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Venatrix

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Veröffentlicht am 14.08.2022

Eine Hommage an eine fast Vergessen

Ich bin ja heut so glücklich
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In diesem biografischen Roman nimmt sich Charlotte Roth eines fast vergessenen
Filmstars an: Renate Müller (1906-1937).

Renate Müller - nie gehört? Wer zum Teufel ist das denn? Das werden sich einige ...

In diesem biografischen Roman nimmt sich Charlotte Roth eines fast vergessenen
Filmstars an: Renate Müller (1906-1937).

Renate Müller - nie gehört? Wer zum Teufel ist das denn? Das werden sich einige Leser fragen. Anders als Marlene Dietrich, Henny Porton oder Pola Negri ist es Renate nie gelungen, als DER Superstar im Gedächtnis zu bleiben.

Wer ist sie nun, diese Renate Müller?

Geboren als Tochter eines Journalisten wächst sie, gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Gabi, in Emmering bei München wohlbehütet und in einigem Wohlstand auf. Renates Traum, Schauspielerin zu werden, geht 1924 in Erfüllung - zuerst am Theater, dann beim Stummfilm, später dann auch beim Tonfilm. Da hilft ihr die ausgebildete Singstimme. Allerdings wird sie nicht als strahlende Heldin besetzt, sondern als braves Mädel von nebenan. Denn Renate ist ein wenig pummelig, während aktuell der androgyne Typ im Film gefragt ist. Doch Renate klettert langsam die Erfolgsleiter hinauf.

Obwohl sie in einem politischen Elternhaus aufgewachsen ist, interessiert sie sich nicht für die Politik und übersieht die Änderungen in der politischen Landschaft, in der nun die Nazis immer mehr die Zügel an sich reißen.

Einer, der sich bei den neuen Machthabern profiliert, ist Werner Lohse, Renates Freund aus den Kindertagen in Emmering. Werner ist seit seiner Kindheit davon überzeugt, dass Renate seine Frau wird. Nach zahlreichen beruflichen Misserfolgen wird er Chauffeur bei Joseph Goebbels. Nun hat Werner die Möglichkeit Renate häufig zu sehen und sie regelrecht zu verfolgen. Zwei Personen machen seinem Traum allerdings einen Strich durch die Rechnung: Zum einen Renate selbst, die ein heimliches, weil verboten, Verhältnis mit dem jüdischen Bankierssohn Georg Deutsch unterhält, der Lohse schon seit jeher verhasst ist, und zum anderen Joseph Goebbels, der Renate Adolf Hitler als Geliebte andienen will.

Nachdem Renate sich weigert, für das Regime zu arbeiten, gleitet sie eine Depression ab, die sie mit Alkohol und Drogen betäubt. Letzten Endes findet man sie schwer verletzt auf der Terrasse ihres Hauses. Wenig später stirbt sie mit nur 31 Jahren. Die Umstände ihres Sturzes aus dem ersten Stock bleiben ungeklärt. Unfall, Selbstmord oder haben die Schergen des Regimes ein wenig nachgeholfen?

Meine Meinung:

Ich habe erst unlängst eine Doku über mehrere Frauen in Hitlers Dunstkreis gesehen, die unter zweifelhaften Umständen ums Leben gekommen sind. Renate Müller ist neben Geli Raubal eine von ihnen.

Autorin Charlotte Roth betont in ihrem Nachwort, dass das vorliegende Buch nicht als Biografie, sondern als Hommage an sie zu verstehen ist.
Renate Müller teilt ihr trauriges Schicksal mit zahlreichen anderen Künstlern, die sich nicht vereinnahmen lassen wollten. Nicht wenige, die es nicht schafften das Land rechtzeitig zu verlassen, haben Selbstmord begangen oder sind dem dem Regime zum Opfer gefallen.

Charlotte Roths Schreibstil lässt die Zwischenkriegszeit und die Anfänge des deutschen Films lebendig auferstehen. Die historischen Details sind penibel recherchiert.

Der Titel des Buchs Ich bin ja heut so glücklich ist übrigens aus dem Film „Die Privatsekretärin“ (1931), der wie im Buch beschrieben von ihr selbst gesungen worden ist und zu einem überaus populären Schlager avanciert ist.

