sehr passender Anknüpfungspunkt ist, weil ich mich dort in den letzten Jahren am wohlsten fühle.

Was für Jennifer Benkau relativ schnell auszumachen ist, ist die Tatsache, dass sie thematisch keine halben Sachen macht. Stattdessen muss man sagen, dass sie ein schwerwiegendes Thema nach dem anderen auspackt. Mit Depressionen, Rassismus und Kleptomanie sind wirklich drei Schwergewichte dabei, die gleichzeitig definitiv die Fallhöhe sehr hoch ansetzen, denn bei solchen Themen muss man Fingerspitzengefühl haben. Fingerspitzengefühl kann man Benkau auch definitiv nicht absprechen, denn alle Themenblöcke werden mit Bedacht angegangen und alle bekommen ihren Raum gewährt. Das wird vor allem durch sehr intensive Dialoge unterstützt, wo die jeweils betroffene Hauptfigur ihr Innenleben ausführlich darstellen kann. Während die erste Hälfte dabei Cedric gehört, ist es in der zweiten Hälfte Billy. Dennoch trotz des Feingefühls für mich war es ehrlich gesagt deutlich zu viel des Guten. Denn schaue ich mir das gesamte Buch im Rückblick noch einmal an, dann sind ausgelassene, fröhliche Momente nur sehr, sehr selten zu finden. Die emotionale Schwere ist wirklich enorm. Während ich bei manchen Büchern aus dem NA-Genre nicht ganz verstehe, ob es eine Triggerwarnung gebraucht hätte, hätte es die hier doppelt und dreifach gebraucht.


Ein weiteres Problem von „A Reason to Stay“ ist auch, dass der Einstieg nicht ganz so gut gelingt. Man merkt, dass Billy und Cedric beide Geheimnisse haben und die werden so bewusst verschleiert, dass es oftmals schwer ist, direkt einen Pack an bei ihnen zu finden. Deswegen haben für mich auch die Funken zwischen ihnen nicht wirklich gesprüht zumal es dann auch zu schnell ging. Die Autorin wollte eilig die Beziehung zwischen ihnen herstellen, um ans Eingemachte zu gehen, aber da war es dann leider schwierig, die Leser*innen von Anfang an einzufangen. Hat man aber einmal diesen Punkt überwunden, dann muss man anerkennen, dass Benkau eine wahrlich gute Erzählerin ist. Sie gibt Cedric und Billy sowie ihren engsten Nebenfiguren so viel Tiefe, das ist schon sehr beeindruckend. Während oft bei NA das Problem ist, dass es in den entscheidenden Momenten zu oberflächlich bleibt, muss sich Benkau diesen Schuh nicht anziehen. Vielleicht hätte es dem Buch noch besser gestanden, wenn nicht gleich so viele thematische Brocken angegangen worden wären, dann hätte Benkau aus weniger noch mehr machen können und vor allem ihren Figuren auch noch mehr Freudenmomente gewähren können.

Da ich „A Reason to Stay” als Hörbuch hatte, möchte ich im abschließenden Abschnitt noch einmal darauf eingehen. Für mich ist es immer eine riesige Gewöhnungssache mit den Stimmen, aber sowohl bei der Sprecherin als auch bei dem Sprecher hat sich zum Glück schnell ein Gewöhnungseffekt eingestellt. Vielleicht ist es nicht immer gelungen, die Stimmen von anderen entscheidend abzusetzen, aber für sich individuell haben sie einen guten Job gemacht.

Fazit: Jennifer Benkau kann sich durchaus auch weiterhin im NA-Genre ausprobieren (ein zweiter Band ist ja schon angekündigt), denn sie beweist, dass sie viel inhaltliche Tiefe anbieten will und das qualitativ auch bringen kann. Vielleicht ist es zu viel des Guten an manchen Stellen, weil die thematischen Brocken tatsächlich groß sind und so nur wenige freudige Momente möglich sind, aber da das Genre oft eher den gegenteiligen Eindruck hinterlässt, zu viel Oberflächlichkeit, ist der Weg genau richtig.

