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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2024

Sehr persönlich und berührend

Columbusstraße
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Die Graphic Novel "Columbusstraße" ist eine ebenso persönliche wie eindringliche Graphic Novel. Dem Zeichner und Autor Tobi Dahmen dient dazu seine eigene Familiengeschichte als Grundlage und er hat sich ...

Die Graphic Novel "Columbusstraße" ist eine ebenso persönliche wie eindringliche Graphic Novel. Dem Zeichner und Autor Tobi Dahmen dient dazu seine eigene Familiengeschichte als Grundlage und er hat sich eine sehr schwierige Zeitspanne ausgesucht, nämlich die des Nationalsozialismus, genauer gesagt: die Jahre 1935 bis 1945.

Angesiedelt ist die Story im Familiensitz in Düsseldorf-Oberkassel, einem wohlhabenden und auch heute noch gut erhaltenen Stadtteil, der nicht gerade als größtes Nazi-Nest des Landes bekannt war.

Dadurch wird umso deutlich, dass man nirgends dem diktatorischen Regime, dass sich bis in die kleinsten Abläufe - gleichgültig, in welchem Bereich - des Lebens erstreckte, entrinnen konnte. Bzw. war dies fast unmöglich.

Offen und ehrlich geht Dahmen in seinem Werk vor und man merkt jeder einzelnen Zeichnung und jeder Sprechblase an, wie viel Engagement und Herz darin steckt. Ein opulentes, für mich sehr wertvolles Werk, das ich niemals wieder hergeben, aber noch oft verschenken werde!


Veröffentlicht am 26.05.2024

Fesselnd - aber ein bisschen too much

Schicksalsjahre. Die Frauen vom Neumarkt
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In diesem spannenden Familienroman rund um Dresden ab dem zweiten Weltkrieg geht es von Anfang an rund, es ist kein ruhiger Roman, sondern einer mit sehr viel Action. Durchaus gut recherchiert, ...

In diesem spannenden Familienroman rund um Dresden ab dem zweiten Weltkrieg geht es von Anfang an rund, es ist kein ruhiger Roman, sondern einer mit sehr viel Action. Durchaus gut recherchiert, was für mich als studierter (wenn auch längst nicht mehr in dem Beruf tätiger) Historikerin ein wichtiger Aspekt ist, den ich bei Lektüre dieser Art sehr genieße.

So auch hier: spannende Fakten rund um die Bombardierung der Stadt Anfang 1945, den Umgang mit Juden sowohl während als auch nach dem zweiten Weltkrieg. Ja, Sie haben richtig gelesen - auch in der DDR hatten es die Juden oft nicht leicht und wie weit das führen konnte, das wird hier ausgesprochen deutlich.

Manchmal ein bisschen zu sehr - da komme ich mir vor wie in einem Action-Film, in dem eine Sensation die nächste ablöst. Und was ich fast noch schlimmer fand - so weit ist es dann nie gekommen, aber kurz vor dem Schmalz war es dann doch.

Sie sehen - ich bin hin und her gerissen bei der Beurteilung dieses Romans, doch dank der zahlreichen Informationen zu historischen Fakten bin ich dann doch froh, es gelesen zu haben!

Veröffentlicht am 26.05.2024

Alles stark vereinfacht

Die Vermesserin der Worte
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Ein Roman, in dem die Worte im Mittelpunkt stehen bzw. deren Vermessung. Das klingt zunächst einmal sehr verlockend und eindringlich. Zunächst geht es um Autorin Ida Hermann oder sollte man sagen: ...

Ein Roman, in dem die Worte im Mittelpunkt stehen bzw. deren Vermessung. Das klingt zunächst einmal sehr verlockend und eindringlich. Zunächst geht es um Autorin Ida Hermann oder sollte man sagen: Ex-Autorin? Denn sie hat die Worte verloren und findet sie einfach nicht wieder. Ihr persönlicher Postbote - so kommt es ihr und auch den Lesern zumindest vor - bringt ihr eines Tages eine Anzeige, in der eine alte Dame Unterstützung sucht in einem (zu) großen Haus.

Könnte das der Ausweg sein? Putzen und reinigen zwecks Selbstfindung? Nachdem sie - nach einigen Hürden, wie könnte es anders sein? - dort angekommen ist, scheint es tatsächlich so zu sein, denn die riesige und prächtige, wenn auch extrem verstaubte Villa entpuppt sich als ein Hort der Bücher. Und was für einer!

Aber leider entpuppt sich die Herrin des Hauses, Ottilie - nun, als was eigentlich? Nicht gerade als Monster, aber durchaus als ablehnend nicht nur Ida gegenüber. Ihr sogar noch am wenigsten, aber von den anderen lässt sie niemanden in ihre Nähe, egal in welcher Hinsicht. Die Bezeichnung "unnahbar" wäre noch zu mild für sie.

Doch es gibt eine Änderung und dann wird alles ganz toll und das hat mir überhaupt gar nicht gefallen. Ebenso wenig wie der Stil, den man als putzig bezeichnen könnte. Stark vereinfacht werden Zusammenhänge dargestellt in einem Stil, den man als Kinderbuchautor verwendet, wenn man wirklich so gar nichts auf die Reihe bekommt. Nein, dieser Roman ist wirklich überhaupt nichts für mich mit seinem Friede, Freude, Eierkuchen-Ende!

