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Veröffentlicht am 12.05.2022

Leopold von Herzfelds 2. Fall

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Cover:
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Das Titelbild ist im Stil des ersten Bandes gehalten und somit ist der Wiedererkennungseffekt gegeben. Düster und geheimnisvoll und durch die Stadtumrisse im Hintergrund auch passend ...

Cover:
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Das Titelbild ist im Stil des ersten Bandes gehalten und somit ist der Wiedererkennungseffekt gegeben. Düster und geheimnisvoll und durch die Stadtumrisse im Hintergrund auch passend für einen historischen Kriminalroman.

Inhalt:
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Diesmal hat Leopold von Herzfeld es mit einer Serie von ermordeten toten Männern zu tun, die post mortem kastriert, zerstückelt und in der Kanalisation Wiens entsorgt wurden. Außerdem bereiten ihm ein mysteriöser Todesfall im Tiergarten sowie ein mumifizierter Professort für Ägyptologie Kopfzerbrechen.

Mein Eindruck:
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"Kommt es Ihnen nicht auch manchmal so vor, als wäre Wien ein großes Tier?"...""Ein großes, ungezähmtes Tier. Monströs und böse, finden Sie nicht?"..."Die Straßen sind die Knochen, Hofburg, Parlament und Rathaus seine wichtigsten Organe, in den winzig dünnen Nervenbahnen rasen wir Menschen dahin, tagein, tagaus. Und die Kanalisation ist das stinkende Gedärm dieses Monstrums."..."In diesem Bild sind wir Kriminalbeamte schlechte Dompteure. Wir werden dieses Tier nie zähmen, es zieht sich nur immer für kurze Zeit zurück, um dann noch grausamer zuzuschlagen...." (S. 387f)

Ich war bereits vom ersten Fall Leos begeistert und gespannt, wie es mit den Hauptfiguren weitergehen würde. Man kann diesen Band sicher auch ohne Vorkenntnisse lesen, aber einige Handlungen der Personen sind mit Vorkenntnissen sicher nachvollziebarer. Aufgrund der athmospährischen Sprache bin ich wieder sehr schnell in die Zeit 1894 in Wien eingetaucht. Hierzu war auch die Karte des alten Wiens sowie ein Personenregister am Anfang sehr hilfreich.
Es gibt einige Parrallelen zum ersten Band wie z. B. drei verschiedene Mordfälle, bei denen man sich unwillkürlich fragt ob sie zusammenhängen und falls ja, in welchem Kontext sie zueinander stehen. Ähnlich wie im ersten Band ist auch die Tatsache, dass in jedem Band Auszüge aus dem Buch des Totengräbers Augustin Rothmayer eingestreut sind. Diesmal ist es aber aber nicht der "Almanach der Toten" sondern "Totenkulte der Völker", wodurch man viel über Rituale anderer Kulturen im Bezug auf Tod und Umgang mit Verstorbenen (u. a. Mumifizierung) erfährt. Diese Fakten sowie weitere über Völkerschauen und die Wiener Kanalisation, waren wieder mal sehr aufschlussreich und spannend und fügten sich harmonisch in die Handlung ein.
Auch die Fälle waren gut recherchiert und die Auflösung bis zum Ende sehr spannend. Humor und zeitweise Action kamen auch nicht zu kurz. Einziges, kleines Manko ist, dass der Titel etwas irreführend ist. Zwar hilft Augustin Rothmayer Leo auch wieder bei seinen Ermittlungen und es geht auch darum, ob das Mädchen Anna bei ihm bleiben kann, jedoch treten diese beiden Figuren eher am Rande auf. Im ersten Band war der Totengräber deutlich präsenter.
Dafür stehen diesmal eher Julia Wolf und ihre heimlichen Ermittlungen sowie ihre (schwierige) Beziehung mit Leo im Vordergrund. Abgesehen von dem etwas irreführenden Titel ist es Oliver Pötzsch mal wieder gelungen, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln und in das Wien Ende des vorletzten Jahrhunderts zu entführen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall von Leo!

Fazit:
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Eine gelungene Fortsetzung mit Spannung, Humor und interessanten Fakten über verschiedene Totenkulte und Mumien.

