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Veröffentlicht am 27.01.2021

Grün, grün, grün ist alles, was ich habe

Grün ist die Liebe
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Davon kann Elisabeth aus Kevelaer ein Lied singen, wenn es sich auch vor allem "nur" auf zwei Aspekte in ihrem Leben bezieht: sie ist ehrenamtlich als grüne Dame im Krankenhaus tätig und hat in dieser ...

Davon kann Elisabeth aus Kevelaer ein Lied singen, wenn es sich auch vor allem "nur" auf zwei Aspekte in ihrem Leben bezieht: sie ist ehrenamtlich als grüne Dame im Krankenhaus tätig und hat in dieser Funktion den wunderbaren Herrn Grün, einen ganz besonderen alten Herrn und wahren Gentleman, kennengelernt. Obwohl es ihm gar nicht gut geht, vermag er es doch, Elisabeth mit seinen wunderbaren Geschichten zu verzaubern. Wahren Geschichten, wohlgemerkt, solchen, die von Liebe und jahrelangem Miteinander handeln: die Lebensgeschichte von ihm und von seiner Frau also.

Elisabeth ist nur zu froh über diese Ablenkung, denn ihr eigenes Leben befriedigt sie gerade gar nicht: seit die Kinder aus dem Hause sind, fühlt sie sich unausgelastet, denn ihr Mann Robert ist sehr eingebunden in seinen Beruf und auch in Mußestunden nicht gerade kommunikativ - da betätigt er sich lieber als Teilzeitbauer und macht in Hühnern. Auch die familieneigene Pilgerherberge - man befindet sich schließlich im frommen Kevelaer - die von Mutter und Schwiegermutter geführt wird, und in der es eigentlich immer was zu tun gibt, vermag Elisabeth nicht zu faszinieren. Dennoch ist sie mit ihrem Leben nicht ganz unzufrieden, auch wenn mehr und mehr Zweifel aufkommen in Bezug auf ihren eigenen Lebensinhalt. Und das sind längst nicht mehr nur grüne Angelegenheiten, um die es hier so geht!

Auch, wenn Elisabeth ein Typ ist, der sich selbst ein wenig im Wege steht und damit öfter mal dazu beiträgt, dass nicht alles im grünen Bereich ist: die Wege und Wendungen, die ihr Leben und auch das der Menschen um sie herum nimmt, ist alles andere als 08/15. Nein, es sind viele ungewöhnliche, dadurch noch reizvollere Ideen in diesen originellen und warmherzigen, dabei unterhaltsamen und ausgesprochen humorvollen Roman eingebaut, den Autorin Marlies Ferber in der ihr eigenen Sprache - ganz klar der des Herzens - schreibt. Helden und Heldinnen müssen nicht immer jung und knackig sein, auch das Mittelalter und das Alter haben ihren Reiz. Den uns die Autorin in diesem Buch aufs Trefflichste zu vermitteln versteht.

Deswegen lege ich Ihnen ausdrücklich ans Herz: Wählen Sie den grünen Weg - wenn Sie etwas über Liebe lesen möchten, aber auch darüber, wie man sich selbst kennenlernt! Wenn Sie so gut drauf sind, wie der reizende Herr Grün und seine Autorin Marlies Ferber, werden Sie es nicht bereuen - im Gegenteil!

Veröffentlicht am 26.01.2021

Luftballonliebe

Jedes Jahr im Juni
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Lucas ist Emmies absoluter Traummann - und ihre ganz persönliche Luftballonliebe: hat sie ihn doch durch das "Verschicken" eines Luftballons kennengelernt, der auf der anderen Seite des Ärmelkanals landete ...

Lucas ist Emmies absoluter Traummann - und ihre ganz persönliche Luftballonliebe: hat sie ihn doch durch das "Verschicken" eines Luftballons kennengelernt, der auf der anderen Seite des Ärmelkanals landete und ausgerechnet von einem frisch nach Frankreich gezogenen Halbengländer, Lucas, nämlich gefunden wurde.

Seither - seit Jahren, ja Jahrzehnten, sie waren schließlich noch Schüler - ist Lucas ihr bester Freund, was wie die Faust auf Auge passt. Er ist nämlich am selben Tag im selben Jahr geboren und den feiern sie seitdem immer zusammen und zwar in Frankreich.

