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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2020

Eine ziemliche Räuberpistole

Das letzte Licht des Tages
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Das ist aus meiner Sicht der sehr dramatische, aber auch gewissermaßen sensationslüsterne Roman "Das letzte Licht des Tages", in dem es um eine tragische Liebesgeschichte vor der Kulisse des ...

Das ist aus meiner Sicht der sehr dramatische, aber auch gewissermaßen sensationslüsterne Roman "Das letzte Licht des Tages", in dem es um eine tragische Liebesgeschichte vor der Kulisse des von Deutschen besetzten Frankreich im Zweiten Weltkrieg und zwar in der ausgesprochen malerischen Champagne. Der andere der beiden Handlungsstränge spielt in der Gegenwart bzw. im Jahre 2019, in dem die frisch geschiedene Vierzigerin Liv von ihrer französischen Großmutter in deren Heimat gebracht wird - sie ist richtiggehend überrumpelt worden und dort erfährt sie, was es mit ihrer Familie tatsächlich auf sich hat.

Alles ist ganz anders, als man denkt, es sind jede Menge Personen involviert in diese bittersüße Liebesgeschichte. Dazu noch viel Mut und fast ebensoviel Verrat - man mache dadurch eine tollkühne, aberwitzige Geschichte, die durchaus auch aus der Feder von Heinz G. Konsalik oder Utta Danella hätte stammen können. Eigentlich schade, da sie wirklich viele historische Fakten enthält und allein damit schon unglaublich hoch hätte punkten können.

So muss ich leider voller Enttäuschung den Roman aus der Hand legen - nein, das war wirklich nicht mein "cup of tea" oder vielmehr mein Glas Champagner, dazu war alles viel zu tolldreist und rambomäßig aufgezogen. Wildwest in der Champagne sozusagen. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen!

Veröffentlicht am 25.10.2020

Neubeginn anders als gedacht

Das Wörterbuch des Windes
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Aus der gemeinsamen Islandreise mit ihrem Mann Henrik wird für Swea tatsächlich wie geplant ein Neustart des Lebens, allerdings ganz anders als gedacht: gerade wieder hatten sich die beiden nach einem ...


Aus der gemeinsamen Islandreise mit ihrem Mann Henrik wird für Swea tatsächlich wie geplant ein Neustart des Lebens, allerdings ganz anders als gedacht: gerade wieder hatten sich die beiden nach einem Jahr Auszeit bedingt durch Henriks Affären wieder zusammengerauft, da wird durch einen Zufall klar, dass der Gute immer noch mehrere Eisen im Feuer hat.

Swea lässt ihn mitten in der Natur stehen und macht mit dem gemeinsamen Mietwagen die Biege. Und landet bei einem zurückhaltenden, fließend deutsch sprechenden alten Herrn namens Einar und dessen Mieter Jón. Der ist noch mehr als zurückhaltend, fast furchtsam. Trotz allem, Einar nimmt sie ohne viel Fragen bei sich auf und ermuntert sie, so lange wie sie möchte, da zu bleiben.

Allmählich kommen sich Einar und Swea näher, verbal natürlich zur und es entwickelt sich eine Art zaghaftes Vertrauensverhältnis, aus dem irgendwann gemeinsame Tangotanzabende in dem stillen Haus werden.

In der Zeit hat sich Swea - eine Bankerin mit dem Herzen einer Künstlerin - bereits einige berufliche Standbeine geschaffen, bei denen es zunächst nur um das Finanzielle geht, bald wir daraus mehr.

Denn Island trifft sie mit seiner ganzen Wucht tief in ihrem Herzen. Auch, wenn sie immer noch um ihre Ehe trauert und sich auch sonst von Familie und Freunden betrogen fühlt, ist sie auf eine gewisse Weise angekommen.

Ob das so bleibt? Um das zu erfahren, ist die Lektüre dieses schönen und warmherzigen Romans unerlässlich. Obwohl ich hier lobende und positive Worte finde, muss ich zugeben - ich bin ein kleines bisschen enttäuscht. Denn Blazons gegenwartsliterarischer Vorgängerroman, der auch im Norden, allerdings in Finnland spielte, hatte mich tief in meinem Inneren getroffen, mit voller Wucht und hatte sich zu einem Leib- und Magenroman entwickelt, wie es nur selten ein Buch schafft. Das ist hier nicht so, dennoch empfehle ich diesen Roman, denn die Autorin schreibt mit Herz und Verstand und bringt zudem viel Spannendes über Island hinein.

