Cover-Bild Good Girl
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Claassen
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 400
  • Ersterscheinung: 27.02.2025
  • ISBN: 9783546100960
Aria Aber

Good Girl

Roman | Dieses Buch ist ein einziger Trip: rau, ehrlich und voll wahrhaftiger Schönheit
Aria Aber (Übersetzer)

In alten Kellerhallen, in denen der Techno die noch von der Gewalt des letzten Jahrhunderts gezeichneten Wände zum Beben bringt, trifft die 19-jährige Nila auf Gleichgesinnte.  Man legt die Lines, während man den Sozialismus predigt, und für Nila ist dieser dunkle Massenkörper der Ausweg aus dem Berliner Plattenbau, in dem wie sie nur Geflüchtete leben, wo die Toiletten von Silberfischen befallen und die Wände mit Hakenkreuzen beschmiert sind.  

Nur im Rausch entkommt sie der Erinnerung an die tote Mutter, einst große feministische Revolutionärin, heute nur noch ein letztes Aufblitzen in den Augen des lebensmüden Vaters. Für jeden, der sie fragt, ist ihre Familie griechisch, nicht afghanisch.  

Und dann lernt Nila den amerikanischen Schriftsteller Marlowe Woods kennen, der ihr, die immer schreiben wollte, eine Welt von Mäzenen und Festivals eröffnet. Marlowe teilt großzügig, doch schon bald folgen Gegenforderungen und Ansprüche, die die Grenzen des Erträglichen für Nila weit überschreiten.  

GOOD GIRL von Aria Aber ist ein ekstatisch wummerndes Loblied auf die verlorenen Intimitäten der Jugend. Ein virtuoser Debütroman und das erschütternde Porträt einer jungen Künstlerin, die in einen Strudel von Sex, Drogen, Gewalt, aufbrechender Freundschaft, sich verlierender Familie und Trauer gerissen wird. 

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.11.2025

Bewegend!

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"Good Girl" von Aria Aber (übrigens von der Autorin selbst aus dem Englischen ins Deutsche übertragen) ist ein sehr bewegender Roman über Scham, das Nichtzugehörigfühlen und die Techno-Szene in Berlin.

Seit ...

"Good Girl" von Aria Aber (übrigens von der Autorin selbst aus dem Englischen ins Deutsche übertragen) ist ein sehr bewegender Roman über Scham, das Nichtzugehörigfühlen und die Techno-Szene in Berlin.

Seit 9/11 traut sich die 19-jährige Nila nicht mehr, anderen Menschen zu erzählen, dass sie aus Afghanistan kommt und verschweigt das "b" das eigentlich zu ihrem Namen Nilab dazugehört. Ihre Eltern, angesehene Ärzte, sind in den späten 80ern bzw frühen 90ern nach Deutschland geflohen, bekamen keine Arbeitserlaubnis, weshalb die Familie in Armut und Perspektivlosigkeit in Gropiusstadt lebt. Ihre Mutter ist inzwischen verstorben und Nila hat große Träume, viel Talent und noch mehr unverarbeitete Generationentraumata. Sie rebelliert gegen die strengen Regeln ihrer Familie und flüchtet sich in Techno-Clubs und Drogen. Sie ist voller Scham, Unsicherheit und Verzweiflung und trifft auf den älteren Schriftsteller Marlowe, mit dem sie eine toxische Beziehung eingeht und in emotionale Abhängigkeit gerät. Er offenbart ihr eine völlig neue Welt...

Nilas Geschichte geht unter die Haut! Sie war für mich sehr schwer und ich bin beim Lesen angesichts der Gewalt, die Nila widerfährt und der Drogen, die sie und ihre Freunde nehmen, irgendwann "abgestumpft", so wie Nila, für die all das alltäglich ist. Das Buch sollte man nur lesen, wenn man in der richtigen Verfassung dazu ist.

