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Veröffentlicht am 06.01.2025

Eine Stadt in der Zeit des Nationalsozialsmus

Ginsterburg
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Ginsterburg ist eine fiktive Stadt mittendrin im tausendjährigen Deutschen Reich. Naja, sie ist schon eher im Westen des zunächst prosperierenden und siegreichen Landes, aber nicht allzu nah an einer Staatsgrenze ...

Ginsterburg ist eine fiktive Stadt mittendrin im tausendjährigen Deutschen Reich. Naja, sie ist schon eher im Westen des zunächst prosperierenden und siegreichen Landes, aber nicht allzu nah an einer Staatsgrenze gelegen. Berlin - wohin nicht alle, aber doch einige blicken - ist manchmal weit weg, dann wieder ganz nah.

Während der Lektüre, welche das Leben in Ginsterburg in den Jahren 1935, 1940 und 1945 thematisiert, begegnet man verschiedenen Einwohnern der Stadt, die so unterschiedlich sind wie die Bewohner des gesamten Reiches. Halt, nicht ganz, es gibt nur wenige Ausländer hier wie es sich für eine Stadt inmitten des Reiches auch gehört. Und die wenigen Juden sind bald nicht mehr da, außer in den Gedanken einiger Mitbürger.

Über den zeitlichen Verlauf hinweg verfolgt der Autor die Geschicke einiger Charaktere, wodurch uns das ganze Szenario im tragischen Wandel der Zeit vor Augen geführt wird. Zunächst traut man sich noch einiges, auch wenn man anderer Meinung ist als derjenigen, die die Politik vorgibt. Und diejenigen, die sich von Beginn an das nationalsozialistische Regime hängen, nutzen ihre Macht bis zuletzt aus. Manche spielen öffentlich keine Rolle mehr. Ein interessanter, vielschichtiger Roman definitiv nicht ohne Anspruch.

Ich habe ihn gerne gelesen, doch hat mich einiges gestört, so dass ich mich nicht in Gänze für das Buch begeistern kann. Ein Stilmittel, mit dem ich generell Schwierigkeiten habe, sind Passagen, die zunächst nicht eingeordnet werden können, sondern erst ganz am Ende als Teil des großen Ganzen einen Sinn ergeben und die hier bereits von Beginn an in die Handlung eingebaut sind. Auch mit bestimmten Arten des Umgangs mit realen Personen habe ich ein Problem: hier ist es der Pilot Lothar Sieber, ein Kriegsheld, der kommentarlos von Kindesbeinen auf als ein Bürger Ginsterburgs mit entsprechender Biographie eingefügt wird. Zu einer solchen Volte hätte ich mir ein Vorwort gewünscht, um zu wissen, wie diese spezielle Person einzuordnen ist. Aber ich bin von der Ausbildung her Historikerin und habe deswegen möglicherweise einen anderen Zugang als die Masse der Leserschaft zu den genannten Aspekten.

Veröffentlicht am 06.01.2025

Ein neues Ermittlerduo sorgt für Spannung - und für Tränen

»Wenn Ende gut, dann alles«
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Wobei die Tränen meist Lachtränen sind - aber nicht nur. Denn Möchtegern-Autor Tommi und seine ukrainische Putzfrau Svetlana, die selbst auf dieser Bezeichnung besteht, kümmern sich um die Aufdeckung eines ...

Wobei die Tränen meist Lachtränen sind - aber nicht nur. Denn Möchtegern-Autor Tommi und seine ukrainische Putzfrau Svetlana, die selbst auf dieser Bezeichnung besteht, kümmern sich um die Aufdeckung eines Mordes. Und der hat mit einem kleinen Mädchen aus der Ukraine zu tun, das nun mutterseelenallein dasteht.

Was außer den beiden so richtig niemanden interessiert - und seien wir ehrlich, zunächst nicht einmal Tommi. Aber Svetlana, gerüstet mit einem beträchlichen Maß an Lebenserfahrung und einem noch größeren an intuitiver Intelligenz, lässt nicht locker - und so "ermitteln" die beiden in ihrem ersten Fall gemeinsam. Svetlana ist der eigentliche Star des Romans; sie hat eine Art, deutsche Ausdrücke zu verdrehen, die mich während meiner Lektüre immer wieder zum Lachen brachte - und zwar, bis die Tränen flossen. Und ein erhebliches Maß an Mitgefühl und Einfühlungsvermögen in die Situation ihrer Landsleute, die sich aufgrund des Krieges in der Heimat in Deutschland befinden - diese Eigenschaft brachte mich aufgrund ihrer Nähe zur Realität aus anderen Gründen zum Weinen.

