Profilbild von Talisha

Talisha

Lesejury Star
offline

Talisha ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Talisha über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.10.2019

Weihnachtlich romantischer Abschluss der Serie

Weihnachten im kleinen Brautladen am Strand
0

Weihnachten ist nahe - dies merkt Holly bereits, als sie aus dem Bahnhof in St. Aidan tritt und nur noch eine Kutsche mit Santa Claus und einem Weihnachstelf als Taxi zur Verfügung steht, um sie zu ihrem ...

Weihnachten ist nahe - dies merkt Holly bereits, als sie aus dem Bahnhof in St. Aidan tritt und nur noch eine Kutsche mit Santa Claus und einem Weihnachstelf als Taxi zur Verfügung steht, um sie zu ihrem Ziel, dem - mittlerweile nicht mehr - kleinen Brautladen am See zu bringen.

Foodstylistin Holly will einen ruhigen Monat in der Wohnung oben im "Brides by the Sea" verbringen. Obwohl sie Weihnachten liebt, will sie dieses Jahr über die Festtage alleine sein. Denn vor einem Jahr ist sie vor einem Heiratsantrag davon gerannt ist. Ihr ist eigentlich klar, dass Luc und sie nicht zusammen passen, aber sie trauert ihm dennoch nach. Der Leser versteht dies nicht wirklich, denn es ist klar, dass weder sie ihn noch er sie jemals richtig geliebt hat. Aber da Holly sich immer schon in zweiter Reihe hinter ihrer Schwester sah, hat sie wohl das Gefühl, dass es auch in der Liebe so sein muss.

Deshalb macht sie auch keine Freudensprünge, als sie nicht nur die Strandhochzeit von ihren Freunden fotografieren soll - der Grund wieso sie nach Hause nach St. Aidan kam - sondern einige andere auch. Denn Jules, der Hausfotograf von "Brides by the Sea" ist erkrankt. Holly traut es sich nicht zu Jules würdig zu vertreten, ihr Selbstwertgefühl ist sehr gering.

Dem Team vom Brautladen ist aber schnell klar, dass Holly fotografieren kann, sogar Jules ist eifersüchtig. Holly bekommt Unterstützung vom örtlichen Weinhändler und Bierbrauer Rory, den sie von früher aus der Schule kennt. Holly meint, er hätte sie immer gehänselt und mag auch jetzt seine Sprüche nicht. Und dennoch merkt sie immer mehr, dass Rory derjenige ist, der sie am besten kennt.

Rory ist ein toller Charakter. Über ihn erfährt man zuerst sehr wenig, denn Holly ist mit ihren Vorurteilen ihm gegenüber beschäftigt. Erst nach der Hälfte sieht man ihn mit ganz anderen Augen. Einiges hat sich schon abgezeichnet: er kümmert sich alleine um seine Nichte und den Babyneffen. Die Mutter der beiden, Rorys Schwester, musste sich einer Herzoperation unterziehen. Daneben kümmert er sich weiter um sein Geschäft und auch um Holly und wird Teil des Brautladen-Teams.

Jess ist mit Bart im Skiurlaub, aber immer bestens über alles informiert. Poppy gönnt sich keine Ruhe, obwohl sie hochschwanger ist. Immie will es werden. Nur Lilly und Sera bleiben hier blass, werden nur nebenbei erwähnt. Dafür packt die Feuerwehr wieder mit an, diesmal an einem für gestandene Feuerwehrmänner eher ungewöhnlichen "Projekt"

Schwierige Kunden fehlen auch dieses Mal nicht, diesmal in Figur der Brautmutter Marilyn, der die Hochzeitsplanung ihres Sohnes und seiner Braut nicht passt. Doch das Team hat alles im Griff.

Die Liebesgeschichte in diesem Band entwickelt sich langsam, aber zart, und wird schön und glaubhaft beschrieben.

Schon auf den ersten Seiten hat mich die Geschichte gepackt. Mitgefühl und Freundschaft werden in St. Aidan gross geschrieben, humorvolle Szenen und Freudentränen wechseln sich ab. Ein ganz grosses Plus ist Rory, dessen Entwicklung am eindrücklichsten geschildert wurde - endlich mal viel Gefühl! "Weihnachten im kleinen Brautladen am Strand" ist somit für mich der beste Teil der Serie.

