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Veröffentlicht am 09.02.2026

zum Miträtseln

Tod zur Teestunde
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Susan Ryeland ist nach einer gescheiterten Beziehung wieder zurück in London und arbeitet als freischaffende Lektorin. Das Geld ist knapp und so nimmt sie einen Auftrag an, der ihr gar nicht zusagt. Der ...

Susan Ryeland ist nach einer gescheiterten Beziehung wieder zurück in London und arbeitet als freischaffende Lektorin. Das Geld ist knapp und so nimmt sie einen Auftrag an, der ihr gar nicht zusagt. Der Autor der Krimireihe über den Privatdetektiv Atticus Pünd lebt nicht mehr, dafür möchte Eliot Crace, der Enkel einer berühmten Kinderbuchautorin Miriam Pünd, nun eine Fortsetzung schreiben. Wieder erwarten ist das Manuskript hervorragend. Pünd, inzwischen schwerkrank, wird von einer befreundeten reichen Engländerin, die in Südfrankreich lebt um Hilfe gebeten, doch bevor er sie erreicht ist sie vergiftet worden. Während wir mit Susan gemeinsam diese Handlung verfolgen bemerkt Susan Ähnlichkeiten mit der Familiengeschichte von Eliot, bei der die gesamte Familie unter der Matriarchin Miriam litt. Nachdem Eliot verbreitet, Miriam wurde vergiftet und er verrät in seinem Krimi den Täter, kommt er bei einem Unfall ums Leben.
Die Ebenen, das Krimimanuskript und die Handlung um Susan sowie die Auflösung der alten Familiengeschichte sind sehr spannend und schriftstellerisch hervorragend umgesetzt. Man wird zum Miträtseln animiert. Es ist von Vorteil die Vorgängerkrimis zu kennen, um die Hintergründe, die zwischenzeitlich angesprochen werden zu verstehen, zum Verfolgen dieser Handlung jedoch nicht unbedingt nötig.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Glaube, Liebe, Hoffnung

In den Scherben das Licht
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Der Winter 1946 in Hamburg ist extrem kalt, die Häuser zerbombt und der Wiederaufbau gestaltet sich schwierig. Wer wenigstens ein Dach über dem Kopf hat kann sich glücklich schätzen. So wie die ehemalige ...

Der Winter 1946 in Hamburg ist extrem kalt, die Häuser zerbombt und der Wiederaufbau gestaltet sich schwierig. Wer wenigstens ein Dach über dem Kopf hat kann sich glücklich schätzen. So wie die ehemalige Volksschauspielerin Friede Wahrlich, die in ihren Keller den Teenager Gert aufgenommen hat. Seine Eltern leben nicht mehr, doch er hofft noch auf ein Wiedersehen mit seiner kleinen Schwester Barbara. Kurz danach wird auch die junge elternlose Gisela in diese Wohngemeinschaft aufgenommen. Friede beschließt, ihr Haus auszubauen und eine Pension zu eröffnen. Lulu zieht ein, Ludwig, der als Schwuler den Hass von Vater und Brüdern auf sich zog und Robert, der beim Aufbau half. Nicht nur ihre Untermieter schleppen Probleme und Sorgen mit sich, auch sie selbst denkt immer noch an Viktor, den sie einst liebte und nicht half als er als Jude deportiert wurde. Sie alle hoffen auf das Wiedersehen mit Angehörigen von den sie hoffen, dass sie den Krieg überlebt haben und dabei entwickeln sich neue Freundschaften und Liebesbeziehungen.
Der Roman schildert den Wiederaufbau in einer zerstörten Stadt. Gut recherchiert und interessant geschrieben, für meinen Geschmack nur zu sehr weichgespült und zu viel Happy End, die wirklichen Gräuel der Kriegszeit werden nur am Rande erwähnt.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

wenn die Welt auf eine kleine Insel kommt

Mr. Saitos reisendes Kino
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Carmelita, genannt Lita, wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires von einem Unbekannten in Bugatti Schuhen gezeugt. Ihre Mutter Fabiola wurde als Säugling in einem Kloster abgegeben und wuchs dort ...

