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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2022

Myrtle ist eine echte Marke!

Mord im Handgepäck
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Frech und selbständig ist sie, was umso mehr zählt, als dass sie nicht in der Gegenwart, sondern im ausgehenden 19. Jahrhundert zu Hause ist.

Hier erfährt der Leser durchaus glaubwürdig, dass es schon ...

Frech und selbständig ist sie, was umso mehr zählt, als dass sie nicht in der Gegenwart, sondern im ausgehenden 19. Jahrhundert zu Hause ist.

Hier erfährt der Leser durchaus glaubwürdig, dass es schon damals freche Mädels gab, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen ließen, vor allem, wenn sie wie Myrtle das Glück hatten, die passende Gouvernante zu haben.

Diesmal, also in ihrem zweiten Fall, sind die beiden unterwegs zu einem Urlaubsvernügen, das aus Myrtles Sicht ein eher zweifelhaftes ist, geht es doch mit ihrer alten Tante in ein traditionelles Seebad und das nicht mitten im Sommer, sondern im kühlen Herbst.

Doch Myrtle hat nicht lange Zeit zum Schmollen, denn schon auf der Zugfahrt gibt es einen Kriminalfall, der sie so richtig wach werden lässt.

Ein Riesenspaß verbunden mit ordentlich Spannung für jedes Alter! Wer Humor hat, auf den British Style und auf charismatische Charaktere steht und Ungewöhnliches mag, wird dieses Buch - und alle anderen dieser Reihe - vermutlich mit ebenso großer Begeisterung lesen wie ich!

Veröffentlicht am 30.05.2022

Provencalische Ermittlungen zu Beginn der Pandemie

Geheimnisvolle Garrigue
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Die südfranzösische Küste birgt ebenso wie das Mittelmeer, an das sie grenzt nicht nur Erfreuliches wie köstliche Fische, Urlaubsvergnügen per Boot oder durch Plantschen am Strand, nein, man kann dort ...

Die südfranzösische Küste birgt ebenso wie das Mittelmeer, an das sie grenzt nicht nur Erfreuliches wie köstliche Fische, Urlaubsvergnügen per Boot oder durch Plantschen am Strand, nein, man kann dort auch zu Tode kommen: Capitaine Roger Blanc, der zunächst eigentlich gegen seinen Willen aus Paris dorthin versetzt wurde, hat einen neuen, mittlerweile bereits den achten Fall in seinem somit nicht mehr neuen Wirkungskreis.

Und zwar ist es ein Fall mit Altlasten: Eine junge Frau verschwindet an einem Kanal, der durch einen Berg führt, gleich an der Küste. Und es gibt deutliche Parallelen zu einem Aufsehen erregenden Fall, der bereits 23 Jahre zurück liegt und nie gelöst werden könnte.

Wobei es eigentlich vier Fälle waren: es verschwanden nacheinander vier junge Frauen und jedesmal wurde deren linker Schuh direkt vor dem Eingang in den Berg gefunden. Aber nicht mehr.

Blanc ermittelt einmal mehr im Team mit seinen bewährten Kollegen Fabienne und Marius, dazu stößt ein junger Kollege, Brigardier Sylvain, tragischerweise so etwas wie der Verlobte des Opfers.

Cay Rademacher versteht es wie immer, seine Leser komplett in die Provence zu versetzen. Beim Lesen wähnte ich mich wieder einmal zwischen malerischen Landschaften, sowie netten - und einigen wenigen nicht so netten - Einwohnern, Wein und idyllischen Dörfern mit lauschigen Ecken. Lokalkolorit pur also, nur die ausufernden langen Mahlzeiten und gemütlichen Miteinander fallen diesmal weg bzw. wesentlich kürzer aus, denn dieser Krimi spielt im März 2020 und wir erinnern uns alle daran, was damals sowohl uns als auch unserer französischen Nachbarn belastete: Corona war sowohl hier als auch dort ausgebrochen, der erste Lockdown wurde angesetzt mit entsprechend panischen Reaktionen. Wie man sich vorstellen kann, belastet dies auch die Ermittlungen, wobei sich im Team bereits ein Genesener befindet: Marius scheint eines der ersten französischen Corona-Opfer gewesen zu sein, hat die Krankheit jedoch gut überstanden.

Der Autor beweist, dass er sich nicht nur in Hamburg, wo seine großartigen Nachkriegskrimis um Oberinspektor Frank Stave angesiedelt sind, sondern auch in der Provence bestens auskennt. In diesem Band gibt er uns - so mein Eindruck - einen Einblick in die verschiedensten Charaktere, die einem dort so begegnen können - zu gerne würde ich erfahren, von wem oder von welchen Situationen er sich hat inspirieren lassen.

Insgesamt habe ich mich von diesem ebenso atmosphärischen wie spannenden Krimi mit wunderbar beschriebenen Charakteren bestens und auf höchstem Niveau unterhalten gefühlt und freue mich nun schon auf den nächsten Teil dieser Serie mit dem erwähnten recht ungewöhnlichen Ermittlerteam, das sich durch eine ganz spezielle Art von Teamgeist auszeichnet!

Veröffentlicht am 30.05.2022

In der Fremde

Russischer Sommer
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Eine Menge Russen hatte es nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin verschlagen und zwar aus verschiedenen Schichten. Entsprechend verteilten sie sich auch in der damals schon großen Stadt. In diesem Krimi ...

Eine Menge Russen hatte es nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin verschlagen und zwar aus verschiedenen Schichten. Entsprechend verteilten sie sich auch in der damals schon großen Stadt. In diesem Krimi wird vor allem die gehobene Mittelschicht, bzw. Menschen, die vorgeben, zu dieser oder gar zum Adel zu gehören, thematisiert.

