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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2023

Eine unterschätzte Frau

Die einzige Frau im Raum
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Wenn eine Frau in wissenschaftlichen Dimensionen denkt, dann finden das heute noch manche Menschen, also vor allem Männer ungewöhnlich. Wie sehr war das in früheren Zeiten, in den 1930er und 1940er Jahren ...

Wenn eine Frau in wissenschaftlichen Dimensionen denkt, dann finden das heute noch manche Menschen, also vor allem Männer ungewöhnlich. Wie sehr war das in früheren Zeiten, in den 1930er und 1940er Jahren der Fall, als es noch kaum Wissenschaftlerinnen gab!

Die Schauspielerin Hedy Lamarr galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit und viele Menschen bzw. Männer, so auch ihr erster Ehemann, haben sie nach ihrem Äußeren beurteilt. Dabei war Hedy eine Frau, die sich mit keiner anderen über einen Kamm scheren ließ und das hatte längst nicht nur mit ihrer technischen Begabung zu tun, die zu einer Erfindung bemächtigte, die möglicherweise geholfen hätte, die Nationalsozialisten deutlich früher als 1945 zu bezwingen - wenn, ja wenn man Hedy eine solche Erfindung einfach nicht zugetraut hätte.

So war es nämlich und dabei hat sie die nicht einmal alleine erarbeitet, sondern gemeinsam mit einem Mann.

Wie es überhaupt dazu kam, dass Hedy Lamarr den USA eine Erfindung anbieten konnte - nun, das wird in diesem Roman, den man somit auch als Teilbiographiesehen kann, umfassend dargelegt.

Nämlich, wie sich eine wie Hedy aus einem goldenen Käfig lösen und auf eigene Faust leben konnte und das auch noch in Übersee! Ein zweifellos interessanter Roman, in dem mir allerdings einige Teilaspekte dieses Lebensabschnittes einer Diva und Wissenschaftlerin deutlich zu kurz kamen bzw. nicht genug Hintergrundinformationen beinhalteten.

Für Leser*innen, die bisher noch nichts von Hedy Lamarr gehört hatten und diese nun kennenlernen möchten, aber sicher ein passender Einstieg!

Veröffentlicht am 24.05.2023

Mit einem Esel auf Wanderschaft

Ein Sommer mit Esel
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begibt sich Natalie und zwar ausgerechnet in den Cevennen, und damit in Frankreich, der Heimat ihres verstorbenen Ehemannes. Dieser Einfall ist nicht auf ihrem eigenen Mist gewachsen, sondern vielmehr ...

begibt sich Natalie und zwar ausgerechnet in den Cevennen, und damit in Frankreich, der Heimat ihres verstorbenen Ehemannes. Dieser Einfall ist nicht auf ihrem eigenen Mist gewachsen, sondern vielmehr auf demjenigen ihrer ehemaligen Schwiegermutter, die sich ihr Enkeltöchterchen, die siebenjährige Leonie geschnappt hat, um mit ihr ebendiese Aktion zu starten.

Nur: Natalie hat aus ihrer Sicht nichts dabei verloren, sie möchte die Zeit mit Enkelkind als "Qualitätszeit" genießen, zumindest für die Oma. Enkelin und Enkelmutter werden da nicht groß gefragt.

Kurzerhand beschließt Natalie, den beiden hinterher zu spurten und zwar mit genau einem Tag Abstand. Um sich dann am Ende der Wanderung glücklich mit der Tochter wieder zu vereinen.

Doch: nicht alles klappt so wie geplant, denn auch für Natalie sind Esel eine ganz neue Begleitung. Nicht alles bei dieser Wanderung läuft optimal, doch nicht immer liegt das am Esel.

Für mich als Leserin war die Lektüre ausgesprochen vergnüglich, konnte ich doch das Eselabenteuer von der Couch aus genießen und alle Widrigkeiten mit einem Lächeln und einem Gefühl der Erleichterung: "Wie gut, dass es nicht mich getroffen hat". zu passieren.

Doch wie man sich vorstellen kann, erleben sowohl Natalie als auch Oma mit Enkel längst nicht nur Widrigkeiten, sondern auch Erfüllendes. Und beide Seiten der Medaille bewirken, dass nach den jeweiligen Wanderungen nichts mehr so ist wie es war.

Sie sind neugierig geworden? Wunderbar, denn sie erleben hier nicht nur die Entwicklung einer Familie sondern auch eine eindringliche Beschreibung der Cevennen - Landstrich und die dort siedelnden Menschen sind etwas Besonderes, sie dürfen sich auf manches gefasst machen. Egal, ob sie das Buch nun in den Cevennen, in einer anderen Gegend in Frankreich, zu Hause oder ganz woanders genießen!

