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Veröffentlicht am 22.07.2021

Rückkehr nach Öland

Nachttod
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Nach fünfzehn langen Jahren kehrt Hanna zurück in ihre Heimat: auf die Insel Öland, die sie direkt nach dem Abitur verließ. Inzwischen ist sie Polizistin geworden. Auf Öland ist sie immer noch die Tochter ...

Nach fünfzehn langen Jahren kehrt Hanna zurück in ihre Heimat: auf die Insel Öland, die sie direkt nach dem Abitur verließ. Inzwischen ist sie Polizistin geworden. Auf Öland ist sie immer noch die Tochter eines verurteilten, inzwischen verstorbenen Mörders. Man begegnet ihr entsprechend und nicht nur einmal kommentiert Hanna mit "ich bin nicht mein Vater".

Die Arme hat es echt nicht leicht: Gleich nach ihrem beruflichen Start wird die Leiche eines vermutlich ermordeten Teenagers aufgefunden und schnell stellt sich heraus, dass es sich dabei um Joel, den Sohn ihrer ehemals besten Freundin Rebecka handelt, mit der sie seit ihrem Fortgehen keinen Kontakt mehr hatte.

Bei der Untersuchung seines Umfeldes ergeben sich so einige Verdachtsmomente - er war mit einer ortsbekannten Krawallnudel über Kreuz, aber auch sein leiblicher Vater - Rebecka ist längst nicht mehr mit ihm zusammen - ist ein richtig brutaler Kerl.

Hannah arbeitet in einem Team mit Erik, der wohl als die helle Seite des Duos gelten soll: ein braungebrannter, blonder Enddreißiger mit Frau und Tochter, der Rebecka mit offenen Armen aufnimmt - ich empfinde ihn fast als ein bisschen aufdringlich und zudem trägt er im Vergleich zu Hanna deutlich weniger zu den Ermittlungen bei, was aber auch daran liegen kann, dass Hanna sozusagen in ihr altes Umfeld zurückkehrt.

Teils ein bisschen sehr ausführlich, auch wird immer mal wieder - nicht immer ganz passend - ein aktuelles Thema eingeschoben. Doch im großen und ganzen begeistert mich dieser Serienstart und ich sehe Band 2 mit großer Freude und vor allem mit Ungeduld entgegen.

Denn: Auch für mich war dies eine Rückkehr nach Öland, wo ich als Siebenjährige einen laaangen Sommer in einem Feriencamp verbrachte: sechs Wochen ohne meine Eltern. Würde man heute nicht mehr machen, aber mir hat es dort gefallen, abgesehen davon, dass das Essen mir nicht geschmeckt hat. Aber wie auch Hanna habe ich Freundschaften aus meiner Öland-Zeit- sie haben alle bis heute gehalten!

Es muss also nicht immer traumatisch zugehen auf dieser hübschen kleinen Insel, auf der auch das schwedische Königshaus eine Sommerresidenz besitzt. Mir hat dieser "kriminalistische" Ausflug abgesehen von den oben erwähnten Punkten wirklich gut gefallen und ich freue mich schon auf den nächsten Teil!

Veröffentlicht am 22.07.2021

Drei Zimmer; Küche, Diele, Bad

Familie ist, wenn man trotzdem lacht
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mitten in Hamburg: das kann für eine vierköpfige Familie ganz schön eng werden! Steffi sucht, von ihrem Mann Arno nur halbherzig unterstützt, schon seit Jahren eine größere und komfortablere Bleibe für ...

mitten in Hamburg: das kann für eine vierköpfige Familie ganz schön eng werden! Steffi sucht, von ihrem Mann Arno nur halbherzig unterstützt, schon seit Jahren eine größere und komfortablere Bleibe für ihre Familie.

Doch Hamburg ist komplett zu, was von Miethaien und anderem raffgierigem und wollüstigen Gesocks schamlos ausgenutzt wird, was die Finanzen, aber auch anderes angeht.