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Veröffentlicht am 25.07.2021

Trotz vieler Seiten auch gewisse Lücken

What if we Trust
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Für Sarah Sprinz ist ihre „What If“-Reihe nicht ihre ersten Bücher, die veröffentlicht wurden, für mich sind es aber die ersten Bücher, die ich von ihr zu lesen bekommen habe. Während mich „What If We ...

Für Sarah Sprinz ist ihre „What If“-Reihe nicht ihre ersten Bücher, die veröffentlicht wurden, für mich sind es aber die ersten Bücher, die ich von ihr zu lesen bekommen habe. Während mich „What If We Drown“ noch nicht restlos überzeugen konnte, war „What if we Stay“ dagegen wirklich ein wahrer Genuss, der natürlich zwangsweise gewisse Erwartungen für den finalen Band der Reihe geschürt hat. Mit Hope steht da auch die letzte Bewohnerin der WG für ihr Happy End in den Startlöchern und auf ihre Geschichte habe mich speziell gefreut.

Ich habe mich wahrlich nicht umsonst auf Hope gefreut, denn von allen drei weiblichen Hauptfiguren ist sie die, die mir charakterlich am ähnlichsten ist. Ich habe teilweise ganze Gedankenpassagen, ganze Dialoge zu lesen bekommen, in denen ich mich so wiedererkannt habe, dass es schon fast unheimlich war. Ohne Frage war damit Hope rasant mein absoluter Liebling, weil ich ihre Entscheidungen auch nachvollziehen konnte, weil ich sie genauso hätte treffen können. Doch dann kommt auch schon der Knackpunkt des Buchs ins Spiel, denn es geht eben nicht nur um Hope. Auftritt Scott. Schon in den Vorbänden war immer etwas zu Sänger PLY angedeutet worden, aber persönlich war er noch nicht in Erscheinung getreten. Mit „What if we Trust“ bekommt er nun einen gesamten Band, um sich zu präsentieren, aber irgendwie wollte es nicht klappen, dass er mich als Leserin abgeholt hat. In seinen ersten Szenen benimmt er sich völlig daneben und dann macht die Autorin leider auch den Fehler, dass sich viele Passagen aneinanderreihen, in denen Scott keinerlei Rolle spielt. Da geht es um Hope und ihre Fan Fiction, die veröffentlicht werden soll und nach ihrer Rückkehr in den Alltag ist da plötzlich eine Verbindung zwischen den beiden Figuren da.

Dieser Schritt hin zu den intensiven Gefühlen hat sich mir aber nicht erschlossen. Sie waren auf einmal da und plötzlich waren Hope und Scott eine unwiderrufliche Einheit. Auch wenn ich sagen muss, dass der Teil, in dem sie dann zusammen sind und wo Scotts Geschichte aufgearbeitet wird, einen echten thematischen Brocken hat, der auch mit viel Fingerspitzengefühl angegangen wird. Hier wird es emotional so tief, dass man nun alles sehr, sehr gut nachvollziehen kann. Da ärgert es mich doch umso mehr, dass diese Möglichkeit nicht schon früher bei Scott gegeben war, denn so ist leider ein wichtiger und entscheidender Teil des Buchs nicht clever gelöst worden. Weiterhin kommt dann hinzu, dass das Buch unheimlich lang ist für das Genre NA. Und dennoch habe ich gleich mehrere Aspekte, wo ich am Ende sagen muss, dass sie mir zu blass geblieben sind. Da ist zum Beispiel, dass bei Hope plötzlich auf den Tisch kommt, dass sie immer das Gefühl hatte, den Erwartungen ihrer Familie nicht gerecht zu werden. So schnell wie die Thematik auftauchte, war sie dann auch wieder verschwunden. Dann haben wir auch die gesamte Geschichte rund um Jenn, bei der ich auch nach der letzten Szene zwischen ihr und Hope das Gefühl hatte, dass mir ein entscheidender Teil vorenthalten wurde. Das bedeutet in der Konsequenz aber wieder, dass viele viele Seiten nicht konsequent genutzt wurden. Ganz ehrlich habe ich sogar gedacht, dass die Geschichte nach der ersten Versöhnung beendet sei, denn hier war doch einiges rund, aber dennoch kam noch mal ein ganzer Rucksack hinten drauf.