Auch zum Rest der Familie hat Emmie ein enges Verhältnis. Naja, zumindest zur englischen Mutter und zum französischen Vater. Früher war sie auch mal mit Lucas`Halbbruder Eliot eng, aber das ist lange her und hat seine Gründe.

Aber eigentlich hätte sie gern eine ganz andere Beziehung zu Lucas: als Paar nämlich, nicht nur als beste Freunde. Sie liebt ihn nämlich schon seit Ewigkeiten. Und er? Bisher war sie sicher, dass das nicht der Fall ist, doch es deutet alles darauf hin, dass er ihr jetzt, an ihrer beider 30stem Geburtstag die Frage aller Fragen stellen will. Aber...

Lesen Sie lieber selbst, zumindest wenn Sie weiblichen Geschlechts sind. Es ist ein warmherziger, manchmal ein wenig oberflächlicher Roman, der aber auf jeden Fall gute Laune macht und auf eine ganze Reihe wichtiger sozialpolitischer Themen eingeht. Unter anderem natürlich. Denn eigentlich ist es ja ein Liebesroman. Wenn auch anders als gedacht!

Veröffentlicht am 24.01.2021

Opereskes Drama

Hingabe
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Ein Roman wie eine Oper! Wie diese beginnt er mit Leidenschaft, dann kommt die Hingabe, dann die diversen Probleme und Bäng! am Ende gibt es einen Riesenknall! Also definitiv kein Roman, den man vor dem ...

Ein Roman wie eine Oper! Wie diese beginnt er mit Leidenschaft, dann kommt die Hingabe, dann die diversen Probleme und Bäng! am Ende gibt es einen Riesenknall! Also definitiv kein Roman, den man vor dem Schluss weglegen sollte - denn ohne diesen ist es eine ganz andere Geschichte.

GroßbauerTomás, der reichste Mann im Ort, ist ein animalischer Typ - auch wenn ein Einzelgänger ist und meist nur zusammen mit seinem Bedienstenen Ramón zu sehen ist, mit dem er fast etwas wie eine Familie bildet, kann er arbeiten wie ein ganzes Kraftwerk - und rasen wie ein Stier. Und als ihn in der Dorfgaststätte der Anblick der neu angekommenen Suiza mit Leidenschaft übermannt, da packt er einfach zu und schleift sie mit sich nach Hause. Sie ist Ausländerin, spricht kein Spanisch, arrangiert sich aber bald mit den Gegebenheiten und lebt sich auf ihre Art und Weise ein. Doch Tomás ist sehr krank und hat möglicherweise nicht mehr lange zu leben....

Auch wenn dieser Roman inhaltlich sehr, sehr weit von mir entfernt war, kann ich nicht umhin, die stilistischen Fertigkeiten der Autorin anzuerkennen sowie den stellenweise aufblitzenden, durchaus gekonnt in den Handlungsaufbau eingefügten Humor zu genießen. Ein Buch, dass vor allem aufgrund der archaisch rüberkommenden Rolle der Frau für mich ein harter Brocken war, doch begriff ich alsbald, dass auch dies für die Autorin ein Mittel zum Zweck war.

Wer Leidenschaften, Sex und insgesamt viel Körperlichkeit in der Lektüre liebt, der ist hier gut aufgehoben!

Veröffentlicht am 24.01.2021

Das Leben neu leben

Die Mitternachtsbibliothek
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Ab einer bestimmten Stelle, einer maßgeblichen Wendung im Leben alles noch einmal ändern, neu vorgehen - was würde dann passieren? Wer hat nicht schon mal überlegt, ob er an einem bestimmten ...

Ab einer bestimmten Stelle, einer maßgeblichen Wendung im Leben alles noch einmal ändern, neu vorgehen - was würde dann passieren? Wer hat nicht schon mal überlegt, ob er an einem bestimmten Scheideweg im Leben nicht einen Fehler gemacht hat? Ob sein Leben nicht schöner, sinnvoller, erfüllter, glücklicher gewesen wäre, wenn er zu dem Zeitpunkt eine grundlegend andere Entscheidung getroffen hätte?