Doch mischt sich alles deutlich mehr, das frühere Klassenbewusstsein lässt deutlich nach. Der "Russische Sommer", den Autorin Irene Fritsch hier behandelt, ist vor allem in Charlottenburg angesiedelt, irgendwann in den frühen 1920ern.

Fürst Popow, der quasi alles verloren hat und zudem noch verraten wurde, versucht, sich ein neues Leben aufzubauen und geht dazu nicht nur legale Wege. Dabei trifft er den einen oder anderen früheren Weggefährten und stößt sogar auf eine Tochter, vor der er nichts ahnte!

Doch verzettelt er sich auch in diverse Machenschaften und wird gar als Mordopfer verhaftet.

Ich habe sehr lange für diese Lektüre gebraucht, da die Handlung aus meiner Sicht in einem sehr umständlichen Stil dargestellt wurde. Ich habe auch immer Figuren verwechselt bzw. nicht mehr einordnen können - da wäre ein Personenverzeichnis hilfreich gewesen. Zudem war diese Form der Darstellung nicht selten der Spannung abträglich.

Ein Krimi, den ich nur Lesern empfehle, die sich konkret für diese Epoche interessieren.

Veröffentlicht am 27.05.2022

In Adelskreisen

Düsteres Watt
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In Adelskreisen darf sich das Team um Liv Landers diesmal auf Sylt bewegen, denn eine zentrale Figur, nämlich Karl von Raboisen, wurde tot aufgefunden - in einem ziemlich dramatischen Zustand. Und bald ...

In Adelskreisen darf sich das Team um Liv Landers diesmal auf Sylt bewegen, denn eine zentrale Figur, nämlich Karl von Raboisen, wurde tot aufgefunden - in einem ziemlich dramatischen Zustand. Und bald schon wird den Ermittlern klar, dass die Begegnung mit seinem Umfeld, also den adligen Kreisen, gar kein "dürfen" sondern vielmehr ein "müssen" ist - die Charaktere, die ihnen in diesem Fall begegnen, sind durchgehend alles andere als Sympathieträger.

Zumindest die Erwachsenen. Sowohl der Adel als auch die Bediensteten. Es herrscht eine eiskalte Atmosphäre, die man am besten mit "jeder gegen jeden" beschreiben kann. Vor allem Liv fühlt sich also bald unter Druck gesetzt, als sich Jennifer, die ältere Tochter des Opfers - ein Mädchen im Teenager-Alter - zum Mord bekennt. Das kann ja wohl kaum stimmen!

In diesem Krimi zeigen sich klar die negativen Seiten der Reichen und Schönen, die Liv Landers als Sylterin, die allerdings die Insel schon längst verlassen hat, quasi herunterbeten kann. Um ihre noch auf der Insel lebende Verwandtschaft kommt sie nicht herum, ist diese doch sehr erfolgreich dabei, ihre Seele zu verkaufen und sich zu einem Teil des Jet Sets, zu dem die Raboisens gehören, zu machen.

Deswegen lebt sie auch nicht mehr auf der Insel und hält sich und ihre Tochter Sanna so gut wie möglich davon fern. Aber diesmal wollte sie dort eigentlich nur Urlaub im Kreise ihrer "wahren" Lieben machen und geriet gleich wieder in einen Fall.


Wie immer steht auch das Privatleben der Ermittlerin Liv Landers im Fokus der Handlung, das Autorin Sabine Weiss so geschickt mit der Krimihandlung verwoben hat, dass wei bei einem Puzzle alles genau zusammenpasst.

Ein mehr als runder Fall, ich wäre niemals auf die Auflösung gekommen. Ob Sie jetzt hier oder mit einem anderen Band starten, ich könnte mir vorstellen, dass sie wie ich diese Reihe, bei der sich die Protagonistin dank zahlreicher Alleinstellungsmerkmale von der Masse abhebt, lieben werden. . Auf den nächsten Fall freue ich mich jedenfalls schon jetzt!

Veröffentlicht am 26.05.2022

Ein wenig glatt und trotzdem umständlich

Du bist das Licht in meiner Welt
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Ich hatte mich so darauf gefreut, nach langer Zeit mal wieder einen Campus-Roman zu lesen, in der das Uni-Leben, das bei mir schon vor 32 Jahren zu Ende ging, eine große Rolle spielt.

Enna begibt sich ...

Ich hatte mich so darauf gefreut, nach langer Zeit mal wieder einen Campus-Roman zu lesen, in der das Uni-Leben, das bei mir schon vor 32 Jahren zu Ende ging, eine große Rolle spielt.

Enna begibt sich für ihr Studium in die idyllische Kleinstadt Starfall und freut sich sehr auf ihr neues Leben. Gleichzeitig jedoch hat sie davor Angst, weil sie ihr Trauma, den Unfalltod ihrer Mutter vor fünf Jahren, längst noch nicht überwunden hat.

Und es wird noch schlimmer - schon bald trifft sie Finn, ihren ehemals besten Freund wieder, der sich seit diesem Ereignis nicht mehr bei ihr gemeldet hat, obwohl sie ihr gerade da dringend gebraucht hätte.

Leider läuft alles sehr glatt, EMMA findet SOFORT neue Freunde, durch die auch die Wiederbegegnung mit Finn erfolgt. Vieles, leider vor allem die Sprache der Autorin, aber auch die Handlung, wirkt auf mich sehr klischeehaft - es gibt kaum Brüche, wenig Unerwartetes.

Auch wenn die Freundschaften der Studenten untereinander sehr warmherzig und beschrieben werden und der Wert solcher Verbindungen gekonnt vermittelt wird, ist mir das zu wenig, um das Buch insgesamt genießen zu können. Ich hoffe sehr, dass dieser schöne und starke Aspekt im zweiten Teil mehr zum Tragen kommt!