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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2022

Albtraum Weihnachten

O Tannengrauen
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In dieser historischen Krimi-Anthologie hat Sebastian Zach 12 weihnachtliche Geschichten aus Deutschland und Österreich gesammelt.

In manchen Kurzkrimis lacht unverhohlen das Böse hinter dem ach so friedvollen ...

In dieser historischen Krimi-Anthologie hat Sebastian Zach 12 weihnachtliche Geschichten aus Deutschland und Österreich gesammelt.

In manchen Kurzkrimis lacht unverhohlen das Böse hinter dem ach so friedvollen Weihnachtsgetue hervor. Sei es, dass Ehepartner sich zum letzten Weihnachtsfest zusammensetzen, jeder fest entschlossen, den anderen mit einem prachtvollen Geschenk umzubringen, oder sei es, dass böse Taten der Vergangenheit ausgerechnet zu Weihnachten gesühnt werden (müssen).

Mit dem für ihn eigenen schwarzen Humor zeigt uns Sebastian Zach, dass das Fest der Liebe immer wieder auch ein Fest des Mordes sein kann.

Daneben gibt es auch ein paar Geschichten, in denen griesgrämige, vom Schicksal gebeutelte Menschen auf noch ärmere treffen und denen (und damit auch sich selbst) einen Funken Herzenswärme schenken.

Jeder der zwölf Geschichten ist ein Weihnachtslied oder Gedicht vorangestellt.

Fazit:

Zwölf teils besinnliche teils bösartige Weihnachtsgeschichten, denen ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 30.11.2022

Ein gelungener Reihenauftakt

Mord und Limoncello
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Das Abendessen, das Charlotte und Jens Stutz anlässlich ihres 20. Hochzeitstages im Luxushotel Bianchi am Gardasee einnehmen, endet ganz anders als geplant: Jens, ein äußerst korrekter, um nicht zu sagen ...

Das Abendessen, das Charlotte und Jens Stutz anlässlich ihres 20. Hochzeitstages im Luxushotel Bianchi am Gardasee einnehmen, endet ganz anders als geplant: Jens, ein äußerst korrekter, um nicht zu sagen pingeliger, Kriminalbeamter liegt erschossen im Keller des Hotels.

Charlotte muss erkennen, dass der Aufenthalt in Limone nicht ausschließlich einem Urlaub gedient hat, sondern einer geheimnisvollen Recherche.

Ist Jens hier jemandem zu nahe gekommen? Nicht nur Charlotte stellt sich diese Frage, sondern auch Commissario Fabio Angelotti, der von den grünen Augen der Witwe hingerissen ist ...

Meine Meinung:

Ich habe schon einige Krimis gelesen, die rund um den Gardasee spielen. Dieser hier hat mir am besten gefallen. Zwar ist es nicht ganz glaubwürdig, dass sich der Commissario und die Witwe über die Ergebnisse der Ermittlungen austauschen, aber es ist ja nur ein Kriminalroman.

Die Figuren sind sehr gut angelegt. Man kann sogar dem Täter nicht wirklich böse sein.
Der Schreibstil ist locker und leicht, so wie es sich für einen Urlaubskrimi gehört. Hin und wieder blitzt ein wenig schwarze Humor durch:

Am nächsten Tag probiert Charlotte in einer Boutique ein schwarzes Kleid, weil sie ja nur bunte Kleidung im Urlaubskoffer hat. Die Verläuferin berät und meint:

„Si Signora, die Form ist gut für Sie. Ist Kleid für Frau mit bella figura, aber Schwarz? Nein wirklich“ Sie sind eine Frau, die Farbe braucht. Frohe Farben. Da ihre Bluse, die ist gut.“

„Aber ich bin Witwe“ Nun hatte sie das schreckliche Wort wirklich gesagt. „Ich kann nicht herumlaufen wie ein Papagei“

Oh, sie sind so jung! Wie lange schon?“

„Seit gestern Abend gegen 22 Uhr“

Gut gefällt mir, das der Commissario kein Macho ist, sondern seine junge Kollegin fördert. Außerdem mag ich es, wenn historische Tatsachen und/oder Ereignisse in einen Krimi eingeflochten sind, die Auswirkungen in die Gegenwart haben.

Wir erfahren auch einiges aus Angelottis Privatleben, das nach einer Enttäuschung wenig Aufregendes zu bieten hat. Schmunzeln musste ich auch, als der Commissario seiner ehemaligen Lehrerin einen Besuch abgestattet hat und sich dabei wieder in seine Schulzeit zurückversetzt gefühlt hat.

Ein krönender Abschluss ist das Rezept von Mamma Angelottis Spaghetti Carbonara.