Dann vielleicht raus aufs Land? Steffi lernt rasch, dass es auch da ganz schön viele Minusse gibt, allem voran die tägliche ewig lange Anfahrt in die Stadt zum Arbeitsplatz. Bis Steffis Freundin Helen zufällig Flora Blum kennenlernt, eine alte Dame mit einem viel zu großen Haus....

Ein schönes und überaus aktuelles Thema, das aber leider sehr behäbig und vorhersehbar erzählt wird. Hier wäre ein Zweier-Team ideal gewesen: Wiebke Busch mit ihren Einfällen und Recherchen und mit jemandem an ihrer Seite, der einen deutlich flotteren Schreibstil pflegt.

So ist es ganz ok für zwischendurch - aber unbedingt gelesen haben muss man das nicht...

Veröffentlicht am 19.07.2021

Es weht ein anderer Wind im Seniorenheim

Die Bücher des Monsieur Picquier
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Ja, im Seniorenheim "Les Bleuets" weht ein anderer, viel frischerer Wind, seit es einen Vorleser gibt. Nämlich Hilfskoch Grégoire, der bislang mit Lesen so gar nichts am Hut hatte. Aber bei der Essensverteilung ...

Ja, im Seniorenheim "Les Bleuets" weht ein anderer, viel frischerer Wind, seit es einen Vorleser gibt. Nämlich Hilfskoch Grégoire, der bislang mit Lesen so gar nichts am Hut hatte. Aber bei der Essensverteilung hat er den ehemaligen Buchhändler Monsieur Picqiuer kennen gelernt, dessen winziges Zimmer auch im Stile einer Buchhandlung eingerichtet ist - findet jedenfalls Grégoire, der sich zugegebenermaßen nicht allzu gut auskennt.

Aber: das Zimmerchen ist voll mit Büchern und dabei ist das nur ein Bruchteil vom persönlichen Besitz des alten Buchhändliers. Denn mehr passt hier nicht hinein. Das tragische: aufgrund seines Leidens kann der alte Herr sie gar nicht mehr selber lesen.

Grégoire, der es bisher so gar nicht mit Büchern hatte, den alten Herrn jedoch sehr schätzt, bietet sich daraufhin als Vorleser an, was von der Heimleitung als - zunächst winzig kleiner - Anteil seiner Arbeitszeit genehmigt wird. Grégoire wird richtig gut und er findet in dem alten Herrn überraschenderweise einen Vertrauten. Peu à peu wird er zum Vorleser des gesamten Seniorenheims.

Doch Monsieur Picquier geht es gesundheitlich immer schlechter und er hat eine große Bitte an Grégoire: es ist etwas ganz Unheuerliches, aber das verrate ich nicht.

Denn das Buch ist wirklich lesenswert - gerade in Zeiten, wo man so richtig gepackt werden will von einem Roman und zwar so, dass man ihn erst aus der Hand legt, wenn er wirklich zu Ende ist.

In vielen Aspekten war der vorliegende Roman ein solches Buch für mich, aber um mich so ganz und gar abzuholen, war ein bisschen zu viel Sex drin, auch an - aus meiner Sicht - unpassender Stelle. Aber ich kann mir vorstellen, dass es vielen noch besser gefällt, zumal die Handlung komplett aus der Sicht von Grégoire geschildert wird, was den eigentlichen Charme des Buches ausmacht.

Ich wollte und erwartete ein bisschen zu viel. Wer jedoch einfach einen Roman lesen will, der süffig ist, dazu Tiefe und einen leisen Humor gekonnt vereint, der ist hier an der richtigen Stelle!

Veröffentlicht am 13.07.2021

Verlassen und vergessen

Die Sternenbucht
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Melissa hat viel zu viel Zeit - kein Wunder, denn sie ist im Urlaub. Den verbringt sie aber eigentlich mit ihrem neuen Freund Liam, den sie aber kaum sieht - er verbringt seine Zeit ausschließlich auf ...

Melissa hat viel zu viel Zeit - kein Wunder, denn sie ist im Urlaub. Den verbringt sie aber eigentlich mit ihrem neuen Freund Liam, den sie aber kaum sieht - er verbringt seine Zeit ausschließlich auf dem Surfbrett.

