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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2017

Oberland = obercool

Oberland
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Teufel, diese Frau - also Tanja Weber - kann schreiben, gar keine Frage! Stimmungen, besonders die eher düsteren kann sie transportieren wie keine andere in der großen weiten deutschen Krimilandschaft!

Der ...

Teufel, diese Frau - also Tanja Weber - kann schreiben, gar keine Frage! Stimmungen, besonders die eher düsteren kann sie transportieren wie keine andere in der großen weiten deutschen Krimilandschaft!

Der Untertitel allerdings ist ein wenig irreführend, denn Postbote Johannes Stifter, frisch aus dem Brandenburgischen ins Bayerische übergewechselt, ermittelt nicht gerade - vielmehr gerät er in Situation, die überaus merkwürdig sind und lässt dies auch an der ein oder anderen Stelle entsprechend fallen. Vor allem das Haus von Gudrun von Rechlin und ihrer Tochter Annette gibt Anlass zu entsprechenden Bemerkungen - verhalten sich doch beide Damen überaus merkwürdig. Außerdem gehen sehr eigentümliche Leute ein - und nur teilweise wieder aus.

Tanja Weber schreibt eindrucksvoll, eher düster, auch wenn bestimmte Situationen bzw. die Darstellung einiger Charaktere durchaus dazu geeignet ist, eine gewisse Erheiterung im Leser hervorzurufen.

Glatte fünf Sterne wären es gewesen, wenn das Ende dann doch nicht ein klein wenig enttäuschend ausgefallen wäre.

Aber insgesamt ist Oberland obercool - nicht nur für Freunde von Regionalkrimis, sondern durchaus auch für Fans anspruchsvoller Kriminalliteratur - und ich freue mich schon auf den nächsten Fall mit dem Postboten Stifter!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Frau Jenner und Herr Wiener

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster
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für die Leser Klara und Fred, finden über die Sterbebegleitung zueinander: eine ebenso ungewöhnliche wie extreme Form der Bekanntschaft. Sie, ein ehemaliger Deadhead (Fan der Gruppe Grateful Dead), inzwischen ...

für die Leser Klara und Fred, finden über die Sterbebegleitung zueinander: eine ebenso ungewöhnliche wie extreme Form der Bekanntschaft. Sie, ein ehemaliger Deadhead (Fan der Gruppe Grateful Dead), inzwischen sechzig und sterbenskrank, er ein übergewichtiger alleinerziehender Vater Mitte Vierzig, der seinem Leben einen Sinn geben und sich in der Betreuung sterbenskranker Menschen engagieren will. Klara ist sein erster "Fall" und er stellt sich ebenso idealistisch wie tollpatschig an.

Klara Jenner und Fred Wiener gehen miteinander einen schweren Weg und werden dabei von weiteren Akteuren: Freds Sohn Phil, Klaras Nachbarn Herrn Klaffki und Rena und einer ganzen Herde von Sterbebegleitern flankiert, jeder davon mit einer ganz eigenen Bedeutung für die Geschichte - jede davon ebenso ungewöhnlich wie die Geschichte selbst.

Es geht ums Sterben, aber auch ums (Über)Leben, ums Füreinander-da-sein und um das, was von Bedeutung ist. Dass das für jeden etwas anderes ist und nicht unbedingt immer zusammenpasst, ist klar. So kann Klara beispielsweise viel besser mit Phil, Freds Sohn, als mit ihm selbst und "entdeckt" Freds Qualitäten erst in einer absoluten Extremsituation: so wie Fred zunächst erfolglos Schicksal für Klara spielen wollte, tut dies der Nachbar Herr Klaffki, eine Art Hausmeister, nun seinerseits sehr erfolgreich für Klara und Fred.

Ausgesprochen schwere Kost, diese Geschichte, aber das ist sie allein wegen des Themas, denn sie ist von leichter Hand geschrieben und entbehrt auch nicht einer gehörigen Prise von Humor. Und jede Menge Skurrilität und Morbides ist auch dabei, wie es sich für einen Roman, in dem es ums Sterben geht, gehört.

Besonders genossen habe ich die Charaktere, die die Autorin Susann Pásztor scheinbar - wie den ganzen Roman - nur so aus dem Handgelenk geschüttet und mit einer gehörigen Prise von Originalität versehen hat, jeden einzelnen von ihnen. Meine Lieblinge sind neben dem jugendlichen Dichterfürsten Phil Herr Klaffki und einige Figuren aus der Runde der Sterbebegleiter.

Sterbebegleitung und Hospize - ein immer präsenter werdendes Thema, das in diesem Roman ausgesprochen originell verpackt wird. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber meine auf jeden Fall!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Erdbeerschorsch ist wieder da

ErdbeerSchorsch
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der alte Kumpel von HimbeerToni, früher bekannt als PapaPunk.

So ändern sich die Zeiten: Toni ist nun Hausmann und wird von seiner Lebensgefährtin Ada, die seinen Heiratsantrag ohne Angabe von Gründen ...

der alte Kumpel von HimbeerToni, früher bekannt als PapaPunk.

So ändern sich die Zeiten: Toni ist nun Hausmann und wird von seiner Lebensgefährtin Ada, die seinen Heiratsantrag ohne Angabe von Gründen ausschlägt, dominiert und insgesamt nicht gerade gut behandelt. Erdbeerschorsch bzw. Georg erlebte in den vergangenen Jahren Höhen und Tiefen und trifft nun, gerade mal wieder auf Talfahrt befindlich, auf seine alten Kumpels. Ein heiterer Roman, würde man meinen, ich sage jedoch: er beinhaltet ausreichend tragikomische Elemente, um den Leser in großem Stil nachdenklich zu machen. Bewunderswert, mit welcher Leichtigkeit dies dem Autor gelingt, wobei er parallel dem Leser noch die Möglichkeit gibt, sich in Tonis - denn trotz des irreführenden Buchtitels ist die Hauptfigur immer noch der gute HimbeerToni - Welt einzufinden: Die Kapitel sind mit jeweils wunderbar passenden Songtiteln überschrieben, die den geneigten Leser - schwuppdich - zurück in die 80er, teilweise auch noch weiter zurück katapultieren,dies ist vor allem die Welt des Punk in allen seinen Schattierungen.

In mir hat es wundersame Erinnerungen an alte Zeiten geweckt, in denen das musikalische Spektrum des HimbeerToni auch das meinige war - der Leser erfahrt also auch Inspiration in bezug auf musikalische Erlebnisse.

Kleine Abstriche erlitt meine Begeisterung durch die Tonis Träume und Phantasien bspw. nach seinem Unfall - das war mir dann doch ein wenig zu wirr. Auch auf die - mehr als schlüpfrige - Erläuterung, woher der ErdbeerSchorsch denn nun seinen Namen hat, hätte ich ohne Weiteres verzichten können. Aber es ist halt ein Männerbuch mit allem Zipp und Zapp, allerdings eines, in das auch Frauen durchaus die Nase stecken sollten, erhält man doch auch noch Impulse für neue Lebenswelten und Wohnformen!

Veröffentlicht am 29.12.2017

Serienmorde statt Wiener Walzer

Mädchenauge
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serviert hier Christian David in seinem Erstling "Mädchenauge" - und zwar vom Allerfeinsten. Junge Mädchen werden im Abstand von zwei Wochen offenbar willkürlich umgebracht - oder etwa nicht. Der Wiener ...

serviert hier Christian David in seinem Erstling "Mädchenauge" - und zwar vom Allerfeinsten. Junge Mädchen werden im Abstand von zwei Wochen offenbar willkürlich umgebracht - oder etwa nicht. Der Wiener Politik ist an einer schnellen, möglichst glatten - heißt: gefälligen - Auflösung des Falles gelegen und dafür wird dem langjährigen Mitarbeiter der Wiener Ermittlungsbehörden, Major Belonoz, der gerade erst von Ungnaden wieder rehabiliert wurde, mit Lily Horn eine unerfahrene, noch nicht einmal dreißigjährige Staatsanwältin zur Seite gestellt. Ein Team mit Biss? Durchaus, auch wenn im Miteinander der beiden noch längst nicht das gesamte Potenzial von Animositäten, Sich-Bälle-Zuwerfens und, und, und ... ausgeschöpft ist.

Und die Story? Superspannend und durchaus originell, wenn sich auch der Autor ein klein wenig in Nebenschauplätzen und aus meiner Sicht zu vielen Nebendarstellern verheddert. Trotzdem ist dies ein Krimi mit allem Zipp und Zapp, der es wert ist, gelesen zu werden.

Meinerseits gibt es also durchaus ein paar Kritikpunkte anzumerken - und trotzdem gibt es ganze fünf Sterne? Jawohl, und zwar wegen des nicht zu übertreffenden Showdowns. Um es mit einem Reim zu sagen: Der Schluss ist ein Genuss! Absolut überraschend, originell und was mir in letzter Zeit immer mehr fehlt: es werden tatsächlich alle Erzählstränge aufgelöst... nur der nicht, wie es mit Lily und Belonoz weitergeht. Aus meiner Sicht umso besser: das lässt auf eine Fortsetzung hoffen!

Veröffentlicht am 29.12.2017

Drei Schwestern und ihre Oma

Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern
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Drei - mehr oder weniger - kleine, - mehr oder weniger - freche Mädchen, eine reiche strenge und fast allmächtige Großmutter und die Wahrheiten - das sind die Ingredienzen dieses weihnachtlichen Jugendromans.

An ...

Drei - mehr oder weniger - kleine, - mehr oder weniger - freche Mädchen, eine reiche strenge und fast allmächtige Großmutter und die Wahrheiten - das sind die Ingredienzen dieses weihnachtlichen Jugendromans.

An jedem Weihnachtsfest besucht die in Boston ansässige Großfamilie Sullivan mitsamt allen Kindern - 3 Jungen und 3 Mädchen - die mächtige Erb-Oma, genannt Almighty. Und dieses Jahr spielt Almighty ihre Macht aus - unzufrieden mit einigen der Familienmitglieder droht sie gleicht mit der Enterbung der gesamten Familie. Sie lässt durchblicken, dass ihre Unzufriedenheit die drei Töchter trifft und dass sie durch umfassende Geständnisse eventuell von der Enterbung absehen würde.

Die Mädchen lieben ihre Familie und machen sich gleich ans Werk - die Sünden sollen bis Sylvester komplettiert und Almighty vorgelegt werden und es gibt einiges zu berichten. Norrie, die Älteste ist 17 und ihr Geständnis hat mit Liebesangelegenheiten zu tun. Die pfiffige Jane dagegen schreibt in einem Blog über die ganze Familie und macht somit geheim Geglaubtes öffentlich. Und Sassy, die Jüngste, hält sich gar für unverwundbar!

Wie wird die Großmutter reagieren. Der gespannte Leser darf zumindest in den ersten beiden Geständnissen genüsslich schwelgen, denn leider nimmt das Erzähltempo danach rapide ab und lässt den Leser mit einem eher beiläufigen Ende enttäuscht zurück. Wer gut geschriebene Mädchenbücher mag, wird zumindest die ersten zwei Drittel des Buches in vollen Zügen genießen können. Stimmungsvolle (Vor)weihnachtsliteratur, die leider nicht ganz hält, was sie verspricht.