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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2022

Ein gelungenes Debüt

Ginsterhöhe
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Dieser historische Roman, der auf der Geschichte eines real existierenden Dorfes in der Eifel basiert, ist das Debüt der Autorin Anna-Maria Caspari und Teil einer Trilogie.

Der Bauer Albert Lintermann ...

Dieser historische Roman, der auf der Geschichte eines real existierenden Dorfes in der Eifel basiert, ist das Debüt der Autorin Anna-Maria Caspari und Teil einer Trilogie.

Der Bauer Albert Lintermann kehrt aus dem Großen Krieg, wie man den Ersten Weltkrieg damals genannt hat, zerstört an Körper und Seele zurück. Eine Granate hat nicht nur seinen Freund Hennes getötet sondern auch seine linke Gesichtshälfte zerstört.

Nichts ist mehr so wie vor dem Krieg: Sowohl von den Dorfbewohnern als auch von seiner Frau Bertha, die sich regelrecht vor ihm ekelt, erfährt er Zurückweisung. Erst als er, nach der Geburt seiner Tochter Annemarie, mehrerer Operationen unterzieht, wird das Verhältnis - zumindest für eine gewisse Zeit - wieder besser.

Doch der Friede währt nicht lange. Die Lage der Eifel an der Grenze zu Belgien und Luxemburg, die Weltwirtschaftskrise und die damit verbundene Not, lassen neue Herausforderungen und Unheil in Form von „braunen Wolken“ am Horizont aufziehen.

Meine Meinung:

Anna-Maria Caspari zeichnet in diesem historischen Roman das Bild eines deutschen Dorfes. Sie lässt uns an den Veränderungen der Personen und deren Umfeld teilhaben.

Das Buch besticht durch seinen Erzählstil, in dem historische Ereignisse unaufgeregt in die Handlung und die Dialoge eingebettet sind. So mag ich das!
Ungeschönt spricht die Autorin das kollektive Trauma der Kriegsverletzungen an. Anders als in Frankreich, wo vor allem Versehrten mit Gesichtsverletzungen von Staat bestmöglich versorgt werden und als Helden gelten, wendet man sich in Deutschland angewidert von ihnen ab. Sie erinnern ja an die Niederlage im Krieg.

Auch der aufkeimende Nationalsozialismus, der letztendlich (fast) alle erfasst, und dem vor allem die Jungen erliegen, ist anschaulich dargestellt. Nur ganz wenige, wie Albert, Silvio oder Lene, durchschauen das Regime, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven.

Ich bin schon auf den nächsten Teil der Trilogie gespannt, der unter dem Titel „Perlenbach“ demnächst erscheinen wird.

Fazit:

Dieser historische Roman ist ein gelungenes Debüt, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 31.12.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Irisblütenmord
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Dieses Debüt von Julian Biberger hat es in sich.

Recht bald ist die Leserschaft mit einem grauslichen Mord konfrontiert, ja, sie ist quasi live dabei. Das Ermittlerduo Marc Steingruber und Clara Meißner ...

Dieses Debüt von Julian Biberger hat es in sich.

Recht bald ist die Leserschaft mit einem grauslichen Mord konfrontiert, ja, sie ist quasi live dabei. Das Ermittlerduo Marc Steingruber und Clara Meißner sind mit der Aufklärung vollauf beschäftigt. Da bleibt wenig Platz für ein Privatleben. Noch bevor die Ermittlungen einen nennenswerten Erfolg zeigen, gibt es eine zweite Leiche und ein Ende der Serie scheint nicht absehbar.

Seltsam ist, dass bei jedem Mordopfer eine getrocknete Irisblüte zu finden ist. Was will der Mörder damit sagen?

Meine Meinung:

Ich lese sehr gerne Krimis, die rund um den Bodensee spielen, denn das Schwäbische Meer bietet so allerlei Geheimnisse und Sagen.

Das Cover ist eine echte Wucht! Es zeigt das Schloss Monfort in Langenargen. Die Farbe lila (violett) gilt in der Psychologie als Farbe der Demut und Buße sowie der Selbstbesinnung. Diese Interpretation passt perfekt zu den Mordopfern, die weder Demut noch Selbstbesinnung kennen - da bleibt nur die Buße.

Der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, was vermutlich am Alter des Autors liegt (geb. 1989). Die Einschübe im schwäbischen Dialekt sind einen Hauch zu viel. Jene Leser, die aus anderen Regionen Deutschlands bzw. Österreichs kommen, müssen diese Textstellen vermutlich laut lesen, damit es wieder passt.

Die historischen Einschübe in das 17. Jahrhundert machen den Krimi sehr spannend, da zu Beginn unklar ist, welche Bedeutung sie in der Gegenwart haben.

