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Veröffentlicht am 11.02.2023

Horvath ermittelt diesmal in eigener Sache

Horvath auf der Flucht
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„Horvath auf der Flucht: Des Lehrers dritter Fall“ ist die Fortsetzung der humorvollen Krimi-Reihe von Autor Marc Hofmann. Diesmal muss der sympathische wie kauzige Deutsch- und Geschichtelehrer des Freiburger ...

„Horvath auf der Flucht: Des Lehrers dritter Fall“ ist die Fortsetzung der humorvollen Krimi-Reihe von Autor Marc Hofmann. Diesmal muss der sympathische wie kauzige Deutsch- und Geschichtelehrer des Freiburger Gymnasiums Gregor Horvath in eigener Sache ermitteln, denn er findet den Orthopäden Dr. Stiehler erschlagen in der Praxis. Blöderweise hat der Vater zweier missratener Schüler einen Prozess gegen Horvath angestrebt. Somit ist der Lehrer dringend tatverdächtig, hat er doch die Möglichkeit und ein Motiv.

Ausgerechnet Kommissar Masic, der Intimfeind seines Zwillingsbruders Martin, der wie man aus den Vorgängern weiß ebenfalls Kriminalbeamter ist, führt die Ermittlungen und schießt sich, natürlich um Martin Horvath ans Bein zu pinkeln, auf Gregor als Mörder ein. Nur beweisen kann er es (noch) nicht.

Horvath hat aber noch an anderen Fronten zu kämpfen: Die Schulen haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen und es muss mittels Distance Learning unterrichtet werden, was ihm gar nicht leicht fällt. Handy, Moodle, TikTok & Co könn(t)en ihm weiterhin gestohlen bleiben. Lieber zitiert er seine Lieblingsschriftsteller.

Im Moment allerdings fühlt er sich wie einst Josef K. in Franz Kafkas Werk „Der Prozess“. Da Horvath nicht willens ist, für eine Tat, die er nicht begangen hat, vor Gericht zu stehen, beginnt er mithilfe einiger Schüler, zu ermitteln. Unerwartete Unterstützung erhält er von Stiehlers Witwe, die ihm ein Notizbuch ihres Mannes übergibt.

Meine Meinung:

Auch der dritte Fall für Gregor „Pauker“ Horvath ist flüssig und locker geschrieben. Man kann sich den Deutsch-Lehrer, der eher konservativ, aber dennoch unkonventionell ist, recht gut vorstellen. Dieser vermeintliche Widerspruch führt zu humorvollen Szenen. Horvath ist ein Lehrer, den man vermutlich mit der Lupe suchen muss. Er geht auf seine Schüler ein. Schrullig seine seine Angewohnheiten, jedes Gegenüber zu korrekter Grammatik zu bekehren, sowie ständig ein passendes Zitat auf den Lippen zu haben. Ähnlich wie sein liebster Krimi-Held Hercule Poirot bedient er sich allerlei Gedankenspielereien.

Autor Marc Hofmann weiß, worüber er schreibt, ist er doch im Brotberuf selbst Lehrer an einem Freiburger Gymnasium. Sein trockener Humor, mit dem er das Chaos des Schulalltags während der Corona-Pandemie beschreibt, hat mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.

Das orangerote Cover passt zu den beiden Vorgängern (knallgelb und giftgrün) und hat mit der Brille einen hohen Wiedererkennungswert.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem dritten, sehr persönlichen Fall 4 Sterne.

Veröffentlicht am 10.02.2023

Ein penibel recherchierter hist. Roman

Die Herrin der Farben
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Autor Peter Dempf entführt uns in diesem historischen Roman in das Augsburg des 18. Jahrhunderts.

Anna Barbara Koppmair ist die Tochter eines Goldschlägers und wächst neben dem Formenschneiderbetrieb ...

Autor Peter Dempf entführt uns in diesem historischen Roman in das Augsburg des 18. Jahrhunderts.

Anna Barbara Koppmair ist die Tochter eines Goldschlägers und wächst neben dem Formenschneiderbetrieb der Familie Gignoux auf. In der Augsburger Textilbranche haben die beiden Gewerke immer wieder Berührungspunkte, sodass die wissbegierige Anna Barbara ihre Zeit mit Johann Friedrich Gignoux verbringt, um mit den Farben für die Textilfärberei zu experimentieren. Dabei gelingen ihr einige Rezepturen, die Farben mit besonderer Leuchtkraft und Haltbarkeit hervorbringen.

