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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2017

Lange Geschichte über die Zivilbevölkerung Englands im Krieg

Dunkelheit
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Cover, Titel und Beschreibung haben mich sofort angesprochen, um diesen Wälzer zu lesen brauchte ich dann aber doch eine Menge Durchhaltevermögen. Die Geschichte lebt von Details und den alltäglichen Erlebnissen ...

Cover, Titel und Beschreibung haben mich sofort angesprochen, um diesen Wälzer zu lesen brauchte ich dann aber doch eine Menge Durchhaltevermögen. Die Geschichte lebt von Details und den alltäglichen Erlebnissen der drei Hauptfiguren.

Das Buch beginnt im Jahre 2060, in dem Zeitreisen möglich sind. Es gibt dabei bestimmt Begrenzungen, die im Buch allerdings nicht näher erläutert werden. So sollten Historiker, die in die Vergangenheit reisen (Reisen in die Zukunft sind anscheinend nicht möglich), die Geschichte nicht verändern. Deshalb werden geschichtlich wichtige Punkte gemieden. Auch begegnen sollten sie sich nicht, deshalb werden die Reisen von einigen Mitarbeitern eines Instituts genau geplant.

Die drei Historiker Polly, Mike und Eileen möchten alle das Verhalten der Zivilbevölkerung in England während des zweiten Weltkriegs beobachten.
Polly reist nach London und plant, die Nächte in den Schutzräumen, insbesondere U-Bahnhöfen zu verbringen. Dort möchte sie erleben, wie die Menschen mit den täglichen Gefahren der Bombenabwürfe umgehen und wie sie sich mit der Situation arrangieren.
Mike reist in die Nähe von Dünkirchen um das Verhalten von Zivilisten im Blitzkrieg mitzuerleben, die den Soldaten geholfen haben.
Eileens Ziel ist ein Anwesen auf dem Land, wohin Kinder aus London evakuiert werden. Dort hat sie zur Tarnung eine Stelle als Hausmädchen und versorgt die Evakuierten.

Diese drei Geschichten wechseln sich ab und besonders Eileen und die Kinder haben es mir sehr angetan. Aber auch die anderen waren mir sympathisch und man kann ihre Erlebnisse gut mitverfolgen. Neben diesen drei Strängen werden aber auch andere Ereignisse eingeschoben und man wartet auf die große Zusammenführung und eine Entwirrung am Ende. Dieses Ende gibt es aber gar nicht, denn „Dunkelheit“ ist nur der erste von zwei Bänden. Auch der zweite Band „Licht“ ist noch einmal so lang und wird die Geschichte weiter erzählen.

Dabei ist der Schreibstil zwar angenehm, aber durch die vielen Details, Personen und Sprünge nicht einfach zu lesen. Man braucht Geduld und muss hinnehmen, dass die Autorin manches schlicht nicht erklärt. Dafür wird man mit historischen Einblicken ins England während des Weltkriegs belohnt.

Veröffentlicht am 25.06.2017

Eine Frau verschwindet

Wo ist Jay
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Was wie ein zusammengesponnener Thriller klingt, basiert tatsächlich auf einer wahren Geschichte! Die hübsche und beliebte Jay verschwindet, aber niemand scheint sich Sorgen zu machen. Ihr Mann berichtet ...

Was wie ein zusammengesponnener Thriller klingt, basiert tatsächlich auf einer wahren Geschichte! Die hübsche und beliebte Jay verschwindet, aber niemand scheint sich Sorgen zu machen. Ihr Mann berichtet von einem Streit und einem Abschiedsbrief, auch die Polizei informiert er nicht sofort. Die Freunde vermissen Jay, sind aber auch wütend und können sich ein Verbrechen nicht vorstellen.

Nur Mia, Jays beste Freundin glaubt nicht, dass Jay ihre Kinder von einem auf den anderen Tag verlassen hat. Die beiden haben erst vor kurzem ein Wochenende gemeinsam verbracht und Mia ist sich sicher, dass Jay ihr von Problemen erzählt hätte. Sie stellt Fragen und macht sich damit nicht überall beliebt. Auch über Jay erfährt sie Dinge, die sie an ihrer Freundschaft zweifeln lassen.

Langsam erfährt man mehr, aber die Tragödie, die am Ende geschieht hätte ich nicht geahnt. Überraschende Wendungen und eher ruhige Szenen wechseln sich ab so, dass es bis zum Schluss spannend bleibt.

Von außen betrachtet sind die Hauptfiguren vollkommen normal: Drei Pärchen und zwei Singles, die sich regelmäßig treffen und in verschiedenen Konstellationen etwas miteinander unternehmen. Natürlich gibt es dabei engere Freundschaften und auch Menschen, die sich nicht so sehr mögen. Die Charaktere sind gut ausgestaltet, die Autorin zeigt hier Liebe zum Detail. Denn auch die anderen haben teils komplizierte Beziehungen untereinander.

Ein außergewöhnliches Buch, auch weil es eben einer wahren Geschichte nachempfunden ist. Der Fall ging nicht groß durch die Presse, die Autorin hat aber mit einigen der Beteiligten selbst gesprochen.

Das Buch ist wirklich empfehlenswert, leider hat mich das Cover (durch die schlechte Druckqualität!) eher abgeschreckt. Wer aber gute Thriller und Krimis mag, sollte es unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 09.06.2017

Stellenweise eher langatmig

Die Bienen
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Dieses Buch war für mich sowohl optisch als auch vom Inhalt her etwas Besonderes. Die Sprache und Handlung ist auf die Welt der Bienen ausgelegt und man wird vollkommen ins Innere des Bienenstocks hineingezogen. ...