Als passionierte und geübte Krimileserin hatte ich recht bald eine Idee, wer und was hinter den Mordfällen steckt. Die Auflösung hat mir recht gegeben.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimidebüt 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.12.2022

Leider nichts für mich

Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur Lipaire (Die Unverbesserlichen 1)
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Der Beschreibung nach habe ich hier eine spritzige Gaunerkomödie erwartet. Doch leider bin ich hier ziemlich enttäuscht worden. Mit dem Klamauk und dem eigenartigen Humor à la Louis de Funès, den ich schon ...

Der Beschreibung nach habe ich hier eine spritzige Gaunerkomödie erwartet. Doch leider bin ich hier ziemlich enttäuscht worden. Mit dem Klamauk und dem eigenartigen Humor à la Louis de Funès, den ich schon als Kind nicht ausstehen konnte, bin ich nicht zurecht gekommen.

Weder finde ich die Handlung spritzig noch sind mir die Charaktere sympathisch. Das gilt vor allem für den Guilliaume Lipaire, der eigentlich ein Deutscher namens Wilhelm Liebherr ist, und als Hausmeister einer Ferienhaussiedlung die Häuser illegal untervermietet, sich an Speis und Trank der Bewohner bedient und auch sonst allerlei windige Geschäfte betreibt. Sein Compagnon ist Karim, der ziemlich dämlich dargestellt wird, und sich ständig von Monsieur Lipaire schulmeistern lassen muss. Beide sind mir in ihrer trotteligen Art ziemlich auf die Nerven gegangen.

Die Handlung habe ich auch nicht wirklich spannend gefunden.

Fazit:

Nein, das wird wohl das einzige Buch dieses Autoren-Duos bleiben - egal ob Allgäu oder Côte d’Azur. Leider reicht es nur für 2 Sterne.

Veröffentlicht am 28.12.2022

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Blüte der Zeit
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Sabine Weiß entführt uns mit ihrem neuesten Roman „Blüte der Zeit“ in das 17. Jahrhundert. Wie wir es von der Autorin gewöhnt sind, erzählt sie auf spannende Weise und opulente zum einen vom Kriegsgeschehen ...

Sabine Weiß entführt uns mit ihrem neuesten Roman „Blüte der Zeit“ in das 17. Jahrhundert. Wie wir es von der Autorin gewöhnt sind, erzählt sie auf spannende Weise und opulente zum einen vom Kriegsgeschehen in Europa und zu anderen von wunderschönen Lustgärten und botanischen Schönheiten.

Der Dreißigjährige Krieg hat mit dem Westfälischen Frieden vor rund zwanzig Jahren sein Ende gefunden. Dennoch brechen mit dem englisch-niederländischen Krieg und den Begehrlichkeiten des französischen Königs Ludwig XIV. die nächsten Konflikte aus. Innenpolitisch sind die Niederlande zerrissen. Die Verurteilung von Johann de Witt und seinem Bruder wegen Hochverrats, lösen gemischte Gefühle bei den Bürgern aus.

In diesem Spannungsfeld der Politik dürfen wir Max, den Sohn eines Lustgärtners, und seine Mutter Debora sowie seine Geschwister begleiten. Nicht nur, dass der Krieg die Familie (der Vater wurde von marodierenden Soldaten ermordet) an den Bettelstab bringt, gibt es noch eine Familienfehde zwischen Debora und ihrer Schwester Hester.

Mit viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen schafft es die Familie, sich ihren Platz in der Gesellschaft zu erarbeiten.

Meine Meinung:

Sabine Weiß hat wie schon in ihren anderen historischen Romanen viel Zeit und Arbeit in die Recherche gesteckt. Um es den Lesern einfacher zu machen, gibt es zu Beginn ein Verzeichnis, in dem die historisch belegten und die fiktiven
Personen aufgelistet sind.

Dem kriegerischen Teil stellt Sabine Weiß den schöngeistigen Handlungsstrang der barocken Lustgärten gegenüber. Nicht, dass hier alles gemütlich und konfliktfrei abläuft, ist die Beschäftigung mit dem Formschnitt der Bäume, das Komponieren von Blumenbeeten und Anlegen von Wasserspielen eine hohe Kunst.

Ich verfolge seit Jahren die Wiedererrichtung des barocken Gartens von Schloss Hof in Niederösterreich. Ein Lustschloss von Prinz Eugen, das später in Besitz von Maria Theresia gelangt ist. Schloss Hof verfügt über sieben Kaskaden in Terrassen angelegte Wasserspiele. Bei einer Führung während der Bauphase der Großen Kaskade konnten wir die technischen Details aus dem Barock kennenlernen. Den Grottenbauern und Gärtnern gehört hier meine Bewunderung.

Spannend finde ich ja die Geschichte der Niederlande. Die bürgerlichen Provinzen der Niederlande wehren sich Jahrzehnte - wie hier im Roman beschrieben - gegen einen König und bleiben bis 1806, unter verschiedenen Namen, eine Republik. Erst Napoleon I. macht aus der Batavischen Republik das Königreich Holland. Eine Monarchie bleiben die Niederlande (in unterschiedlicher Ausdehnung) nach dem Wiener Kongress von 1814/15 bis heute.

