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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.08.2025

Ist Rache süß?

Standing Ovations
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Wie weit darf Rache gehen? Wie geht man damit um, wenn man der Betroffene ist und gibt sie dem Ausübenden Genugtuung?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich der vorliegende Debütroman von Charlotte Runcie.

Schauplatz ...


Wie weit darf Rache gehen? Wie geht man damit um, wenn man der Betroffene ist und gibt sie dem Ausübenden Genugtuung?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich der vorliegende Debütroman von Charlotte Runcie.

Schauplatz des Geschehens ist Edinburgh während eines Theaterfestivals, in dem bekannte und unbekannte Künstler auftreten und auf eine gute Kritik hoffen. Aber da ist Alex, ein bekannter Theaterkritiker, dessen Markenzeichen seine schonungslosen Kritiken sind. Und so ist es für ihn selbstverständlich, dass er eine vernichtende Kritik über die Debütperformance von Haley Sinclair schreibt. Er gibt ihrem Auftritt nur einen Stern, weil es ihm nicht erlaubt ist, gar keinen Stern zu geben... und stellt seinen Bericht sofort online. Dass er Haley Sinclair noch am selben Abend trifft und sogar die Nacht mit ihr verbringt, ist für ihn kein Grund, seine Kritik zu ändern. Und so bleibt es nicht aus, dass Haley am nächsten Morgen brühwarm aus Internet und Zeitung erfährt, wie Alex über sie geurteilt hat. Und wie geht es nun weiter?
Ein guter Einstieg in die Geschichte, die aus Sicht seiner Kollegin erzählt wird, die sich zur selben Zeit in Edinburgh aufhält. Und interessant das Verhalten von Alex, Haley und der Erzählerin als Alex' Kollegin. Leider lässt die Spannung nach dem ersten Drittel des Romans nach und Charlotte Runcie begibt sich auf Nebenschauplätze, die meiner Meinung nach für die Geschichte nicht unbedingt wichtig sind. Ein interessantes Thema mit einem guten Beginn, bei dem der Leser auf das Ende gespannt ist.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Zwei verschwundene Mädchen

Ihr werdet sie nicht finden
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Ein neuer Winkelmann mit einem auffälligen Cover, von mir mit Spannung erwartet.
Das Buch beginnt mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit, genauer gesagt vor sieben Jahren. Die Tochter von Kommissar ...


Ein neuer Winkelmann mit einem auffälligen Cover, von mir mit Spannung erwartet.
Das Buch beginnt mit den Geschehnissen aus der Vergangenheit, genauer gesagt vor sieben Jahren. Die Tochter von Kommissar Jonas verschwindet während/nach einer Party und ist auch nach intensiver Suche nicht auffindbar. Jonas, der eine Vermutung hat, wer für das Verschwinden seiner Tochter verantwortlich ist, begeht einen schwerwiegenden Fehler, der auch dazu führte, dass er aus dem Polizeidienst ausscheiden musste. Das Schicksal seiner Tochter blieb trotzdem ungeklärt.
Sieben Jahre später wird Privatdetektivin Franca damit beauftragt, die Enkelin einer Bankiersfrau ausfindig zu machen, die sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen hat.
Im Laufe ihrer Ermittlungen trifft Franca auf Jonas und beide erkennen, dass die beiden Vermisstenfälle zusammenhängen und ermitteln gemeinsam.
Dies ist nicht mein erstes Buch von Andreas Winkelmann. Es war nicht der Pageturnier wie ich es von ihm gewohnt bin. Und doch war es eine spannende Geschichte, die durchaus lesenswert ist.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Norwegen in Kriegszeiten

Wir sehen uns wieder am Meer
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Das Cover verspricht eine Leichtigkeit, die leider nicht vorhanden ist. Der Roman erzählt von der schwierigen Zeit als Norwegen von den Deutschen besetzt war und viele russische Kriegsgefangene in Lagern ...


