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Veröffentlicht am 30.09.2019

Sag, wo sind die Bienen hin?

Das Versprechen des Bienenhüters
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Wo sind sie geblieben?

Ich habe mir erlaubt, zur Einführung einen Songtext des aus meiner Sicht unterschätzten Folksängers, Friedens- und Umweltaktivisten Pete Seegers in leichter Modifikation zu zitieren, ...

Wo sind sie geblieben?

Ich habe mir erlaubt, zur Einführung einen Songtext des aus meiner Sicht unterschätzten Folksängers, Friedens- und Umweltaktivisten Pete Seegers in leichter Modifikation zu zitieren, der in deutscher Sprache von der überragenden Marlene Dietrich interpretiert wurde.

Denn es sind die Bienen, die in diesem eindringlichen Roman der jungen Autorin Christy Lefteri für so vieles stehen: für Frieden, eine intakte Natur, für Harmonie, aber auch für Kraft, Überleben und Mut!

Sie werden zerstört in Aleppo, der Heimat ihres Hüters Nuri, doch das ist längst nicht das einzige, das er verliert: Der beginnende Syrienkrieg kostet ihn seinen Sohn und seinen Neffen, seine Frau Afra verliert das Augenlicht. Sein kluger älterer Cousin Mustafa, der ihn an die Welt der Bienen herangeführt hat, flieht mit seiner Familie nach England, wo er wissenschaftliche Kontakte hat, Nuri und Afra zögern noch.

Als sie dann endlich aufbrechen, um ihren Verwandten zu folgen, ist es fast unmöglich, noch durch Europa durchzukommen, schon gar nicht, wenn der einzige Kontakt dort aus geflüchteten Verwandten besteht.

Es beginnt eine Odysee, die das Paar - und mit ihm die Leser - zu Orten und vor allem zu Menschen führt, denen man niemals begegnen wollte. Der Leser erhält einen Eindruck, was so alles auf der Flucht passieren kann. Und das ist so grausam, dass man es fast nicht verkraftet.

Auch, wenn es zwischendurch immer wieder positive Begegnungen gibt, die helfen, zu überleben.

Christy Lefteri hat selbst in einem Flüchtlingslager in Athen gearbeitet, doch wie sie das Hoffen, Warten, Reisen und die Gefahr der Flüchtlinge beschreibt - das ist Poesie. Es kommt aus ihrem tiefsten Inneren heraus und hat zumindest auf mich eine Sogwirkung entfaltet.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man nach der Lektüre des Romans noch bereit ist zur Abschiebung von Flüchtlingen aus gefährdeteten Ländern, doch dazu muss man erst einmal bereit sein, es in die Hand zu nehmen. Es ist nämlich schwere Kost; ein Buch, das weh tut und zwar nicht nur an einer Stelle. Ich befürchte, das diejenigen, denen ich es gern in die Hand drücken würde - die Rechten zum Beispiel, aber auch die Bequemen, es sofort wieder weglegen würden. Leider.

Denn dies ist ein Buch mit einer Botschaft. Ein Roman, der genau in unsere Zeit passt und aus meiner Sicht von jedem, der an den "Fridays for Future" und Friedensmärschen teilnimmt, gelesen, reflektiert und im besten Falle multipliziert werden sollte.

Diese Lektüre ist ein Wagnis, das erschüttert, berührt, entsetzt, fordert, bereichert und aufweckt. Ich bin wie durch den Fleischwolf gedreht!

Veröffentlicht am 26.09.2019

Diverse Verquickungen

Der Verein der Linkshänder
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Ein Krimi, in dem Nesser seine beiden bekannten Serien-Settings ebenso wie die Kommissare beider Reihen - van Veeteren und Barabarotti wie auch deren jeweiliges Umfeld - einbringt - sie ermitteln ...

Ein Krimi, in dem Nesser seine beiden bekannten Serien-Settings ebenso wie die Kommissare beider Reihen - van Veeteren und Barabarotti wie auch deren jeweiliges Umfeld - einbringt - sie ermitteln in einem Fall, der sowohl geographisch als auch chronologisch weite Kreise zieht.