Insgesamt bleibt bei mir so der Eindruck, dass die Geschichte von Hope und Scott letztlich zu sehr auf sein Leben in der Öffentlichkeit ausgerichtet wird. Da wird zwar jede Mininuance mitgenommen, aber oft auch so dramatisch, dass es sich an Emotionen und Entwicklungen nicht so gut hat gewichten lassen. Bei der ganzen Kritik möchte ich aber dennoch nicht den Endeindruck zulassen, dass ich das Buch nicht genossen hätte. Sprinz hat sich mit der Reihe wirklich eingeschrieben. Sie hat so definitiv ein Niveau gefunden, dass ich nur bewundern kann, weswegen jede weitere Reihe von ihr automatisch auf meiner Liste stehen wird.

Fazit: „What if we Trust“ ist mir mit Hope thematisch sehr nahe, weil ich mich extrem in ihr wiedererkannt habe. Doch viel mehr bleibt in Erinnerung, dass ihre Liebesgeschichte zu Scott zunächst nicht in Gang kommt und dann zu schnell einem Feuerwerk entspricht. Es wird hier viel an Emotionen und Gefühlen ausgepackt, aber dennoch hat mir der Zwischenschritt gefehlt, all das wirklich mitfühlen zu können. Für ein sehr langes Buch gibt es auch einige inhaltliche Lücken. Also insgesamt wie immer ein Lesevergnügen, aber diesmal doch mit einigen Einschränkungen.

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Veröffentlicht am 19.07.2021

Nahezu qualitative Kopie des Vorgängers

Wenn in mir die Glut entflammt
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Abby Jimenez habe ich mit „Wenn aus Funken Flammen werden“ kennengelernt und musste wirklich den Hut ziehen, wie dort auf einfühlsame Art und Weise das Thema Unfruchtbarkeit der Frau aufgegriffen worden ...

Abby Jimenez habe ich mit „Wenn aus Funken Flammen werden“ kennengelernt und musste wirklich den Hut ziehen, wie dort auf einfühlsame Art und Weise das Thema Unfruchtbarkeit der Frau aufgegriffen worden ist, denn normalerweise findet man eine solche Tragweite in Liebesgeschichten eher selten. Dennoch war ich nicht unbedingt heiß darauf, den zweiten und schon wieder letzten Band der Reihe, „Wenn in mir die Glut entflammt“, sofort nach Erscheinen zu lesen, warum auch immer. Dennoch habe ich ihn jetzt im Dunstkreis der Veröffentlichung gelesen und ich musste doch sehr schmunzeln, dass meine Rezension zum ersten Band auch wunderbar auf den zweiten Band passen würde.

Hauptfigur Sloan haben wir bereits im ersten Band schon kennengelernt und sie hätte das Schicksal nicht härter treffen können, denn sie hat ihren Verlobten durch einen tragischen Unfall verloren. Nachdem klar war, dass sich der zweite Band um sie drehen würde, war mir natürlich direkt bewusst, dass wir es wieder mit einem ernsten Thema zu tun haben würden. Dafür hätte ich wiederum nicht damit gerechnet, wie sehr ich den Einstieg in das Buch genießen würde, denn Sloan ist nicht mehr in der depressiven Phase ihres Trauerprozesses und kann in Ansätzen nach vorne schauen, weswegen ihr ganzer schriftlicher Austausch mit Jason wirklich extrem lustig und ansprechend gestaltet worden ist. Mit dem Element des Hundes ist auch ein Faktor reingenommen worden, der wirklich geholfen hat, weil der Umgang von ihnen jeweils mit ihm und durch ihn einfach nur ans Herz gehen kann. Durch den zunächst nur rein schriftlichen Kontakt, der oft sehr frech und dann irgendwann die Anrufe, ist eine unweigerliche Spannung entstanden. Wie würde es für die beiden wohl sein, wenn sie sich das erste Mal zu Gesicht bekommen?