Veröffentlicht am 18.05.2023

Ein Roman für Reisefreudige

Knochensuppe (Band 1)
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aaaaaaaaaaaaaaaaaaWenngleich diese sicher abschließend froh sein werden, dass sie nicht dem Protagonisten, einem jungen Mann, der ohne Familie aufgewachsen ist, folgen müssten. Denn es geht in die Vergangenheit, ...

aaaaaaaaaaaaaaaaaaWenngleich diese sicher abschließend froh sein werden, dass sie nicht dem Protagonisten, einem jungen Mann, der ohne Familie aufgewachsen ist, folgen müssten. Denn es geht in die Vergangenheit, und zwar genau 40 Jahre - von 2064 nach 2024. Für Lee Uhwan, so heißt unser einsamer und unglücklicher junger Mann, ist es ein Arbeitsauftrag: er soll für seinen Chef ein ganz besonderes Rezept finden, das einer schmackhaften Knochensuppe - und es natürlich zurückbringen.

Diese Zeitreisen sind nicht ohne, es sterben mehr Menschen, als dass sie diese überleben und zurückkehren. Doch Lee Uhwan hat so wenig Freude am Leben, dass ihm diese Gefahr nichts ausmacht.

Er kommt auch tatsächlich an in der zurückliegenden Zeit und lernt so einiges über seine Vergangenheit.

Ein interessantes, ungewöhnliches Buch, das ich nicht unbedingt unter Science Fiction einordnen würde, es könnte auch eher unter eine psychologische oder soziale Richtung eingeordnet werden. Allerdings fand ich keinen rechten Zugang, mir blieben Stil wie auch Protagonist überaus fremd, wenngleich ich mir der Qualität des Textes durchaus bewusst bin. Ein Buch, dem ich zahlreiche Leser wünsche!

Veröffentlicht am 12.05.2023

Die drei P's

Zwischen Himmel und Erde
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Vereint in einem Roman: nämlich Poesie, Politik und (Frauen)Power, das ich aber fast - wenig schmeichelhaft - durch Phlegma ersetzt hätte. Wäre durchaus eine Option, die sicht aber nicht auf ...

Vereint in einem Roman: nämlich Poesie, Politik und (Frauen)Power, das ich aber fast - wenig schmeichelhaft - durch Phlegma ersetzt hätte. Wäre durchaus eine Option, die sicht aber nicht auf die mutmaßlichen Zielsetzungen der Autorin Yara Rodrigues Fowler, sondern auf meine Empfindungen als Leserin bezieht.

Der Roman ist ganz klar ein London-Roman - diese Stadt, in der sich Melissa und Catarina als Teile einer willkürlich zusammengewürfelten WG kennenlernen, ist eindeutig Dreh-und Angelpunkt aller Handlungen, auch wenn andere Länder, vor allem Brasilien. eine nicht unwichtige Rolle spielen.

Melissa und Catarina haben einerseits vollkommen unterschiedliche Hintergründe, andererseits auch wieder nicht. Jedenfalls finden sie auf eine quasi magnetische Art zueinander, die ich gerne als kraftvoll bezeichnen würde. Passt aber nicht zu diesem Roman, auch wenn die Autorin es sicher so sieht und sich über ein entsprechendes Feedback freuen würde. Aber da ist es dann wieder, dieses Phlegma, das ich, eine gute Generation älter als die beiden Protagonistinnen und mit Bezug zu London, nicht aber zu Brasilien, immer wieder wahrnehme.

Die Autorin versteht es aus meiner Sicht nicht, einen Spannungsbogen zu entwickeln, die Faszination ihrer Leserschaft zu gewinnen. Schade, weil ich durchaus bereit dazu war. Leider beende ich dieses Buch eher enttäuscht mit dem Fazit, dass die Autorin zwar schreiben kann, in diesem Roman ihre Talente aber nicht so zu bündeln vermag, dass etwas Besonderes, Lesenswertes entstehen würde. Auch wenn viele wichtige Themen angesprochen wurden, verloren sie sich wieder irgendwie. Letztendlich war es mir leider zu langweilig.

Veröffentlicht am 12.05.2023

Extrem leben

Northern Spy – Die Jagd
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Das tut man - wenn man der Handlung dieses Thrillers Glauben schenken mag - in Nordirland ununterbrochen, quasi automatisch und von Geburt an.

Redakteurin Tessa, Mutter eines kleinen Jungen, ...

Das tut man - wenn man der Handlung dieses Thrillers Glauben schenken mag - in Nordirland ununterbrochen, quasi automatisch und von Geburt an.

Redakteurin Tessa, Mutter eines kleinen Jungen, sieht während einer Fernsehsendung, an der sie mitarbeitet, auf einmal ihre Schwester Marian, die gerade dabei ist, sich zu vermummen. In ihrer Gesellschaft: zwei Typen von der IRA.

Kann das sein? Denn Marian ist wie Tessa selbst eine Verfechterin des Friedens.

Neben einer mehr oder weniger spannenden Story gibt Autorin Flynn Beryy - selbst Amerikanerin - einen Einblick in die politische, soziale und gesellschaftliche Situation in Nordirland, die angespannter nicht sein könnte.

Mir war der Band ein wenig zu krass, um es mir beim Lesen damit so richtig gemütlich zu machen, aber ich erkenne auf jeden Fall die Schaffung einer ausgesprochen besonderen und einzigartigen Atmosphäre bzw. Stimmung an, die direkt auf den Leser übergeht. Ein Thriller, der nicht näher am Schauplatz sein könnte!