Ein Weg in die Vergangenheit
Großmutters GeheimnisKopenhagen 2015: Der Musiker Alexander hadert mit seinem Leben. Er hat einen Job als Musiker auf Abruf, um auf Festen bestellte Musik zu spielen. Zudem will seine Partnerin unbedingt ein Kind, das er ihr ...
Kopenhagen 2015: Der Musiker Alexander hadert mit seinem Leben. Er hat einen Job als Musiker auf Abruf, um auf Festen bestellte Musik zu spielen. Zudem will seine Partnerin unbedingt ein Kind, das er ihr auf normalem Wege nicht schenken kann, die künstliche Befruchtung bleibt erfolglos, er fühlt sich unter Druck gesetzt. Ebenso von seiner ausgesprochen egozentrischen, ja zickigen Mutter Lilian, die von ihm erwartet, auf Abruf zur Verfügung zu stehen.
Bei einem seiner Aufenthalte bei ihr fallen ihm Kassetten in die Hand, die seine Großmutter Ruth, die er noch nie getroffen hat, für ihn besprochen hat - offenbar vor Jahren.
Die Leser:innen tauchen mit ihm zusammen in Ruths Vergangenheit, ihr Leben in den 1930er/1940er Jahren ein und stoßen auf eine grauenvolle Geschichte: aufgrund ihrer jüdischen Abstammung wurde ihr und ihrer Familie großes Leid zugefügt.
Zunächst erfolgen Schilderungen von Alexanders und Ruths Schicksal im Wechsel, da fühlte ich mich in dem neueren Strang oft verloren, da der Eindruck entstand, dass dort eigentlich nur Menschen miteinander leben (müssen), die kreuzunglücklich sind und nicht dazu fähig, einander zu unterstützen. Etwa ab der Hälfte des Buches beginnt alles einen tieferen Sinn zu ergeben - ab da las ich mit deutlich größerem Enthusiasmus.
Für Leser:innen, die gern mehr über den Holocaust und seine Folgen erfahren möchten, ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen, aber Vorsicht: über längere Passagen hinweg sind die Schilderungen extrem schmerzlich, ich konnte sie auch als Leserin in meiner sicheren Wohnung kaum ertragen!