Fazit:

Ein gelungener Reihenauftakt in schöner Umgebung, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 30.11.2022

Opium fürs Volk

Blutiger Schnee
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Opium fürs Volk

Dieser dritte Teil der Geschichte rund um die Verbrecherbande der Brüder Sass führt uns in das Jahr 1925. Die Familie der Kleinkriminellen hat es geschafft: Sie haben sich mit ihrer Organisation ...

Opium fürs Volk

Dieser dritte Teil der Geschichte rund um die Verbrecherbande der Brüder Sass führt uns in das Jahr 1925. Die Familie der Kleinkriminellen hat es geschafft: Sie haben sich mit ihrer Organisation „Syndikat“ ganz nach oben gearbeitet.

Nun scheint ihnen aber der Erfolg über den Kopf zu wachsen. Ihr chinesischer Partner, der sie und ganz Berlin mit Opium versorgt, scheint ein falsches Spiel mit ihnen zu treiben. Immer wieder werden die Transporte des Rauschgiftes überfallen. Wer will sich hier ein Stück vom Kuchen abschneiden?

Nebenbei ist die politische Situation nach wie vor ein wenig unübersichtlich. Regierungen kommen und gehen. Als die Brüder Franz und Erich Sass bei Alfred Hugenberg, einem Reichstagsabgeordneten einbrechen, nutzt der zwielichtige Politiker Dr. Joseph Goebbels sein Wissen, um Franz Sass zu erpressen.

Meine Meinung:

Dieser fesselnde historische Roman rund um den wohl bekanntesten deutschen Verbrecherclan hat auch im dritten Band wenig an Spannung verloren. Autor Michael Jensen schafft es mühelos, die vertrackte Situation im damaligen Deutschland darzustellen.

Wir erfahren, wie die Chinesen ihr Suchtgift in Deutschland etablieren und dass die nicht wirklich zimperlich sind.

Sehr gut gefällt mir, dass Jens Druwe, Hauptfigur aus Jensens anderer Krimi-Reihe eine immer größer werdende Rolle spielen darf.

Bei aller kriminellen Energie scheinen, die Brüder Sass einen aufrechten Familiensinn zu haben. Vor allen Franz Sass wirkt nicht so als kaltblütiger Verbrecher. Allerdings ist der Handel mit Opium ein, zwei Nummern zu groß für die Familie. Man möchte wieder aussteigen, doch das scheint nicht mehr möglich zu sein.

Mit Goebbels schleicht sich ein höchst gefährlicher Gegenspieler in das Leben der Sass-Brüder ein.

Man wird lesen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Das wirkliche Leben von Franz und Erich Sass wird im März 1940 im KZ Sachsenhausen gewaltsam beendet. Ich freue mich schon eine Fortsetzung.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung dieser kriminellen Familensaga, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 30.11.2022

Eine Hommage an eine starke Frau

Looking for Trouble
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Die US-Amerikanerin Virginia Cowles trifft mit knapp 26 Jahren in Spanien ein, um vom dort herrschenden Bürgerkrieg zu berichten. Anfangs will man sie nicht an die Front lassen. Das sei nichts für Frauen. ...

Die US-Amerikanerin Virginia Cowles trifft mit knapp 26 Jahren in Spanien ein, um vom dort herrschenden Bürgerkrieg zu berichten. Anfangs will man sie nicht an die Front lassen. Das sei nichts für Frauen. Die sollen in der Etappe, am besten im geschützten Hotel bleiben. Doch die Journalistin setzt ihren Kopf durch und macht recht bald die Bekanntschaft von Ernest Hemingway und Martha Gellhorn, die ebenfalls als Kriegsberichterstatterin tätig war.

In schnörkellosen Sätzen berichtet sie zuerst aus dem Bürgerkrieg in Spanien, beobachtet wie der Faschismus sich über das gesamte Europa ausbreitet. Wir begleiten sie zum Lunch mit Winston Churchill und auf einen Tee zu Adolf Hitler. Wir erleben mit der Unerschrockenen die letzten Stunden des Friedens in Berlin, kurz bevor mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen der Zweite Weltkrieg beginnt.

Besonders eindrucksvoll ist das Leben im Großbritannien beschrieben, wo sie sich während des sogenannten „Blitz(kriegs)“ aufhält.
Eindrucksvoll schildert sie den Zusammenhalt der Einwohner von London oder von Coventry als deren Städte von den deutschen Flugzeugen in Schutt und Asche gelegt werden. Dieses „Jetzt erst recht!“ der ist sehr deutlich zu spüren.