Fazit:

Wer einen penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman aus dem 17. Jahrhundert lesen will, ist hier goldrichtig. Gerne gebe ich für dieses Werk 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.12.2022

Mord bleibt Mord

Die Verbrechen der anderen
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Es ist ein kalter Tag im Februar des Jahres 1990 als ein ehemaliger Grenzsoldat, der einem Schießbefehl gehorcht hat, von seiner Mutter vermisst gemeldet wird. Doch niemand nimmt die Sorge der Mutter ernst. ...

Es ist ein kalter Tag im Februar des Jahres 1990 als ein ehemaliger Grenzsoldat, der einem Schießbefehl gehorcht hat, von seiner Mutter vermisst gemeldet wird. Doch niemand nimmt die Sorge der Mutter ernst. Er wird sich in den Westen aufgemacht haben, wie so viele Tausende andere, ist die Meinung der Polizei. Kommissar Tobias Falck, des KDD Ost-West, verspricht sich umzuhören. Doch bevor er zu einem Ergebnis kommt, werden Falck, Edgar Schmidt und Stefanie Bach in die Galerie der Alten Meister gerufen. Ein wertvolles Gemälde ist durch eine Fälschung ersetzt worden. Ein Delikt, in dem sich die Kollegen des KDD nicht wirklich auskennen. Mord und Totschlag ist ihr Revier, aber Kunst?

Wenig später wird dann ein als Kunstfälscher bekannter Maler ermordet. Gehört der Kunstraub zu den (nicht ganz so) geheimen staatlich sanktionierten Kunstrauben der ehemalige DDR, um Devisen ins Land zu bringen?

Und was hat Sybille Suderberg, suspendierte Kommissarin aus Westdeutschland, die nun in Dresden als selbstständige Privatermittlerin arbeitet, mit der Sache zu tun? Oder steckt Edgar Schmidt mit der Stasi unter einer Decke?

Als dann die Ermittlungen entgleiten, müssen Tobias Falck und seine Kollegen des KDD in die ihnen unbekannte und suspekte BRD reisen. Und das ausgerechnet am Rosenmontag nach Köln.

Meine Meinung:

Dieser zweite Krimi, rund um den Kriminaldauerdienst Ost-West hat mich diesmal nicht so ganz begeistert. Warum?

Jeder der beiden Handlungsstränge wäre für mein Empfinden ein eigenes Buch wert. Vor allem die Geschichte rund um den ehemaligen Grenzsoldaten, der einen sogenannten Republikflüchtig erschossen hat, hätte durchaus großes Potenzial gehabt. Das ist leider in der ebenso fesselnden Kunstraub- bzw. Kunstfälscher-Geschichte ein wenig untergegangen.

Kurzfristig habe ich ja Edgar Schmidt in Verdacht gehabt, ein falsches Spiel zu spielen.

Was mir so gar nicht gefallen hat: Frank Goldammer lässt seine Ermittler ein wenig dämlich aussehen. Er hetzt sie durch die Stadt, die Waffen werden ihnen abgenommen etc.. Mag schon sein, dass sich Tobias Falck das eine oder andere Mal nicht gar so professionell verhält, weil er seine privaten Zores nicht ganz im Griff hat.

Die alte Ordnung ist passé, aber die neue hat sich noch nicht etabliert, dabei bleibt Mord immer Mord. Egal unter welcher Regierung. wie Tobias Falck feststellt.

Sehr beklemmend finde ich die Beschreibung der Stimmung der ehemaligen DDR-Bürger. Jeder, auch die Ermittler, haben eine mehr oder weniger diffuse Angst vor den Enthüllungen der Stasi-Akten. Da wenig Substantielles bekannt ist, sind Gerüchten Tür und Tor geöffnet. Ein großer Teil der Bevölkerung glaubt, dass ehemalige Zuträger nun von der Stasi ermordet werden sollen, um lästige Mitwisser zu beseitigen. Dieses Klima des Misstrauens und der Angst hat Autor Frank Goldammer, selbst Dresdner, sehr gut beschrieben. Für mich als Wienerin ist diese Stimmung kaum vorstellbar.

Was mich auch irritiert, ist die Beschreibung der Wohnverhältnisse: Ja, die Plattenbauten gewinnen keinen Schönheitspreis, musste doch nach 1945 schnell Wohnraum für die Menschen sowohl im Osten und im Westen geschaffen werden. Auch in Wien gibt es solche hässlichen Wohnbauten. Aber, dass die Gebäude in Dresden so desolat sind, erschreckt mich schon ein wenig. Ich war im Oktober in Dresden und habe mich über die rege Bautätigkeit gewundert. Sehr viele der Plattenbauten aus der DDR-Zeit sind modernen Wohnhäusern gewichen.

Fazit:

Diesen Krimi, der mir nicht ganz so gut gefällt wie die anderen Bücher von Frank Goldammer, bewerte ich mit 4 Sternen.