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Veröffentlicht am 07.06.2026

Ein beklemmendes aber eindrucksvolles Leseerlebnis!

She’s a Star!
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"She's a Star!" handelt von Jessamyn, die unbedingt Musicaldarstellerin werden will! Stattdessen fristet sie ein erfolgloses Dasein als Mitarbeiterin in einem Theater, nimmt überteuerte Gesangsstunden ...

"She's a Star!" handelt von Jessamyn, die unbedingt Musicaldarstellerin werden will! Stattdessen fristet sie ein erfolgloses Dasein als Mitarbeiterin in einem Theater, nimmt überteuerte Gesangsstunden bei einer Lehrerin, die in ihr den nächsten Broadway-Star sieht und tritt zwischendurch in Werbespots auf. Als an ihrem Theater das Musical "The Sound of Music" aufgeführt werden soll, bewirbt sich Jessamyn auf die Hauptrolle, da ihr dieses Stück unendlich viel bedeutet. Doch sie wird nicht gecastet, sondern als Betreuerin für die Kinderdarsteller eingestellt. Nach und nach verliert Jessamyn den Bezug der Realität und verliert sich in Obsession und Ehrgeiz, bis letztendlich davon überzeugt ist, dass sie der eigentliche Star ist. Von da an ist ihr jedes Mittel recht, um bei der Premiere auf der Bühne stehen zu können...

Ich fand dieses Buch zwar stellenweise unterhaltsam, aber vor allem sehr schwer zu lesen. Jessamyn lebt in ihrer eigenen Welt. Obwohl sie mir sehr unsympathisch ist, tut sie mir einfach nur leid. Ich hatte die ganze Zeit ein Gefühl der Beklemmung beim Lesen, denn das hier ist kein cozy read. Jessamyn hat viele Probleme und noch mehr aufzuarbeiten.

Aber trotzdem ist der Aufbau großartig! Ich habe genau gemerkt, wie Jessamyn Stück für Stück den Verstand verliert und in ihren Handlungen immer mehr eskaliert. Stellenweise konnte ich nicht mehr unterscheiden, woran sie sich erinnert, was sie sich einbildet, was sie verdrängt und was sie sich schön redet. Ihre Gedanken sind schwer nachzuvollziehen und sie widerspricht sich sehr oft. Das zu entdecken, hat mir viel Spaß gemacht, auch wenn es natürlich errschreckend ist.

Das Ende des Romans hat mir auch sehr gut gefallen, nicht nur weil die Eskalation deutlich wird (um nicht zu spoilern, führe ich das an der Stelle nicht weiter aus, nur so viel: es gibt Konsequenzen).

Ich kann "She's a Star!" allen empfehlen, die sich für Theater und Musicals interessieren und Spaß an Charakteren haben, die den Verstand verlieren.
Außerdem lege ich es wärmstens den Leser*innen von Joana Junes Roman "Bestie" ans Herz (was ebenfalls bei pola erschienen ist). Denn beide Romane basieren auf Tschechows Komödie "Die Möwe" und es hat mir viel Spaß gemacht, die Parallelen zwischen "Bestie" und "She's a Star!" zu suchen ("Bestie" hat mir allerdings etwas besser gefallen). Als nächstes nehme ich mir das Originalwerk "Die Möwe" vor!

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Veröffentlicht am 09.05.2026

🎶Sie wollen Tipps von mir, wie man eine Baddie wird🎶

Frauen schulden dir gar nichts
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"Frauen schulden dir gar nichts" ist ein feministisches Sachbuch, das sich mit gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen auseinandersetzt. Es geht um Selbstliebe, Grenzen setzen, den male gaze, eigene Privilegien ...

"Frauen schulden dir gar nichts" ist ein feministisches Sachbuch, das sich mit gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen auseinandersetzt. Es geht um Selbstliebe, Grenzen setzen, den male gaze, eigene Privilegien (die frau checken sollte) und gegenseitigen Support. Das Buch ist einsteigerfreundlich und leicht verständlich. Besonders toll fand ich die zahlreichen, thematisch passenden Illustrationen!

