Alles andere als glatt
Das Apfelblütenfestverläuft die Liebesgeschichte von Jules und Lilou, die beide - was ihre Biografie angeht - einen steinigen Weg hinter sich haben. Doch Jules ist durch Erbschaft Besitzer einer Cidrerie und eines wunderschönen ...
verläuft die Liebesgeschichte von Jules und Lilou, die beide - was ihre Biografie angeht - einen steinigen Weg hinter sich haben. Doch Jules ist durch Erbschaft Besitzer einer Cidrerie und eines wunderschönen Hauses - und wunderbarer, alteingesessener Mitarbeiter, Nachbarn und Freunde. Er ist zwar nicht auf Rosen, aber doch auf Apfelblüten gebettet. Doch es gibt einen düsteren Punkt in seiner Biografie und um diesen zu überwinden, hat er vor mehr als 20 Jahren eine ungewöhnliche Stellenanzeige geschaltet. Er hat nämlich seine Suche nach einer Haushälterin für seinen Vater in die Rinde eines Apfelbaumes geritzt, was nicht sehr effizient war, da sich nie jemand darauf gemeldet hat. Doch nun, ausgerechnet am Abend des jährlichen Apfelblütenfestes, ändert sich das.
Denn nun meldet sich Lilou und wird - nach sanfter Nachhilfe seitens einer von Jules' Mitarbeiterinnen - tatsächlich eingestellt, nun für Jules selbst. Und man muss sagen, sie hat nicht gerade den Dienstleistungsgedanken in sich verinnerlicht - nein, sie will Jules stets sagen, wo es langgeht und so eine Stellung in seinem Leben - und bald auch in seinem Herzen erobern. Ein wenig hoppladihopp und unglaubwürdig, gleichwohl überaus charmant beschreibt der Autor Carsten Sebastian Henn die Geschichte von Jules und Lilou, die eine Menge von Hindernissen in sich birgt und zuletzt noch mit einer richtig tragischen Wendung aufwartet, die der Autor jedoch nicht kitschig, sondern genau im richtigen Tonfall und durchaus mit ein wenig Humor versetzt beschreibt.
Auch die Figuren sind eindringlich - wenn auch für meinen Geschmack teilweise etwas zu sperrig und widersprüchlich - gezeichnet, so dass man nicht nur Jules und Lilou, sondern auch sämtliche Nebenfiguren direkt von Augen hat. Warmherzig, wenn auch gelegentlich etwas zu duldsam gegenüber einigen Charakteren - allen voran Lilou - zeichnet Henn eine stimmungsvolle Geschichte, die im wahrsten Sinne des Wortes Appetit auf einen Urlaub in der Normandie - natürlich mit Cidre und den Speisen der Region - macht, wenn auch mit kleinen Abstrichen.
Ich kannte den Autor bisher vor allem als Gastrokritiker des "Kölner StadtAnzeigers" und muss sagen, dass er seinem Faible, über leckeres Essen und gute Getränke zu schreiben, in diesem Buch treu bleibt - hier lief mir sogar noch mehr das Wasser im Munde zusammen als bei der Lektüre seiner samstäglichen Kolumne!