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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2025

Dunkler geht es nicht

Dunkle Momente
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Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. ...

Zumindest in einigen der hier dargestellen Fälle von Strafverteidigerin Eva Herbergen ist es der Fall. Wobei man beim Lesen durchaus manchmal den Eindruck hat, dass der Täter das eigentliche Opfer ist. Genauso gibt es aber auch das direkte Gegenteil, den Mörder, der selbst stolz auf seine Tat ist und sich vor seiner Verteidigerin sogar noch brüstet.

Tatsächlich sind es eine ganze Reihe ausgesprochen unterschiedlicher Fälle, sehr verschiedener Menschen, die hier zu einer lose zusammenhängenden Handlung aneinander gereiht werden, die vom Stil her durchaus noch ausbaufähig wäre, inhaltlich jedoch so unvorhergesehen und überraschend daher kommt, wie man es kaum erwarten könnte.

Dabei schont sich auch die fiktive Erzählerin Herbergen in ihrer Rolle als Strafverteidigerin nicht selbst, sondern zeigt durchaus auch Situationen auf, in denen sie diejenige ist, die aus unterschiedlichen Gründen dumm dasteht, wenngleich diese sich in der Minderheit befinden.

Eine durchaus spannende Lektüre, mehr Tatsachenbericht als Krimi, aber gerade deswegen etwas Besonderes!

Veröffentlicht am 09.02.2025

Drama mit folkloristischem Einschlag

Campion. Tödliches Erbe
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Margery Allingham erzählt hier die Geschichte eines wertvollen, traditionsbeladenen Kelches, Eigentum der Familie Gyrth, der offenbar auch von anderer Seite begehrt wird und den Gyrths auf unlautere ...

Margery Allingham erzählt hier die Geschichte eines wertvollen, traditionsbeladenen Kelches, Eigentum der Familie Gyrth, der offenbar auch von anderer Seite begehrt wird und den Gyrths auf unlautere Weise abspenstig gemacht werden soll.

Zeit, einen der besten Detektive Englands, nämlich Albert Campion, mit ins Boot zu holen - ein schmales, blasses und unscheinbares Männlein, das gleichwohl nie seine gute Laune verliert und grundsätzlich frohen Mutes in die Welt blickt, auch in Situationen, in denen es schwerfällt, dies zu verstehen. Bald wird klar, dass Campion, der Einzige ist, dem es gelingen könnte, das Unglück zu verhindern.

Ähnlich Agatha Christies Poirot kombiniert er bereits im Voraus und zieht Schlüsse, die kein anderer versteht - doch, einer schon, wie in einer besonders brenzligen Situation deutlich wird.

Margery Allingham geht deutlich abenteuerlustiger vor als wir es von Agatha Christie gewohnt sind, wobei ich jedoch die Letztere deutlich bevorzuge, möglicherweise nur aus Gewohnheit. Allerdings hatte ich hier gelegentlich Mühe, den Volten der Autorin zu folgen - sie waren nicht zu rasant, sondern vielmehr ein wenig wirr dargestellt aus meiner Sicht.

Dennoch eine lohnenswerte Lektüre, auch wenn durchgehend Männer als Teufelskerle und Macher dastehen, Frauen hingegen lediglich als Beiwerk, Wahrerinnen der Tradition und nicht zuletzt als Unruhestifterinnen wahrgenommen werden.

Veröffentlicht am 02.02.2025

Mit einem Augenzwinkern geschrieben

Frau Hempels Tochter. Roman
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Ein Roman aus dem frühen 20. Jahrhundert, in dem es um die sogenannten kleinen Leute geht: allen voran Frau Hempel, deren Beruf man heute als Hausmeisterin oder auf neudeutsch sogar -managerin bezeichnen ...

Ein Roman aus dem frühen 20. Jahrhundert, in dem es um die sogenannten kleinen Leute geht: allen voran Frau Hempel, deren Beruf man heute als Hausmeisterin oder auf neudeutsch sogar -managerin bezeichnen würde. Sie sorgt dafür. dass im mehrstöckigen Mietshaus, in dem auch der Eigentümer selbst wohnt, alles seine Ordnung hat - und dafür, dass ihre Tochter, die zierliche Laura es irgendwann man besser haben wird - indem sie jeden kleinsten Nebenjob annimmt. Herr Hempel ist Schuster und ebenso maulfaul wie seine Gattin gesprächig ist. Auch ihm liegt daran, Laura eine rosige Zukunft zu bescheren.

Laura selbst ist ein braves Mädchen, das nicht zu viele Flausen im Kopf hat und in der Regel tut, was die Eltern - beziehungsweise die Mutter - sagt. So wird sie zunächst Kindermädchen beim Hausbesitzer, dann folgt sie einer Adligen, die sich verheiratet, als Dienstbotin in deren Haushalt und da die Mutter dort nicht eingreifen kann, tut sie, was sie für richtig hält, bpsw. unternimmt einen Sonntagsausflug mit dem jungen, verarmten Grafen aus dem Hinterhaus.

