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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2023

Eine gelungene Darstellung von Russlands Geschichte

Eine Geschichte Russlands
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Orlando Figes gilt als profunder Historiker und Kenner Russlands. In diesem Buch nimmt er seine Leser in die Geschichte Russlands mit. In den folgenden elf Kapiteln zeigt er die Entwicklung von deren Anfängen ...

Orlando Figes gilt als profunder Historiker und Kenner Russlands. In diesem Buch nimmt er seine Leser in die Geschichte Russlands mit. In den folgenden elf Kapiteln zeigt er die Entwicklung von deren Anfängen bis zum Angriffskrieg Putins auf die Ukraine.

Ursprünge
Einfluss der Mongolen
Zar und Gott
Zeit der Wirren
Russland blickt nach Westen
Napoleons Schatten
Ein Reich in der Krise
Das revolutionäre Russland
Der Krieg gegen das alte Russland
Vaterland
Ende

Historiker und Autor Orlando Figes präsentiert seinen Lesern die wechselhafte Geschichte Russlands. Er erläutert, warum der Vielvölkerstaat, trotz mehrfacher gewaltsamer Russifizierung kein echter russischer Staat mit einem eigenem Nationalgefühl geworden ist. Figes entzaubert den Mythos der „russischen Seele“, versucht darzustellen, warum sich nie eine ernst zunehmende Opposition entwickeln konnte und warum die Menschen mehrmals auf einen Diktator hereingefallen sind.

In keinem Land wird die Geschichte so oft umgeschrieben, wie in Russland. Was an der Vergangenheit nicht zum aktuellen Machthaber passt, wird mit allen Mitteln passend gemacht. Egal ob der Nachname des Herrschers Romanow, Lenin, Stalin, Chruschtschow, Breschnew oder eben Putin ist.

Das Buch ist ein gut zu lesendes Grundlagenwerk der Geschichte und erweitert das Basiswissen interessierter Leser. Die Anfänge sind vielleicht für jene, die in der Geschichte Russlands noch nicht so bewandert sind, ob der vielen Namen ein wenig unübersichtlich. Um sich hier zurechtzufinden gibt es einige Landkarten sowie Erläuterungen im Anhang.

Fazit:

Eine sehr gut geschriebenes Sachbuch, das wissenschaftliche Details für interessierte Leser gut aufbereitet und einprägsam erzählt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 06.01.2023

Eine sehr detailliert und opulent erzählte Biografie

König der Welt
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Über Ludwig XIV. (1638-1715) sind schon einige (ich darf sagen: Meter) Bücher geschrieben worden. Seien es Biografien oder historische Romane.

Braucht es da noch eines? Noch dazu eines mit 944 Seiten? ...

Über Ludwig XIV. (1638-1715) sind schon einige (ich darf sagen: Meter) Bücher geschrieben worden. Seien es Biografien oder historische Romane.

Braucht es da noch eines? Noch dazu eines mit 944 Seiten? Für welche Zielgruppe? Historikerkollegen oder interessierte Laien? Nun, darüber gibt der britische Autor Philip Mansel keine Auskunft. Man muss selbst herausfinden, ob man sich mit dem Sonnenkönig, dessen Motto „L’Etat est Moi“ („Der Staat bin ich“) gewesen ist, so intensiv beschäftigen will.

Selbst für mich, die ich dicke Schwarten und detaillierte Biografien liebe, ist dieses Buch zu einer Herausforderung geworden. Es gibt kaum eine Seite, auf der nicht mindestens zwei Jahreszahlen und bis zu drei Fußnoten dem Leser an den Kopf geworfen wird. Wer die alle im Detail lesen will, wird dauernd aus dem Lesefluss gerissen. Philip Mansels Hang zum Perfektionismus sowie sein Drang, alles was er selbst weiß, dem Leser unbedingt mitteilen zu müssen, führt dazu, dass er sich in zahlreichen Nebenschauplätze, die ihm historisch interessant erscheinen, aber letztendlich von Ludwig XIV. wegführen, verzettelt.

Inhaltlich geht Philip Mansel auf die kostspieligen Hobbys des Königs ein (u.a. Versailles) sowie auf seine Außenpolitik innerhalb Europas (Stichwort Wahlkönigreich Polen), Nordamerikas sowie seine Versuche, diplomatische Beziehungen zu China und Siam zu knüpfen.

Kenntnisse über die Innenpolitik des Königs inklusive Mätressenwirtschaft und höfische Intrigen setzt Mansel sichtlich voraus. Anders lässt sich das Namedropping nicht erklären. Das ist ein wenig die Schwäche dieser ausführlichen Biografie, dass der Autor den Lesern Detailwissen abverlangt, die sie in der Intensität nicht haben können.

