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Veröffentlicht am 04.05.2026

Eine gelungene Diskursanalogie!

Medusa in Paradise
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"Medusa in Paradise" handelt von einem Flugzeugabsturz, durch den 20 Frauen auf einer verlassenen Insel stranden. Hier müssten sie eigentlich ums Überleben kämpfen, doch stattdessen führen sie feministische ...

"Medusa in Paradise" handelt von einem Flugzeugabsturz, durch den 20 Frauen auf einer verlassenen Insel stranden. Hier müssten sie eigentlich ums Überleben kämpfen, doch stattdessen führen sie feministische Grundsatzdiskussionen. Wer ist eine Frau? Gendern wir? Jede politische Ideologie und Generation aus dem aktuellen feministischen Diskurs ist vertreten! Die Geschichte wird aus der Sicht von Cara erzählt, der eine feministische Göttin erscheint. Da Cara ihr Gedächtnis verloren hat, ist sie angesichts der Streitereien sehr verwirrt, hat keine Meinung und versucht verzweifelt, nirgendwo anzuecken und nichts "Falsches" zu sagen oder zu machen.

Zwar steht vorne im Buch drin, dass "jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen nicht beabsichtigt und rein zufällig ist", aber ich habe doch ein paar Personen erkannt. Else hat mich ein bisschen an Alice Schwarzer erinnert und Nykki ist eine Version von Ikkimel. Ansonsten haben wir noch eine Kommunistin, eine Trad Wife (die von den anderen nur "Nazibraut" genannt wird), eine Girlboss-Feministin mit eigenem Unternehmen, mehrere Queers und PoCs, die auf Mehrfachdiskriminierungen aufmerksam machen, eine esoterische Feministin, die von "weiblicher Energie" spricht und viele mehr... Da ist wirklich alles dabei! Ein großes Highlight war für mich auch die feministische Gottheit, die verschiedenen Mythologien entlehnt ist!

Diese Figuren sind sehr überzeichnet und häufig anstrengend. Mit manchen von ihnen konnte ich mehr relaten als mir anderen. Außerdem habe ich beim Lesen genau gemerkt, wo meine blinden Flecken in der Thematik sind und wo ich mich weiterbilden kann, um in Zukunft sensibler zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar. Besonders hilfreich ist, dass ganz hinten im Buch ein Sachbuchverzeichnis ist, das weiterführende Literatur aufführt, auf die sich in den Diskussionen von "Medusa in Paradise" bezogen wird. Trotz der Anstrengung fand ich vieles auch sehr unterhaltsam, eben weil es so überzeichnet ist.

Dieses Buch ist eine wunderbare Analogie für aktuelle feministische Diskurse! Es gibt sooo viele Ansätze, die diskutiert werden. Beim Lesen dachte ich mir oft: "Leute ihr habt doch eigentlich Wichtigeres zu tun, als euch gegenseitig zu zerfleischen!". Und genau das ist an diesem Buch so gelungen. Es zeigt Konfliktlinien auf und das wir uns, anstatt das Patriarchat zu bekämpfen, eher gegenseitig zerfleischen, weil wir unterschiedliche Vorstellungen vom Feminismus haben. Es ist ein Plädoyer, sich zusammenzuraufen, sich auf sachliche, respektvolle Diskurse einzulassen und selbstreflektiert offen für andere Ansichten zu sein. Denn letztendlich sind wir alle aufeinander angewiesen und können voneinander lernen!

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Zu kitschig

The Last Wish of Bristol Keats
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Während ich ein sehr großer Fan von Pearsons "Chroniken der Verbliebenen" bin und mir auch "The Courting of Bristol Keats" sehr gut gefallen hat, hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" leider nicht ...

Während ich ein sehr großer Fan von Pearsons "Chroniken der Verbliebenen" bin und mir auch "The Courting of Bristol Keats" sehr gut gefallen hat, hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" leider nicht ganz so sehr abgeholt.
Die Handlung dieses zweiten, finalen Bandes knüpft nahtlos an Band 1 an und alle Handlungsstränge, die im ersten Teil aufgemacht wurden, werden fortgeführt. Jedes kleinste Detail wird wichtig und das fand ich sehr toll zu lesen, weil sich alles perfekt zusammenfügt.

Schon im Klappentext wird angeteasert, dass eine Person stirbt und das geschieht auch recht zu Anfang des Buches. Ich habe bei diesem Mord leider überhaupt nicht mitgefühlt, sondern mich eher gefragt: "Wer war diese Figur nochmal??". An dieser Stelle tut es den Emotionen nicht so gut, dass schon in Band 1 sooo unglaublich viele Nebenfiguren eingeführt wurden. Das sorgt zwar dafür, dass Elfheim detailreich und riesengroß wirkt, führt allerdings im entscheidenden Moment dazu, dass kaum Bindung zu den Charakteren da ist. Das wurde im Laufe des Buches etwas besser, da ich mehr Zeit mit den Charakteren verbringen konnte, aber eine richtig enge Bindung habe ich nicht aufbauen können und das finde ich etwas schade.