Dieser Spannungsbogen ist sehr geschickt aufgebaut worden und hat dann auch nicht enttäuscht, denn Jason ist einfach ein toller Kerl und wie er sich um Sloan bemüht, ist herzerwärmend und könnte man sich ewig durchlesen. Bei all dem darf man aber nicht vergessen, dass sie trotz all der Anziehung auch oft Rückschritte erleben, denn Sloan kann sich nicht überstürzt in eine neue Beziehung stürzen; jeder Schritt dorthin ist hart erkämpft. Dieser Prozess wird authentisch und einnehmend transportiert. Bis hierhin war also wirklich alles wunderbar, Kurs Richtung fünf Sterne, aber dann hat sich ein wenig der Fehler des ersten Bandes eingeschlichen, dass es immer mehr Drama wurde mitsamt Hinauszögern von Unausweichlichem. Ich sehe es ohnehin immer sehr kritisch, wenn ein Teil des Paares entweder sehr reich oder ein Star ist. Nun ist Jason als Jaxon Musiker und man kann auch eigentlich nicht sagen, dass dieses Thema übertrieben ausgeschlachtet wird, aber es sorgt auch für dramaturgische Wendungen, die ich für die Geschichte nicht unbedingt gebraucht hätte.

Auf der einen Seite fand ich es schade, dass aus Jasons Job als Musiker nicht mehr herausgeholt wurde, denn gerade ein Blick in seine Texte oder mal wirklich zu erleben, wie er sich bei all dem fühlt, das wäre echt schön gewesen! Andererseits war mir die Welt mit Manager und aufdringlicher Nebenbuhlerin zu klischeehaft. Das Buch nimmt zum Ende hin einige Wendungen, bei denen die Klischees dann wieder ausgehebelt werden, das ist gut, aber es ist zu unausgewogen. Zumal sich durch einiges Hin und Her auch manchmal die Fehler bei den Protagonisten so in den Vordergrund drängt, dass ich nur hoffe, dass es bald vorbei ist, damit sich meine Sympathien nicht entgegen entwickeln. Wie im ersten Band gibt es aber auch hier ein sehr großes Happy End, aber es ist hier thematisch stimmiger und gleichzeitig auch noch eine wunderbare Ergänzung für das Paar aus dem ersten Band.

Fazit: „Wenn in mir die Glut entflammt“ bestätigt im Grunde haargenau die Eindrücke von „Wenn aus Funken Flammen werden“, was das Erstlingswerk von Abby Jimenez darstellte. Erneut scheut die Autorin sich nicht vor einem ernsten Thema und schafft eine Liebesgeschichte zum Mitfiebern. Manchmal ist es ein wenig zu viel, zu klischeehaft, aber der Schreibstil und der mitreißende Inhalt sprechen für sich.

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Veröffentlicht am 18.07.2021

Hat mich nicht zum Träumen gebracht

The Brooklyn Years - Wovon wir träumen
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Nun gehen wir mit „Wovon wir träumen“ schon in den vierten Band der Reihe „The Brooklyn Years“ von Sarina Bowen. Und es wäre definitiv gelogen, wenn ich sagen würde, ich wäre auf diesen Band nicht besonders ...

Nun gehen wir mit „Wovon wir träumen“ schon in den vierten Band der Reihe „The Brooklyn Years“ von Sarina Bowen. Und es wäre definitiv gelogen, wenn ich sagen würde, ich wäre auf diesen Band nicht besonders gespannt gewesen. Das ist für mich fast schon überraschend, denn es war schon wegen der beruflichen Positionen von Nate und Rebecca klar, dass es nicht o sehr um Eishockey gehen würde wie zuvor und dennoch haben diese beiden in den drei Bänden zuvor schon alle Funken fliegen lassen und das nur durch immer wieder kleine Szenen. Deswegen war ich wirklich sehr gespannt, wie es werden würde, wenn es doch gleich ein ganzes Buch ist.