An einigen Stellen nimmt er zukünftige Ereignisse wie z. B. die Revolution von 1789 voraus.

Womit ich wieder bei der Frage bin: Wer ist die Zielgruppe dieser Biografie?

Das Hardcover ist in einer opulenten, dem Porträtierten wohl angemessenen, Ausstattung erschienen: Rotes Cover, mit der stilisierten Sonne in Gold, einem Porträt des Monarchen auf dem Vorsatzblatt, einem Lesebändchen sowie einigen Abbildungen. Nun, der Preis von ca. 60 Euro ist dem Herrscher angemessen.

Fazit:

Wer viel Zeit und Interesse für die Person Ludwig XIV. mitbringt, ist hier richtig. Gerne gebe ich dieser opulenten Biografie 4 Sterne.

Veröffentlicht am 04.01.2023

Eine gelungene Fortsetzung

James Bond: Mit der Absicht zu töten
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Dieses Buch ist der 41. offizielle James-Bond-Roman und der dritte von Anthony Horowitz. Zeitlich ist der Roman nach „Der Mann mit den goldenen Colt“ einzuordnen.

Der Leser wird in die Zeit des Kalten ...

Dieses Buch ist der 41. offizielle James-Bond-Roman und der dritte von Anthony Horowitz. Zeitlich ist der Roman nach „Der Mann mit den goldenen Colt“ einzuordnen.

Der Leser wird in die Zeit des Kalten Krieges, der Chruschtschow-Ära, zurückgeworfen. Eine Periode, die den meisten Lesern nur noch aus der Geschichte bekannt sein dürfte, aber für einen Spionage-Thriller einen vertrauten Hintergrund bildet.

Über den fesselnden Inhalt will ich gar nichts verraten.

Der Agenten-Thriller ist fesselnd wie alle JB-Bücher. Allerdings kommt ein Buch an die sehr aufwändig inszenierten Filmspektakel nicht heran. Es lässt aber dafür Spielraum für eigenes Kopfkino, bei dem man sich den Hauptdarsteller selbst aussuchen darf - Sean Connery oder Roger Moore? Die anderen Darstellen kommen hier nicht zum Zug, da viel zu modern.

Der Titel wandelt das klassische Bond-Thema „mit der Lizenz zu Töten“ ab.
Wieder mit dabei eine schöne Frau, deren Geheimnis sich erst im Laufe der Geschichte enthüllt.

Die vielen technischen Spielereien, die einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Bond-Filme haben, fehlen hier gänzlich. James Bond ist auf sich allein gestellt.

Fazit:

Klassische Spannungsliteratur aus der Zeit des Kalten Krieges, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 03.01.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Ein Schuss Whiskey
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Dieser Krimi ist nun der Abschluss von Carsten Sebastian Henns Trilogie rund um Hochprozentiges. Ich habe zuvor schon „Der Gin des Lebens“ und „Rum oder Ehre“ gelesen und war nun auf „Ein Schuss Whiskey“ ...

Dieser Krimi ist nun der Abschluss von Carsten Sebastian Henns Trilogie rund um Hochprozentiges. Ich habe zuvor schon „Der Gin des Lebens“ und „Rum oder Ehre“ gelesen und war nun auf „Ein Schuss Whiskey“ gespannt.

Leider hat mich dieser Ausflug nach Irland nicht ganz so gepackt.

Warum?

Janus Rosner, ein deutscher Autor, hat eine Sinn- und Schaffenskrise und glaubt diese durch einen Dublin-Aufenthalt zu bewältigen. In Dublin, so seine Schlussfolgerung haben schon trinkfeste Schriftstellergrößen wie James Joyce und Oscar Wilde zu Höchstleistungen gefunden.

Also begibt sich Janus auf eine Tour durch diverse Pubs und lässt sich, auf geistige Eingebung hoffend, volllaufen. Als er eines nachts beobachtet, wie eine junge Frau hingerichtet wird, meldet er den Mord an die irische Garda. Blöderweise weiß dort niemand etwas von einer Leiche und Janus beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei stößt er auf die „Drunken Poets Society“, eine Gruppe junger Literaten und Whiskey-Fans, die gleich ihm, auf der Suche nach dem Thema für einen ultimativen Bestseller sind.

Dazwischen erhalten wir noch Einblick in die Gedanken des Täters, denn einen Tag nach seiner Beobachtung wird wirklich eine junge Frau, die noch dazu Mitglied der königlichen Familie ist, getötet.

Meine Meinung:

Ich mag Krimis, die in mehreren Zeitebenen bzw. aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben sind. In diesem hier ist die Verschachtelung der Ebenen bzw. Perspektiven nicht ganz gelungen.