Die Idee des Buches ist, (kleine) Denkanstöße zu liefern, die sich direkt umsetzen lassen. Das sind vor allem Reality Checks, die zum sich-selbst- Hinterfragen anregen. Weil ich mich schon eine Weile mit Feminismus beschäftige, liefert "Frauen schulden dir gar nichts" kaum neue Erkenntnisse für mich, sondern eher Reminder für die Basics. Die Perspektive ist die einer normschönen, weißen Frau, das macht die Autorin Florence Given mehrfach deutlich und adressiert eine entsprechende Zielgruppe.

Das Buch liest sich wie ein feministischer Verhaltensratgeber. Das ist an sich nicht schlecht, da es am einfachsten ist, das eigene Verhalten zu überdenken und verändern und sich erstmal an die eigene Nase zu fassen (irgendwo muss ja angefangen werden). Gesellschaftliche, strukturelle Veränderungen sind nicht der Anspruch des Buches, das Individuum steht klar im Fokus.
Es ist vor allem ein "Wohlfühlbuch" und nach dem Lesen habe ich mich auch sehr gut und empowert gefühlt. Ich empfehle das Buch als Einstieg ins Thema.

Ich hatte beim Lesen die ganze Zeit einen Ohrwurm von Ikkimels Song "Tipps von mir", da mich das Buch stellenweise sehr daran erinnert hat. Florence Given geht zwar etwas mehr in die Tiefe als in einem zweiminütigem Track möglich ist (wobei Mutter Ikki beeindruckend viel abgedeckt hat), aber der Tenor ist ein ähnlicher.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Eine gelungene Diskursanalogie!

Medusa in Paradise
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"Medusa in Paradise" handelt von einem Flugzeugabsturz, durch den 20 Frauen auf einer verlassenen Insel stranden. Hier müssten sie eigentlich ums Überleben kämpfen, doch stattdessen führen sie feministische ...

"Medusa in Paradise" handelt von einem Flugzeugabsturz, durch den 20 Frauen auf einer verlassenen Insel stranden. Hier müssten sie eigentlich ums Überleben kämpfen, doch stattdessen führen sie feministische Grundsatzdiskussionen. Wer ist eine Frau? Gendern wir? Jede politische Ideologie und Generation aus dem aktuellen feministischen Diskurs ist vertreten! Die Geschichte wird aus der Sicht von Cara erzählt, der eine feministische Göttin erscheint. Da Cara ihr Gedächtnis verloren hat, ist sie angesichts der Streitereien sehr verwirrt, hat keine Meinung und versucht verzweifelt, nirgendwo anzuecken und nichts "Falsches" zu sagen oder zu machen.

Zwar steht vorne im Buch drin, dass "jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen nicht beabsichtigt und rein zufällig ist", aber ich habe doch ein paar Personen erkannt. Else hat mich ein bisschen an Alice Schwarzer erinnert und Nykki ist eine Version von Ikkimel. Ansonsten haben wir noch eine Kommunistin, eine Trad Wife (die von den anderen nur "Nazibraut" genannt wird), eine Girlboss-Feministin mit eigenem Unternehmen, mehrere Queers und PoCs, die auf Mehrfachdiskriminierungen aufmerksam machen, eine esoterische Feministin, die von "weiblicher Energie" spricht und viele mehr... Da ist wirklich alles dabei! Ein großes Highlight war für mich auch die feministische Gottheit, die verschiedenen Mythologien entlehnt ist!

Diese Figuren sind sehr überzeichnet und häufig anstrengend. Mit manchen von ihnen konnte ich mehr relaten als mir anderen. Außerdem habe ich beim Lesen genau gemerkt, wo meine blinden Flecken in der Thematik sind und wo ich mich weiterbilden kann, um in Zukunft sensibler zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar. Besonders hilfreich ist, dass ganz hinten im Buch ein Sachbuchverzeichnis ist, das weiterführende Literatur aufführt, auf die sich in den Diskussionen von "Medusa in Paradise" bezogen wird. Trotz der Anstrengung fand ich vieles auch sehr unterhaltsam, eben weil es so überzeichnet ist.

