Hoffnungsstiftend mit realen Schicksalen
Pina fällt aus„Pina fällt aus“ wäre wohl nie auf meiner Leseliste gelandet, wenn ich nicht eine begeisterte Lesestimme dazu gehört hätte. Da das Buch zudem nicht viele Hörstunden hat, wollte ich doch gerne mal selbst ...
„Pina fällt aus“ wäre wohl nie auf meiner Leseliste gelandet, wenn ich nicht eine begeisterte Lesestimme dazu gehört hätte. Da das Buch zudem nicht viele Hörstunden hat, wollte ich doch gerne mal selbst eintauchen.
Das Hörbuch wird von Elisabeth Günther gelesen und das war für mich schon ein erster Aha-Effekt, weil sie auch eine sehr bekannte Synchronsprecherin ist, die schon viele Größe gesprochen hat. Als Hörbuchstimme hatte ich sie noch nicht, deswegen war es schön, so eine vertraute Stimme im Ohr zu haben. Dennoch fand ich das Hörbuch von „Pina fällt aus“ nicht ideal produziert. Wer ansonsten vor der Wahl steht, dem würde ich wohl zum gedruckten Buch oder zum Ebook raten. Auch wenn es gut gelesen war, aber die Geschichte wird aus der Perspektive vieler Figuren erzählt und die Übergänge waren oft so fließend, dass es mit nur einer Hörbuchsprecherin nicht immer einfach war. Mal kurz abdriften wird hier schnell fatal, aber auch konzentriert bei der Sache war es definitiv eine Herausforderung. Ich empfinde Hörbücher lieber als entspannt.
Kommen wir jetzt zum Inhalt und auf der Ebene hat mich „Pina fällt aus“ in jedem Fall überzeugt. Ich habe und hatte im eigenen Umfeld auch Fälle, wo ein Kind eine Behinderung hat und es viel um akute und zukünftige Sorgen geht. Daher fand ich die Situation von Pina und ihrem Sohn Leo sehr nahbar und einnehmend. Da wir am Anfang so eng am Lebensalltag von den beiden sind, waren die Sympathien schnell geweckt. Es wird deutlich, wie beschwerlich Pinas Alltag als alleinerziehende Mutter ist und gleichzeitig wird aber auch ein Eindruck erzeugt, wie eingespielt die beiden sind und wie viel Liebe füreinander existiert. Mit dem Schicksalsschlag für Pina geht dann der nächste Teil des Buchs los, denn auf einmal ist die ganze Nachbarschaft involviert, denn Leo kann sich alleine nicht versorgen, ist aufgrund seines Alters aber ein Fall im System, der nicht reinpasst und für den nichts vorgesehen ist.
Auch die dargestellten Nachbarn sind höchst unterschiedliche Figuren. Es sind sehr echte Menschen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben und die alle auf ihre Art im Haus aneinander vorbei gelebt haben. Bis sie eben in die Situation kommen, dass einfach Wegschauen kaum noch möglich ist. Wir haben auch im Krankenhaus bei Pina noch Charaktere und all das läuft parallel. Wir haben dann eben die Nachbarschaft, die irgendwann alles tut, um Leo zu helfen und wir haben Pina im Krankenhaus, der eine andere Perspektive geliefert wird, sodass sie sich mehr Hilfe von außen öffnen kann. Auch wenn „Pina fällt aus“ Spannungsmomente fehlen, so überzeugt der Roman umgekehrt mit der erzeugten Botschaft. Trotz der Tragik der Situation und so mancher Lebenssituationen, die einen nachhaltig beschäftigen, hat für mich die ganze Entwicklung echt Hoffnung erzeugt. Denn das Thema war letztlich gewählte Familie und wie ein Verbund an Menschen zusammenwachsen kann und das ist das schönste an sozialen Beziehungen.
Fazit: „Pina fällt aus“ hätte mir als gedrucktes Buch wohl nochmal etwas besser gefallen, aber auch so bin ich froh, dass ich dieses Experiment gewagt habe, denn die Geschichte war sehr authentisch, nachdenklich und am Ende mit einer hoffnungsstiftenden Botschaft, die man in diesen Zeiten gut gebrauchen kann.