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Venatrix

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Veröffentlicht am 19.09.2021

Beste Krimi-Unterhaltung

Gourmetkatz
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In ihrem sechsten Kriminalfall bekommen es KHK Steinböck und Frau Merkel, seine gefräßige Katze, mit zwei Mordfällen zu tun, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.

Zum einen entdeckt ...

In ihrem sechsten Kriminalfall bekommen es KHK Steinböck und Frau Merkel, seine gefräßige Katze, mit zwei Mordfällen zu tun, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.

Zum einen entdeckt Sabine „Harry-Potter“ Husup, ihres Zeichens nervige Reporterin, auf ihren Urlaubsvideos eine Szene, auf der ein Mann über eine spanische Klippe gestoßen worden ist. Als wenig später ihre Freundin Putzi, ebenfalls Reporterin, verschwindet, wendet sie sich hilfesuchend an Steinböck. Der Mann auf dem Video kann als Johann Kerbel, Haubenkoch aus München, identifiziert werden.

Den zweiten Toten fischt Steinböcks Schulkollege Sokrates aus der Isar. Schnell steht fest, dass es sich um einen rumänischen Erntehelfer handelt, dem kurz vor seinem Tod, eine Niere und ein Stück seiner Leber entnommen worden ist. Ein Opfer der Organmafia?

Steinböck und sein Team sind wieder gefordert. Ilona ist inzwischen frisch gebackene Kommissarin und darf in Spanien recherchieren.

Meine Meinung:

Mit diesem Krimi ist es Autor Kaspar Panizza wieder gelungen, mich bestens zu unterhalten. Ich habe das Buch an einem Nachmittag gelesen.

Steinböcks Dialoge mit seiner Katze sind einfach herrlich! Zusätzlich wird das lang gehütete Geheimnis um Steinböcks Vornamen gelüftet. Nein, ich kann schweigen wie ein Grab und verrate sie nicht.

Doch neben aller Leichtigkeit durch die manchmal anstrengende Katze nimmt sich der Autor eines ernsten Themas an: dem illegalen Organhandel. Während in vielen Ländern Europas jede Person durch die sogenannte „Widerspruchslösung“ als potenzieller Organspender gilt, dürfen in Deutschland nur jenen Hirntoten Organe entnommen werden, die auch einen Organspendeausweis mit sich führen. Das führt zu einem eklatanten Missverhältnis zwischen Spendern und Empfängern und spielt der skrupellosen Organmafia in ihre Hände. Jeder, der genug Geld aufbringt, erhält das passende Organ, das zuvor „Freiwilligen“ unter dubiosen Umständen entnommen worden ist.

Nebenbei nimmt der Autor noch die Dekadenz der Gourmet-Köche aufs Korn, die unverschämt, Steaks vom Kobe-Rind verkochen, dessen Fleisch 600 Euro pro Kilo kostet. Eine Summe, von der so mancher leben muss.

Gut gefällt mir, dass sich die Charaktere weiter entwickeln dürfen. Emil spiel Rollstuhlbasketball, Ilona hat ihre Ausbildung zur Kommissarin mit Auszeichnung bestanden und mit der neuen Polizeipräsidentin Lotta scheint sich Steinböck gut zu verstehen. Selbst die harsche Tamara, Herrin über die Kantine, wird ein wenig umgänglicher.

Natürlich ist möglich, diesen Krimi solo zu lesen. Doch ich empfehle die Reihe bei Band eins („Saukatz“) zu beginnen, sonst brächte man sich um ein herrliches Lesevergnügen.

Fazit:

Ein Krimi, der mich bestens unterhalten hat und dem ich gerne sowohl eine Leseempfehlung als auch 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 19.09.2021

Lost Places - Spurensuche wider das Vergessen

Lost Places in der Alpen-Adria-Region
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„Lost Places“ entdecken erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Dieses Buch führt uns in die Alpen-Adria-Region, also ein Gebiet, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Sei es, ...

„Lost Places“ entdecken erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Dieses Buch führt uns in die Alpen-Adria-Region, also ein Gebiet, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Sei es, dass es mehrmals Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen oder wirtschaftlichen Aufschwung mit späterem Niedergang erleben musste.

Wir begleiten die Autoren Georg Lux & Helmuth Weichelsbraun nach Kärnten (Österreich), in das Kanaltal (Italien) und in den Karst des ehemaligen Jugoslawien.