Mit eben diesem Gedanken spielt der britische Autor Matt Haig in seinem Roman "Die Mitternachtsbibliothek": Nora Seed, eine Frau Anfang Dreißig empfindet ihr Leben als verpfuscht und in einem Moment, in dem alles schief geht, entschließt sie sich, diesem ein Ende zu setzen.

Und findet sich nicht in der Hölle, auch nicht an der Himmelspforte, sondern in einer Bibliothek. In der sie eine alte Bekannte aus vergangenen Zeiten trifft: nämlich Mrs. Elm, die Bibliothekarin ihrer früheren Schule: einer der wenigen Menschen in ihrem Leben, der uneingeschränkt gut zu ihr war, eine, die immer das Richtige gemacht hat, selbst in der dunkelsten Stunde in Noras Leben.

Von ihr erfährt sie, die ihre Tat zu bereuen gibt, dass es für sie eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Leben gibt: in ein anderes Leben und sie hat sogar die Wahl. Und zwar zwischen vielen, vielen Leben, je nachdem, an welchem Wendepunkt sie sich neu orientiert.

Sie springt quasi in ein Buch und ist schwupp - an einer anderen Stelle ihres Lebens angelangt, an einer, die es in der Form nie gegeben hat. Die es aber gegeben haben könnte.

Eine wirklich tolle Idee, finde ich. Eine, auf die nur Matt Haig kommen kann. Matt Haig, der so tolle Bücher wie "Wie man die Zeit anhält" geschrieben hat. Ich war voller Vorfreude und Erwartung und konnte nicht schnell genug an dieses Buch kommen.

Das sich in der Tat ausgesprochen süffig las. Aber: sowohl beim Aufbau der Bibliothek als auch bei der Gestaltung von Noras zahlreichen möglichen Leben hat der Autor eine Menge Potential verschenkt. Meiner Meinung nach. Da hätte einiges mehr kommen, das Geschehene dichter gestaltet werden können. Auch so hatte ich meinen (Lese)Spaß. Aber nicht so wie erhofft, leider! Beim nächsten Haig-Roman dann wieder!

Veröffentlicht am 18.01.2021

Ein schweres Schicksal

Helenes Versprechen
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Im Mittelpunkt des Romans von Beate Rösler steht die Kinderärztin Helene Bornstein - sie erlebt ihre Jugend im Frankfurt der Weimarer Republik, einer Zeit der Bewegung. Ihr Vater ist selbst Kinderarzt, ...

Im Mittelpunkt des Romans von Beate Rösler steht die Kinderärztin Helene Bornstein - sie erlebt ihre Jugend im Frankfurt der Weimarer Republik, einer Zeit der Bewegung. Ihr Vater ist selbst Kinderarzt, hat eine Praxis im eigenen Haus und Helene folgt ihm in den Beruf. Als Hitler an die Macht kommt, arbeitet sie in einer Klinik, doch ebenso wie für ihren Vater ändert sich für sie alles - die Familie ist jüdischen Glaubens und wird quasi über Nacht von angesehenen Frankfurter Bürgern zu Geächteten.

Helenes arischer Mann Viktor steht zunächst zu ihr, doch er erweist sich als nicht stark genug - trotz des gemeinsamen Sohnes Moritz wendet er sich von ihr ab und damit auch von Moritz, der als Halbjude auch in Gefahr ist. Helene gelingt es, ihn nach England zu schicken, doch selbst will sie in Deutschland bleiben, um ihre Familie zu beschützen so gut es geht. Das gelingt ihr nur teilweise, aber dafür schafft sie es, auf andere Weise dem nationalsozialistischen Regime die Stirn zu bieten.

Nach dem Krieg bricht die traumatisierte Frau im wahrsten Sinne des Wortes zu neuen Ufern auf, um ein ebenso neues, komplett anderes Leben zu beginnen.

Autorin Beate Rösler ist ein fesselnder, dramatischer Roman gelungen, den ich nicht aus der Hand legen konnte. Dabei hat sie sich von der wahren Geschichte der jüdischen Kinderärztin Antonie Sandels inspirieren lassen. Doch es sind auch Momente aus der eigenen Familiengeschichte und natürlich Fiktion - es ist ja schließlich ein Roman - daran verewigt. Doch jede Seite kommt so lebendig, so anschaulich rüber, dass zumindest ich keinen Zweifel daran hatte, dass es so hätte ablaufen können. So oder ähnlich.