Nach Johann Friedrichs Walz wird geheiratet und die beiden bauen, unter äußerster Auslegung der Zunftregeln eine Kattunfärberei auf. Das Unternehmen floriert. Nach nur wenigen gemeinsamen Jahren stirbt Johann Friedrich an einer Lungenkrankheit, die durch die giftigen Dämpfe beim Farbenmischen hervorgerufen worden ist.

Obwohl das Testament Anna Barbara bis zur Volljährigkeit des Sohnes als Betriebsleiterin vorsieht, ficht der Zunftmeister Anna Barbaras Position an. Absprachen werden nicht mehr eingehalten, denn Frauen sind keine Vertragspartner. Natürlich spielt hier der Neid auf die geschäftstüchtige Witwe eine große Rolle. Man beginnt Intrigen zu spinnen, in denen sich Anna Barbara verheddert und letztlich mit Georg Christoph Gleich, einen Mann heiratet, der sie nicht nut über sein eigenes (nicht vorhandenes) Vermögen täuscht, sondern sich das Unternehmen Gignoux unter den Nagel reißen will. Allerdings hat er nicht mit der Zähigkeit von Anna Barbara gerechnet. Um den Betrieb für ihren Sohn zu retten, beschreitet sie ungewöhnliche Wege ...

Meine Meinung:

Peter Dempf, der den eigenen Worten nach, „immer neugierig und wissen wollend, woher Gebäude stammen und wer die Menschen auf Bildern und Gemälden waren, was die Schriften auf Wänden und Steinen bedeuteten, wie und was die Menschen ehedem bewegt haben“, Geschichte studiert hat, hat mir diesem historischen Roman einer starken Frau ein Denkmal gesetzt. Denn Anna Barbara Gignoux, geborene Koppmair (1725-1796) ist eine fortschrittlich denkende Frau, die es mit dem verkrusteten Denken der Zünfte aufnimmt. Dabei denkt die Unternehmerin nicht ausschließlich an Gewinnmaximierung, sondern zeigt auch soziales Gewissen. erst als sie ihren Betrieb beinahe verliert, rückt ihre Anteilnahme an der Belegschaft, die vorrangig aus Frauen und Kindern besteht, in den Hintergrund.

Wir erfahren einiges über die strenge Zunftordnung, die noch aus dem Mittelalter stammt und für damalige Manufakturen geschaffen wurde und längst nicht mehr zeitgemäß ist. Vieles davon ist mir bekannt. Nicht gewusst habe ich, dass gerade in Augsburg die „Gerechtigkeiten“ (also die Betriebsgenehmigungen) streng paritätisch, nach Religionszugehörigkeit vergeben wurden: Je acht für Protestanten und Katholiken. Das gefällt mir an Peter Dempfs Romanen. Wir Leser bekommen Geschichtsunterricht, ohne es zu bemerken. Die historischen Zahlen, Daten und Fakten werden subtil in die Handlung eingebaut.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman rund um Anna Barbara Gignoux 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 10.02.2023

Ein penibel recherchierter hist. Roman

Das Haus der Perlen – Schimmern der Hoffnung
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In diesem historischen Roman, der Auftakt zu einer Trilogie ist, begeben wir uns auf die Spuren des Münchener Juwelier und Goldschmieds Carl Thomass.

Man schreibt das Jahr 1844 und die 21-jährige Marie ...

In diesem historischen Roman, der Auftakt zu einer Trilogie ist, begeben wir uns auf die Spuren des Münchener Juwelier und Goldschmieds Carl Thomass.

Man schreibt das Jahr 1844 und die 21-jährige Marie Thomass, die von ihrer Mutter ein Paar Ohrringe mit heimischen Flussperlen geerbt hat, kommt mit ihrem Bruder Carl, der eine Lehrstelle beim Goldschmied Neustätter antreten soll, nach München. Mehr als zufällig erhält sie bei Neustätter eine Anstellung als Schmuckverkäuferin, die sie zu den Perlenfischern ins Vogtland bringt. Dort lernt sie den attraktiven Moritz kennen, der letztlich den väterlichen Betrieb verlässt, da er als zweitgeborener Sohn keine Chance hat, das Unternehmen zu übernehmen. Das steht, seit Generationen, dem jeweils Erstgeborenen zu, auch wenn der kein Interesse oder Können dafür hat. So will es die Tradition der Perlenfischer.