Der "Verein der Linkshänder" wurde in den 1960er Jahren von Schülern in Oosterby nahe Maardam, also im Einzugsgebiet von van Veetering - gegründet und seine Mitglieder tauchen in Verbindung mit einem Fall, der 1991 stattfand, einem Brand, bei dem vier der fünf Anwesenden ums Leben kamen, als Opfer wieder auf. Der fünfte wird als Täter identifiziert, jedoch nicht gefasst.

Nun taucht Jahre später - van Veeteren feiert mit Lebensgefährtin Ulrike dort seinen 75sten Geburtstag bzw. haben sie sich vor drohenden Gratulanten dort versteckt - eine Leiche auf, die alsbald die des fünften Mitglieds identifiziert wird. Sein Tod kann in etwa zur selben Zeit wie der der anderen stattgefunden haben. Folglich war er definitiv nicht der Mörder - aber wer war noch involviert?

Das alles zieht weite Kreise und entwickelt sich - wie es einem Rentner wie van Veeteren geziemt - eher langsam. Daher erahnt der Nesser-gestählte Leser bereits recht früh die ein oder andere mögliche Wendung. Nun, man ist manchmal auf dem Holzweg, aber längst nicht immer und da ich mitnichten die geborene Spürnase bin, gehe ich davon aus, dass andere Leser hier noch lange vor mir wesentlich mehr Ahnung vom konkreten Ausgang hatten.

Der besondere Charme liegt darin, dass der Fall auch nach Schweden führt, wo Barberotti, der Kommissar der zweiten Krimireihe des Autors Nesser und inzwischen verwitwet, ihn in die Finger bekommt. Es folgt seine Reise nach Oosterby und neben weiteren Ereignissen auch ein Zusammentreffen mit van Veeteren.

Hakan Nesser ist einer der Krimiautoren, der es sich ohne weiteres leisten kann, NICHT eine Überraschung nach der anderen aus dem Hut zu ziehen, weil die Lektüre seiner Werke wie die Wiederkehr an einen geliebten Ort ist. Man verzeiht ihm vieles und genießt das Gebotene. Wenn Sie also Nesser-Fan sind, sei Ihnen dieses Werk uneingeschränkt empfohlen - Sie wissen ja, auf was Sie sich einlassen. Wenn das nicht der Fall ist, können Sie es sich ja überlegen. Sagen Sie aber nicht, ich hätte Sie nicht vorgewarnt!

Veröffentlicht am 21.09.2019

Oma Stine wird komisch

Romys Salon
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Findet die neunjährige Romy, die neuerdings viel Zeit bei ihrer Oma verbringen muss. Denn ihre Eltern haben sich getrennt und Oma Stine hat ihren Friseursalon gleich unter ihrer Wohnung im selben Haus ...

Findet die neunjährige Romy, die neuerdings viel Zeit bei ihrer Oma verbringen muss. Denn ihre Eltern haben sich getrennt und Oma Stine hat ihren Friseursalon gleich unter ihrer Wohnung im selben Haus - da kann Romy hin, während ihre Mutter noch arbeiten ist. Die Oma war nie besonders warmherzig, aber in letzter Zeit ist sie netter. Aber ein bisschen verwirrt - sie kann nämlich gar nicht mehr rechnen, das macht Romy jetzt für sie. Nach Anfangschwierigkeiten funktionieren die beiden perfekt als Team - Romy als Omas Assistentin.

Sie verdient sogar eine Kleinigkeit, was sich als sehr hilfreich erweist - denn nach einiger Zeit ist klar, dass Oma krank ist - die Krankheit heißt Alzheimer und ist nicht heilbar. Oma bringt nicht nur sich selbst, sondern auch Romy und deren Freundin in Gefahr, als sie aus Versehen fast den Salon abfackelt. Danach steht fest: die Oma kann nicht mehr alleine wohnen, sondern muss in ein Pflegeheim. Obwohl ihr Pfleger George echt nett ist, wird Oma dort nicht glücklich. Romy kommt auf eine Idee...

Ein warmherzig geschriebenes Kinderbuch zum Thema Demenz und Alzheimer - dargestellt aus der Sicht der neunjährigen Enkelin Romy. Genau dadurch wird die Geschichte so anschaulich und greifbar, auch für Kinder. Autorin Tamara Bos schreibt sehr direkt, aber dennoch einfühlsam - genau richtig also für Kinder. Denn ich kenne kein Kind, das es mag, wenn man um den heißen Brei herumredet! Wobei auch ich als Erwachsene die Lektüre sehr genossen habe!

