Unverhofft kommt oft!
AngstmörderSo griff ich eher aus Zufall zu diesem Buch - und stieß auf ein wahres Schätzchen, ein ebenso eindringliches wie innovatives Werk aus der Krimi- und Thrillerliteratur. Krimi UND Thriller? Ja durchaus, ...
So griff ich eher aus Zufall zu diesem Buch - und stieß auf ein wahres Schätzchen, ein ebenso eindringliches wie innovatives Werk aus der Krimi- und Thrillerliteratur. Krimi UND Thriller? Ja durchaus, denn hier werden unterschiedliche Elemente miteinander verknüpft, eine durchgehende, ganz und gar nicht subtile Bedrohung, also ein klares Thrillermerkmal steht hier neben einem zwar sehr ungewöhnlichen und damit einzigartigen Ermittlergespann und anderen deutlichen Whodunnit-Merkmalen, die aus meiner Sicht eindeutig aus der Kriminalliteratur kommen.
Worum es geht: der erfolglose Kölner Anwalt mit deutschrussischen Wurzeln, Nicholas Meller, gerät durch einen ehemaligen Mandanten, der ihn wieder als Verteidiger wünscht, in den Sog laufender Ermittlungen eines ganz besonders widerwärtigen Falles: sein neuer Mandant wird verdächtigt, seine eigene Ehefrau brutal mißhandelt und getötet zu haben. Wie sich zeigt, nur der Anfang eines Kriminalfalles, der ein Fass ohne Boden zu werden droht. Und das, wo Meller doch noch nie mit einem Mordfall zu tun hatte!
Aber auch auf anderer Ebene gibt es Neues bei Nicholas Meller - er, der keinen bzw. definitiv keinen guten Ruf hat, kommt von jetzt auf gleich an eine Referendarin. So unpassend sie scheint, irgendwann raufen sich die beiden zusammen und stecken tief in den Ermittlungen. Denn es bleibt nicht bei dem einen Fall!
Lorenz Stassen, bisher hauptsächlich als Drehbuchautor für Fernsehkrimis unterwegs, ist - wie sich in seinem ersten Thriller zeigt - ein Mann mit vielen Ideen, einer, der Wege gefunden hat, die wirklich noch kein bisschen ausgetreten sind, auch wenn es zunächst so scheint. Dass er sich in seiner Originalität nicht verheddert - nein, es bleibt wirklich vom Anfang bis zum Ende spannend - ist der zweite positive Faktor, der mir aufgefallen ist. Dazu kommen außergewöhnliche und gut konstruierte Figuren. Und dann gibt es noch einen Punkt, der eher individuell eine Rolle für mich spielt: das Geschehen ist in meiner Heimatstadt Köln angesiedelt, die zwar keine große Rolle spielt, aber ab und zu durchaus ihren Charme - ja, den gibt es - einbringt.
Für all das verzeihe ich dem Autor kleinere Mängel wie ab und zu aus meiner Sicht zu machomäßige Wendungen - die brutale Russenmafia und diverse Szenen, in denen Sex auf verschiedene Weise eine Rolle spielte, hätten aus meiner Sicht nicht vorkommen müssen. Zudem verlaufen einige Erzählstränge völlig im Sande - ein Aspekt, der gerade bei Thrillern und Krimis aus meiner Sicht unverzeihlich ist. Aber nicht hier, denn diese Lektüre möchte ich keinesfalls missen und empfehle sie sowohl Krimi- als auch Thrillerfans uneingeschränkt weiter!