Carmelita, genannt Lita, wurde 1927 auf einer Tanzfläche in Buenos Aires von einem Unbekannten in Bugatti Schuhen gezeugt. Ihre Mutter Fabiola wurde als Säugling in einem Kloster abgegeben und wuchs dort auf, doch die Nonnen bekamen das übersprudelnde Temperament von Fabiola nicht in den Griff. Ihr Leben waren Schuhe, für die sie ein erstaunliches Verkaufstalent entwickelte und der Tango. Auch Lita verbrachte ihre ersten Lebensjahre im Kloster bis sie beide es verlassen mussten. Wenig später, auf Grund politischer Unruhen, flohen sie auf einem Frachter und landeten auf der kanadischen Insel Upper Puffin. An den rauen aber herzlichen Menschenschlag musste sich Fabiola erst gewöhnen, während Lita in Oona sofort eine Freundin fand. Der Tierarzt heilte auch Menschen und nebenbei war er für den schulischen Unterricht der beiden Mädchen zuständig. Die Insel lag einsam und abgelegen, doch ein Mal im Jahr kam die Welt zu ihnen wenn Mr. Saito mit seinem Wanderkino neue Filme mitbrachte. Er begeisterte auch Lita und Oona mit seiner Arbeit und brachte ihnen das Schneiden der Filme und das Geräuschesammeln für die damaligen Stummfilme bei.
Wir erleben aus der Sicht von Lita wie ihr Leben und das der anderen Einwohner von Upper Puffin verlief und über das Erbe, dass ihnen Mr. Saito hinterließ. Über Jahrzehnte hinweg mit allen Höhen und Tiefen, über Streitereien und Zusammenhalt, über den Ausbruch des zweiten Weltkrieges und den Hass auf alles japanische, fühlen wir mit diesen Menschen mit.
Der Roman ist wortgewaltig und wartet mit vielen poetischen und fantasievollen Wortspielereien auf. Die Geschichte geht ans Herz ohne je ins kitschige zu verfallen. Eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

was ist Heimat, wo gehört man hin?

Trag das Feuer weiter
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Mia Daoud ist eine erfolgreiche Schriftstellerin in einer Krise. Ihr Neurologe rät ihr, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und so fährt sie von Paris in ihr Geburtsland Marokko. Diese Rahmenhandlung ...

Mia Daoud ist eine erfolgreiche Schriftstellerin in einer Krise. Ihr Neurologe rät ihr, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und so fährt sie von Paris in ihr Geburtsland Marokko. Diese Rahmenhandlung gibt uns die Möglichkeit, in die Familiengeschichte der Daouds einzutauchen. Durch die Großmutter Mathilde, die aus dem Elsass stammt und mit ihrem Mann eine Farm bewirtschaftet haben Mia wie auch ihre jüngere Schwester Ines auch die französische Staatsbürgerschaft, in ihrer Familie wird französisch gesprochen, arabisch versteht sie kaum. Ihre Mutter arbeitet als Gynäkologin, ihr Vater ist ein angesehener Banker in Rabat. Sie haben Personal, keinerlei Geldsorgen und auf eine gute Schulbildung wird Wert gelegt. Ihnen geht es anders als den meisten ihrer Landesgenossen.
Wir erleben die Zeit von 1980 bis in 2000er Jahre hinein, die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes und das Verhältnis Marokkos zum Ausland. Leila Slimani versteht es ganz hervorragend, Familiengeschichte mit ihren Alltäglichkeiten und den wechselnden politischen Verhältnissen in einer poetischen und fantasievollen Sprache zu vermitteln. Der Konflikt, welcher Kultur und welchem Land man sich zugehörig fühlt, wird beleuchtet. Es ist der dritte und abschließende Roman der Trilogie, es ist jedoch nicht erforderlich die beiden ersten Teile zu kennen.

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Veröffentlicht am 14.01.2026

britische Agentinnen in Frankreich

Wir dachten, das Leben kommt noch
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Gwen erhält als Mitarbeiterin der BBC den Auftrag, ein Buch über die SOE Agentinnen zu schreiben. Diese britische Spezialeinheit schickte französisch sprechende Agenten zur Zeit des zweiten Weltkrieges ...

Gwen erhält als Mitarbeiterin der BBC den Auftrag, ein Buch über die SOE Agentinnen zu schreiben. Diese britische Spezialeinheit schickte französisch sprechende Agenten zur Zeit des zweiten Weltkrieges an Paris, darunter auch einige Frauen. Sie waren Funkerinnen, spionierten und sabotierten gegen die deutsche Besatzungsmacht, teils auch mit eigenem Engagement. Gwen reist zu Recherchen nach Paris, auch, weil ihre vor 3 Jahren verstorbene Großmutter, eine österreichische Adelige, in dieser Zeit dort gelebt hat und ein Geheimnis hatte.
Eine dieser Agentinnen war Pat, die nun, im Jahr 1998, durch einen Anruf Gwens wieder an diese Zeit erinnert wird und versucht, sie zurück zu versetzen.
Wir erleben das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln aus der Jetztzeit 1998 und aus der Sicht Pats aus den 1940er Jahren.
Diese Agentinnen haben damals einen wichtigen Beitrag geleistet, doch nach Kriegsende hat man sich noch für die Heldentaten der Männer interessiert.
Der Roman erzählt von vergessenen Frauen, gut recherchiert und geschrieben. Leider werden besonders im Umfeld Gwens sehr viele Personen kurz vorgestellt, über die man nichts weiter erfährt. Die ganzen Freundinnen und Familienangehörigen bis hin zu nur einmal auftretenden Nebenpersonen hätte man besser verzichtet. Das erschwert das Verständnis und auf Grund der Vielzahl an Namen verwirrt es nur.

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