Doch bis aus dem Goldschmied Neustätter das „Haus der Perlen“ wird, müssen Marie und Moritz noch einige Turbulenzen des Lebens hinnehmen.

Meine Meinung:

Hinter dem Autorennamen Charlotte Jacobi steht das Autorm-Duo Eva-Maria Bast und Jørn Precht. Die beiden haben sich auf die Spuren des Hofjuweliers und Goldschmieds Carl Thomass geheftet, dessen Geschäft auch heute noch am Münchner Marienplatz floriert. Von der Familie Thomass lebt niemand mehr, aber die jetzigen Eigentümer Werner und Sybille Blessing führen ihr Geschäft mit Leidenschaft weiter. Sie verbinden in ihren Kreationen traditionelle Handwerkskunst mit moderner Sachlichkeit - ganz im Sinne der (fiktiven) Marie Thomass.

Während in Sabine Weiß‘ Roman „Die Perlenfischerin“ die Tradition des Perlenfischens in den Mittelpunkt gestellt wird, bildet die Perlenfischerei hier, neben der Goldschmiedekunst, einen zweiten, gleichwertigen Handlungsstrang. Wir erfahren wie die Flussperlen leben, welche Gefahren ihre Bestände bereits um 1850 ausgesetzt waren und wie sie geerntet wurden.

Der Erzählstrang rund um die Goldschmiede Neustätter gibt einen Einblick in das Zunftwesen, das nach wie vor, strenge Auflagen für die Betriebe vorgibt. Besonders Frauen sind davon betroffen, denn die dürfen keine Geschäfte unter ihrem eigenen Namen und auf eigene Rechnung betreiben, auch wenn sie geschäftstüchtiger und/oder kreativer als die Männer sind. Als Witwe dürfen sie das Geschäft unter dem Namen des verstorbenen Ehemanns fortführen.

Wie schon in den anderen historischen Romanen des Autoren-Duos sind die Zahlen, Daten und Fakten, die der Geschichte zugrunde liegen, sehr gut recherchiert. Wir erhalten auch einen Einblick in die Turbulenzen rund um das Jahr 1848, als mehrere Revolutionen Mitteleuropa erschüttern.

Der Schreibstil ist flüssig und farbenprächtig, sodass sich die Leser die damaligen Ereignisse gut vorstellen können.

Ich freue mich schon auf die beiden Fortsetzungen, die demnächst erscheinen werden.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.02.2023

1923 - Ein Jahr des Umbruchs

1923
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Das Jahr 1923 ist durch eine Vielzahl von politischen Konflikten, national bzw. bilateral, geprägt. Für viele Menschen ist das Jahr die Endstation ihres bisherigen Lebens.

Es beginnt mit einem Knalleffekt: ...

Das Jahr 1923 ist durch eine Vielzahl von politischen Konflikten, national bzw. bilateral, geprägt. Für viele Menschen ist das Jahr die Endstation ihres bisherigen Lebens.

Es beginnt mit einem Knalleffekt: Französische und belgische Truppen besetzen Anfang Jänner das Ruhrgebiet, da man den Reparationszahlungen an Frankreich nicht nachkommen will und kann. Unterschiedliche politische Gruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Anstatt den Ernst der Lage zu begreifen und gemeinsam eine Lösung herbeizuführen, wird versucht, durch Gewalt die eine oder andere Gruppe an die Macht zu bringen.

Während der Großteil der Bevölkerung arbeitslos ist und hungert, frönt eine Minderheit dem Luxus. Es wird geprasst, als gäbe es kein Morgen. Man tanzt die Nächte durch, nimmt Drogen wie die Tänzerin Anita Berger. Das Filmgeschäft boomt, damit Menschen wenigstens für ein paar Stunden ihr Elend vergessen können.

Männer kämpfen mit ihren Fäusten, um zu überleben, Frauen setzen ihre ganzen Körper ein.