Veröffentlicht am 25.05.2024

Die vier Jahreszeiten

Das Lebensfreude-Kochbuch
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spielen eine große Rolle in diesem anschaulichen Kochbuch samt ausgesprochen einladendem Cover, in dem es um passende Rezepte in jeder Jahreszeit geht, bei denen auch der Genuss eine richtig ...

spielen eine große Rolle in diesem anschaulichen Kochbuch samt ausgesprochen einladendem Cover, in dem es um passende Rezepte in jeder Jahreszeit geht, bei denen auch der Genuss eine richtig große Rolle spielen soll. Und zwar so, dass jede Mahlzeit so richtig rund wird.

Hier sollten nämlich die Jahrezeitem am Schopf gepackt werden! Und all das Köstliche, das ihnen jeweils innewohnt, herausgelassen, zusammengebracht und zu etwas ganz besonders Delikatem, dabei Unkomplizierten, miteinander kombiniert werden und zwar immer wieder neu!

Dazu - so scheint es mir - lud mich dieses Buch förmlich ein! Und ich folgte begeistert dieser Einladung, war dann aber doch ein wenig enttäuscht, denn vieles fand ich in der Zusammenstellung längst nicht so faszinierend, überraschend und lecker, dass es in mir die Lebensfreude geweckt hätte!

Veröffentlicht am 25.05.2024

Es fährt ein Zug durchs Nirgendwo

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
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In freier Interpretation eines Schlagers aus (meinen) Kindertagen wähle ich den Titel für meine Besprechung dieses zweifelsfrei sowohl ungewöhnlichen als auch sehr besonderen Buches. Denn genremäßig ...

In freier Interpretation eines Schlagers aus (meinen) Kindertagen wähle ich den Titel für meine Besprechung dieses zweifelsfrei sowohl ungewöhnlichen als auch sehr besonderen Buches. Denn genremäßig ist es eigentlich .... nichts. Oder wiederum auch ausgesprochen viel. Nämlich eine Mischung aus historischem Roman - die Handlung spielt im Jahr - die Handlung spielt im Jahr 1899, so etwas wie Fantasy (oder, wenn man es negativ sieht, auch Endzeit-Roman), Krimi und unbedingt auch Belletristik, letzteres aus meiner Sicht sogar am allermeisten. Und: die Romanausgabe im C.Bertelsmann Verlag ist mit sehr viel Liebe zum Detail erarbeitet worden; auf den Innenseiten des Umschlags (vorn wie auch hinten) befinden sich detaillierte Pläne des Zuges, der genauer gesagt, eigentlich nicht ins Nirgendwo, sondern von China nach Rußland und wieder zurück fährt, immer wieder.

Außer zuletzt, da gab es eine längere Pause, denn irgendwann ging es schief in dem unendlichen Ödland zwischen den beiden Ländern und dem will man bei dieser nach langem Zögern wieder unternommenen Fahrt unbedingt auf den Grund gehen. Also, der/die Captain mitsamt den Untergebenen - für uns Leser bleiben die Hintergründe zunächst ein Geheimnis.

Der Zug ist sehr gut ausgestattet, auch was das Personal angeht. Es gibt unterschiedliche Bedienstete für die Erste wie auch für die Dritte (eine Zweite gibt es nicht) Klasse, sogar verschiedene Küchen. Der Captain dirigiert alles mit fester Hand - eigentlich müsste man "die Captain" sagen: Denn an oberster Stelle der Hierarchie im Transibirien-Express, wie der Zug genannt wird, steht eine Frau. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass die Uhren dort ein wenig anders ticken in verschiedener Hinsicht: vor allem jedoch im Hinblick auf das Zugkind, ein chinesisches Mädchen, das im Zug geboren und sofort zur Waisen wurde - die Mutter starb während seiner Geburt und der/die Captain beschloss, dass sie im Zug bleiben könne, wenn auch auf Betreiben des Personals? Hätte ein Mann so reagiert? Ich würde zwar sagen, manch einer ja, aber eine solche Handlungsweise ist eher einer Frau zuzusprechen und so gibt es auch manch anderes Ungewöhnliche in dem Zug, ob das der Grund dafür ist? Wir wissen es nicht, doch ich möchte es gern glauben.

Generell ruht der Blick der Autorin von Beginn an vor allem auf den Frauen - sei es die Köchin oder eine recht ungewöhnliche Passagierin der ersten Klasse, auf die sie immer wieder zurück kommt. Wenn auch nicht so oft wie auf das Zugkind Weiwei, das gewissermaßen das Heft in der Hand hält, sei es noch so klein. Im Prinzip ist sie die Hauptfigur und ist eines der wenigen Wesen, die den Zug verlassen und in einer anderen Welt landen. Ist diese irreal? Nun, meiner Ansicht nach ist dies einer der Aspekte des Romans, in dem die Interpretation dem Leser frei überlassen wird.

Es gefällt mir sehr gut an diesem Text, dass der Roman für sehr unterschiedliche Leser geeignet ist, so finde ich jedenfalls. Man kann die Handlung in unterschiedliche Richtungen deuten, sie ist so frei und unabhängig wie ihr Inhalt. Und dabei ausgesprochen abgerundet, denn es gibt ein klares Ende, nichts bzw. nur wenig bleibt hier offen.

Ein wahrhaftig originelles, wenn auch zuweilen etwas langatmiges Werk, dessen Lektüre ich als Gewinn empfinde!