Letztlich muss ich aber sagen, dass meine Vorfreude sich leider nicht im Endergebnis widerspiegeln konnte. Ein entscheidender Faktor für die Enttäuschung ist sicherlich, dass die Inhalte von Band 3 und 4 größtenteils parallel stattfinden. Durch die Perspektive von Beacon und Lauren wussten wir schon über viele Entwicklungen von Nate und Rebecca Bescheid. Es waren natürlich nur Andeutungen, aber dennoch hat dieser Band bewiesen, dass diese Andeutungen praktisch schon alles voraus genommen haben. Viel mehr ist in dem Buch selbst dann nicht passiert und das darf eigentlich nicht passieren. Sonst haben Reihen höchstens minimale Parallelen, was auch definitiv der bessere Weg ist, denn hier zeigt sich, wie viel Spannung dadurch wegfällt.

Jetzt sind Liebesromane natürlich nicht vor allem für Spannung da, aber neben der Tatsache, dass man schon genau wusste, was passieren würde, war von den Funken zwischen Nate und Rebecca nicht mehr viel da, wo wir nun einmal in ihren Köpfen stecken. Und das ist definitiv die noch größere Enttäuschung, denn auf die Liebe kommt es definitiv an und die muss dann auch sitzen! Warum es vor allem nicht geklappt hat, muss ich leider an Becca festmachen. Sie war in den Bänden davor für mich immer so ein Leuchtkegel. Sie hatte nicht die Hauptrolle, aber sie war dennoch stets präsent und hatte einfach eine Art, die man mögen musste. Doch diese Becca habe ich in ihrer eigenen Geschichte nicht mehr gefunden. Sie wirkte nur wie ein Abziehbildchen, bei dem die Farben aber wahrlich nicht mehr so strahlend sind. Natürlich erleben wir sie aufgrund ihrer Kopfverletzung auch am absoluten Tiefpunkt und dennoch hat sie sich oft sehr kopflos und recht lieblos verhalten. Zudem hätte ich auch gedacht, dass man ihre Gefühle für Nate übermäßig spüren würde. Während das bei ihm für sie auch definitiv gegeben war, so stehe ich bei Becca doch da und frage mich, wo denn da wirklich ihre Leidenschaft war.

Letztlich gab es noch viele kleine weitere Aspekte, die eher ein trübsinniges Gefühl vermittelt haben. So fand ich die Kapitel aus der Vergangenheit in einem ganz seltsamen Erzählstil geschrieben. Erinnerte irgendwie an ein Märchen, war aber meiner Meinung völlig deplatziert, denn der Sinn dahinter lag nicht auf der Hand. Weiterhin fand ich die Überpräsenz von überwachender Technik durch KI anstrengend. Natürlich passte es zu Nate, aber wenn dann eine Künstliche Intelligenz beim Lustspiel zuhört, dann ist es irgendwie eher peinlich und hat dementsprechend auch nicht geholfen, die Chemie zwischen Nate und Becca entscheidend aufzupeppen. Während mir das Ende doch insgesamt wieder gefiel, weil es auch starke Bilder waren, so merke ich nach Band 4 doch endgültig, dass „The Brooklyn Years“ einfach nicht meine Reihe ist. Bis jetzt hat mich noch kein Band übermäßig begeistert, aber dass ausgerechnet der hoffnungsgemäß beste mich am meisten enttäuscht, nein, das sagt nichts Gutes aus. Sicherlich werde ich Band 5 auch noch durchziehen, aber ich bin doch froh, von Bowen mal wieder eine neue Reihe zu lesen bekommen.

Fazit: Es tut mir fast leid, das auszusprechen, aber „Wovon wir träumen“ hat mich überhaupt nicht träumen lassen. Ich hatte viele Hoffnungen bei Nate und Becca, die aber nicht erfüllt wurden. Die Inhalte waren durch Band 3 schon zu sehr bekannt und leider hat die Chemie nicht so gestimmt, wie es hätte sein müssen. So leider gelesen und quasi schon wieder vergessen.

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