Neben Berlin ist auch München ein Zentrum dieses Rückblicks, in dem Autor Peter Süß zahlreiche Ereignisse wie in einem Kalendarium nach Monaten geordnet, aufzählt. Neben Berichten über die knallharte Wirklichkeit erzählt das Buch auch Anekdoten und blickt in die Wohnungen (noch nicht) bekannter Künstler. Wir dürfen der Familie Mann, Franz Kafka, Bert Brecht, Lotte Lenya sowie Oskar Kokoschka begegnen. Die einen vermögend, die anderen von der Hand in den Mund lebend.

Den Titel finde ich interessant, denn normalerweise heißt es ja „Endstation, alles Aussteigen“.

Fazit:

Diesem Rück- und Überblick in/auf das Jahr 1923 gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 10.02.2023

Fesselnd und mysteriös bis zur letzten Seite

Dämonen der Speicherstadt
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Üblicherweise habe ich es ja nicht so sehr mit Dämonen und Urban Fantasy, da ich mich als Technikerin an Fakten halte, aber dieses Buch aus dem Hause Emons habe ich verschlungen.

Worum geht’s?

Im großen ...

Üblicherweise habe ich es ja nicht so sehr mit Dämonen und Urban Fantasy, da ich mich als Technikerin an Fakten halte, aber dieses Buch aus dem Hause Emons habe ich verschlungen.

Worum geht’s?

Im großen und ganzen um den ewigen Kampf „gut gegen böse“. Allerdings bietet Autorin Heike Denzau hier alle ihr Können auf, um die Leser in eine spannende, mystische und erotisch knisternde Geschichte zu entführen.

Zunächst begegnen wir im Prolog der kleinen Rahel, die im Waisenhaus lebt und Dinge sieht, die anderen verborgen bleiben. Die kleinen blauen Flammen, zum Beispiel, die sich in der Auslage von Mr. Minhs Trödelladen zeigen. Sie wird nicht ernst genommen und als Spinnerin verspottet. Umso überraschter ist später die erwachsene Rahel, als sie einige Gegenstände als Vermächtnis von Mr. Minh erhält.

Dann schwenkt die Story auf die erwachsene Rahel, die nun Kommissarin bei der Hamburger Polizei ist. In ihrem aktuellen Fall wird sie mit unerklärlichen Phänomenen konfrontiert. Sie wird für eine Spezialeinheit der Polizei rekrutiert, die sich als Dämonenjäger entpuppt. Diese Truppe arbeitet im Verborgenen und besteht aus verschiedenen höchst eigenwilligen Persönlichkeiten, unter anderem dem Zwillingspaar Lukrezius und Soleria, das nicht ganz von dieser Welt zu stammen scheint. Wie sehr, lest bitte selbst ...

Meine Meinung:

Dass manche Menschen besonder Begabungen haben und Dinge sehen können und andere nicht, ist nicht ganz außergewöhnlich.

Faszinierend ist, wie Heike Denzau, die ich als Schöpferin von Lyn Harms und Raphael Freersen kenne, nun diesem ewigen Kampf „gut gegen böse“ aufnimmt.

Der Schreibstil ist fesselnd und lässt bei den Lesern die Gänsehaut aufziehen. Doch die Härchen krümmen sich nicht nur wegen der Verbrechen, sondern auch wegen der starken erotischen Anziehung, die von Lukrezius ausgeht und der sich Rahel nicht entziehen kann.

Ziemlich nervenaufreibend ist der Einblick in die Familie Hathor, bei der nicht nur ein Familienmitglied von einem Dämon besessen scheint. Doch wer will der Familie ihre Dysfunktionalität verdenken? Nach einem schweren Autounfall, bei dem Vater, Mutter und der Sohn schwerst verletzt wurden, und den nur die kleinen Töchter körperlich nahezu unbeschadet überlebt haben, und nun nichts mehr so ist wie vorher.

Nachdem noch einige Fragen, wie etwa die Herkunft von Rahel oder die Zukunft des Zwillingspaares offen sind, gehe ich von einer Fortsetzung aus. Jedenfalls ist der Einstieg des Emons-Verlages in das Mystery/Urban Fantasy-Genre gut gelungen. Wahrscheinlich werden sich eingefleischte Fans von historischen und regionalen Krimis nicht mit dieser Art Krimis auseinandersetzen wollen, doch kann der Verlag seine Angebotspalette ein wenig erweitern.

Fazit:

Diesem aufregenden, mysteriösen und fantastischen Krimi gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung!