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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2018

Mörderjagd auf die englische Art

Die Melodie des Mörders
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Also gemütlich, originell und ein bisschen exzentrisch: Während einer Probe des Krippenspiels im Gemeindehaus kommt der Organist Clifford St. Clare quasi während seiner Performance zu Tode - das kann ...

Also gemütlich, originell und ein bisschen exzentrisch: Während einer Probe des Krippenspiels im Gemeindehaus kommt der Organist Clifford St. Clare quasi während seiner Performance zu Tode - das kann nur Mord sein!

Und mehr und mehr deutet alles darauf hin, dass es eine Verbindung zu einer Kommune gibt, die vor über zwanzig Jahren in dem kleinen Dorf existierte und ein tragisches Ende nahm.

Tanzlehrer Colin, der im Zweitberuf Detektiv ist, wird von seinem Freund, dem Pfarrer Jasper, sogleich zur Aufklärung dieser Angelegenheit hinzugezogen - doch bin ich sicher, dass er sich auch sonst daran gemacht hätte. Die lokale Polizeipräsenz ist eine ausserordentlich behäbige, weswegen die beiden Herren der Sache lieber selbst nachgehen, dennoch werden ihnen von den Ordnungshütern ständig Steine in den Weg gelegt - wenn sie sie zu fassen bekommen. Denn Colin und Jasper sind viel zu originell, um nur auf Pfaden zu wandeln, die sogleich nachvollzogen werden können.

Ich muss gestehen, ich habe mich verliebt und zwar gleich in beide nicht mehr ganz jungen Herren. Colin ist ein smarter, eleganter Typ, der auf jedem Parkett eine gute Figur macht. Der behäbigere Jasper kann ihm da nicht das Wasser reichen, doch die Originalität, mit der der Pfarrer seines Amtes waltet, ist einfach köstlich! Beispielsweise organisiert er aus Mangel an jungen Gemeindemitgliedern eine Aufführung des Krippenspiels durch Erwachsene und dabei geht es sowas von hoch her.

Spaß und Überraschung in Hülle und Fülle - dennoch ist der Kriminalfall ein spannender und gut konstruierter, der den Leser bis zum Schluss den Atem anhalten lässt.

Ein unglaublich spritziger und unterhaltsamer Krimi - Autorin Miriam Rademacher sprudelt nur so über von Ideen und ich bin überzeugt, dass sie noch eine ganze Reihe weiterer Bände um Colin und Jasper (dies ist bereits der vierte) damit füllen kann. Diesen hier kann man problemlos ohne Vorkenntnisse lesen und er eignet sich ganz hervorragend als Weihnachtsgeschenk für Freunde oder Verwandte, mit denen man es besonders gut meint.

Veröffentlicht am 11.12.2018

Üblicherweise werden Mütter an "ihrem" Tag gefeiert

Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)
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Hier geschieht sozusagen Gegenteiliges, die Mütter verschwinden, und zwar immer an oder um "ihren" Tag im Jahr, dem Muttertag nämlich! Seit Jahrzehnten schon - nicht jedes Jahr, aber immer wieder.

All ...

Hier geschieht sozusagen Gegenteiliges, die Mütter verschwinden, und zwar immer an oder um "ihren" Tag im Jahr, dem Muttertag nämlich! Seit Jahrzehnten schon - nicht jedes Jahr, aber immer wieder.

All diese Frauen haben eine Gemeinsamkeit, die sich wie ein rotes Band durch die Fälle zieht - und dann macht die hessische Kriminalpolizei durch Zufall einen grausigen Fund. Und zwar im Garten eines alten Mannes, der vor vielen Jahren gemeinsam mit seiner Frau Pflegekinder aufnahm. Angeblich lief dahingehend alles wunderbar, nach seiner Frau sollte sogar eine Straße benannt werden, eine wahre Samariterin. Die im Übrigen vor vielen Jahren auf geheimnisvolle Art verschwand.

In Gesprächen mit einigen der ehemaligen Pflegekinder des Paares tun sich Facetten auf, die man so weder erwartet noch sie sich in das Leben von Kindern und Jugendlichen wünscht. Wie hängt das alles mit den Funden zusammen? Bald schon stecken Pia Sander und Oliver von Bodenstein mitten in den Ermittlungen und sind so involviert, dass sie und auch einige ihrer Kollegen die Nächte auf dem Polizeirevier verbringen.

Na, neugierig geworden? In der Tat ist "Muttertag" eine weitere Perle in der Taunus-Reihe der unnachahmlichen Nele Neuhaus. Die Serie um die Kommissarin Pia Sander und ihren Chef Oliver von Bodenstein hat mit herkömmlichen, oft etwas behäbigen deutschen Regionalkrimis à la Manfred Bomm und Regine Kölpin nichts zu tun. Dagegen kann die Autorin mit den skandinavischen Krimiserien von Autorinnen wie Helene Tursten und Anne Holt sowie mit angelsächischen Vorbildern wie Marcia Muller locker konkurrieren - der neue, mittlerweile neunte Band reiht sich vielversprechend in diese Serie ein und kann aus meiner Sicht von der Spannung her fast mit den Glanzlichtern der Serie "Tiefe Wunden" und "Schneewittchen muss sterben" mithalten.