Dieses Buch war für mich sowohl optisch als auch vom Inhalt her etwas Besonderes. Die Sprache und Handlung ist auf die Welt der Bienen ausgelegt und man wird vollkommen ins Innere des Bienenstocks hineingezogen. Man erfährt, wie das Leben organisiert ist und wie die Tiere in Kasten eingeteilt werden, die mehr oder weniger Rechte haben als andere. Natürlich kann man sehr viele kristische Töne hinein interpretieren und das ganze Buch als Fabel auf eine Gesellschaft sehen. Man kann es aber auch einfach als fantasievolles Buch über einen Insektenstaat lesen.
Was mich gestört hat, war die Vermenschlichung an vielen Stellen, so tragen zum Beispiel einige Tiere Kleidung.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Flora 717, einer Arbeiterbiene, die einer eher niedrigen Schicht angehört. Sie ist ungewöhnlich schlau und durchläuft mehrere Stationen im Bienenstock. Wir folgen ihr auf die Brutstation und bis zur Königin. Mit ihr zusammen lernen wir die machohaften Drohnen kennen und entdecken das Leben außerhalb des Stocks. Es gibt viele Wendungen und Wirrungen, die das Buch interessant machen, aber richtige Spannung kommt nicht auf.

Ein lesenswertes Buch, dass aber etwas speziell ist.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Gelungene Mischung mit bekannten Autoren

Glücksgeschichten
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Bei Anthologien gibt es immer Geschichten, die mich begeistern und welche die ich eher schlecht finde. Und natürlich sehr viel dazuwischen. Genauso ist es hier auch, aber es gab viele kleine Juwelen, die ...

Bei Anthologien gibt es immer Geschichten, die mich begeistern und welche die ich eher schlecht finde. Und natürlich sehr viel dazuwischen. Genauso ist es hier auch, aber es gab viele kleine Juwelen, die das Hören lohnenswert machen. Ich muss zugeben, dass es besonders (aber nicht nur!) die Geschichten namhafter Autoren waren, die mich zum Schmunzeln oder nachdenken gebracht haben.

Durch die unterschiedlichen Sprecherinnen und Sprecher kann man die Geschichten gut voneinander abgrenzen, aber mir viel es schwer, sie direkt hintereinander zu hören: Vom Rußland der 80er kann es nach Berlin (im Zeitalter von Smartphones) und gleich danach in die griechische Antike gehen. Eine gute Mischung also mit soliden literarischen Werken und eher kurzen Anekdoten.

Bei 6 CDs und knapp 40 Geschichten ist sicher für jeden Hörer etwas dabei. Allerdings ist die Überschrift "Glück" nicht ganz treffend, es geht viel um Liebe - und für mich war der Ausgang auch manchmal traurig (wie das in der Liebe eben so ist).
Eine schöne Sammlung also für Romantiker und Liebhaber von Geschichten, die einfach mitten aus dem Leben stammen.

Veröffentlicht am 27.05.2017

Philosophisches Buch mit mutigem Ende

Der Brief
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Das Cover des Buches beschreibt den Inhalt eigentlich sehr treffend: Marie in Hamburg und Marie in Paris. Natürlich gibt es nur eine Marie und die lebt mit ihrer Partnerin Johanna in Hamburg. Sie ist gesund, ...

Das Cover des Buches beschreibt den Inhalt eigentlich sehr treffend: Marie in Hamburg und Marie in Paris. Natürlich gibt es nur eine Marie und die lebt mit ihrer Partnerin Johanna in Hamburg. Sie ist gesund, glücklich und arbeitet als Journalistin. Als sie einen Brief von ihrer Jugendfreundin Christine bekommt, ist sie verwirrt. Die Schrift, die Erinnerungen an gemeinsame Kindertage und auch viele Details stimmen, aber einiges passt nicht zusammen. Christine schreibt sowohl von ihrer Tochter Amelie (die es nicht gibt), als auch von einer Begegnung mit Yvonne (die schon seit Jahren tot ist). Marie besucht Christine und spricht sie darauf an. Christine streitet nicht nur ab, den Brief geschrieben zu haben, sie reagiert auch wütend und möchte nicht weiter darüber reden. Dies ist erst der Anfang von mysteriösen Ereignissen, die Marie letztendlich nach Paris führen, denn auf den Briefen ist nicht ihre Adresse in Hamburg, sondern eine in Paris als Empfänger angegeben.


Das Buch ist spannend und ich habe es verschlungen. Und dann war es plötzlich zu Ende und ich musste die letzten Seiten zweimal lesen um zu glauben, dass dies wirklich die große Auflösung war, auf die ich gewartet hatte. Es war nämlich nichts von dem, was ich erwartet hatte. Während des ganzen Buches habe ich mich gefragt, wie die Autorin da wieder herauskommt, wie sie am Ende alles logisch zusammenbringt oder ob sie sich einer übernatürlichen Erklärung bedienen muss. Und genau da ist das Enttäuschungspotenzial dieses Buches: Es handelt sich weder um einen Thriller noch um einen Krimi. Auf dem Cover steht schlicht „Roman“. Das kann vieles bedeuten, für mich ist es ein philosophisches Buch, dass zum Nachdenken anregt.


Das Lesen hat mir Spaß gemacht, es hat mich gefesselt und ich finde die Idee sehr mutig umgesetzt.