Es dauert gefühlt ewig, bis die eigentliche Handlung in Gang kommt. Mehrmals war ich in Versuchung, das Buch abzubrechen. Gerettet hat mich und das Buch nur, dass Wissenswertes über Whiskey erzählt worden ist. Als erklärter Whiskey-Fan kenne ich zwar die Grundzüge der Herstellung des uisge beatha, doch einige Details waren mir noch unbekannt.

Irgendwie ist die Geschichte unrund - anders kann ich es nicht beschreiben. So halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Garda so lasch in einem Mordfall ermittelt, in dem ein Mitglied der königlichen Familie betroffen ist. Selbst wenn wenig bis nichts an die Öffentlichkeit dringt, müsste die Polizei ein wenig mehr Elan an den Tag legen.

An einigen Stellen verzettelt sich der Autor in nebensächlichen Kleinigkeiten, die die Handlung genau gar nicht weiterbringen. Als Beispiel sei nur die SMS-Kommunikation von Janus mit seinem Vater, einem Kölner Ex-Polizisten, genannt. Völlig egal, ob da bei Tippen die Groß- und Kleinschreibung beachtet wird oder nicht.

Gefallen haben mir die Zitate berühmter irischer Schriftsteller zu Beginn jedes Kapitels und die Rezepte zu Mixgetränken und Speisen.

Das Cover passt gut zur Reihe. Das abgebildete Whiskeyglas passt gut zu Bourbon. Ich bevorzuge die Tulpenform für den irischen Whiskey.

Leider fehlt hier die durchgehende Spannung und an manchen Stellen ist die Konstruktion des Krimis deutlich sichtbar. Nicht falsch zu verstehen. Ein spannender Plot muss eine Struktur haben, doch sollte die für den Leser unsichtbar sein.

Fazit:

Wer hier einen spannenden Krimi erwartet, wird enttäuscht sein, daher nur knapp 3 Sterne.

Veröffentlicht am 01.01.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Die rätselhaften Honjin-Morde
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In seiner Hochzeitsnacht wird Kenzo, der älteste Sohn der bekannten und reichen Ichiyanagi-Familie gemeinsam mit seiner frisch angetrauten, aber nicht standesgemäßen Frau ermordet. Die Umstände sind allerdings ...

In seiner Hochzeitsnacht wird Kenzo, der älteste Sohn der bekannten und reichen Ichiyanagi-Familie gemeinsam mit seiner frisch angetrauten, aber nicht standesgemäßen Frau ermordet. Die Umstände sind allerdings höchst befremdlich: Zum einem konnte man einen lauten Schrei und eine seltsame Melodie hören und zum anderen liegt das tote Ehepaar in einem fest verschlossenen Raum.

Kann der Fremde mit den drei Fingern, der seit einiger Zeit in Okamura herumschleicht und nach dem Haus der Familie Ichiyanagi gefragt hat, der Mörder sein? Wenn ja, warum? Um Klarheit zu gewinnen, engagiert Onkel der ermordeten Braut den jungen Detektiv Kosuke Kindaichi.

Meine Meinung:

"Die rätselhaften Honjin-Morde" ist ein 1946 von des 1981 verstorbenen japanischen Autors Seishi Yokomizo veröffentlichter historischer Kriminalroman, der im Jahr 1937 spielt.

Yokomizo ist ein Vertreter des „Closed room murder mystery“-Kriminalromans, also jener Unterordnung des Genres, bei dem nicht Opfer oder Täter im Mittelpunkt stehen, sondern die Durchführung der Tat, die auf den ersten (und zweiten) Blick undurchführbar erscheint.

Seishi Yokomizo wird gerne mit britischen Krimiautoren wie Agatha Christie oder Arthur Conan Doyle und deren Detektiven verglichen, die mit Köpfchen und Kombinationsgabe ihre kniffligen Fälle lösen.

Der junge Detektiv Kosuke Kindaichi kommt, im Gegensatz zu den saturierten Ermittlern aus Europa, ziemlich arrogant daher. Er weiß eben, was er kann. Für die Leser wirkt er unnahbar, was vermutlich daran liegt, dass man wenig über ihn erfährt. So kann man als Leser seinen Gedanken und den Schlüssen daraus nicht immer ganz folgen.

Der Schreibstil selbst ist ungewohnt, denn die Leser erhalten den Mord wie einen Krimi nacherzählt. Dennoch ist diese Erzählweise spannend, denn hier erhalten wir Einblick in japanische Traditionen und Gepflogenheiten.

Der Autor legt zahlreiche falsche Spuren und recht schnell ist klar, dass der Mann, nur mehr drei Finger hat und deshalb so auffällig ist, keinesfalls der Mörder sein kann.

Fazit:

Ein Einblick in die Welt der japanischen Krimis, der mich nicht ganz überzeugt hat, daher nur 3 Sterne.