Am meisten herausgerissen haben mich die Spice-Szenen! Die waren für mich sehr unangenehm zu lesen und deutlich vulgärer und überpräsenter als im ersten Band, vor allem an, meiner Meinung nach, wirklich unangebrachten Stellen. Hallo, ihr hattet gerade einen riesigen Konflikt und solltet euch lieber vernünftig aussprechen!! Hallo, gerade ist Krieg!! Irgendwann, im Laufe der Handlung arbeiten Bristol und Thygan endlich vernünftig an ihrer Beziehung, aber ich fand das ganz schön spät.

Das epische Finale, auf das sich bestimmt 200 Seiten lang vorbereitet wurde, hat mich dann sehr berührt, das war sehr spannend aufgebaut. Allerdings mag ich das Ende nicht, was meiner Meinung nach auf einer Seite viel zu hart und auf einer anderen Seite viel zu kitschig ist. Da wurde viel Drama geschoben, damit es am Ende ein trauriges "8 Jahre später"-Kapitel und danach einen kitschigen "1 Jahr später"-Epilog geben kann. Von so etwas bin ich kein Fan, weil es dem Finale die Schlagkraft nimmt. Ich mag es lieber, wenn Bücher kurz nach dem Höhepunkt aufhören und die Figuren auf eine hoffnungsvolle Zukunft blicken, diese brauche ich aber nicht komplett auserzählt.

Alles in allem hat mich "The Last Wish of Bristol Keats" zwar mitgerissen, aber ich bin oft unzufrieden aus der Handlung ausgestiegen. An den tollen ersten Band kommt dieses Finale für mich leider nicht ran.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Was will dieses Buch?

Fischtage
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"Fischtage" handelt von der sechzehnjährigen Ella, die mit Wutanfällen zu kämpfen hat. Sie lebt in Dortmund und kommt aus einer Künstlerfamilie, die Mutter ist Galeristin und der Vater erfolgloser Schauspieler. ...

"Fischtage" handelt von der sechzehnjährigen Ella, die mit Wutanfällen zu kämpfen hat. Sie lebt in Dortmund und kommt aus einer Künstlerfamilie, die Mutter ist Galeristin und der Vater erfolgloser Schauspieler. Die beiden sind definitiv keine Anwärter für den Titel "Eltern des Jahres", da ihre drei Kinder mit dem wilden Drogen- und Partyleben ihrer Eltern aufwachsen. Als der jüngste Sohn Luis verschwindet, bekommt das niemand außer Ella mit. Da sie die Schnauze voll hat, haut sie von zuhause ab, um ihn zu suchen. Im Schrebergarten des alten Eckard kommt sie unter, Gesellschaft leistet ihr ein seltsamer, sprechender, bei Gefahr singender Plastikfisch.
Und so beginnt Ellas Suche nach Luis, die vielmehr eine Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit ist.

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Ella erzählt. Sie ist unglaublich bissig in ihrer Sichtweise auf ihr Umfeld. Das war sehr unterhaltsam zu lesen. Der beste Part an diesem Buch war für mich der Anfang, wo Ella ihre Familie beschreibt und uns in ihr Leben einführt. Generell spannend fand ich die Milieustudie und an manchen Stellen die Gesellschaftskritik in diesem Buch. Ella begegnet sehr vielen, interessanten Menschen aus verschiedenen Schichten und macht eine kleine Entwicklung durch. Sie lernt, andere Menschen an sich heranzulassen und gewinnt einen anderen Blick auf die Welt. Diese Entwicklung ist schön, aber hat mich weniger mitgerissen als erwartet.

Bei manchen Figuren, wie bei Oksana, finde ich die Beweggründe nicht nachvollziehbar. Warum hilft sie Ella? Ich fand einiges nicht so ganz schlüssig. Den sprechenden Plastikfisch kann ich akzeptieren, der ist ja absichtlich unrealistisch und irgendwie lustig. Aber diese ganze Abenteuerreise mit der Auflösung am Ende hat mich nicht ganz gekriegt, sondern eher ratlos zurückgelassen. Sie wirkte auf mich sehr klischeehaft und der actionfilmmäßige Showdown wirkte auf mich deplatziert. Außerdem werden Ella schlimme Dinge angetan, die überhaupt nichts zur Handlung beitragen, konsequenzlos bleiben und nicht mehr aufgefriffen oder eingeordnet werden, als wäre es gar nicht passiert.
Und egal, wie oft ich den letzten Satz lese, ich verstehe ihn leider nicht, weil er für mich einfach nicht zum Rest des Buches passt.

Ich weiß nicht ganz, wie ich "Fischtage" finden soll, es ist so ein "Joa, kann man machen"-Buch. Der bissige Schreibstil ist toll und das Element des magischen Realismus mit dem sprechenden Plastikfisch ist sehr originell, aber die Handlung ist dann doch unerwartet gewöhnlich aufgebaut. Ich bin ein kleines bisschen enttäuscht, weil ich das Potential sehe und ein Lesehighlight erwartet habe. Ich werde zukünftigen Büchern von Brandi definitiv eine weitere Chance geben.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Was war das?!

