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Ulrike55

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.05.2017

Eine unglückbringende Handarbeit

Aimées geheimer Wunsch
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Der Roman beginnt durchaus vielversprechend!
Im Jahre 1891 lernen wir eine junge Französin kennen, die von ihrem Vater wie eine Gefangene in dem weitläufigen Haus der Familie gehalten wird und die kurz ...

Der Roman beginnt durchaus vielversprechend!
Im Jahre 1891 lernen wir eine junge Französin kennen, die von ihrem Vater wie eine Gefangene in dem weitläufigen Haus der Familie gehalten wird und die kurz vor der Verheiratung mit einem ihr weitgehend unbekannten Mann steht. Ängste vor der Zukunft nehmen sie völlig gefangen, sie möchte fliehen, wagt es aber nicht und ergibt sich so in ihr unvermeidliches Schicksal.
Doch vorher stickt sie noch etwas, dem Leser bis zum Ende des Buches Vorenthaltenes, in die Innenseite des von ihr kunstvoll mit Perlen angefertigten Kragens...
Dieser Handlungsstrang bricht mit dem Tag ihrer Heirat unvermittelt ab und die Engländerin Maggie aus der Gegenwart kommt ins Bild.
Sie ist eine überforderte junge Frau mit mannigfaltigen Problemen, die vergeblich versucht, Berufstätigkeit und ihre Rolle als Mutter miteinander zu vereinbaren.
Eben diese Maggie gelangt nun in den Besitz des Kragens, den sie aber nicht als solchen erkennt. Sie sieht in ihm ein Diadem....

Und nach diesen beiden Charakteren reißt der rote Faden ab!
In einer Aufeinanderfolge von weitgehend zusammenhanglosen Szenen erfährt man über einen Zeitraum von etwa hundert Jahren von den weiteren Besitzerinnen der Handarbeit, deren eigentliche Bestimmung aber allen unbekannt bleibt.
Eine Art Bindeglied zwischen diesen Frauen, denen der Besitz des Kragens fortwährend Unglück beschert, bleibt Maggie - eine blasse, blutleere, problembehaftete Person, die für mich niemals greifbar wurde, deren nicht nachvollziehbare Handlungsweise gepaart mit einem laufend sich verändernden Charakter entweder auf eine Persönlichkeitsstörung hinweist oder auf die Möglichkeit, dass die Autorin bis zum Schluss nicht wusste, wie sie ihre Hauptfigur anlegen sollte...

Der Roman selbst wirkt mühsam konstruiert, er ist überfrachtet mit unglaubwürdigen Personen und ebensolchen Schicksalen, an denen es mir unmöglich war, Anteil zu nehmen.
Die Verbindungen, die zwischen einigen wenigen der Handlungsstränge ebenso mühsam hergestellt wurden, erscheinen mir unbeholfen und ungeschickt.
Das gleiche gilt für die Entwicklung, die die Autorin ihren Protagonisten mit Gewalt aufdrückte und die ich als an den Haaren herbeigezogen beschreiben möchte.
Dabei bedient sie sich leider auch einiger abgegriffener Klischees, die das Niveau des Romans noch weiter senken, auf, so möchte ich fast sagen, Groschenheftniveau nämlich.
Dabei stecken in dem Buch jede Menge guter Ansätze!
Ein großer, ein begabter Erzähler hätte daraus womöglich einen großen Roman machen können...
Aber Kelly Doust konnte das nicht! Weniger wäre entschieden mehr gewesen! Denn hätte sie sich auf die Französin Aimee und Maggie als Protagonistinnen beschränkt, wäre sie gut beraten gewesen, und es hätte ihr vielleicht sogar gelingen können, eine glaubhafte, mitreißende Geschichte zu erzählen, denn ihre Art des Ausdrucks ist nicht schlecht, wobei ich nicht beurteilen kann, welchen Anteil die Übersetzerin daran hat.
Da sie das aber versäumt hat, ist ein Buch entstanden, das mich über weite Strecken gelangweilt hat und das ich persönlich nicht weiterempfehlen kann....

