Ein Blüthner on the road
Das Gewicht eines PianosWas im Prinzip nicht verwunderlich ist. Denn ein Blüthner ist ein Konzertpiano, das sicher auch in dieser Funktion das ein oder andere Mal unterwegs ist, um den jeweiligen Künstler zunächst zu und dann ...
Was im Prinzip nicht verwunderlich ist. Denn ein Blüthner ist ein Konzertpiano, das sicher auch in dieser Funktion das ein oder andere Mal unterwegs ist, um den jeweiligen Künstler zunächst zu und dann auf seinen Konzerten zu begleiten.
Das ist hier nicht der Fall - das Piano steht zunächst in Moskau in Katyas Zimmer, dann in einer kalifornischen Kleinstadt im Zimmer von Clara, einer jungen Automechanikerin. Dazwischen liegen einige Jahrzehnte, nämlich die Zeit zwischen den 1960er- und den 2010er Jahren.
Katya wird zu einer begnadeten Pianistin, was sie vor allem diesem besonderen Klavier zu verdanken hat - es begleitet sie also auf den Höhen ihres Lebens. Aber auch an den Tiefen hat es seinen Anteil. Und Carla - sie kann kaum darauf spielen, doch das Instrument liegt ihr am Herzen - denn es war das letzte Geschenk eines Menschen, der ihr sehr wichtig war.
Die amerikanische Autorin Chris Cander schlägt einen Bogen vom Moskau der Sowjetzeit bis in die USA lange nach 09/11. Dieser gelingt ihr meisterhaft, werden doch tatsächlich die weit auseinanderliegenden Elemente alle punktgenau zusammengefügt.
Doch ganz glücklich bin ich nicht mit diesem Gesamtergebnis, da mir einiges doch zu konstruiert vorkommt. Und einige Aktionen - sowohl von Katya als auch von Clara - ziehen sich und damit den Handlungsverlauf ziemlich in die Länge.
Mein Eindruck von diesem zweifellos originellen Buch: Der Begriff "Zerstörung" spielt eine übergeordnete Rolle,sowohl im direkten als auch im übertragenen Sinne. Dies hat mich beim Lesen zeitweise ziemlich verstört, so dass ich reichlich Nerven lassen musste! Was aus meiner Sicht vor allem an der fehlenden Empathie der Autorin sowohl ihren Figuren als auch dem zentralen Gegenstand des Romans, nämlich dem Blüthner-Klavier gegenüber. Wobei das zeitweise durchaus aufblitzt - letztendlich jedoch wird jeder in diesem Roman von ihr allein gelassen, so mein Empfinden. Wenn auch Clara eine Chance hat, aus dieser Nummer rauszukommen, aber nur sie!
Ein Roman für Leser, die es musikalisch mögen, auch beim Lesen. Und für solche, die einen Sinn für die Ränke des Schicksals haben, auch wenn diese alles andere als wohlwollend ausfallen!