Was aus meiner Sicht nicht unbedingt nötig gewesen wäre: der oder die Täterin zeichnet sich schon relativ früh ab, aus meiner Sicht geschieht auf den letzten fast hundert Seiten wenig Überraschendes, auch wenn sich alles gut und stimmig zusammenfügt und es im Gegensatz zum letzten Band "Im Wald" kaum offene Erzählstränge gibt, jedenfalls keine, die von zentraler Bedeutung wären.

Dennoch: Nele Neuhaus schreibt packend und fesselnd und zeigt diesmal vor allem Pia Sander von einer sehr persönlichen Seite: dadurch, dass sie tief in ihre Vergangenheit taucht, offenbart sie Erfahrungen und Empfindungen dieser Figur, die zumindest mir in diesem Ausmaß noch nicht bekannt waren.

Auch wenn dieser Band aus meiner Sicht nicht ganz so stark ist wie einige der Vorgänger: Diese Serie ist ein absolutes Muss für alle Freunde und Freundinnen hochkarätiger deutscher Krimis mit einer ähnlichen Spannungsgarantie wie der Reihe um den auch in räumlicher Nähe - nämlich in Frankfurt - angesiedelten Hauptkommissar Marthaler von Jan Seghers. Man kann "Muttertag" sicher isoliert von den anderen Krimis dieser Reihe lesen, doch wird es nur wenige geben, die sich nach dem Genuss dieser Lektüre nicht auch die vorherigen Bände gönnen möchten.

Veröffentlicht am 05.12.2018

Von der Kochsendung zur Familiengeschichte

Das Geheimnis der letzten Schäferin
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Nina Ludwig hat - so scheint es - alles: sie ist jung, ihr Restaurant "Ludwig" in Salzburg ist ein absoluter Schlager, sie hat eine Kochsendung im Fernsehen und dazu noch Eltern und Freunde, die für sie ...

Nina Ludwig hat - so scheint es - alles: sie ist jung, ihr Restaurant "Ludwig" in Salzburg ist ein absoluter Schlager, sie hat eine Kochsendung im Fernsehen und dazu noch Eltern und Freunde, die für sie durchs Feuer gehen.

Doch nun wird Unmögliches von ihr verlangt: sie soll mit Julian Leroy, dem jungen Münchner Szenekoch, eine gemeinsame Sendung drehen. Ausgerechnet mit Leroy, von dem sie so gar nichts hält - ein oberflächlicher Kerl und ein Aufschneider. Doch sie wird vom Sender unter Druck gesetzt...

Für Nina stehen einige Überraschungen parat: die größte davon ist die, dass der Drehort in Bayern der Geburtsort ihrer geliebten, leider schon längst verstorbenen Oma Lieselotte ist. Und offenbar kannte der Besitzer des denkmalgeschützten Hofes, auf dem die Dreharbeiten stattfinden, Lieselotte näher. Bei dem Versuch, mehr über die Jugend ihrer Großmutter, die als Schäferin tätig war, zu erfahren, blockt er jedoch ab. Schnell wird Nina neugierig und versucht, dies zu ergründen.

Dabei ist der Leser immer mindestens auf derselben Ebene wie Nina, oft auch schon einen Schritt voraus, denn die Handlung findet auf zwei Zeitebenen statt, wovon eine Ninas Welt und damit die Gegenwart behandelt, die andere das Leben und die Geschicke von Lieselotte beleuchtet.

Und es zeigt sich, dass die Großmutter Lieselotte, der Nina ihre Liebe zum Kochen verdankt, so einiges erlebt hat. Wobei der Titel "Das Geheimnis der letzten Schäferin" nicht so ganz zutrifft, denn es wird nie ganz klar, ob Lieselotte selbst es überhaupt kannte.

Ein spannender und atmosphärischer Roman mit einigen ungewöhnlichen Aspekten: so kennt man die Autorin Beate Maxian und in dieser Hinsicht hat sie auch diesmal nicht enttäuscht. Allerdings sind einige Entwicklungen, allen voran die von Ninas Einstellung gegenüber Julian Leroy, von Anfang an abzusehen und verkleinern dadurch das Füllhorn der Überraschungen, das über den Leser ausgeschüttet wird, doch um einiges. Dennoch: ein unterhaltsames, lesenswertes Buch für verdiente Mußestunden, das ich gerne weiterempfehle!

Veröffentlicht am 30.11.2018

Eine Familie in Vergangenheit und Gegenwart

Mädelsabend
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Die Ärztin Sara und ihre Großmutter Ruth sind seit jeher ein Herz und eine Seele. Kein Wunder, dass Sara ihre Großeltern - auch ihren Opa Walter liebt sie über alles, ist sie doch schließlich zu einem ...