Veröffentlicht am 09.05.2017

Kulinarischer Reiseführer und Kriminalroman

El Gustario de Mallorca und das tödliche Elixier
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Sven hat den Auftrag, einen kulinarischen Reiseführer über Mallorca zu schreiben!
Für ihn, den passionierten Feinschmecker und Mallorcaliebhaber, geht damit ein Traum in Erfüllung. Nicht nur hat er die ...

Sven hat den Auftrag, einen kulinarischen Reiseführer über Mallorca zu schreiben!
Für ihn, den passionierten Feinschmecker und Mallorcaliebhaber, geht damit ein Traum in Erfüllung. Nicht nur hat er die einmalige Chance, einige Monate auf seiner Lieblingsinsel zu verbringen, sondern er kann sich auch nach Herzenslust all den gastronomischen Genüssen hingeben, die die schöne Insel in überreichem Maße zu bieten hat.
Dass er dabei in ein kriminalistisches Abenteuer gerät, bei dem anstatt seines feinen Gaumens seine ermittlerischen Fähigkeiten, über die er als Journalist natürlich auch verfügt, gefragt sind, kann er, als er den Auftrag annimmt, freilich noch nicht ahnen!
Durch Zufall erfährt er von der Suche zweier Privatdetektive nach einem uralten Fläschchen mit einem Elixier, dem wunderbare Heilkräfte zugeschrieben werden und für das im Jahre 1441 sogar ein Mord begangen wurde.
Svens Neugierde ist geweckt und er beschließt, auf eigene Faust und dann mit der Hilfe neugewonnener mallorquinischer Freunde dem Geheimnis auf den Grund zu gehen und nach dem Verbleib des Fläschchens zu forschen.
Und so gerät er unversehens in ein gefährliches Abenteuer...

Allen, die einen actionreichen Kriminalroman oder gar Thriller vor der wunderschönen Kulisse der Urlauberinsel Mallorca erwarten, sei gesagt, dass es sich bei vorliegendem Roman nicht unbedingt um einen solchen handelt!
"El Gustario de Mallorca..." ist am treffendsten als Reiseführer durch die vielen ausgezeichneten Restaurants und Bars der Insel mit Krimielementen zu bezeichnen, - und wenn man das Buch unter genau dieser Prämisse liest, ist es ganz gewiss ein außergewöhnliches, informatives, gut geschriebenes Werk, das jedem geschichtlich und kulinarisch interessierten Leser, der sich zudem noch zu der schönen Insel im Mittelmeer hingezogen fühlt, zu empfehlen ist!

Die Autorin beschreibt mit großer Liebe zum Detail zum einen eine ganze Reihe von Orten und touristisch abseits gelegenen Plätzen auf Mallorca, die gleichzeitig auch in Beziehung zu den Nachforschungen des Protagonisten stehen. Sie tut das auf eine Weise, die durchaus bei dem einen oder anderen Leser Fernweh hervorrufen mag.
Alle diese Orte stehen zum anderen natürlich auch in Beziehung zu Svens Auftrag, da sie Spezialitäten anzubieten haben, die Sven dahinschmelzen lassen.
Auch hier wird die Autorin sehr detailliert und lässt den Leser auch einiges über die rechte Zubereitung der Gaumenfreuden wissen!
An dieser Stelle vielleicht eine Information für Vegetarier:
Sie werden weniger auf Ihre Kosten kommen! Was auch der typischen spanischen Küche geschuldet ist, die noch immer stark fleisch- und fischlastig ist...

Der Kriminalteil des Romans ist eingebettet in ein Ereignis aus der fernen Geschichte der Insel - und diese wurde ganz offensichtlich sehr genau von Brigitte Lamberts recherchiert! Sie nimmt den Leser mit in eine Zeit, die ihm, wie den meisten, die weder Mallorquiner noch Historiker oder Geschichtslehrer sind, unbekannt sein dürfte.
Und die einen differenzierten Blick auf die Baleareninsel ermöglicht, die - und das wird jedem am Ende des Romans klar - weit mehr zu bieten hat als Sonne, Strand und Sangria....

Veröffentlicht am 08.05.2017

Richard muss weg!