Daher macht sie den ein oder anderen Ausflug und gerät in das verlassene Dorf Tyneham - es wurde im Zweiten Weltkrieg geräumt und diente der Armee zur Vorbereitung des D-Day in der Normandie. Die Einwohner sollten nach dem Krieg zurückkehren können, was aber nie geschah. Nun wird aus den leerstehenden Häusern ein Museumsdorf - zur Einweihung ist auch Fernsehhistoriker Guy aus London eingereist, den Melissa zufällig etwas näher kennenlernt.

Diese Bekanntschaft vertieft sich in den nächsten Tagen noch, denn Melissa steht ohne Freund und ohne Unterkunft da - der gute Liam verbrachte seine Tage nämlich statt auf dem Surfbrett in den Armen einer anderen Frau. Dank Guy erhält Melissa eine Unterkunft für die Nacht und wird mehr und mehr von der Geschichte des Dorfes und vor allem des Herrenhauses Tyneham House, in dem das Paar Veronica und Albert lebten. Ihr Schicksal war eng mit dem Dorf und mit dem Krieg verbunden.

Guy und Melissa forschen nun gemeinsam und erfahren Unfassbares - doch wie hängt das alles zusammen?

Ein packender Roman auf zwei Zeitebenen, in dem die Gegenwart einen etwas zu großen Raum einnimmt. Spannend hingegen ist die Darstellung der historischen Gegebenheiten, dem verlassenen Dorf, Lebensumständen, die während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich herrschten. Die ganze Atmosphäre der Kriegsjahre ist aus meiner Sicht eindringlich und nachvollziehbar dargestellt.

Dennoch bleibt das Buch eher an der Oberfläche und eignet sich somit gut bspw. als Ferienlektüre, nicht nur für Englandreisende!

Veröffentlicht am 09.07.2021

Ein interessantes Nachwuchstalent

Das Karlgeheimnis
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Das ist der selbsternannte Krimiautor Emil. Ein sehr junger Autor - in seinem Debüt ist nur eine Sache erfunden und zwar der Finger, der im Gebüsch gefunden wird. Deswegen passt er auch nicht zu dem Rest ...

Das ist der selbsternannte Krimiautor Emil. Ein sehr junger Autor - in seinem Debüt ist nur eine Sache erfunden und zwar der Finger, der im Gebüsch gefunden wird. Deswegen passt er auch nicht zu dem Rest der Geschichte, in der Emil selbst die Hauptfigur ist.

Naja, zusammen mit ein paar anderen, sonst wäre es ja langweilig! Emil ist noch recht frisch in diesem Viertel und der Anlass ist eigentlich ein trauriger: Er und seine Mutter mussten umziehen, weil sie sich die vorherige größere Wohnung nicht mehr leisten konnten. Weil Papa nämlich nicht mehr da ist.

Das ist eine Sache, an der sowohl Emil als auch Mama noch knabbern und das Schlimmste - sie hat sie voneinander entfernt.

Aber es gibt auch Spannendes in Emils Leben, vor allem das Büdchen gleich vor dem Haus, das von Karl, der schon ziemlich alt ist, betrieben wird. Dort sammeln sich so einige Leute und so lernt Emil auch Finja kennen, die eine richtige Detektivin ist. Und zusammen schlittern sie in einen richtigen Kriminalfall, den Emil gleich hier, in seinem ersten Band, beschreibt.

Ich will nicht zu viel verraten, aber soviel sei gesagt: Das Büdchen - manche sagen auch Kiosk oder Trinkhalle - spielt eine nicht unerhebliche Rolle darin. Es ist sozusagen der Tatort.

Aber jetzt hülle ich mich in Schweigen. Den Rest sollt Ihr nämlich selbst lesen und er ist echt total spannend. Und überraschend! Ein wirklich tolles Buch, das Ihr Euch nicht durch die Lappen gehen lassen solltet!