Allerdings ist auch einiges vom berüchtigten englischen Humor zu lesen:

„Sie sind der Kerl, der behauptet, die Deutschen würden versuchen, hier einzufallen?“
„So denkt man in London.“
„Nun, wenn wir die Politiker dafür bezahlen, so etwas zu denken, sollten wir besser den ganzen Haufen austauschen. Eine Invasion? Unsinn! Die Deutschen werden niemals hier herübergelangen, es sei denn wir bauen ihnen eine Brücke. Hitler ist ein einziger Bluff.“ (eBook S. 517)

Wie man weiß, ist es den Deutschen tatsächlich nicht gelungen, die Britischen Inseln zu erobern.

Meine Meinung:

Die Neuauflage ihres ersten Buches, das 1941 als erstes ihrer zahlreichen Bücher erschienen, ist lässt sich trotz der Kriegsberichte sehr gut lesen.

Virginia Cowles berichtet immer wieder direkt aus den Kriegsgebieten, sei es eben Spanien oder Großbritannien. Ihre eindrucksvolle Sprache lässt diese dunkle Zeit in dramatischer Art und Weise wieder auferstehen. Manchmal wirkt es irritierend, wenn zwischen Schützengräben und Bombenhagel Witze gerissen werden. Doch vermutlich ist das ein Mittel, mit der Angst umzugehen.

Dieses Buch ist nicht nur auf Grund der Augenzeugenberichte für Geschichtsinteressierte wie mich sehr aufschlussreich, sondern entwickelt beim Lesen eine Art Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Besonders bemerkenswert ist Cowles Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg vermutlich für die meisten Leser. Von dem weiß man im Allgemeinen nur Schlagworte wie „General Franco“, „Legion Condor“, „Guernica“ oder, dass eine „Internationale Brigade“ dort gekämpft hat. Auffallend ist Virginia Cowles Berichterstattung auch dadurch, dass sie - hier im Spanischen Bürgerkrieg beide Seiten betrachtet und nicht wie Hemingway und Gellhorn, die die republikanische Ansicht bevorzugen.

Auch über den sogenannte „Winterkrieg“, dem Ersten Sowjetisch-Finnischen Krieg (Nov. 1939 bis März 1940), bei dem die UdSSR das kleine Land Finnland überfällt. Trotz Überlegenheit an Menschen und Material erleiden die Angreifer schwere Verluste und kommen nicht voran. Da der Völkerbund den Angriff als illegal wertet, schließt er die UdSSR aus diesem Gremium aus. Kommt uns das bekannt vor? Russland beginnt einen Angriffskrieg gegen ein Nachbarland? Leider hat sich der Völkerbund 1946 aufgelöst und seine Nachfolgeorganisation die UNO hat so ihre eigenen Probleme.

Fazit:

Diesem wiederentdeckten Klassiker der Kriegsberichterstattung gebe ich gerne 5 Sterne. Außerdem möchte ich die gelungene Übersetzung von Monika Köpfer loben.

Veröffentlicht am 30.11.2022

Eine gelungene Biografie

Helmut Dietl - Der Mann im weißen Anzug
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Den etwas älteren unter uns Bücherfans sind die TV-Serien »Münchner Geschichten«, »Der ganz normale Wahnsinn«, »Monaco Franze« oder »Kir Royal« sowie die Filme »Schtonk!«, »Rossini« bestimmt bekannt. Deren ...

Den etwas älteren unter uns Bücherfans sind die TV-Serien »Münchner Geschichten«, »Der ganz normale Wahnsinn«, »Monaco Franze« oder »Kir Royal« sowie die Filme »Schtonk!«, »Rossini« bestimmt bekannt. Deren Schöpfer Helmut Dietl vielleicht nicht immer, obwohl er, als »Mann mit dem weißen Anzug« durchaus durch die Klatschspalten der deutschsprachigen Magazine gegeistert ist.

Im Mai 2014 wurde er von der Deutschen Filmakademie für sein Lebenswerk geehrt. Da war Helmut Dietl von seiner schweren Krankheit gezeichnet und seine Schauspielerkolleginnen und Kollegen haben sich ehrfurchtsvoll und demütig vor ihm verneigt.

Claudius Seidls Biografie erzählt die Geschichte eines Künstlers, der in seinem Leben wenig ausgelassen hat. Gleichzeitig ist diese Biografie auch ein Stück Zeitgeschichte. Dietl hat die Filmstadt München geprägt wie kein Zweiter auch wenn er in Rom, Los Angeles und zuletzt in Berlin gelebt hat.

Die Liste jener, die mit ihm gespielt bzw. gedreht haben ist lang und liest sich wie das Who is Who der deutschen Filmgeschichte: Von Senta Berger bis Veronica Ferres, von Mario Adorf bis Uwe Ochsenknecht.

Claudius Seidl setzt Helmut Dietl mit dieser Biografie ein würdiges Denkmal.

Fazit:

Wer die Filme bzw. Serien dieser Zeit gerne gesehen hat, wird an dieser Biografie nicht vorbeikommen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.