Ein Dorf zum Verlieben
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Wanda ist Yogalehrerin. Sie lebt immer noch in dem fiktiven kleinen Ort Osterbüren im Münsterland, in dem sie aufwuchs, ist dort äußerst beliebt bei Jung und Alt und hilft, gute Seele, die sie ist, wo ...

Wanda ist Yogalehrerin. Sie lebt immer noch in dem fiktiven kleinen Ort Osterbüren im Münsterland, in dem sie aufwuchs, ist dort äußerst beliebt bei Jung und Alt und hilft, gute Seele, die sie ist, wo immer sie kann.
Aber ein geheimer Kummer nagt an ihr - und das schon seit vierzehn langen Jahren!
Der Kummer heißt Richard, ist ihre Jugendliebe, oder besser: die Liebe ihres Lebens, und eine Verkettung unglücklicher Ereignisse, die dem Leser bis zum Schluss unbekannt sind, hat sie vor all den Jahren von ihm getrennt. Das hat sie nie verwunden - und das ganze Dorf weiß nicht nur darüber Bescheid, sondern nimmt auch regen Anteil daran!
So ist es nicht verwunderlich, dass, als Richard, inzwischen Mediziner, eines Tages nach Osterbüren zurückkommt, um den örtlichen Hausarzt zu vertreten, ein aberwitziges Komplott geschmiedet wird, das darauf zielt, ihn zunächst einmal von Wanda fernzuhalten und ihn dann mit allen Mitteln aus dem Dorf zu vertreiben.

Dieses Komplott zieht sich durch den größten Teil des munteren Romans, der mit einer Anzahl schrulliger und zu allem entschlossenen Charaktere aufwartet, allen voran Wandas beiden Großmüttern, die unterschiedlicher nicht sein können. Sie sind in der Tat die Anführerinnen und schrecken vor nichts zurück, um ihre geliebte Enkelin vor dem vermeintlich treulosen "Bösewicht" Richard zu schützen. Dabei schießen sie nicht nur einmal gewaltig übers Ziel hinaus - sehr zum Amüsement der Leserschaft....

Der Roman ist spritzig und voll mit skurrilen Einfällen, wobei das Happy End natürlich vorprogrammiert ist!
Natürlich sind die Charaktere und ihre Aktionen überspitzt dargestellt, aber das macht auch ihren Reiz aus!
Und ganz nebenbei bekommt man einen nicht unrealistischen Einblick in die Strukturen des Dorflebens, die auch darauf basieren, dass lebhaft Anteil genommen wird an den Mitbürgern, was bis zur unwillkommenen Einmischung reichen kann - wie hier im Falle der Roman-Wanda.
Und wenn man sich von Anfang an darüber im Klaren ist, dass man mit Dorothea Böhmes Buch einen leichten, unbeschwerten Unterhaltungsroman vor sich hat ohne intellektuellen Anspruch, steht dem entspannten, heiteren Lesevergnügen nichts mehr im Wege!

Ich habe den Roman bis zum Ende genossen, wie man einen schönen, unbeschwerten Sommertag genießt - und gelegentlich laut gelacht!
Eine erfreuliche Abwechslung vom Alltag - und für alle zu empfehlen, die einfach mal abschalten und nicht in jeder Geschichte einen tieferen Sinn finden wollen!

Veröffentlicht am 01.05.2017

Spannende Reise im gnadenlosen Universum

Feuer der Leere
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Zugegeben - unerfahren auf dem Gebiet der Science-Fiction Literatur, hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, mit dem Roman vertraut zu werden! Wobei das Genre an sich nicht die Hauptschwierigkeit darstellte, ...

Zugegeben - unerfahren auf dem Gebiet der Science-Fiction Literatur, hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, mit dem Roman vertraut zu werden! Wobei das Genre an sich nicht die Hauptschwierigkeit darstellte, sondern vielmehr die durchweg sehr detaillierten technischen und naturwissenschaftlichen Ausführungen.
Und ist man auf diesen Gebieten nicht ausreichend versiert, betrachte ich "Feuer der Leere" nicht unbedingt als ideales Einstiegswerk für Neulinge.