Dieses Buch ist eine wunderbare Analogie für aktuelle feministische Diskurse! Es gibt sooo viele Ansätze, die diskutiert werden. Beim Lesen dachte ich mir oft: "Leute ihr habt doch eigentlich Wichtigeres zu tun, als euch gegenseitig zu zerfleischen!". Und genau das ist an diesem Buch so gelungen. Es zeigt Konfliktlinien auf und das wir uns, anstatt das Patriarchat zu bekämpfen, eher gegenseitig zerfleischen, weil wir unterschiedliche Vorstellungen vom Feminismus haben. Es ist ein Plädoyer, sich zusammenzuraufen, sich auf sachliche, respektvolle Diskurse einzulassen und selbstreflektiert offen für andere Ansichten zu sein. Denn letztendlich sind wir alle aufeinander angewiesen und können voneinander lernen!

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Zu kitschig

The Last Wish of Bristol Keats
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Während ich ein sehr großer Fan von Pearsons "Chroniken der Verbliebenen" bin und mir auch "The Courting of Bristol Keats" sehr gut gefallen hat, hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" leider nicht ...

Während ich ein sehr großer Fan von Pearsons "Chroniken der Verbliebenen" bin und mir auch "The Courting of Bristol Keats" sehr gut gefallen hat, hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" leider nicht ganz so sehr abgeholt.
Die Handlung dieses zweiten, finalen Bandes knüpft nahtlos an Band 1 an und alle Handlungsstränge, die im ersten Teil aufgemacht wurden, werden fortgeführt. Jedes kleinste Detail wird wichtig und das fand ich sehr toll zu lesen, weil sich alles perfekt zusammenfügt.

Schon im Klappentext wird angeteasert, dass eine Person stirbt und das geschieht auch recht zu Anfang des Buches. Ich habe bei diesem Mord leider überhaupt nicht mitgefühlt, sondern mich eher gefragt: "Wer war diese Figur nochmal??". An dieser Stelle tut es den Emotionen nicht so gut, dass schon in Band 1 sooo unglaublich viele Nebenfiguren eingeführt wurden. Das sorgt zwar dafür, dass Elfheim detailreich und riesengroß wirkt, führt allerdings im entscheidenden Moment dazu, dass kaum Bindung zu den Charakteren da ist. Das wurde im Laufe des Buches etwas besser, da ich mehr Zeit mit den Charakteren verbringen konnte, aber eine richtig enge Bindung habe ich nicht aufbauen können und das finde ich etwas schade.

Am meisten herausgerissen haben mich die Spice-Szenen! Die waren für mich sehr unangenehm zu lesen und deutlich vulgärer und überpräsenter als im ersten Band, vor allem an, meiner Meinung nach, wirklich unangebrachten Stellen. Hallo, ihr hattet gerade einen riesigen Konflikt und solltet euch lieber vernünftig aussprechen!! Hallo, gerade ist Krieg!! Irgendwann, im Laufe der Handlung arbeiten Bristol und Thygan endlich vernünftig an ihrer Beziehung, aber ich fand das ganz schön spät.

Das epische Finale, auf das sich bestimmt 200 Seiten lang vorbereitet wurde, hat mich dann sehr berührt, das war sehr spannend aufgebaut. Allerdings mag ich das Ende nicht, was meiner Meinung nach auf einer Seite viel zu hart und auf einer anderen Seite viel zu kitschig ist. Da wurde viel Drama geschoben, damit es am Ende ein trauriges "8 Jahre später"-Kapitel und danach einen kitschigen "1 Jahr später"-Epilog geben kann. Von so etwas bin ich kein Fan, weil es dem Finale die Schlagkraft nimmt. Ich mag es lieber, wenn Bücher kurz nach dem Höhepunkt aufhören und die Figuren auf eine hoffnungsvolle Zukunft blicken, diese brauche ich aber nicht komplett auserzählt.