Aber dann ist es unfassbar gut! Von der Lebensrealität einer jungen afghanischen Frau im Deutschland der 2010er zu lesen, hat meinen Horizonz erweitert. Die Autorin lässt viel des damaligen Weltgeschehens in die Geschichte mit einfließen, nicht nur 9/11, sondern bspw auch die NSU-Morde. All das, um die Angst von migrantischen Personen spürbar zu machen. Daher lege ich "Good Girl" einigen Politikern (hust hust), die dringend mehr Empathie benötigen, sehr ans Herz.

Nila ist eine spannende Figur. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich habe mit ihr gelitten, auch wenn ich viele ihrer Handlungen nicht gutheißen, aber nachvollziehen konnte. Denn angesichts ihrer Lebensrealität, die meiner ziemlich fern ist, ist es Aria Aber gelungen, einen so tiefen Einblick in Nilas Leben zu geben, dass ich sie gut verstehen konnte. Nila macht eine große Entwicklung durch, die ich als authentisch empfinde und die mich berührt hat. Auch viele ihrer Freund*innen sind sehr vielschichtig und coole Charaktere (nicht immer unbedingt sympathisch, aber mit viel Tiefe). Nur Marlowe konnte ich nichts abgewinnen!

Nila träumt von einer besseren Welt und viele ihrer Gedanken haben mich sehr bewegt. Der Schreibstil ist gewaltig, wunderschön und zeugt von einem gewissen Weltschmerz und ich habe mir viele Stellen darin markiert. Nila ist Fotografin und beim Lesen dieses Buches habe ich oft Fotos der Szenen vor meinem inneren Auge gesehen, weil Nila ihre Welt durch die Kameralinse wahrnimmt, spiegelt sich das in der Erzählweise wider. Ein schönes Detail, was die harten Themen auflockert und Nila noch viel nahbarer wirken lässt.

"Good Girl" ist ein Roman, von dem ich nicht ganz sagen kann ob er ein Lieblingsbuch ist, weil er sehr wehtut, aber er wird noch lange in mir nachhallen und ich kann ganz pathetisch sagen, dass ich nach dem Lesen ein anderer Mensch bin! Da bleiben mir nur 5 Sterne übrig...

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Eine gefühlvolle aber sehr harte Geschichte

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In der Geschichte geht es um die 19-jährige Nila. Sie trifft in alten Kellerhallen Gleichgesinnte. Dort wird Techno gespielt und es werden viele Drogen konsumiert. Nur im Rauschzustand entkommt sie der ...

In der Geschichte geht es um die 19-jährige Nila. Sie trifft in alten Kellerhallen Gleichgesinnte. Dort wird Techno gespielt und es werden viele Drogen konsumiert. Nur im Rauschzustand entkommt sie der Erinnerung an ihre verstorbene Mutter und das Verhältnis zu ihrem Vater ist auch schwierig. Dann lernt sie den amerikanischen Schriftsteller Marlowe Woods kennen, doch dieses Beziehung ist ziemlich toxisch und auch zum scheitern verurteilt.

Ich fand die Geschichte sehr spannend und gefühlvoll. Aber in Teilen ist die Geschichte sehr hart zu lesen und zu ertragen. Ich habe mit Nila sehr mitgelitten. Von mir gibt es aber trotzdem sehr gerne 5 Sterne, aber eine eingeschränkte Lebensempfehlung, denn man sollte wissen, ob man sich diese Geschichte zutraut zu lesen.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Gesellschaftskritischer und rauschhafter Berlinroman

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„Ein Skandal: Die neue deutschsprachige Gegenwartsliteratur kommt aus Amerika“. So wurde der Debütroman von Aria Aber in der Verlagsvorschau beworben. Über die passende Verwendung des Begriffs „Skandal“ ...

„Ein Skandal: Die neue deutschsprachige Gegenwartsliteratur kommt aus Amerika“. So wurde der Debütroman von Aria Aber in der Verlagsvorschau beworben. Über die passende Verwendung des Begriffs „Skandal“ lässt sich sicherlich streiten. Gemeint ist in diesem Fall, dass die Autorin Aria Aber in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und jetzt in den USA lebt und dort veröffentlicht.
So wurde ihr Roman „Good Girl“ auch bereits auf Englisch in den USA veröffentlicht und steht mittlerweile auf der Longlist des Women‘s Prize for Fiction 2025.

Auch mir gefiel der als „ekstatisch wummerndes Loblied auf die verlorenen Intimitäten der Jugend“ bezeichnete Roman eigentlich gut, möchte aber hier gleich einwenden, dass das auch sehr an meinen speziellen Leseinteressen liegt.
Sicherlich ist ein „Strudel von Sex, Drogen, Gewalt“, der auf 400 Seiten breit ausgewalzt wird, wirklich nicht für alle Leserinnen ein Vergnügen.

Der Schauplatz des Romans ist Berlin, genauer gesagt das wilde Nachtleben von Berlin. Hier versucht die junge Ich-Erzählerin Nila ihre Probleme zu vergessen und irgendwie ohne Orientierung weiter zu existieren.

„Ich war auf so viel Speed, dass die Bahnfahrt mich zunehmend paranoid machte, also versteckte ich mich hinter meiner Sonnenbrille, aber unter der Angst glühte die Wut wie ein uraltes Stück Kohle, das von der Grausamkeit meines Schicksals entfacht wurde.“

Ihren Freund
innen und Neubekanntschaften antwortet Nila „Griechenland“, wenn sie gefragt wird „woher sie wirklich kommt“. Dabei sind Nilas Eltern aus Afghanistan. Sie lebt nach dem Tod ihrer Mutter gemeinsam mit ihrem Vater in einer kleinen Wohnung.
Ihre Herkunft und Familie ist für Nila ein großer Quell der Scham und das Stigmas. Rassismus, Klassengesellschaft und Identität sind große Themen in Abers durchaus sehr gesellschaftskritischen Roman.

Einen großen Raum nimmt allerdings die Beziehung zwischen der Erzählerin und einem semiprominenten, amerikanischen Schriftsteller namens Marlow, den ich ich als abgehalftert beschreiben würde, ein. Die beiden lernen sich gleich auf den ersten Seiten des Romans kennen und beginnen eine …Beziehung.
Natürlich leuchten hier gleich mehrere red flags und fordern beim Lesen meine Geduld heraus.
Und das ist tatsächlich einer meiner Kritikpunkte. Denn für die eigentlich offensichtliche Erkenntnis, dass ein abgehalfterter Loser einer jungen Frau auf der Suche nach Orientierung keinen Halt bieten kann, hätte ich wesentlich weniger Leseseiten gebraucht. But well …der Weg ist das Ziel und in diesem Fall ist es eben Nilas Weg und Entwicklung.

Es ist weniger die Beschreibung einer dysfunktionalen Beziehung, die mir an Abers Roman gefällt, als vielmehr das Porträt dieser jungen Frau, die stark mit ihrer Identität und Familiengeschichte kämpft und gleichzeitig die Trauer um ihre Mutter bewältigen muss. Gerade gegen Ende bekommt Nilas Geschichte und somit der Roman eine deutliche politische und kritische Komponente, die mir sehr gut gefällt. Und definitiv sind auch die Beschreibungen des wilden und exzessiven Nachtlebens in meinen ziemlich langweiligen Leben immer einen gern gelesene und spicy Zutat.

Ich würde „Good Girl“ nicht als einen Roman sehen, der allen Leser*innen gefällt und auch nicht unbedingt als Must-Read.
Ich hatte aber auf keinen Fall eine verschwendete Lesezeit und vielleicht lohnt sich auf für dich ein Blick.

„Jede Familie hat einen Fluch, und der Fluch meiner Familie bin ich.«“

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