Doch hat es sich für mich gelohnt, mich, wenn auch mühsam, in die Materie und somit in den Roman hineinzudenken, was nicht zuletzt der hervorragenden Erzähltechnik eines Autors zu verdanken ist, dessen bildgewaltige Vorstellungskraft, überbordende Phantasie und fundierteste Sachkenntnisse mir das Lesen letztendlich zu einem fesselnden Abenteuer gemacht haben.
Ein Abenteuer auch deswegen, weil abgesehen von Technik und Naturwissenschaft die Protagonisten und ihre Interaktionen beim Leser zwangsläufig ein Nachdenken über grundlegende Fragen der Menschheit provozieren, das weit über die eigentliche Handlung hinausgeht und bei dem einen oder anderen nachhaltige, vielleicht sogar beunruhigende Wirkungen hat.

Die Handlung des Romans ist auf einige Monate begrenzt und konzentriert sich weitgehend auf eine Handvoll Protagonisten, die in dieser Zeitspanne allesamt einschneidende Erfahrungen machen, die ihr Leben grundlegend verändern werden. Am Ende des Buches haben sie nur noch wenig gemein mit denen, die sie zu Beginn der Reise durch die unermesslichen Weiten des gnadenlosen Weltraums waren, in den Robert Corvus den Leser bereits auf der ersten Seite seines beinahe 500 Seiten umfassenden Romans hineinwirft.
Er entwirft eine Welt, in der die Erde nicht mehr existiert und in der die, an der heutigen Bevölkerungszahl gemessen, wenigen überlebenden Menschen auf Großraumschiffen im Flottenverband durch die Unendlichkeit reisen, - auf der Suche nach Nahrung einerseits und auf der Flucht vor übermächtigen Feinden andererseits, die, wahre Tötungsmaschinen, die Menschen erbarmungslos jagen und die im Roman zwar zumeist unsichtbar, aber dennoch allgegenwärtig sind. Ein trostloses Leben, so mag es einem erscheinen, ein Leben, in dem es einzig ums Überleben geht, in der die Furcht vor dem Morgen ein ständiger Begleiter ist.

MARLIN, SQUID, ESOX - auf diese drei Großraumschiffe konzentriert sich die Haupthandlung; eine Nebenhandlung findet auf dem Planeten Cochada statt, der eine Atmosphäre besitzt und auf dem erdverwandte Lebensbedingungen herrschen. Auf dem aber auch seltsame Lebensformen, deren Herkunft vorerst im Dunkeln bleibt, ihr ebenso seltsames Leben fristen...
Sowohl auf dem Planeten als auch auf den Raumschiffen wird der Leser mit einer Art von Leben, vielleicht besser Existieren konfrontiert, das seine Vorstellungskraft übersteigt, das ihn verblüfft, erschreckt, in Erstaunen versetzt ob der technischen, heute - noch - undenkbaren Entwicklung oder in Entsetzen ob der Fremdartigkeit, angesichts derer er sich die Frage stellen mag, ob man hier überhaupt noch von Menschen sprechen kann. In besonderem Maße trifft dies auf das ungewöhnlichste der Raumschiffe, den lebenden Organismus SQUID zu, deren Bewohner körperliche Merkmale des Schiffes angenommen haben, das sie beherbergt...

Wie funktioniert ein Zusammenleben in der Zukunft, im Weltraum? Ist eine Koexistenz möglich mit all den Wesen, die das All bevölkern? Welche Wertvorstellungen sind unter so krassen Lebensbedingungen, in der Schwerelosigkeit, der Koexistenz und dem Überleben förderlich? Wie sieht das mit der emotionalen Ebene aus?
Immer wieder werden wir vor diese Fragen gestellt... Und es gibt keine einfachen Antworten...
So haben wir hier einen sehr komplexen Roman vor uns, der es dem Leser niemals leicht macht, der ihn aber auch bis zur letzten Seite nicht loslassen wird!

Veröffentlicht am 30.04.2017

Die Götter geben sich die Ehre

Göttersommer
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Was wäre, wenn der liebe Gott oder, wie in unserem Falle, die Götter des Olymp plötzlich beschließen würden, die armen, unwissenden, umherirrenden Menschen nicht weiter ihrem Schicksal zu überlassen sondern ...