Alles in allem hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" zwar mitgerissen, aber ich bin oft unzufrieden aus der Handlung ausgestiegen. An den tollen ersten Band kommt dieses Finale für mich leider nicht ran.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Was will dieses Buch?

Fischtage
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"Fischtage" handelt von der sechzehnjährigen Ella, die mit Wutanfällen zu kämpfen hat. Sie lebt in Dortmund und kommt aus einer Künstlerfamilie, die Mutter ist Galeristin und der Vater erfolgloser Schauspieler. ...

"Fischtage" handelt von der sechzehnjährigen Ella, die mit Wutanfällen zu kämpfen hat. Sie lebt in Dortmund und kommt aus einer Künstlerfamilie, die Mutter ist Galeristin und der Vater erfolgloser Schauspieler. Die beiden sind definitiv keine Anwärter für den Titel "Eltern des Jahres", da ihre drei Kinder mit dem wilden Drogen- und Partyleben ihrer Eltern aufwachsen. Als der jüngste Sohn Luis verschwindet, bekommt das niemand außer Ella mit. Da sie die Schnauze voll hat, haut sie von zuhause ab, um ihn zu suchen. Im Schrebergarten des alten Eckard kommt sie unter, Gesellschaft leistet ihr ein seltsamer, sprechender, bei Gefahr singender Plastikfisch.
Und so beginnt Ellas Suche nach Luis, die vielmehr eine Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit ist.

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Ella erzählt. Sie ist unglaublich bissig in ihrer Sichtweise auf ihr Umfeld. Das war sehr unterhaltsam zu lesen. Der beste Part an diesem Buch war für mich der Anfang, wo Ella ihre Familie beschreibt und uns in ihr Leben einführt. Generell spannend fand ich die Milieustudie und an manchen Stellen die Gesellschaftskritik in diesem Buch. Ella begegnet sehr vielen, interessanten Menschen aus verschiedenen Schichten und macht eine kleine Entwicklung durch. Sie lernt, andere Menschen an sich heranzulassen und gewinnt einen anderen Blick auf die Welt. Diese Entwicklung ist schön, aber hat mich weniger mitgerissen als erwartet.

Bei manchen Figuren, wie bei Oksana, finde ich die Beweggründe nicht nachvollziehbar. Warum hilft sie Ella? Ich fand einiges nicht so ganz schlüssig. Den sprechenden Plastikfisch kann ich akzeptieren, der ist ja absichtlich unrealistisch und irgendwie lustig. Aber diese ganze Abenteuerreise mit der Auflösung am Ende hat mich nicht ganz gekriegt, sondern eher ratlos zurückgelassen. Sie wirkte auf mich sehr klischeehaft und der actionfilmmäßige Showdown wirkte auf mich deplatziert. Außerdem werden Ella schlimme Dinge angetan, die überhaupt nichts zur Handlung beitragen, konsequenzlos bleiben und nicht mehr aufgefriffen oder eingeordnet werden, als wäre es gar nicht passiert.
Und egal, wie oft ich den letzten Satz lese, ich verstehe ihn leider nicht, weil er für mich einfach nicht zum Rest des Buches passt.

Ich weiß nicht ganz, wie ich "Fischtage" finden soll, es ist so ein "Joa, kann man machen"-Buch. Der bissige Schreibstil ist toll und das Element des magischen Realismus mit dem sprechenden Plastikfisch ist sehr originell, aber die Handlung ist dann doch unerwartet gewöhnlich aufgebaut. Ich bin ein kleines bisschen enttäuscht, weil ich das Potential sehe und ein Lesehighlight erwartet habe. Ich werde zukünftigen Büchern von Brandi definitiv eine weitere Chance geben.

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