Veröffentlicht am 25.10.2020

Vier Leben außerhalb der Norm

Leben ist ein unregelmäßiges Verb
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In diesem Monumentalwerk - auf fast tausend Seiten - verfolgt Rolf Lappert die Leben von vier Menschen: Leander, Frieda, Ringo und Anton - die ein höchst ungewöhnliches Schicksal teilten: bis zu ihrem ...

In diesem Monumentalwerk - auf fast tausend Seiten - verfolgt Rolf Lappert die Leben von vier Menschen: Leander, Frieda, Ringo und Anton - die ein höchst ungewöhnliches Schicksal teilten: bis zu ihrem zwölften Lebensjahr wuchsen sie in einer auf einem norddeutschen Bauernhof geschaffenen völlig eigenen Welt auf, abgeschottet von der Welt, von der bundesdeutschen Entwicklung, von der Schule - einfach von allem. Winnipeg, so nannten die Kinder den Hof und damit ihre Welt.

Es ist der Beginn der 1980 Jahre, als sie befreit werden - so sieht es die Welt. Die Vier empfinden sich als aus dem Nest geworfen, zumal sie nun von einander getrennt werden, worauf einer von ihrnen - Anton - nach einiger Zeit mit dem Freitod reagiert.

Im Mittelpunkt stehen die Schicksale von Leander und Frieda, die es wohl objektiv gesehen am besten getroffen haben, weil sie bei Verwandten - Leander bei seiner Tante Meret, Frieda bei ihrer Großmutter und deren Mann untergebracht werden. Ringos Erlebisse werden zu einem großen Teil in einem Interview mit einer Journalistin dargelegt und Anton - nun, das ist etwas ganz anderes, eigenes.

Auf gewisse, vollkommen unterschiedliche Art kommt keines der Kinder - nicht nur Anton - nicht im realen Leben an.

Rolf Lappert schreibt eindringlich, dabei sehr detailgenau, führt zahlreiche Personen ein, von denen die meisten die Hauptfiguren nur ein Stück ihres Weges begleiten. Ich hatte teilweise mit den Namen zu kämpfen und hätte mich hier sehr über ein Glossar gefreut, dass sich sehr gerne auch auf Ortschaften und Lokalitäten hätte erstrecken dürfen.

Ja, es ist ein faszinierender, gekonnter und eleganter Stil, in dem der Roman verfasst ist - besonders beeindruckt hat mich, dass die Sprache bei jedem der Protagonisten wechselte - teilweise sehr klar, dann auch wieder nur in Ansätzen.

Wem sage ich es, Rolf Lappert kann schreiben und er hat hier eine tolle Idee realisiert, gewissermaßen ein Jahrhundertwerk geschaffen, bei dem aber so einiges des Guten zuviel war. Einige der Nebenschauplätze und Nebenfiguren sind für die Handlung und Entwicklung des Romans so irrelevant, dass sie aus meiner Sicht hätten weggelassen werden können.

Eigentlich bin ich eine schnelle Leserin und kann mich auf Werke, die mich gefangen nehmen, auch gut konzentrieren. Hier jedoch brauchte ich viele, viele Pausen und habe insgesamt über einen Monat am Buch "genagt".

Aber es hat sich gelohnt - ein gleich mehrfacher Coming-of-Age-Roman der besonderen Art, den ich nicht so schnell vergessen werde. Wenn überhaupt.

Veröffentlicht am 25.10.2020

Ein Märchen, eine Sage, eine Art literarisches Versprechen

Was der Fluss erzählt
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Der Fluss, um den es hier geht, ist aber nicht aus einem Märchen, sondern es ist die Themse in einem eher ländlichen Gebiet, nämlich zwischen Cricklade und Oxford. Dort betritt an einem Winterabend des ...