Was wäre, wenn der liebe Gott oder, wie in unserem Falle, die Götter des Olymp plötzlich beschließen würden, die armen, unwissenden, umherirrenden Menschen nicht weiter ihrem Schicksal zu überlassen sondern zu ihnen herabzusteigen und lenkend in das Weltgeschehen eingreifen würden?

Sascha Kersken lässt genau das in seinem Roman geschehen, als in Athen auf der Höhe der Verhandlungen anlässlich der Wirtschaftskrise die Situation so verfahren ist, dass von göttlicher Seite eine Einmischung erforderlich erscheint, um den sich streitenden Verhandlungspartnern mit sanfter oder auch nicht so sanfter Gewalt einen Weg aus der Misere zu weisen.

Und damit beginnt eine höchst amüsante Erzählung, die mich bis zum Ende aufs Beste unterhalten hat!
Eine Handvoll Götter erscheint und bemächtigt sich einiger Schlüsselfiguren der Verhandlungen, denen sie zu einer neuen, ihnen genehmeren Sichtweise nicht nur in ihrer Haltung gegenüber dem bankrotten Griechenland, sondern auch auf das Leben im allgemeinen und ihr eigenes im besonderen verhilft.

Doch Uneinigkeit herrscht nicht nur unter den Sterblichen!
Auch die Götter untereinander sind sich nicht grün; und der Leser erfährt, dass sie sich keineswegs einmütig für eine Intervention in den Lauf der Dinge entschieden haben!
Insbesondere sind es Artemis, Poseidon und Pan, die die gegnerische Fraktion anführen und bald ebenfalls in Athen auftauchen, um die hilfreichen Absichten von Hades, Athene, Aphrodite, Ares, Eris und Hermes zu vereiteln. Und das versuchen sie mit allen Mitteln, die ihnen in imponierendem Ausmaß zur Verfügung stehen, wobei ihnen weder an Fairness gelegen ist noch sie sich an irgendwelche getroffenen Abmachungen gebunden fühlen.

Beide Fraktionen versichern sich der Unterstützung einer stetig wachsenden Anzahl von Menschen; Radio, Fernsehen, Internet, Zeitungen sind voll von ihrem sensationellen Erscheinen und ihren spektakulären Aktionen auf der Erde. Keiner zweifelt bald mehr an ihrer göttlichen Identität.
Ganz Athen spricht kaum mehr von etwas anderem, als es gebannt mitverfolgt, was sich da an Unglaublichem, Skurrilen, Niedagewesenen abspielt, das schließlich in einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen beiden Göttergruppen und ihren menschlichen Gefolgsleuten auf einer rasch dafür hergerichteten Insel gipfelt....

Was für eine - göttliche - Komödie, die Sascha Kersken da vor den Augen des Lesers inszeniert!
Er kennt seine Götter gut! Und gemäß den Eigenschaften, die ihnen in der Mythologie zugeschrieben werden, lässt er sie agieren, - zur hellen Freude des diesbezüglich ein wenig bewanderten Lesers!
Man mag versucht sein, die Methoden zu kritisieren, mit denen die Götter ihre erwählten Sterblichen gefügig machen und auf ihre Zwecke konditionieren, denn nicht immer haben die Menschen eine Wahl, oft tun sie etwas gegen ihren Willen, können dem aber keinen Widerstand entgegen setzen.
Dann gilt es, sich bewusst zu machen, dass wir es hier mit nichts anderem als einem Märchen zu tun haben, mit "Fantasy", um es modern und zeitgemäß auszudrücken, das den Leser mit urkomischen Szenen, die gelegentlich an Slapstick erinnern vor allem unterhalten, das aber - wie es in den meisten Märchen der Fall ist - durchaus auch nachdenklich machen möchte.
Und das gelingt, so meine ich, dem Autor in seiner speziellen Art des Erzählens vorzüglich!
Denn - am Ende erkennen die Menschen, und der Leser mit ihnen, dass auch der vermeintlichen Allmacht der Götter Grenzen gesetzt sind, und dass Probleme nicht einfach über Nacht - und mit nur einem Buch - aus der Welt geschafft werden können.
Auf eine Fortsetzung darf gehofft werden...