Ein warmherziger und witziger Krimi von Volker Klüpfel, der einen Hälfte des Autorenduos der "Kluftinger"-Reihe, der den ernsten Hintergrund nicht außer Acht lässt. Andere Themen, die er in diesem Buch streift, sind das Zusammenleben verschiedener Generationen in Deutschland, sowie Wohnungs- und Beziehungsprobleme. Immer in heiterem Kontext, aber nicht ohne ernsten Hintergrund. Ich habe diese Lektüre sehr genossen und freue mich bereits auf den nächsten Band!

Veröffentlicht am 03.01.2025

Ziemlich provokant

Bring dein Herz zum Tanzen
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Natürlich nicht denen gegenüber, deren Herz und vor allem auch der Körper zum Tanzen gebracht werden sollen. Sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist - gut und schön. Nicht auf die gängigen Schönheitsideale ...

Natürlich nicht denen gegenüber, deren Herz und vor allem auch der Körper zum Tanzen gebracht werden sollen. Sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist - gut und schön. Nicht auf die gängigen Schönheitsideale zu achten - noch besser.

Aber deswegen alle herauszufordern, ja zu provozieren, die diese Werte mißachten (könnten) - nein, das ist nicht der richtige Weg. Es gibt hier relativ wenig Neues und/oder Wertvolles. Ich finde, dieses Buch muss man nicht haben, geschweige denn lesen!

Veröffentlicht am 01.01.2025

You gotta fight for your right...

Altern
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...to party? No, to work! Das ist nur ein Punkt, an dem die Ansichten von Frau Heidenreich und mir unendlich weit auseinander gehen. Konkret geht es um das Rentenlalter, das sie deutlich nach oben korrigieren ...

...to party? No, to work! Das ist nur ein Punkt, an dem die Ansichten von Frau Heidenreich und mir unendlich weit auseinander gehen. Konkret geht es um das Rentenlalter, das sie deutlich nach oben korrigieren möchte. Ich jedoch, über 20 Jahre jünger, sehe meiner Rentenzeit die mit über 6,5 Jahren noch in weiter Ferne ist, mit großer Freude, ja: Sehnsucht entgegen. Denn dann kann ich endlich all das tun, was ich schon lange wollte und vor allem deutlich entspannter leben. Ich werde den Gedanken nicht los, dass Frau Heidenreich aufgrund ihrer offenbar ausgesprochen gut laufenden freien Tätigkeit einen ganz anderen Blick auf das Arbeitsleben hat. Das ist nur ein Punkt von mehreren, aber der für mich wichtigste, aber eines steht fest: hier geht es um das Altern von Elke Heidenreich, garniert mit Zitaten und Bonmots aus ihren Kreisen. Da kann ich leider nicht so richtig viel mit anfangen, auch wenn es durchaus die ein oder andere nette Passage gibt. Und schnell gelesen ist es noch dazu!

Veröffentlicht am 30.12.2024

Zieht sich wahnsinnig

Bright Young Women
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Und ständig sind alle von allen genervt in dieser Geschichte um einen Serientäter und seine Opfer, vor allem jedoch um dessen Umfeld, die maßgeblich in den 1970er Jahren spielt, jedoch weit bis ins 21. ...


Und ständig sind alle von allen genervt in dieser Geschichte um einen Serientäter und seine Opfer, vor allem jedoch um dessen Umfeld, die maßgeblich in den 1970er Jahren spielt, jedoch weit bis ins 21. Jahrhundert hinein greift.

Eigentlich ein spannendes Thema: Ein Serienmörder schleicht sich in ein eigentlich für Männer verschlossenes Wohnheim einer Studentinnenverbindung, verletzt mehrere Frauen und ermordet zwei. Offenbar ist es nicht das erste Mal, dass er dies tut - so langsam (also wirklich sehr, sehr langsam) fließen die Handlungen zusammen.

Es sind mehrere Frauen, die im Fokus stehen, aber sie sind nicht so eindeutig dargestellt, dass es eine klare Abgrenzung voneinander gibt. Das machte die Lektüre für mich zusätzlich schwer und so kann ich diesen Roman leider nicht weiterempfehlen. Mit Spannungsliteratur hat er aus meiner Sicht ausgesprochen wenig zu tun!