Fazit:

Eine Leseempfehlung für alle jene, die gerne in die Anfänge des deutschen Films eintauchen wollen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.08.2022

Eine Hommage an eine starke Frau

Die Wagemutige
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Dieser biografische Roman ist Teil einer Reihe, die sich mit bekannten und weniger bekannten Frauen beschäftigen. Zu den weniger bekannten zählt die Widerstandskämpferin und Fluchthelferin Lisa Fittko ...

Dieser biografische Roman ist Teil einer Reihe, die sich mit bekannten und weniger bekannten Frauen beschäftigen. Zu den weniger bekannten zählt die Widerstandskämpferin und Fluchthelferin Lisa Fittko (1909-2005).
Geboren ist sie als Elizabeth Ekstein noch in der Donaumonarchie als Tochter eines säkularen jüdischen Ehepaares.

Lisa lebt mit den Eltern und Bruder Hans seit 1922 in Berlin. Als ihr 1933 die durch eine kurze Ehe mit einem Deutschen erworbene Staatsbürgerschaft entzogen wird, geht sie in den Untergrund und beginnt ihren Widerstand gegen das NS-Regime. Nach mehreren Stationen über Prag, Basel und Amsterdam erreicht Lisa Paris, wo ihre Eltern und Bruder Hans bereits leben.
Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich geht die Flucht weiter in den unbesetzten Süden und letztlich landet Lisa als feindliche Ausländerin, wie zahlreiche andere deutsche Flüchtlinge, im Camp de Gurs. Genau hier setzt der Roman ein. Es werden die Zustände beschrieben und wie Lisa gemeinsam mit Paulette die Flucht aus dem Lager gelingt.

In Marseille bzw. Banyuls, einem kleinen Ort am Fuße der Pyrenäen beginnt dann ihre Karriere als Fluchthelferin. Mit Hilfe des damaligen Bürgermeisters Vincent Azéma, der falsche Papiere ausstellt. Eine nicht unbedeutende Rolle spielt auch der amerikanischen Journalisten Varian Fry, dem es gelingt, mit Lisas Hilfe an die 200 Personen die Flucht aus Frankreich zu ermöglichen.

Erst im Sommer 1941 entschließt sich Lisa Fittko gemeinsam mit ihrem Mann Frankreich zu verlassen. Sie werden die letzten sein, denen Fry ein Einreisevisum beschaffen kann - Ziel ist Kuba.

Meine Meinung:

Mit diesem biografischen Roman würdigt die Autorin nicht nur Lisa Fittko, sondern auch alle anderen Frauen, die dem NS-Regime die Stirn geboten haben. Sei es, dass sie so wie Fittko als Fluchthelferinnen tätig waren, aktiven Widerstand in der Résistance wie z.B. Nancy Wake geleistet haben oder wie die große Anzahl jener Frauen, die desertierte oder abgeschossene Soldaten, verfolgte Juden oder Kinder versteckt haben oder durch kleine Gaben ein Überleben auf der Flucht erst möglich machten.

Gut gelungen ist die Einbindung der fiktiven Liebesgeschichte mit Louis sowie die Verzweiflung die Fittko mehrmals überfällt. Der flüssige Schreibstil lässt die Seiten nur so dahin fliegen.

Interessant ist, dass Lisa Fittko den Weg des gewaltsamen Widerstands, den Freundin Paulette einschlägt, ablehnt und auf ihre Art zahlreichen Menschen das Leben rettet. Lange Zeit wird Lisa Fittko nur auf die Rettung von Walter Benjamin reduziert. Das gesamte Ausmaß ihrer Tätigkeit kommt erst spät ans Tageslicht. Dazu trägt auch dieser biografische Roman bei.

Fazit:

Wer gerne biografische Romane über starke Frauen liest, ist hier richtig. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.08.2022

"Wer die Daten hat, hat die Macht"

Jagd im Wiener Netz
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Autorin und Netzjournalistin Barbara Wimmer entführt uns in das Wien von 2028. Die Stadt unterscheidet sich nicht allzu viel von heute, außer dass die Digitalisierung weiter fortgeschritten ist und viel ...

Autorin und Netzjournalistin Barbara Wimmer entführt uns in das Wien von 2028. Die Stadt unterscheidet sich nicht allzu viel von heute, außer dass die Digitalisierung weiter fortgeschritten ist und viel tiefer in die Leben der Protagonisten eingreift als denen lieb ist.

Staranwalt Stefan Huss bricht beim Joggen tot zusammen. Wenig später findet man ihn mit einem Zettel auf der Brust, auf dem sein Todestag und ein großes X steht. Chefinspektor Leyrhofer, der die Tage bis zu seinem Pensionsantritt zählt, wird mit den Ermittlungen betraut. Recht bald stellt sich heraus, dass Huss jede Menge Feinde hatte, denn er kannte die dunklen Geheimnisse seiner Mandanten. Von Betrug bis zur Korruption wirft man den Lobbyisten, die zu seiner Klientel zählen, vor.

Wenig später landen eben jene Dossiers, die Huss über seine Kunden angelegt hat, auf dem Rechner der Journalistin Stefanie Laudon, die im vorherigen Fall („Tödlicher Crash“) Machenschaften rund um den damaligen Finanzminister, der mit seinem manipulierten Elektroauto einen tödlichen Unfall hatte, an die Öffentlichkeit gebracht hat.

Während Chefinspektor Leyrhofer auf klassische Polizeiarbeit setzt, stochert Stefanie gemeinsam mit ihren Freunden im Internet herum. Als sie eine vielversprechende Spur entdecken, wird Stefanie selbst zur Gejagten.

Meine Meinung:

„Wer die Daten hat, hat die Macht.“ Dieses Zitat des Wiener Filmemachers Werner Boote passt auch zu diesem Krimi.

Geschickt wird der IT-Hintergrund in den Krimi integriert. Nämlich ohne, dass die Leser vor den Fachbegriffen kapitulieren.

Autorin Barbara Wimmer weiß, worüber sie schreibt: Sie ist Journalistin und als Redakteurin ist die „Futurzone“ der Tageszeitung Kurier. Sie schreibt über KI und Datenkraken sowie die damit einhergehenden Risiken und Nebenwirkungen, gegen die weder Arzt noch Apotheker einen Gegenmittel haben.

So beschreibt sie, wie Landwirte ihre Melkanlagen nicht mehr selbst warten können, weil dies um teures Geld nur vom Anlagenbauer gemacht werden soll. Diese Vernetzung treibt den einen oder anderen Landwirt in den Ruin, da diese Anlagenbauer natürlich durch ihre Monopolstellung die Preisgestaltung völlig in der Hand haben. Gleichzeitig beleuchtet Barbara Wimmer das wachsende Segment der Selbstoptimierung durch dubiose Nahrungsergänzungsmittel.

Mir hat dieser Krimi - wie schon sein Vorgänger „Tödlicher Crash“ - sehr gut gefallen. Die Story ist fesselnd erzählt, ein bisschen Humor, viel Technik und auch die zwischenmenschliche Seite kommen nicht zu kurz.

Der Titel erinnert ein wenig an den „Dritten Mann“, bei dem ein Verbrecher durch das Wiener Kanalnetz hetzt.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 12.08.2022

Hat mir nicht so gefallen

Das U-Boot
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Dieses Buch ist der zweite Teil einer Thrillerreihe. Es lässt sich grundsätzlich auch solo lesen. Allerdings wird einiges vielleicht klarer, wenn „Der Tunnel“ bekannt ist.

Die Geschichten von Leah und ...

Dieses Buch ist der zweite Teil einer Thrillerreihe. Es lässt sich grundsätzlich auch solo lesen. Allerdings wird einiges vielleicht klarer, wenn „Der Tunnel“ bekannt ist.

Die Geschichten von Leah und Tarik, sie Angehörige des israelischen Militärs, er palästinensischer Tunnelbauer, wird in zwei Handlungssträngen erzählt, wobei das Hauptaugenmerk auf Leah liegt, denn Tariks Geschichte ist ja schon aus „Der Tunnel“ bekannt. Der erste Teil dieses Buchs verzettelt sich leider in der Beziehungsgschichte zwischen Leah und Freund Uri. Auch die Fahrt mit dem U-Boot wirkt eher langatmig.
Und der Abschnitt, der in ferner Zukunft liegt, in dem eine Handvoll Auserwählte (?) die nicht näher beschriebene Katastrophe überlebt hat und nun in einer kalten, lebensfeindlichen Umgebung einen neuen Menschenschlag hervorbringt, der auch nach hunderten von Jahren noch weit hinter unserer aktuellen Zivilistation herhinkt.

Meine Meinung:

Aufgrund der tollen Aufmachung des Buches habe ich hier zugregriffen. Ich wollt wieder einmal „U-Boot-fahren“. Ich persönlich habe noch Lothar-Günther Buchheims Wälzer und Wolfgang Petersens TV-Reihe „Das Boot“ vor Augen und im Kopf, sodass diese Fahrt hier leider nur wie ein müder Abklatsch wirkt. Aber vermutlich geht es hier um ganz etwas anderes. Nur um was?

Ich gebe zu, keine große Freundin von dystopischen Geschichten zu sein. Das Buch habe ich deswegen gelesen, um einmal wieder über meinen Tellerrand zu blicken.

Doch wie befürchtet, hat mich die Geschichte nicht so wirklich gefesselt. Der Teil, in der über die Katastrophe berichtet wird, erscheint mir zu kurz und zu undurchsichtig. Hans Leister hält seine Leser lange im Dunkeln, was genau passiert sein könnte. Es drängt sich bei mir der Gedanke auf, dass sich Hans Leister die Katastrophe für einen dritten Band der Reihe aufhebt.

Fazit:

Fans von dystopischen Thrillern oder auch Katastrophenszenarien allgemein, werden hier aufs Beste versorgt. Mich hat das Buch nicht überzeugt, daher nur 2 Sterne.

Veröffentlicht am 11.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Salzburgrache
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Kris Kailer, seines Zeichens Eventmanager, liegt tot am Fuß der Festung Hohensalzburg. Dass es sich hier nicht um einen Unfall handeln kann, ist den Ermittlern schnell klar. Hat der Mord mit Kailers spektakulären ...

Kris Kailer, seines Zeichens Eventmanager, liegt tot am Fuß der Festung Hohensalzburg. Dass es sich hier nicht um einen Unfall handeln kann, ist den Ermittlern schnell klar. Hat der Mord mit Kailers spektakulären Konzept, die Salzburger Burgen und Schlösser in einer Art Disneyland zu bewerben zu tun? Denn die vorgeschlagene Werbekampagne ist einer Reihe renommierter Historiker ein spitzer Dorn im Auge. Kann das ein MOrdmotiv sein? Aber welcher der honorigen Herren würde den Eventmanager von der Festung stürzen? Professor und dreifach Doktor Dankwart Kupferkann, den alle nur Second Hand Copper nennen, etwa?

Als die Ermittler entdecken, dass der Tote auch für die FFB, die Freiheit-für-Bürger-Partei tätig ist, bekommt der Tod von Kris Kailer eine ganz andere Dimension. Denn diese selbsternannte Bürgerwehr, die gegen die etablierte Ordnung auftritt und umstürzlerische Umtriebe pflegt, hat schon manchem Politiker eben genau jenen Tod angedroht, den Kailer jetzt gestorben ist.

Wenig später gibt es einen zweiten Toten - in der Folterkammer von Schloss Moosham...

Meine Meinung:

Wie schon in den neun Vorgängern kommen sowohl die Landeshauptstadt Salzburg als auch das gleichnamige Bundesland mit deren schönen Seiten vor. So dürfen neben der Feste Hohensalzburg auch die Burg Hohenwerfen und Schloss Moosham Schauplatz der Ermittlungen sein.

Genial finde ich den Einfall mit dem Raben, der das Treiben der FFB und den Mord beobachtet. Dass einer dieser FFB-Radaubrüder sich zwar des Rabenlogos aus der NS-Zeit bedient, aber keine Ahnung von Hugin und Munin, den beiden Vögeln von Odin hat, hat mich trotz des ernsten Themas schmunzeln lassen.

Der arme Martin Merana fällt wieder einmal unter die Räuber. Diesmal bekommt er es auch noch mit einer Schlange zu tun.

Wie bei allen Krimis aus Manfred Baumanns Feder, ist der Täter nicht leicht zu entlarven. Auch diesmal führt uns der Autor mehrmals in die Irre.

Gemeinsam mit seinem Team sammelt Merana Zahlen, Daten und Fakten. Die eingeschweißte hält zusammen. Jede/r weiß, was won ihm/ihr erwartet wird. Mir gefällt, wie umsichtig Merana seine Team führt. Er hat ein offenes Ohr für die Sorgen seiner Mitarbeiter. Er mutet ihnen nicht mehr zu als er selbst zu geben ist. Martin Merana und sein Team lösen die Fälle mit solider Polizeiarbeit und Köpfchen. Dass Merana gute Verbindungen hat und sich auch in kulturellen Umfeld zu bewegen weiß, ist Teil des Erfolges dier Krimi-Reihe.

Fazit:

Auch der zehnte Fall hat mir sehr gut gefallen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.