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Venatrix

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Veröffentlicht am 13.11.2022

Salz - das weiße Gold

Salz & Österreich
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„Salz ist das Zauberwort, das österreichische Lebensräume für faszinierende, spannende, lustvolle Erfahrungen erschließt.“

Alfred Komarek Essayist, Krimiautor („Polt“) und Erzähler hat sich in diesem ...

„Salz ist das Zauberwort, das österreichische Lebensräume für faszinierende, spannende, lustvolle Erfahrungen erschließt.“

Alfred Komarek Essayist, Krimiautor („Polt“) und Erzähler hat sich in diesem Buch eines Minerals angenommen, das lebensnotwendig ist und in Österreich zu manchen Zeiten mit Gold aufgewogen worden ist: dem Salz.

Dazu begibt er sich auf die Spuren des Minerals, das seit rund 3.000 Jahren in Österreich auf verschiedene Weise abgebaut wird, sei im Bergwerk oder als Solequelle.

Alfred Komarek besucht auf seiner Reise Orte, deren Namen auf Salzvorkommen heinweisen wie Salzburg (eh klar), Hall in Tirol oder Hallstatt. Er erzählt wie, Bad Ischl zu einem Kurort mit habsburgischem Gepräge, das bis heute andauert, wurde und was es mit den „Salzprinzen“ auf sich hat.

Wie wir es vom begnadeten Erzähler Komarek gewöhnt sind, dürfen launige Zitate und Auftritte von Mozart und Maria Theresia nicht fehlen.

Daneben gibt es Einblicke in die gefährliche Arbeitswelt der Knappen. Zahlreiche Abbildungen ergänzen dieses Buch, das bereits 1998 erstmals erschienen ist.

Alfred Komarek spart weder mit Humor noch mit Kritik, prangert den Raubbau an der Natur an, da Millionen von Kubikmetern Holz für die Salzgewinnung in den Sudpfannen verheizt wurden. Daneben erklärt er was es mit dem „Salzamt“ auf sich hat.

Fazit:

Mit diesem Buch lässt uns Alfred Komarek tief in die Geschichte des „weißen Goldes“ eintauchen, das für uns so selbstverständlich ist, dass kaum jemand über seine Herkunft nachdenkt. Gerne gebe ich diesem Streifzug durch die Geschichte des Minerals 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.11.2022

Kulinarische Reise in den Kosovo

Brot, Salz und Herz
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Arta Ramadani, eine im Kosovo geborene deutsche Journalistin und Halim Meißner, Koch und Schwager der Journalistin, haben sich mit diesem Kochbuch einen Herzenswunsch erfüllt: das Bewahren der traditionellen ...

Arta Ramadani, eine im Kosovo geborene deutsche Journalistin und Halim Meißner, Koch und Schwager der Journalistin, haben sich mit diesem Kochbuch einen Herzenswunsch erfüllt: das Bewahren der traditionellen Küche aus dem Kosovo.

Die gekochten und gebackenen Gericht sind jene Rezepte, die in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben worden sind. Die eine oder andere Zutat ist behutsam an den modernen Geschmack angepasst worden.

Dieses Kochbuch entstand während der Corona-Pandemie als Halim Meißner von Kurzarbeit betroffen und Arta die Rezepte der Großmutter wieder in die Hände fielen. Meißner war, wie die Autorin im Vorwort schreibt, gleich Feuer und Flamme, jedoch unter der Bedingung, dass ohne Fleisch zubereitet würde.
Ein Verzicht, der bei den meisten Rezepten kein Problem dargestellt, denn Fleisch ist in der kargen Landschaft des Kosovos ein Luxusgut.

Da ein Großteil der Speisen mit Buchweizenmehl hergestellt wird, sind sie auch für Menschen mit Weizenunverträglichkeit ideal.

Zwei Rezepte haben es mir besonders angetan: Das Pire genannte Kürbis-Maroni-Pürree und das Pogaqë, ein Fladenbrot, das hauptsächlich aus Wasser, Mehl und Joghurt besteht, und schnell zubereitet werden kann.

Das Duo kochte, buk und fand mit seinen Rezepten beim Kärntner Verlag Wieser eine Heimat. Die Gerichte hat Halim Meißner, ein leidenschaftlicher Fotograf, gekonnt in Szene gesetzt. Durch die gediegene Aufmachung mit Lesebändchen eignet sich das Buch auch hervorragend als Geschenk.


Fazit:

Für Liebhaber von einfacher, vegetarischer Küche. Gerne gebe ich diesem kulinarischen Streifzug in den Kosovo 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.11.2022

Eine Hommage an eine starke Frau

Die Unbeirrbare
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Wer kennt sie nicht, die Champagnermarke „Veuve Clicquot“? Doch wem ist die Firmengeschichte bekannt, die um 1800 begann? Marie-Louise Wolff erzählt die Geschichte der Nicole Cliquot-Ponsardin (1777-1866), ...

Wer kennt sie nicht, die Champagnermarke „Veuve Clicquot“? Doch wem ist die Firmengeschichte bekannt, die um 1800 begann? Marie-Louise Wolff erzählt die Geschichte der Nicole Cliquot-Ponsardin (1777-1866), die hinter diesem Imperium steckte.

Im Sommer 1789 ändert sich das Leben der Nicole Ponsardin gravierend. Denn das gerade zwölf Jahre alte Mädchen ist die älteste Tochter des reichsten Textilkaufmanns von Reims, Philippe Ponsardin, als am 14. Juli mit dem Sturm auf die Bastille die Revolution in Frankreich ausbricht.

Die Familie und das Textilgeschäft, das nun nicht mehr Seidenfäden verspinnt sondern robuste Baumwolle, übersteht die ersten blutigen Jahre der Revolution.
Nicole soll nun vorteilhaft verheiratet werden und da bietet sich François Clicquot, Sohn eines Geschäftsfreundes, perfekt an. Ungewöhnlich für damalige Zeiten, ist diese Hochzeit 1798 eine Liebesheirat und Nicole arbeitet gleichberechtigt in der Firma Cliquot mit. Doch das Glück währt nicht lange, François stirbt bereits 1805. Gegen alle Widerstände führt Nicole Cliquot-Ponsardin ihre Firma erfolgreich weiter und lässt sich auch von einem korsischen General, der die damalige Welt rund 15 Jahre lang mit Kriegen überzieht, nicht entmutigen.

Und genau diesem, nämlich Napoleon Bonaparte, schauen wir in einem zweiten Handlungsstrang über die Schulter.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman reiht sich fast nahtlos in eine Serie von romanhaften Frauenbiografien ein, die derzeit en vogue sind. Ich persönlich bin ja eher ein Fan von sachlichen Biografien.

Durch den zweiten Handlungsstrang mit Napoleon hat Autorin Marie-Louise Wolff einen historisch gut recherchierten Rahmen für die Geschichte der Veuve Clicquot geschaffen.

Obwohl sich die Proponenten der Revolution mit dem Schlachtruf „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ die Bourbonen weggefegt und eine „moderne“ Staatsform der Republik etabliert haben, sieht es mit der Gleichheit für Frauen schlecht aus. Die wenigen Frauen, die diese auch für ihresgleichen fordern, landen wie Olympe de Gouges unter der Guillotine. Auch Napoleon, der sich immer sehr fortschrittlich gibt, lässt in seinem „Code Civile“ den Frauen kaum Spielraum. Als Witwe darf eine Frau das Geschäft ihres verstorbenen Mannes weiterführen - diesen Passus nützt die intelligente Nicole Cliquot-Ponsardin aus.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Zum einen Vater Ponsardin, der ein echter Wendehals ist und es sich mit allen Machthabern gut stellt und Mutter Ponsardin, die depressiv erscheint und nicht von ihrem Standesdünkel abweichen will. Dass sich Philippe Ponsardin sich den jeweilige politischen Gegebenheiten anpasst, kann man dahingehend interpretieren, dass er Arbeitgeber für Hunderte Menschen ist und so etwas wie ein soziales Gewissen hat.

Völliger Gegensatz dazu ist Nicole Cliquot-Ponsardin, die Napoleons Größenwahn durchschaut und verabscheut. Mehrmals muss sie um die Firma bangen, denn die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre bringt den Handel fast völlig zum erliegen. Doch sie mit ihrem Wagemut ist sie die erste, die wieder Handelsbeziehungen mit anderen Ländern aufnimmt. Sie führt das Unternehmen nicht allein, sondern hat Ratgeber, die sie unterstützen.

Der Schreibstil ist locker und flüssig. Die historischen Details sind penibel recherchiert.

Der Autorin gelingt es sehr gut, historische Ereignisse und Wissen über die Zeit zu transportieren. Für Leserinnen, die hier (anders als ich) noch wenig über die Zeit der Napoleonischen Kriege gelesen haben, wird diese Zeit lebendig.

Leider endet das Buch auch mit der Verbannung Napoleons auf St. Helena 1815, obwohl Nicole Cliquot-Ponsardin noch bis 1866 lebt. Diese weitern 50 (!) Jahre sind der Autorin nur mehr wenige Seiten wert. Das finde ich sehr schade und kostet den 5. Stern.

Fazit:

Eine weitere Romanbiografie einer starken Frau. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 13.11.2022

Eine anspruchsvolle Biografie

Herrscher des Lichts
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Obwohl Karl III. von Spanien (1716-1788) ein Zeitgenosse von Maria Theresia von Österreich(1717-1780), Friedrich II. von Preußen, und Ludwig XV. von Frankreich (1710-1774) war, ist er in der Erinnerung ...

Obwohl Karl III. von Spanien (1716-1788) ein Zeitgenosse von Maria Theresia von Österreich(1717-1780), Friedrich II. von Preußen, und Ludwig XV. von Frankreich (1710-1774) war, ist er in der Erinnerung Kontinentaleuropas nicht wirklich präsent.

Er gilt in der neueren Wissenschaft als prominenter Vertreter der Aufklärung. Geboren als 4. Sohn von Karl II. konnte er lange Zeit sich mit den Wissenschaft beschäftigen. Erst 1759 (also mit 43 Jahren) wird er König von Spanien und wird sein Königreich 28 Jahre regieren. Anders als andere Monarchen hat er schon Regierungserfahrung als Herzog von Parma und Piacenza sowie als König von Sizilien. In diesen nahezu dreißig Jahren gelingen ihm einige Reformen, um die ihn andere Reiche nur beneiden können ...

Diesem interessanten Mann widmet sich Ignacio Gómez de Liaño in diesem Buch.

Meine Meinung:

Der Autor erzählt von einem belesenen, interessierten jungen Mann, der die Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji unterstützt und dem deutschen Weltreisenden, Alexander von Humboldt, einen Freibrief für seine Forschungsreisen in Mittel- und Südamerika ausstellt.

In anderen Kapiteln werden die Errungenschaften in der Landwirtschaft sowie die Vereinheitlichung der Verwaltung. beschrieben.

Diese Biografie ist sehr informativ. Doch leider, leider ist es wie so oft: Der Autor verzettelt sich in tausend Details, die er weiß und glaubt, dem Leser unbedingt mitteilen zu müssen. So bringen Einzelheiten der Historie, die hundert oder zweihundert Jahre zuvor anderswo passiert sind, den Leser, der eine fesselnde Biografie von Karl III. lesen möchte, völlig aus dem Lesekonzept. So ist er mehrmals nötig, das Internet zu Rate zu ziehen, weil ein gelesenes Detail momentan nicht im passenden Zusammenhang präsent ist. Aus der Fülle der Informationen lässt sich nicht immer diejenige herausfiltern, die für das Verständnis um die Person Karl III. gerade wichtig ist.

Leider ist auch die Schriftgröße wenig augenfreundlich. Dazu kommt, dass Zitate und manche Anmerkung in noch kleinerer Schrift gedruckt sind. Das ist gerade bei Biografien, die besonders anspruchsvoll sind und genau gelesen werden wollen, den Lesern gegenüber wenig wertschätzend.

Dafür gibt es zahlreiche Abbildungen, die aber nicht für alle vorher genannten Anmerkungen entschädigen können.

Fazit:

Nicht immer muss ein Autor alles, was er selbst weiß, seinen Lesern an den Kopf werfen, bis der selbige raucht. Hier wär ein bisschen weniger, mehr gewesen. Leider kann ich deswegen nur 3 Sterne geben.

Veröffentlicht am 13.11.2022

Modellautos toll in Szene gesetzt

Car Stills
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Beim Betrachten dieses Buches sehe ich zahlreiche Augen von großen Buben glänzen: Modellautos vorwiegend aus der Zeit des Wirtschaftswunders, grandios und liebevoll in Szene gesetzt, lassen viele Männerherzen ...

Beim Betrachten dieses Buches sehe ich zahlreiche Augen von großen Buben glänzen: Modellautos vorwiegend aus der Zeit des Wirtschaftswunders, grandios und liebevoll in Szene gesetzt, lassen viele Männerherzen höher und lauter schlagen.

Was bietet das Buch noch, außer diesen liebevollen, detailgetreuen Inszenierungen? Es bietet zahlreiche Informationen zu Modell, Baujahr, Marke und Maßstab der Modellautos. Dabei dürfen wir Automarken von A wie Alfa Romeo bis hin zu W wie Wartburg bewundern.

Meine persönliche Highlights sind:

Alfa Romeo Giulia Super (1970) am liebsten in rot (oder besonders schnittig als blau-weißen Ausführung für die Polizia di Stato)
Austin-Healey 3000 (1960) - Inbegriff eleganter britischer Sportwagen
Peugeot 404 Berline Grand Tourisme (1961) - mit so einem Auto durfte ich in echt auch fahren

Die körnigen Schwarzweiß-Aufnahmen lassen den Betrachter leicht vergessen, dass er es mit Modellautos zu tun hat. Einige davon sind bewegte Bilder, denen man die Bewegung auch ansieht. Genial gemacht!

Neben den vielen Fotos, die schon für sich alleine sprechen, erhalten wir Hintergrundinformationen von Andrea Traxler, Hermann Schlösser und Walter Titz zu Walter Pangerl, einem passionierten Sammler und Fotografen.

Fazit:

Ein tolles Geschenk für jeden, dem elegante, (oder verrückte) alte Autos auf dem Regal lieber sind, als der aktuelle Einheitsbrei der Karosserien auf dem Parkplatz. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.