Die Ärztin Sara und ihre Großmutter Ruth sind seit jeher ein Herz und eine Seele. Kein Wunder, dass Sara ihre Großeltern - auch ihren Opa Walter liebt sie über alles, ist sie doch schließlich zu einem Teil bei ihnen aufgewachsen - auch nach ihrem Umzug in ihre Altersresidenz auf Burg Winnenthal. Bald bekommt sie mit, dass das Miteinander ihrer Großeltern keineswegs ein harmonisches war und dass vor allem Ruth auf vieles verzichten musste. Aus wohlhabender Familie stammend und mit Ambitionen auf ein Studium musste sie sich nach ihrer Heirat der Familie ihres Mannes und vor allem dem überaus strengen und egozentrischen Regiment des Schwiegervaters unterordnen. In Rückblicken wird ihr Leben von Jugendtagen an beleuchtet.

Da ist es bei Sara es heute ganz anders: sie ist - wie auch ihr Vater Klaus - Ärztin geworden und steht am Beginn einer verheißungsvollen Karriere mit Aussicht auf eine Habilitation. Parallel führt sie mit ihrem Lebensgefährten Lars eine harmonische Beziehung, die seit einem Jahr durch Söhnchen Paul bereichert wird. Eine moderne Powerfrau also. Doch ist es auch bei ihr nicht einfach - ein Forschungstipendium in Cambridge lockt - dafür müsste Sara allerdings für ein paar Jahre quasi ein Schmalspur-Familienleben führen. Wird das möglich sein?

Die Autorin Anne Gesthuysen arbeitet sorgfältig die Unterschiede beider Leben heraus und stellt sie einander gegenüber. Die Fortschritte der Entwicklung des Miteinanders beider Geschlechter werden hier klar und deutlich dargelegt, dazu kommt eine gehörige Portion niederrheinischen Lokalkolorits, mit viel Charme und einer Prise Humor vermittelt.

Dass mich das vorliegende Buch doch nicht so restlos begeistern konnte wie der Vorgängerroman "Sei mir ein Vater", liegt an den Wertvorstellungen, die die Autorin aus meiner Sicht trotz vielfacher Herausstellung der verbesserten Situation der Frau in der Gegenwart im Vergleich zur Nachkriegszeit vermittelt. Denn letztendlich sollte man einerseits (in Ruths Fall) verzeihen und zwar nahezu grenzenlos, andererseits (Sara) sollte man auch heute seine eigenen Interessen hinter die der Familie stellen. Dass es gerade für Sara abgesehen von der vorgestellten Alternative zahlreiche andere Möglichkeiten gegeben hätte, wird leider ausgeklammert.

Mein Fazit also: Ein eindringlicher Roman über das Leben am Niederrhein - vor allem aus weiblicher Sicht - von den 1950ern bis in die Gegenwart. Doch ist das Fazit aus meiner Sicht ein nahezu niederschmetterndes, beinhaltet es doch für mich die Botschaft, dass das wahre Glück einer Frau in ihrer Familie liegt und sie weitere Interessen, ja Berufungen hintenan zu stellen hat. Und zwar immer noch mehr, als das bei einem Mann der Fall ist.

Veröffentlicht am 27.11.2018

Wiedersehen mit alten Weggefährtinnen

Als das Leben vor uns lag
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Die fünf Frauen Julia, Nina, Lola und die Zwillingsschwestern Marta und Olga kennen sich aus der gemeinsamen Zeit im Internat - einer harten Zeit fernab von aller Internatsromantik, die im Sommer 1950 ...

Die fünf Frauen Julia, Nina, Lola und die Zwillingsschwestern Marta und Olga kennen sich aus der gemeinsamen Zeit im Internat - einer harten Zeit fernab von aller Internatsromantik, die im Sommer 1950 nach einem gemeinsamen, sehr extremen Spiel abrupt endete. Wie auch die Freundschaft der fünf so ungleichen Frauen, wobei einige von ihnen noch bilateral weiterhin Kontakt hielten.

Olga, damals eine Art Rädelsführerin, führt als Erwachsene ein aus ihrer Sicht langweiliges Leben als Gattin eines Mediziners und Mutter bereits erwachsener Kinder - sie organisiert im Jahr 1980 ein Wiedersehen im Restaurant ihrer als Kochbuchautorin berühmten Schwester, mit der sie im Alltag nichts mehr verbindet.

Autorin Care Santos widmet jeder der Frauen ein Kapitel, in dem sie deren Werdegang und auch das aktuelle Leben darstellt - somit erfährt der Leser mehr als die Schülerinnen, die gemeinsam am Tisch sitzen.

Wobei eine fehlt: Julia, die nach dem Desaster 1950 im Internat die Schule verlassen musste und aus der eine erfolgreiche Politikerin geworden ist. Gerade auf sie sind die anderen am meisten gespannt. Nicht zuletzt Olga, die nicht ganz unschuldig an den Ereignissen von 1950 war...

Care Santos ist eine elegante Charakterstudie gelungen, die - vor allem zum Ende hin - die ein oder andere Überraschung beinhaltet. Auch wenn das ein oder andere voraussehbar ist, habe ich diesen fesselnden Roman, seine eindringliche Sprache und seine klaren Darstellungen sehr genossen. Ein Werk, das den Leser packt und nicht mehr so leicht loslässt und das ich sehr empfehle.

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