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Veröffentlicht am 12.05.2022

Vom Weglaufen und Ankommen

Ein unendlich kurzer Sommer
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Inhalt:
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Lale will nur weg. Sie setzt sich in einen Zug und steigt irgendwo aus. Sie trifft Gustav, der sie mit zu seinem Campingplatz nimmt. Dort wohnt sie und hilft mit und dann trifft sie ...

Inhalt:
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Lale will nur weg. Sie setzt sich in einen Zug und steigt irgendwo aus. Sie trifft Gustav, der sie mit zu seinem Campingplatz nimmt. Dort wohnt sie und hilft mit und dann trifft sie Christophe, der auf der Suche nach seinem Erzeuger ist. Und dann noch einige andere Menschen. Und plötzlich verändert sich alles - oder doch nicht?

Mein Eindruck:
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"Erkenntnisse. Wie lange bleibst du? Die Erkenntnis war, dass dieser Ort die Macht hatte, ein ganzes Leben zu verändern. Wenn er das wollte. Vielleicht auch, wenn er das nicht wollte. Es hatte schon begonnen."

Eigentlich lese ich kaum Geschichten rund um Liebe und Romantik. Aber die Beschreibung hat meine Neugier geweckt und die ersten Seiten mich direkt in ihren Bann gezogen. Der Sprachstil ist voll von feinem Humor und gleichzeitig von Poesie. Man taucht ein in die Gefühle der Protagonisten Lale, Christophe und Gustav und leidet und lacht mit ihnen. Manchmal war ich leicht genervt, wie Lale und Christophe umeinander herum schleichen, es ist ein Wechselbad der Gefühle und man weiß auch als Leser nie so recht, woran man ist und ob am Ende alles gut ausgeht. Aber letztendlich ist gerade dieses Wechselbad der Gefühle der Punkt, der die Geschichte nachvollziehbar und authentisch werden lässt. Nicht nur Lale und Christophe, auch Gustav, seine Freunde und Nachbarn, die sich auf dem Campingplatz treffen, haben ihre Probleme mit sich und der Welt und jeder hat seine Geheimnisse. Aber letztendlich gibt das Zusammensein ihnen halt und auch Heilung. Die Handlung hat einige überraschende Wendungen und ich konnte das Buch sowohl wegen dem ungewissen Ausgang als auch wegen des fesselnden Schreibstils kaum aus der Hand legen.

Fazit:
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Ein Buch, das einen tief berührt, lachen und auch mal weinen lässt und bei dem am Ende doch die Hoffnung überwiegt.

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Veröffentlicht am 06.05.2022

Schwarzhumoriger Gartenkrimi

Zuagroast
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Cover:
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Das Cover hat mich sofort angesprochen. Die Farben sind nicht zu bunt, sondern irgendwie schlicht. Anfangs kam mir die Assoziation von englischem Cosy-Crime, da die Engländer auch immer ...

Cover:
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Das Cover hat mich sofort angesprochen. Die Farben sind nicht zu bunt, sondern irgendwie schlicht. Anfangs kam mir die Assoziation von englischem Cosy-Crime, da die Engländer auch immer viel Wert auf ihre Gärten legen. Die schwarze Hand im Mittelpunkt mit dem Vogel lässt einen gleich erahnen, dass da wohl jemand gestorben ist. Sehr gelungen!

Inhalt:
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Die alleinerziehende Journalistin Vera Horvath hat Ihren Posten bei einer Zeitschrift in der Stadt verloren und nachdem ihre Oma ihr ihr Häuschen vererbt hat, kehrt sie mit ihrer Tochter Letta in ihren ursprünglichen Heimatort Buchschachen zurück. Dort findet sie bald einen neuen Job und schließt sich einem neu gegründeten Gartenclub, dem "Club der grünen Daumen" an. In diesem lernt sie Eva kennen, die zusammen mit ihrem Ehemann Paul und ihrer Tochter Carla vor einiger Zeit "zuagroast", also zugezogen ist. Um die Ehe der beiden steht es nicht zum Besten und auch sonst hat jeder seine Probleme. Und dann verschwindet Paul...