Der Alkohol fliesst nicht mehr so stark wie in den vorherigen Bänden, aber Hunger auf Cupcakes und Kuchen bekommt man dank Poppys Backkünsten jedesmal wenn sie in der Küche steht - und das tut sie gefühlt auf jeder fünften Seite. Zum Glück gibt es als Anhang einige Rezepte zum Nachbacken. Beim Geniessen der Köstlichkeiten kann man sich dann nochmals an die Zeit im Brautladen "Brides by the Sea" zu erinnern.

Fazit: Weihnachtlich romantisch und somit der perfekte Abschluss der Wedding-Shop-Reihe!
4 Punkte.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Schneeflocken und Träume sucht man vergebens

Schneeflockenträume
0

Normalerweise kann man davon ausgehen, dass Debbie Macomber fast immer schöne Romane mit tollen Charakteren, nachvollziehbaren Handlungen ohne oberflächliche Beschreibungen schreibt.

Leider nicht in ...

Normalerweise kann man davon ausgehen, dass Debbie Macomber fast immer schöne Romane mit tollen Charakteren, nachvollziehbaren Handlungen ohne oberflächliche Beschreibungen schreibt.

Leider nicht in "Schneeflockenträume" - auf den ersten Seiten bin ich ziemlich erschrocken, wie platt die Geschichte daher kommt. Nach der Hälfte der 272 Seiten wurde es zwar besser, das haut die Story aber nicht raus. Mich dünkte der Roman extrem oberflächlich, und hörte sich kaum nach Debbie Macomber an.

Die Geschichte hätte unheimlich Potential, aber das wurde nicht genutzt.

Die Lodge, in der Josie in den letzten sechs Monaten als Köchin gearbeitet hat, macht dicht für den Winter. So wie es im Roman beschrieben wurde, klingt es sehr unglaubhaft. Es müsste doch erst mal gründlich geputzt werden, in der Küche, den Zimmern, den Wohnungen. Die Lebensmittel aufgebracht, entsorgt; die Heizungsanlage auf Sparmodus oder ganz ausgestellt, das Haus schnee - und eventuell tiersicher gemacht werden. Doch die Besitzer verlassen das Haus frühmorgens mit den letzten Gästen. "Schliess einfach die Türe, wenn du gehst" - ernsthaft? Auch wenn Ponder im Winter eine Geisterstadt ist: es braucht mehr, als einfach die Türe nur abzuschliessen, bevor die Lodge sechs Monate unbewohnt bleibt.

Den Charakteren fehlt es ebenso an allem: Jack denkt nur immer ans Essen, sehr unpassend ganz oft - so ein Charakter finde ich nicht mal so schlimm, nur fehlte mir das liebevolle, mit dem man so eine Figur sonst ausstattet, damit man dessen Ungehobeltheit nicht übel nimmt.

Palmer und Josie sollen verliebt sein, doch das merkte man ihnen nicht an. Mir fehlten Gespräche und Beschreibungen wie Josie und Palmer Zeit miteinander verbrachten. Oder zumindest Erinnerungen an Situationen, die sie zusammen erlebt haben. Eine Handvoll Sätze - mehr Einblick bekommen die Leserinnen nicht. Stattdessen wird Josie die Frage aller Fragen mehr als nur unbeholfen gestellt: die hört sich an, als ob Palmer einfach eine Frau zuhause braucht, die für ihn da ist, damit er den Winter nicht alleine verbringen muss. Gefühle und Sehnsucht sucht man vergebens.

Auch fand ich Palmers Job nicht passend für einen Mann, der sechs Monate im Jahr nicht oder nur äussert schwer, erreichbar ist.

Der Roman spielt in einem winzigen Nest in Alaska, an einem See. Im Winter wohnen gerade noch eine Handvoll Leute dort, es gibt weder eine Fähre noch eine Autostrasse, mit der das Dorf erreicht werden kann. Nur per Kufenflugzeug und auf Bestellung ist Ponder im Winter erreichbar. Mir reichten die Erzählungen von Angie nicht, um mir das Leben vor Ort vorzustellen. Ich persönlich kann es mir schon vorstellen - es muss karg und einsam sein im Winter, Essen nur aus der Gefriertruhe, kein frisches Gemüse, die Umgebung wahrscheinlich zauberhaft, still, voller Schnee, viele Tiere in den Wäldern, eine rauhe Wildnis - aber die Autorin konnte mir all das in "Schneeflockenträume" nicht vermitteln.

Fazit: Locker zu lesen, aber Emotionen, Charaktere mit Tiefgang, Schneeflocken und Träume sucht man vergebens in diesem oberflächlichen und enttäuschenden Roman.
2 Punkte.

Veröffentlicht am 30.09.2019

Komplexe und diffuse Angelegenheiten

Der Oktobermann
0

Flüsse gibt es nicht nur in London, auch durch Deutschland fliessen einige dieser Gewässer. Magie ist hierzulande ebenfalls reichlich vorhanden, und somit gibt es auch jenseits der britischen Insel ein ...

Flüsse gibt es nicht nur in London, auch durch Deutschland fliessen einige dieser Gewässer. Magie ist hierzulande ebenfalls reichlich vorhanden, und somit gibt es auch jenseits der britischen Insel ein Pendant zum Londoner Folly - wenn auch kleiner.

Die Abteilung heisst hier "Komplexe und diffuse Angelegenheiten", kurz KDA, und wird von "der Chefin" geleitet. Diese Frau in rot bekommt man nur am Ende schnell zu Gesicht, scheint aber eine spannende Person zu sein. Stattdessen haben wir das grosse Vergnügen Tobi Winter kennen zu lernen.

Tobi, Sohn eines Polizisten aus Mannheim, kennt das Folly, die Nachtigall und Peter Grant bisher nur vom Hörensagen. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft noch ändern wird, eine Zusammenarbeit in gewissen Dingen oder zumindest eine Vernetzung könnte ich mir gut vorstellen. Tobi wurde in Magie ausgebildet und reist nach Bedarf durch die Lande. Im Hintergrund gibt es ein Spezialkommando, das aber nur ausrückt, wenn Tobi sie ruft.

Als am Rande eines Weinbergs eine Leiche gefunden und eine Transgression vermutet wird, wird Tobi zum Tatort beordert. Ihm zur Seite wird Vanessa Sommer, eine lokale Kommissarin, gestellt. Sie ist neugierig, wissbegierig und lässt sich nicht so leicht abschrecken. Vanessa und Tobi, Sommer und Winter - ein tolles Team!

Ben Aaronovitch nutzt diesen eigenständigen Ableger der Peter Grant-Serie um einiges von Grunde auf zu erklären. Deshalb eignet sich "Der Oktobermann" sehr gut für Leser, die sich bisher noch nicht an die "Flüsse von London" getraut haben und sich mal einlesen wollen in diese doch sehr spezielle, aber sehr gefällige Welt des Abnormalen.

Langjährige Fans der Nightingale-Crew werden auch auf ihre Kosten kommen: ich höre das freudige "Aaah, jetzt gehts los", wenn sie das erste Mal den Begriff "Fluss" lesen. Kurz darauf werden sie mit der Flussgöttin Kelly bekannt gemacht und am Ende der 205 Seiten sind sie einiges klüger, was die Geschichte des "abstrusen Scheiss" in Deutschland betrifft und haben einen interessanten und geschichtsträchtigen Fall mit Tobi Winter und Vanessa Sommer verfolgt.

Fazit: Schön, KDA nun in Deutschland zu haben - hoffentlich war das erst der Auftakt!
4 Punkte.

Veröffentlicht am 28.09.2019

Leise, fein und viel Magie

Garten der Wünsche
0

Kristina Valentin, die auch unter dem Namen Kristina Günak schreibt, nimmt uns in "Garten der Wünsche" mit nach Schleswig Holstein, in ein fiktives Dorf namens Lindenbühl.

Hier wohnt Klara und leitet ...

Kristina Valentin, die auch unter dem Namen Kristina Günak schreibt, nimmt uns in "Garten der Wünsche" mit nach Schleswig Holstein, in ein fiktives Dorf namens Lindenbühl.

Hier wohnt Klara und leitet eine kleine Pension. Eigentlich aber ist sie die Hüterin des grossen Gartens, der eine geheime Magie verströmt. Deshalb wählt sie ihre Gäste auch sehr sorgfältig aus. Nur Personen, die es nötig haben, finden die Telefonnummer der Pension und wenn sie aufgenommen werden, Ruhe und hoffentlich innere Heilung vor Ort.

Doch das kleine Naturparadies, in dem alles a-typisch wächst, ist in grosser Gefahr. Ein Bauunternehmer hat die Wiese nebenan gekauft und will ein Hotelkomplex mit 120 Betten bauen. Die Lindenbühler sind entsetzt.

Romy kommt zu dieser Zeit in der Pension an. Ihr Mann Lukas und sie haben sich getrennt, da Romys unbändiger Kinderwunsch die Beziehung fast auseinander brechen lässt. Romy findet Klara sehr speziell, ihr gefällt es aber in Lindenbühl, mag den Garten und packt schon bald bei den Gartenarbeiten mit an.

Der Garten ist der Therapieplatz für alle Gäste, ein Ort voller Magie und den gilt es zu schützen. Ob es den Anwohnern gelingt, den alten Apfelbaum, den Walnussbaum und die Wiese vor dem Bauherrn zu retten?

Dieser Roman erinnerte mich stark an "Mein zauberhafter Garten" von Sarah Addison Allen. Auch dort schmeisst ein Apfelbaum mit seinen Äpfeln.

Meiner Meinung nach baut der Plot auf einem Logikfehler auf: es kann niemand einfach so mit einem Bagger auffahren, zuerst muss das Bauvorhaben genehmigt werden. Danach gibt es für einige Wochen die Möglichkeit Rekurs einzulegen. Falls keine eingereicht oder die abgelehnt werden, dürfte erst dann der Bagger durch die Erde wühlen. Die Autorin hat dieses Vorgehen wahrscheinlich aber bewusst ignoriert, um dem Roman mehr Dramatik zu geben.

Dies brauchte es, denn die Charaktere waren für mich nicht richtig greifbar. Romy war mir nicht sehr sympathisch mit ihrem egoistischen Problem. Klara ist ein Luftikus, eigentlich eine witzige und wissende Person und dennoch hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Ella, die ich am Besten mochte, wird am Ende auf einmal nicht mehr erwähnt. Vor lauter Probleme im Garten kamen die Figuren fast zu kurz.

Gefallen haben mir die Gartenbeschreibungen und die Spaziergänge im Wald, die Schilderungen des Dorflebens und die Ruhe, die der Roman vermittelt. Ebenso die Idee, die Natur durch diese feine, leise Magie, wie sie im Buch beschrieben ist, zu schützen.

Andererseits erinnert mich diese Magie stark an "Mein zauberhafter Garten" von Sarah Addison Allen. Auch dort schmeisst ein Apfelbaum mit seinen Äpfeln. Ich komme nicht umhin, die beiden Romane zu vergleichen. Und da gefiel mir die Story mit dem zauberhaften Garten in North Carolina besser als die vom Garten in Schleswig Holstein, weil dort wird die Apfelbaummagie eindrücklicher beschrieben und mir die Figuren mehr entsprachen.

Fazit: Ein leiser Gartenroman mit feinem Humor und viel Magie und genau so vielen Problemen, die die Protagonisten lösen müssen.
3.5 Punkte.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Wenn "irgendwohin" Juis bedeutet

Bratapfel am Meer (Neuauflage)
0

Nach "Apfelkuchen am Meer" und "Apfelträume am Meer" nimmt uns Anne Barns ein drittes Mal mit nach Juist. Auf die Insel, auf der vor zwei Jahren schon Merle, Agata und Conny glücklich und sesshaft wurden. ...

Nach "Apfelkuchen am Meer" und "Apfelträume am Meer" nimmt uns Anne Barns ein drittes Mal mit nach Juist. Auf die Insel, auf der vor zwei Jahren schon Merle, Agata und Conny glücklich und sesshaft wurden. Ob das auch Caro, Protagonistin in diesem Winterroman, gelingen wird?

Denn glücklich ist Caro gerade nicht. Ihr Freund ist extrem eifersüchtig, nach einer unschönen Situation trennt sie sich von ihm. Als fast gleichzeitig eine Patientin im Spital ihr eine Perlenkette überreicht und Caro bittet, diese nach Juist zu bringen, nimmt sie die Gelegenheit wahr und macht Ferien.

Kurzentschlossen reist sie nach den Weihnachtsfeiertagen nach Juist. Unterwegs nimmt sie einen Anhalter mit, der "irgendwohin" will, wie sein Schild ihr sagt. Max, der Anhalter, weiss nicht, dass Caro ihn kennt. Seine Frau ist vor einigen Jahren auf ihrer Station gestorben, und Caro sah Max damals öfters am Krankenbett sitzen und musizieren.

Zu zweit geht die Autofahrt nach Norddeich schnell vorbei. Bald erreichen die beiden mit der Fähre Juist. Max hat Freunde in Juist, Caros Ziel kam ihm gerade recht. Caro hat die Ferienwohnung von Grossmutter Enna, bekannt aus "Apfelkuchen am Meer", gemietet und freut sich, einige ruhige Tage mit ihrem Hund auf der Insel verbringen zu können.

Das mit der Ruhe ist so ein Ding - fast unmöglich, denn die Einladung zum Suppe essen bei Enna ist nur der Anfang und zieht weitere Einladungen von Inselbewohner nach sich. Enna gibt Caro einen Tipp betreffend der Perlenkette. Doch nach einem Gespräch mit einer Inselbewohnerin passiert sehr sehr lange nichts mehr diesbezüglich. Am Ende dachte ich schon, die Kettengeschichte wäre vergessen gegangen, aber sie wird am Ende ganz kurz zu Ende gebracht. Da diese Kette der Aufhänger dieses Romans ist, war mir das zu wenig Thema und Spannung kam bei mir keine auf.

Dafür passiert sonst ganz viel: Merle ist hochschwanger, Agatas Ex-Mann Damian ist aufgetaucht, man hat Angst, dass er Ärger macht, Ole macht Conny eifersüchtig und Max und Caro - ja, die verlieben sich.

Auch hier geht das Verlieben schell. Bei Caro kann ich es mir noch vorstellen, da sie Max früher schon beobachten konnte, und auf der Autofahrt hatten sie ja auch Zeit, um sich kennenzulernen, aber dennoch geht es auch hier zügig. Zwar mit viel mehr Problemen als im ersten Band bei Merle und Jannes, aber eben doch schneller als in anderen Romanen und im realen Leben.

Das hört sich zwar ein bisschen oberflächlich an, ist es aber nicht. Die Autorin Anne Barns macht das super: in ihren Roman steckt immer viel Tiefgang, dramatische Schicksale und starke Emotionen, und dennoch lesen sich ihre Bücher locker leicht weg. Das muss man als Autorin erst mal können.

Max bleibt ein wenig blass, ähnlich wie Jannes im ersten Band. Ich hätte gerne mehr über Max erfahren. Doch der Schwerpunkt der Autorin liegt wohl sehr bewusst auf der Charakterisierung ihrer Frauenfiguren, was mir gut gefällt. So sind die Frauenfreundschaften zum Beispiel immer sehr liebevoll dargestellt. Egal, ob die Frauen schon lange befreundet sind oder sich eben erst kennen gelernt haben - frau ist nett zueinander und hilft, mit dem was man kann, den anderen. Dies tun auch die Männer des Romans, sie sorgen sich und helfen genau so wie die Frauen, bleiben dabei nur etwas mehr im Hintergrund. All diese Freundschaften sind generationenübergreifend, so dass jede Leserin auch gerne Teil der bunt gemischten Gemeinschaft wäre.

"Bratapfel am Meer" besticht mit seinen schönen Sätzen, den wunderschönen Beschreibungen der Insel im Winter und natürlich mit dem tollen Schreibstil, der die Leserinnen mitnimmt. Man fühlt sich dabei vor Ort, spürt den kalten Wind, den Schnee, die Liebe und würde am liebsten immer mit am Tisch sitzen, um all die sehr lecker beschriebenen Sandwichs, Kuchen, Stullen und besonders Merles Bratapfel, nach dem der Roman benannt wurde, probieren.

Der Roman ist Teil einer Serie. Man kann ihn ohne jegliche Vorkenntnisse lesen, es macht aber viel mehr Spass, wenn man die Juister Pappenheimer schon aus den vorherigen Bänden kennt. Deshalb empfehle ich, die drei Romane in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Fazit: Ein total gemütlicher Winterroman für kuschlige Lesestunden auf dem Sofa.
4 Punkte.