Das alles klingt bescheiden und sachorientiert, aber das Gegenteil ist der Fall: Alice Berend beschert uns - und das im Jahre 1913 -einen vielschichtigen Gesellschaftsroman, der für mich zum Lesespaß sondergleichen wurde. Die feine Ironie, der wohldosierte Mutterwitz und die originellen Ideen der Autorin garantieren einen Lesegenuss, bei dem nichts vorauszusehen ist. Die Figuren - auch die Nebendarsteller - sind mit wenigen Sätzen so klar gezeichnet, dass ich sie sofort vor Augen hatte. Ein Roman, der sicher auch als Schauspiel oder Film erfolgreich wäre, wenngleich man dann auf die wunderbare Sprache der Autorin verzichten müsste. Ein Lesehighlight gleich zum Jahresbeginn!
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Veröffentlicht am 30.01.2025

Männer sind Schweine!

Fun
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So heißt ein Lied der "Ärzte", deren Mitglied Bela B. Felsenheimer uns nun auf andere Art und Weise - nämlich in seiner Eigenschaft als Romanautor - von diesem Umstand zu überzeugen versucht.

Das tut ...

So heißt ein Lied der "Ärzte", deren Mitglied Bela B. Felsenheimer uns nun auf andere Art und Weise - nämlich in seiner Eigenschaft als Romanautor - von diesem Umstand zu überzeugen versucht.

Das tut er ausgesprochen gründlich: die in diesem Roman vorkommenden Männer - allen voran eine Deutschrock-Band, deren Charakter wahrscheinlich eher nicht von dem der "Ärzte" übernommen wurde, sind allesamt Schweine, einige davon sogar in mehrfacher Hinsicht.

Die Frauen sind zwar keine Engel, aber höchstens etwas bis sehr naiv und zu sehr den aktuellen Trends folgend, ansonsten haben sie keinen Dreck am Stecken. Der "Fun", den hier jeder haben will, unterscheidet sich ebenfalls geschlechterbedingt: die Männer wollen tatsächlich alle nur das Eine, vorzugsweise von blutjungen weiblichen Wesen, einige sind auch in anderer Hinsicht ausgesprochen schlimme Finger. Die Frauen hingegen haben deutlich Harmloseres im Sinne, wenn es um ihre Wünsche und deren Erfüllung geht. Der Autor steht hier also felsen(heimer)fest auf Seiten der Frauen.

So weit, so gut - in Genderangelegenheiten hat der Autor also das Herz auf dem rechten Fleck - es sei denn, man ist bedingungslos der Genderisierung der deutschen Sprache verpflichtet (was für mich nicht zutrifft). Aber im Hinblick auf eine geist- und spannungsreiche Lektüre ist mir das Ganze dann doch ein bisschen zu eindimensional - man merkt schon sehr früh, worauf das Ganze hinauslaufen wird, auch im Hinblick auf die abschließende Volte.

Veröffentlicht am 28.01.2025

Hoppla, jetzt komme ich!

Not your Darling
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England in der Nachkriegszeit - das ist kein Land, in dem Margaret leben möchte! Mit List und Tücke katapultiert sie sich in die Vereinigten Staten und mit noch etwas mehr davon nach Hollywood, ...

England in der Nachkriegszeit - das ist kein Land, in dem Margaret leben möchte! Mit List und Tücke katapultiert sie sich in die Vereinigten Staten und mit noch etwas mehr davon nach Hollywood, dem Ort, an dem Stars geboren werden. Sie tauft sich um in Loretta und sucht einen Job. Dabei weiß sie genau, was sie will und es ist keine Rolle in einem Film. Nein, sie will Maskenbildnerin werden und diesen Job von der Pike auf erlernen!

Dass das nicht einfach ist , so ganz ohne Geld und vor allem ohne Erfahrung, ist klar Aber Loretta hat etwas anderes, nämlich einen eisernen Willen, Selbstbewusstsein und Standvermögen. Obwohl sie ein paarmal auf die Nase fällt und zwar so richtig, gibt sie nicht auf.

Ein Roman, den ich vor allem aufgrund des Stils und der Sprache gern gelesen habe. Autorin Katherine Blake (und ebenso ihre Übersetzerin) haben die Vorstellung von wagemutigen Tausendsassas geschaffen, die vor nichts Angst haben, um in Hollywood erfolgreich zu sein. Leider konnten dabei die Präsentation der Charaktere und der Handlung als solcher nicht ganz mithalten. Ich war zwar im richtigen Jahrzehnt am passenden Ort, fand da aber nicht ganz diejenige, die ich suchte.