Mein Eindruck:
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Dies ist kein klassischer Krimi. Anfangs ahnt man, das jemand gestorben zu sein scheint, denn es trauert jemand, aber genaueres wird dem Leser erst mal nicht bekannt gegeben. Zwischen diesen "Trauerkapiteln" könnte man von einem lustigen Roman auf dem Land ausgehen. Aber diese geschickt eingestreuten Absätze lassen den Leser nicht los und erinnern daran, das irgendwo das Böse lauert und irgendwas Großes noch passieren wird bzw. bereits passiert ist.
Zu Beginn eines jeden Kapitels sind Wissenshappen zum Thema Garten bzw. Gärtnern eingestreut, die letztendlich immer was mit dem Inhalt zu tun haben und nicht nur lehrreich sind, sondern auch neugierig machen. Die Charaktere sind allesamt gut ausgearbeitet und nachvollziehbar angelegt. Im Krimi kommen sowohl amüsante und lehrreiche Gartenthemen vor, aber auch psychologische Probleme wie Narzissmus, häusliche Gewalt und Selbstverletzung werden thematisiert.
Obwohl es kein klassischer Krimi war, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, auch weil es mehrere überraschende Wendungen gibt und das Ende überzeugend ist und einen besonders nachdenklich zurücklässt.

Fazit:
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Gelungene Mischung aus ernsten Themen und schwarzem Humor gepaart Gartenwissen - Gute Unterhaltung mit unterschwelliger permanenter Spannung

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Veröffentlicht am 04.05.2022

Leopold von Herzfeldt und der Totengräber ermitteln

Das Buch des Totengräbers (Die Totengräber-Serie 1)
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Cover:
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Das Cover ist recht düster gehalten, aber mit der Kirche, dem Kreuz und von den Farben her passt es gut zu einem historischen Krimi und auch gut zum beschriebenen Inhalt. Es wirkt ...

Cover:
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Das Cover ist recht düster gehalten, aber mit der Kirche, dem Kreuz und von den Farben her passt es gut zu einem historischen Krimi und auch gut zum beschriebenen Inhalt. Es wirkt geheimnisvoll und hat mich sofort angesprochen.

Inhalt:
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Leopold von Herzfeldt kommt nach ein paar Jahren als aufstrebender Untersuchungsrichter in Graz nach Wien, um dort mit den neuen Methoden der Kriminalistik die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit zu unterstützen. Kaum in Dienst, arbeitet er an dem Mord einer Dienstmagd mit, die gepfählt wurde und der leider noch weitere folgen werden. Mit seiner selbstbewussten Art wird er zudem als "Piefke" von den meisten Kollegen eher argwöhnisch beäugt und ihm die Ermittlungsarbeit erschwert. Doch die Polizeitelefonistin Julia Wolf sowie Totengräber Augustin Rothmayer helfen ihm unerwartet bei seinen Ermittlungen. Dabei geraten die drei nicht nur in die dunkelsten Abgründe Wiens, sondern auch in höchste Gefahr.

Mein Eindruck:
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Der Krimi ist von Beginn an spannend, aber auch gleichsam amüsant und lehrreich. Das liegt zum einen an den Mordfällen, zu denen sich im Laufe des Romans noch andere mysteriöse Ereignisse u. a. auf dem Friedhof gesellen und deren Puzzlestücke sich lange Zeit nicht zusammenfügen wollen. Der Leser tappt gleichermaßen wie Leo im Dunkeln und ermittelt an seiner Seite. Zwar hatte ich ein schlechtes Bauchgefühl den Täter betreffend, aber auf die finale Lösung wäre ich von alleine nie gekommen. Die letzten Teile fügen sich erst ganz am Ende in einem rasanten Showdown zusammen.
Des Weiteren haben alle drei Protagonisten - Leo, Julia und Augustin - so ihre Geheimnisse aus der Vergangenheit, die sich erst im Laufe der Handlung offenbaren. Mir waren alle drei sympathisch und besonders bei Leo und Augustin ist es nicht gerade "Liebe auf den ersten Blick", sondern sie raufen sich nur sehr langsam als Ermittler zusammen und lernen die Qualitäten des jeweils anderen kennen und schätzen. Dies wirkte auf mich authentisch und die Dialoge der beiden haben mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht. Auch Leo und Julia nähern sich langsam einander an, was mir sehr gut gefiel. Beide sind für ihre Zeit sehr emanzipiert und brechen aus dem üblichen Klischee-Denken aus. Die Wissenschaft der Kriminalistik hat gerade erst begonnen und wie bei vielen anderen technischen Neuerungen der damaligen Zeit (z. B. Telefone, Fahrräder), wird auch dieser Veränderung im Allgemeinen skeptisch begegnet. Diese skeptische Stimmung wird im Roman immer wieder deutlich, ich konnte mir oft ein Schmunzeln nicht verkneifen. Generell gelingt es dem Autor sehr gut, den Flair der damaligen Zeit einzufangen, ich tauchte sogleich in diese Zeit ein. Besonders gefielen mir die Auszüge aus dem Totengräber-Almanach von Augustin Rothmayer in jedem Kapitel, die sich ähnlich lesen, wie Bücher von Gerichtsmedizinern oder auch von manchem Tatortreiniger. Ist nichts für empfindliche Gemüter, aber ich empfand es als lehrreich und gleichsam unterhaltsam.