Veröffentlicht am 17.09.2019

Sein eigenes Süppchen kochen

Schnell und einfach zum Suppenglück
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Und zwar ganz schnell und unkompliziert: das gelingt mit diesem wunderbaren Kochbuch sehr gut. Und zwar auch noch jeden Tag ein anderes, überraschendes.

Teilweise durchaus in Kombinationen, die man aus ...

Und zwar ganz schnell und unkompliziert: das gelingt mit diesem wunderbaren Kochbuch sehr gut. Und zwar auch noch jeden Tag ein anderes, überraschendes.

Teilweise durchaus in Kombinationen, die man aus anderen Zusammenhängen kennt wie bspw. Spinat und Schafskäse, die klassische Füllung des Börek im türkischen Schnellimbiss. Oder auch mal auf einer Pizza.

Auch die Hühnersuppe zum Bezwingen der ersten Herbsterkältung kocht sich hier ganz schnell und zwar in einer ganzen Reihe von Varianten. Von asiatisch bis griechisch ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Zudem gibt es auch ein paar Rezepte für süße Suppen, für Einlagen und natürlich ist auch an Vegetarier gedacht. Wobei es bei fast allen Suppen mindestens einen Variationsvorschlag gibt.

Alles ist in maximal einer halben Stunde fertig, manches sogar schon in zehn Minuten und für das Wenigste braucht man ausführliche Kochkenntnisse.

Zudem ist dieses wunderbare Kochbuch optisch sehr schön aufbereitet und toll fotografiert - man erhält also im wahrsten Sinne des Wortes einen Vorgeschmack auf das Süppchen, das man sich und seiner Familie einbrocken wird!

Mir gefällt dieses Kochbuch sehr und ich empfehle es von ganzem Herzen. Allerdings ist eines klar: man sollte Suppenfreund sein, ansonsten hat man nicht viel davon!

Veröffentlicht am 15.09.2019

Mit siebzehn hat man noch Träume

Für immer die Deine
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Die aber abrupt enden könnten, wenn man wegen einer Schwangerschaft heiraten muss. Doch Klara und Fritz stehen zueinander und zu ihrem Entschluß, den sie bereits Jahre vorher in ihrer Kindheit gefällt ...

Die aber abrupt enden könnten, wenn man wegen einer Schwangerschaft heiraten muss. Doch Klara und Fritz stehen zueinander und zu ihrem Entschluß, den sie bereits Jahre vorher in ihrer Kindheit gefällt haben.

Obwohl die Umstände denkbar ungünstig sind - nicht nur sind sie durch die voreheliche Schwangerschaft ins Gerede der Leute in ihrem kleinen Heimatdorf im Alten Land geraten, nein: zu allem Unglück schreibt man auch noch das Jahr 1939 und was den Deutschen da blüht, das weiß jeder.

Nämlich der Zweite Weltkrieg und es kommt, wie es kommen muss. Fritz wird an die härteste aller Fronten, nämlich die Ostfront in Rußland eingezogen. Er überlebt zwar, wird aber schwer verletzt. Und Klara, die mit dem Kind allein in der Wohnung in Hamburg einem Bombenangriff nach dem anderen standhalten muss, hat es auch nicht leicht. Ihr Leben ändert sich durch das Kennenlernen eines alten Mannes aus der Nachbarwohnung.

Dies alles erfährt der Leser in einer Retrospektive, denn die Handlung findet auf zwei Zeitebenen statt: Die zweite spielt in der Gegenwart und handelt von der Journalistin Marie, die auf die Geschichte der beiden alten Menschen stößt.

Autorin Jana Voosen hat daraus einen warmherzigen Roman gewoben, in dem der Alltag in schwierigen Zeiten im Vordergrund steht. Wobei durchaus ungewöhnliche bzw. bisher unbekannte Entwicklungen auftreten wie bspw. Klaras Besuch in einem Feldlazarett abseits der Front. Gerade solche Momente sind aus meiner Sicht wichtig, um zu verstehen, wie es den Menschen damals in Deutschland ging.

Auch wenn aus meiner Sicht ein paar wichtige Punkte offenbleiben, habe ich diesen Roman mit großem Genuss gelesen und kann ihn von ganzem Herzen weiterempfehlen.