Spannender Kampf gegen die Dunkelheit
I Am the BladeVon Marie Grasshoff habe ich vor einigen Jahren ihre „Neon Birds“-Reihe gelesen, die ich echt toll fand. Aber wie es manchmal so ist, manche Autoren hat man immer auf dem Schirm, andere rutschen beim Überangebot ...
Von Marie Grasshoff habe ich vor einigen Jahren ihre „Neon Birds“-Reihe gelesen, die ich echt toll fand. Aber wie es manchmal so ist, manche Autoren hat man immer auf dem Schirm, andere rutschen beim Überangebot durch die Maschen. Als nun „I Am The Blade“ angekündigt wurde, mit einem fantastischen Cover, da war mir gleich klar, dass es doch die ideale Chance ist, die Autorin noch einmal zu begleiten und sie danach auch nicht mehr aus den Augen zu lassen.
Mir hatte an der SciFi-Reihe von Marie Grasshoff gefallen, dass sie sich so ausprobiert hat. Auch wenn es nicht das Genre ist, in dem ich sonst lese, aber ich hatte einfach den Eindruck, dass sie Welten erschaffen kann und dann auch Meisterin davon ist. Das ist eine Fähigkeit, die auch in Fantasy gefragt ist, dementsprechend war mir klar, dass das andere Genre hier an ihren Stärken nichts ändern wird. Ich bleibe aber zunächst nochmal beim Cover und generell den ganzen Grafiken. Grasshoff ist nämlich auch Künstlerin und ich fand damals auch schon die Illustrationen zu der „Neon Birds“-Reihe wirklich großartig. Umso cooler, dass ihre Sachen nun auch tatsächlich bei dem Buch fleißig eingebunden wurde. Ob nun das Cover, die Rückseite oder alles in den Innenklappen, es sieht echt poppig und einfach großartig aus. Mit mangelnder Vorstellungskraft meinerseits bin ich sehr dankbar, weil ich so die ganzen Bilder vor Augen hatte. Also ein Kunstwerk in Wort und Bild.
Kommen wir nun zum Inhalt. Es wurde schnell augenscheinlich, dass Grasshoff wieder eine extrem reiche Welt erschaffen hat. Sie schreibt selbst in ihren Dankesworten, dass all ihre Bücher zuvor sie an diesen Punkt gebracht haben und das ist die Entwicklung, die ich eigentlich allen wünschen. Man lernt mit jedem erreichten Schritt wieder neu dazu, kann aber immer auf alte Erkenntnisse aufbauen. Und Grasshoff kann hier aus dem Vollen schöpfen. Umgekehrt bedeutet das für mich als Leserin, bei der Fantasy auch nicht das liebste Genre ist, dass ich erst richtig dafür arbeiten muss, um inhaltlich vollkommen mitzukommen. Bei ihrer SciFi-Reihe waren die wechselnden Perspektiven hilfreich, weil so durch die verschiedenen Lebensumstände schnell genug Infos zusammen waren. Hier dauert es länger, weil wir nur mit Seren durch das Geschehen gehen. Einige Konzepte wie das Lager, die Dunkelheit, Echos etc., das brauchte etwas Zeit. Zäh zu lesen war es deswegen aber nicht, es war nur komplex, weswegen ich mir bewusst anfangs auch Zeit gelassen habe. Mein Lesetempo hat sich später dann aber immer mehr gesteigert, weil sich die ganze Vorarbeit gelohnt hat. Dann greifen die Rädchen ineinander und ich konnte mich auf die Charakterarbeit und die Action konzentrieren.
Es ist als Romantasy angekündigt worden, aber ich meine es als größtes Kompliment, dass es nur wenig Romantasy war. So viele tolle Reihen, die sich einfach darin verlieren, dass die Liebesgeschichte viel zu prominent inszeniert wird. Aber das ist hier nicht passiert. Die Ausgangssituation zwischen Seren und Vale ist auch maximal belastet und dann wirkte es stellenweise auch so, dass wir das Echo im Lager etwas vergessen haben, aber das hat mich auch nicht geärgert, weil wir auch mit Mx und Levia so tolle Charaktere noch haben. Es muss nicht immer die Liebesgeschichte sein, die zieht, es gibt so viele Charakterkonstellationen mehr und das hat Grasshoff für mich hier bewiesen. Irgendwann spielt Vale dann eine größere Rolle, aber es ist ein langsamer Prozess. Zwar mit Übersprungshandlung (und es fehlt seine Perspektive), aber die beiden waren anfangs zwei Enden einer Sache und haben sich immer mehr angenähert und deswegen hat es sich so natürlich angefühlt. Die beiden, aber auch MX und Levia werden uns im zweiten Band sicherlich noch viel Spaß bereiten.
Was mir als Ausgangspunkt auch sehr gut gefallen hat, dass man von Anfang an den Finger daran hat, dass unsere Heldin Seren eigentlich auf der falschen Seite steht. So oft haben wir es im Genre, dass die Protagonistin schon zu den Rebellen gehört oder aber dass es zwei Seiten ohne Gewinner geht, oder sie ist Teil der vermeintlich ‘Guten’ und es kommt Gefahr von außen. Hier war es aber schon so, dass Seren von Anfang an als Waffe von anderen inszeniert wird. Sie hat eigene Gefühle und Überzeugungen, aber man merkt, wie sehr sie auch von einem System geprägt wurde. Das hat mir dann doch sehr gefallen, mit ihr gemeinsam eine andere Version von sich zu erkunden. Und es wurde auch deutlich, dass das der Grund der Annäherung mit Vale war. Auch wenn ich sagen muss, dass man bei den suspekten Figuren letztlich immer richtig gelegen hat, aber die Spannung hat das nicht gemindert. Es gab zwar auch mal länger gezogene Passagen, die ich intuitiv vielleicht etwas gekürzt hätte, aber ich möchte wirklich nicht meckern, denn ich habe echt viel geschenkt bekommen und bin schon sehr gespannt auf die ganzen Möglichkeiten aus Band 2.
Fazit: Es war goldrichtig, mich wieder Marie Grasshoff zuzuwenden. Ihre Stärken aus der „Neon Birds“-Reihe haben sich in „I Am The Blade“ voll ausgespielt. Zwar ein anderes Genres, aber auch im Bereich Fantasy sollte man komplexe Welten entwerfen können und das war hier der Fall. Es braucht etwas für den Funken, aber war er einmal gezündet haben wir doch sehr packende Figuren, spannende Entwicklungen und einfach eine gute Zeit.