Der Fluss, um den es hier geht, ist aber nicht aus einem Märchen, sondern es ist die Themse in einem eher ländlichen Gebiet, nämlich zwischen Cricklade und Oxford. Dort betritt an einem Winterabend des ausgehenden 19. Jahrhunderts ein Mann mit einem vierjährigen Mädchen auf dem Arm einen Pub. Beide sind verletzt, das Mädchen stirbt - um wieder zum Leben zu erwachen. Ab dann steht es im Zentrum des Interesses der Bewohner - so viele würden es gerne bei sich aufwachsen sehen! Es sind viele Geschichten, die hier zusammengebracht werden, von starken, mutigen, aber auch schwachen und verführbaren Menschen. Sie alle haben mit dem Fluss zu tun - und irgendwo fließen sie dann auch alle zusammen. Ich habe diesen Roman mit großem Vergnügen und noch größerem Genuss gelesen - es ist fast eine Art literarisches Statement zum Leben und zur Gesellschaft und ermuntert die Leser, sich auf schwer bis gar nicht erklärbare Lebenserfahrungen einzulassen und diesen bis zu einem gewissen Grad zu vertrauen.

Diane Setterfield hat mit "Was der Fluss erzählt" einen sehr lebensklugen Roman verfasst, der aus meiner bescheidenen Sicht von

Nach der Lektüre komme ich mir groß und klein gleichermaßen vor - klein, weil sehr deutlich wird, dass jeder Mensch, egal wie viel Macht er ausüben mag, doch nur ein kleines Rädchen im Gefüge der Zeitabläufe der Welt ist und groß, weil ich finde, dass die Autorin ganz klar macht, dass der Wert jeden Lebens davon abhängt, was für Fußabdrücke, welches ideelle Erbe ein jeder von uns auf der Erde hinterlässt.

Ein wahrlich in jeder Hinsicht sagenhafter Roman in einer wundervollen Aufmachung. Man sollte ihn nicht wie einen Fluss an sich vorbeiziehen lassen, sondern unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 24.10.2020

Eine wilde Jagd durch Arken

Millenia Magika – Der Schleier von Arken
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Adrian hat sich "nur" aus Genervtheit von seiner Familie nach Arken zu seiner Tante Lia geflüchtet, die er seit Jahren nicht gesehen hat und gerät in ein ganz anderes Szenario als erwartet!

Denn ...

Adrian hat sich "nur" aus Genervtheit von seiner Familie nach Arken zu seiner Tante Lia geflüchtet, die er seit Jahren nicht gesehen hat und gerät in ein ganz anderes Szenario als erwartet!

Denn bald nach dem gemütlichen Kaffeeklatsch in bunter Runde sieht er sich zusammen mit dem Mädchen Jazz auf der Jagd nach seiner Tante. Die nämlich ist nicht nur eine gütige Dame mittleren Alters, sondern DIE Hexe von Arken, das auch nicht das langweilige Kaff ist, das er von früher kannte, sondern das Zentrum der Magie, die im neuen Jahrtausend mehr und mehr an Kraft gewinnt, und seine Tante die führende Hexe Magista Kamelia. Jazz ist ihre Elevin im zweiten Jahr, ein Lehrling quasi.

Und sie stellt fest, dass die Magista abhanden gekommen ist, offenbar entführt. Zu ihrem Klübchen gesellt sich noch ein seltsamer Typ mit Hörnern auf dem Kopf, nämlich der gehörte Juri, wie sich herausstellt, ein Troll, so dass sie nun zu dritt auf der Suche sind. Diese ist alles andere als eine gemütliche Tour unter Freunden, nein, es geht ziemlich gruselig zu, sie treffen auf weitere magische Wesen und teilweise muss Adrian auch allein klarkommen.

Und erstmal überschauen, wer die Guten sind und wer Böses im Schilde führt und warum. Dabei trifft er auf Gestalten wie Ghule oder Wehrwölfe, das sind Umweltschützer, die den örtlichen Wald besetzen ähnlich wie es im Hambacher Forst der Fall ist, nur: dort tummeln sich wesentlich gruseligere Wesen, unter anderem (Wer)Wölfe.

All diese Figuren hat man schnell vor Augen, denn Autor Falk Holzapfel hat das Buch auch illustriert, was es zu etwas ganz Besonderem werden lässt.

Dennoch: die Geschichte geht mir teilweise etwas zu rasant voran, die Gestalten und ihre Zusammenhänge werden aus meiner Sicht nicht immer ausführlich genug eingeführt und dargestellt. Gleichwohl hat mir der Aufenthalt in Arken wirklich gut gefallen (wobei ich froh war, nur per Buch dabei zu sein und zu Hause auf der sicheren Couch zu sitzen) und ich hoffe doch sehr, dass es mehr davon geben wird!