Fazit:
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Spannend und lehrreicher Krimi mit skurril-sympathischem Ermittlertrio und Humor Toller Auftakt!

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Veröffentlicht am 03.05.2022

Die andere Seite von Lena Odenthal

Ich muss raus
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"Kurze Haare, Fußballspielen, keine Röcke - ich habe schon immer kein typisches Mädchen sein wollen. [...] Eine innere Stimme zeigte mir den Weg, wusste, dass ich anders bin, ließ mich herausfinden, wo ...

"Kurze Haare, Fußballspielen, keine Röcke - ich habe schon immer kein typisches Mädchen sein wollen. [...] Eine innere Stimme zeigte mir den Weg, wusste, dass ich anders bin, ließ mich herausfinden, wo die Reise hingehen soll." (S. 29)

Viele kennen Ulrike Folkerts als Hauptkommissarin Lena Odenthal. Doch wenige kennen die private Seite der Schauspielerin. In diesem Buch erzählt sie ihre ganz persönliche Geschichte. Wie sie schon als junges Mädchen gemerkt hat, dass sie kein typisches Mädchen ist und des Öfteren auch bei anderen Mainstreamthemen aneckt. Aber auch, wie sie schließlich ihren Weg findet, mit sich selbst ins Reine kommt und wie u. a. die Schauspielerei ihr dabei hilft.

Mir gefiel dabei ihre Offenheit und Ehrlichkeit. Sie schildert nicht nur ihre glücklichen Momente, sondern auch ungeschönt ihre Höhen und Tiefen und wie sie sich mit ihren Prinzipien und ihrer Sturheit oft selbst im Weg stand. Ich hatte mich mit der Person Ulrike Folkerts bislang noch nicht viel befasst und beim Lesen viele neue und interessante Aspekte über sie erfahren. So wusste ich nicht, dass sie auch viel in Theatern gespielt hat und welche anderen Rollen sie spielte. Auch die Schilderung ihrer nicht ganz unproblematischen Kindheit, die Suche nach der sexuellen Orientierung und einige andere Schicksalsschläge waren sehr aufschlussreich.
Besonders beeindruckend war für mich aber, dass sie sich trotz allem nicht hat unterkriegen lassen und auch immer den Mut hatte, Neues zu wagen und Risiken dabei einzugehen.
Der Titel "Ich muss raus" ist auf vielfältige Weise zutreffend: Sie muss raus aus Zwängen und Klischees der Gesellschaft, muss raus in die Natur, muss raus, um Sport zu treiben und muss raus, um auch mal ihre eigene Persönlichkeit für andere Rollen zu verlassen. Sie bricht auf viele Weise aus, um letztendlich bei ihr anzukommen.
Neben den persönlichen Dingen erfährt man aber natürlich auch einige Geschichten und Anekdoten aus dem Fernseh- und Theatergeschäft, die sehr unterhaltsam von der Autorin eingeflochten werden.
Als besonderes Highlight sollte noch die Buchgestaltung erwähnt werden: Hardcover mit Lesebändchen sowie viele Farbfotografien, die nicht nur in der Mitte des Buches, sondern an den passenden Stellen über das ganze Buch verteilt zu finden sind.

Fazit:
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Wunderschön gestaltete und mutmachende Biographie der Tatort-Schauspielerin!

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