Shattered Silence
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"Shattered Silence" ist der zweite und abschließende Band der "Fallen Grace" Buchreihe von Josi Wismar. Die Handlung knüpft nahtlos an den Cliffhanger von "Fractured Fates" an und wir begleiten Holly dabei, ...

"Shattered Silence" ist der zweite und abschließende Band der "Fallen Grace" Buchreihe von Josi Wismar. Die Handlung knüpft nahtlos an den Cliffhanger von "Fractured Fates" an und wir begleiten Holly dabei, wie sie versucht, den Mord an Maxwell Davenport aufzuklären, für den ihre Stiefschwester Vee zu Unrecht im Gefängnis sitzt.

Auch in diesem Band geht es mit den Intrigen der Londoner High Society weiter! Das ist wirklich eine komplett andere Welt.
Ich hatte zu Anfang etwas Probleme, wieder in die Handlung einzusteigen, weil ich "Fractured Fates" schon vor einer Weile gelesen hatte. Allerdings war ich ab Seite 100 komplett in der Geschichte drin und habe die letzten 300 Seiten an einem Stück weggelesen.

Ich habe die Frauen in dieser Geschichte, Holly, Florence und Linnea, sehr ins Herz geschlossen. Nur Vee hat mich sehr aufgeregt, weil sie zwar reflektiert, aber trotzdem immer wieder denselben Fehler macht (auch wenn dieser nur bedingt ihre Schuld ist, trägt sie für sich selbst eine Verantwortung).
Über die Männer in diesem Buch möchte ich nicht reden... Let them burn!

Dieser Plottwist hat mich komplett gebrochen und ich fand ihn großartig! Dazu kommt dann im Nachwort von Josi Wismar die Einordnung. Ich finde es großartig, dass sie diese Thematik in ihren Roman eingewoben hat (aus Spoilergründen gehe ich nicht weiter darauf ein).
Ich fand das "Ende im Ende" allerdings verwirrend und hätte mir was anderes gewünscht. "Shattered Silence" ist zwar kein klassischer New Adult Liebesroman, aber doch in dem Genre angesiedelt, was den Epilog erklärt. Der passt für mich nur bedingt zur Story. Die Botschaft des Romans hätte für mich noch stärker gewirkt, wenn man das positive Ende im Ende weggelassen hätte.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Popkultur durch die feministische Brille

Girl vs. Girl
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"Girl vs. Girl" ist ein intersektional feministisches Sachbuch, das sich mit der Darstellung von Frauen in der Popkultur von den 90er Jahren bis in die Gegenwart beschäftigt. Aufgrund des Titels dachte ...

"Girl vs. Girl" ist ein intersektional feministisches Sachbuch, das sich mit der Darstellung von Frauen in der Popkultur von den 90er Jahren bis in die Gegenwart beschäftigt. Aufgrund des Titels dachte ich im Vorfeld, dass es um die Grabenkämpfe dieser Frauen untereinander geht, aber das ist nicht der Fall, da es eher um den male gaze und patriarchale Strukturen in der Popkultur geht.

Ich finde diese Lektüre sehr lehrreich. Sie setzt in Beziehung, warum die selbstbewussten Supermodels der 90er (wie Naomi Campbell) durch fragile, sehr junge Models (wie Kate Moss) ersetzt wurden, weil Erstere durch ihren Einfluss und ihr Selbstbewusstsein für sich selbst (Bezahlung etc.) eingestanden sind und man(n) mit diesen unsicheren, jungen Models so umgehen konnte, wie man(n) wollte. Diese These hat mich sehr zum Nachdenken gebracht (und sie wird in dem Buch wesentlich besser erklärt, als ich es hier tun kann).
Auch sehr spannend fand ich zu erfahren, dass der Begriff "Girlboss" ursprünglich aus der Riot Grrrl Szene stammt und empowernd gemeint war, bevor "Girlboss" zur indiviudualistischen, kommerzialisierten Phrase verkommen ist.
Das Schockierendste war für mich, dass die Autorin aufzeigt, wie Pornopraphie die Popkultur beeinflusst. Die dargestellten Wechselwirkungen sind so interessant wie errschreckend. Für diese Erkenntnis lohnt sich das Lesen!
Der chronologische und thematische Aufbau des Buches macht es sehr leicht, den beschriebenen Entwicklungen der Popkultur zu folgen.

Allerdings bin ich in diesem Buch auch immer wieder über Thesen gestolpert, die für mich nicht genug ausgeführt wurden. Die Ansätze waren immer da, aber sie wurden für mich nicht genug erklärt. Die Autorin beschreibt patriarchale, gesellschaftliche Symptome in der Popkultur, aber nicht en Detail deren Ursachen. Das war wahrscheinlich auch nicht der Anspruch des Buches, was eher die Entwicklung der Popkultur beschreiben und miteinander in Beziehung setzen möchte (und das gelingt dem Buch gut).

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