Das Cover verspricht eine Leichtigkeit, die leider nicht vorhanden ist. Der Roman erzählt von der schwierigen Zeit als Norwegen von den Deutschen besetzt war und viele russische Kriegsgefangene in Lagern leben und Zwangsarbeit durchführen mussten. Widerstand gegen die deutschen Besatzer war gefährlich und doch gab es eine Gruppe mutiger Norweger/innen, die im Untergrund agierten. Eines Tages stößt die Krankenschwester Birgit zu ihnen und hilft verwundete russische Kriegsgefangene zu pflegen. Dabei verliebt sie sich in Alexander und verhilft ihm zur Flucht. Gleichzeitig lernt sie die schwangere ukrainische Zwangsarbeiterin Nadia kennen und hilft ihr, dem Lager und der Arbeit in der Fischfabrik zu entkommen.
Birgits zusätzliche Agententätigkeit und das verbotene Verhältnis zu Alexander bringen sie in große Schwierigkeiten, denen sie sich standhaft versucht zu widersetzen.
Die Figur Birgit ist aus den zusammengefassten Schicksalen zweier tatsächlich damaliger norwegischer Agentinnen entstanden. Trotzdem hat mich teilweise das naive Agieren Birgits verwundert und ich hatte Schwierigkeiten diese nachzuvollziehen. Aber vielleicht passt hier auch der Spruch, dass "Liebe blind macht".
Wer sich für die Situation der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter interessiert, ist bei diesem Buch gut aufgehoben.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Zeitreise mit Familienanschluss

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Henning Sußebach versucht mit diesem Buch seiner Urgroßmutter - die er nie kennengelernt hat - ein schriftliches Denkmal zu setzen.
Anna wird 1867 in eine aus heutiger Sicht frauenfeindliche Welt hineingeboren. ...


Henning Sußebach versucht mit diesem Buch seiner Urgroßmutter - die er nie kennengelernt hat - ein schriftliches Denkmal zu setzen.
Anna wird 1867 in eine aus heutiger Sicht frauenfeindliche Welt hineingeboren. Schon früh entflieht sie den schwierigen Familienverhältnissen, um Lehrerin zu werden. Ein Beruf, der damals nur unverheirateten Frauen zugestanden wurde. Mit einer späteren Hochzeit verloren die Frauen automatisch ihren Arbeitsplatz und auch sämtliche Rentenansprüche. Respekt konnten sich die Frauen nur durch eine "harte Hand" (Schläge gegen die Schüler/innen) verschaffen. Aber Anna beißt sich durch und darf nach 12jähriger heimlicher Liebe ihren Clemens heiraten mit den zuvor genannten Einschränkungen. Nach seinem Tod darf Anna aufgrund seiner testamentarischen Verfügung sämtliche Geschäfte seiner Familie übernehmen. Dieser Umstand und auch, dass Anna nach Clemens' Tod einen Sohn zur Welt bringt, wird von der Familie ihres verstorbenen Mannes nicht gern gesehen. Aber Anna ist hart im Nehmen und trotzt allen Feindseligkeiten.
Henning Sußebach schafft es mit den ihm von seiner Urgroßmutter gebliebenen Fotos, Postkarten und Gegenständen Annas Lebenslauf in groben Zügen nachzuvollziehen. Dabei hilft ihm vor allem seine Vorstellungskraft. Die eingestreuten, seinerzeit aktuellen wirtschaftlichen und politischen Ereignisse helfen dem Leser sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen.
Der durchaus lesenswerte Bericht über eine starke Frau, die es verstanden hat, sich über die damaligen Konventionen hinwegzusetzen.
Von mir eine klare Lesepfehlung.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Schwarze Pädagogik

Am Meer ist es schön
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Susanne Lach, eines von vielen Millionen (!) Kindern, die zwischen 1950 und 1980 in Kurheime verschickt wurden. Dieser Roman über Susannes Schicksal und ihrer Freunde ist beispielhaft für das, was viele ...


Susanne Lach, eines von vielen Millionen (!) Kindern, die zwischen 1950 und 1980 in Kurheime verschickt wurden. Dieser Roman über Susannes Schicksal und ihrer Freunde ist beispielhaft für das, was viele Kinder während dieser sogenannten Kuren erleiden mussten. Jedes noch so kleine Aufbegehren gegen die strengen Reglementierungen wurde zum Teil mit unmenschlichen Methoden hart bestraft. Besonders schwer zu ertragen und völlig unverständlich ist, dass all' diese Taten gegenüber wehrlosen Kindern von den sogenannten "Tanten" vollzogen wurden.
Barbara Leciejewski hat diesen Roman nach ausführlicher Recherche sehr eindringlich geschrieben. Das Schicksal dieser Kinder ist schwer zu ertragen und es verwundert nicht, dass sie für ihr späteres Leben traumatisiert sind. In dieser Geschichte wiegt besonders schwer, dass Susanne nach ihrer Rückkehr Lügen und blühende Fantasie unterstellt werden, als sie von den Gräueltaten erzählt.
Erholsam fand ich, dass die Berichte aus der Verschickungszeit sich mit den Erzählungen der erwachsenen Susanne abwechselten.
Barbara Leciejewski gibt mit ihrem Buch allen Kindern eine Stimme, die damals diese oder ähnliche Dinge während ihrer Verschickung erleben mussten.
Ein unbedingt lesenswertes Buch!

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