Hier werden die unterschiedlichsten „Lost Places“ und ihre Geschichte vorgestellt. Ein kleiner Auszug:

Alte Verkehrswege wie der verfallende Bahnhof „Tarvisio Centrale“ oder der Karawankenbahntunnel oder die Strada Napoleonica
Wehrhafte Gemäuer wie die beiden Fort Hensel bzw. Fort Beisner oder die Burgruine Hochkraig
Verlassene Industrieanlagen wie die Stärkefabrik Chiozza oder die Torpedofabrik Whithead
Vergangene Vergnügungen wie das Baseballstadion Prosecco oder das mondäne Hotel Haludovo

Nicht verschwiegen werden Eingriffe in die Natur, die sich bis heute verheerend auf die Menschen und die Landschaft auswirken: Talsperren, geflutete Dörfer und ins Rutsche gekommene Berghänge, die den allzu technikgläubigen Investoren das Fürchten lehr(t)en.

Fazit:

Anders als in anderen Büchern über „Lost Places“, wird in diesem nicht nur das Offensichtliche, sondern auch das Verschwundene beleuchtet. Nicht nur brillante Fotos, sondern auch Hintergrundinformationen bereichern diese abenteuerliche Spurensuche wider das Vergessen. Dieses Buch verdient 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.09.2021

Regt zum Nachdenken an

Zeit des Zweifels
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Der Terroranschlag vom 11. September 2001 jährt sich zum 20. Mal. Anlass genug der beiden österreichischen Journalisten, die damals in unmittelbarer Nähe waren, darüber und die nachfolgenden Ereignisse ...

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 jährt sich zum 20. Mal. Anlass genug der beiden österreichischen Journalisten, die damals in unmittelbarer Nähe waren, darüber und die nachfolgenden Ereignisse Bilanz zu ziehen.

In folgenden Kapiteln machen sich Peter Fritz und Hannelore Veit Gedanken darüber, wie sich Europa und die USA verändert haben.

Die Stunde der Gewalt - Terror als Instrument der Politik
Die USA, ein zerrissenes Land
Transatlantische Verhältnisse
China, die aufstrebende Supermacht
Herausforderungen der Zukunft
Wie weiter?

Natürlich kann hier keine Lösung angeboten werden, dennoch ist die sachliche Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln interessant zu lesen.

Die Terroranschläge sind so etwas wie eine Zäsur. Noch bleibt ein wenig Zeit zur Abkehr von Gewalt und Gegengewalt, bevor sich die Menschheit mit ihren Massenvernichtungswaffen und ihrem Raubbau an der Umwelt selbst vernichtet. Doch wer soll damit beginnen? Die einzelnen Länder/Mächte sind längst nicht mehr einig, sich den Herausforderungen zu stellen, wie z.B. nach dem Zweiten Weltkrieg, als es um den Wiederaufbau im zerstörten Europa ging. Es scheint, als würde derzeit eher das Trennende als das Gemeinsame den Ton angeben.

Fazit:

Diesem Buch, das die Zweifel an der Richtigkeit mancher Aktion nährt, gebe ich gerne 4 Sterne.

Veröffentlicht am 19.09.2021

Hat mich nicht überzeugt

Dunkelblum
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Eva Menasse nimmt sich eines nach wie vor kontrovers diskutierten Themas der österreichischen Geschichte an: dem Verdrängen der Mittäterschaft während der NS-Zeit.
Das fiktive Dorf Dunkelbum wird gezielt ...

Eva Menasse nimmt sich eines nach wie vor kontrovers diskutierten Themas der österreichischen Geschichte an: dem Verdrängen der Mittäterschaft während der NS-Zeit.
Das fiktive Dorf Dunkelbum wird gezielt an der ungarischen Grenze platziert, gibt es doch dort den Ort Rechnitz, an dem sich in den letzten Kriegstagen das Massaker an jüdischen Zwangsarbeiter ereignet hat. Von den Toten fehlt nach wie vor jede Spur.

Doch zum Roman:

Koreny, der neue Bürgermeister, muss sich nicht nur mit dem Kampf der ortsansässigen Bauern und deren Kampf um eine eigene Wasserversorgung herumschlagen, sondern auch mit dem Verschwinden einer Studentin und dem Auffinden eines Skeletts. Wer ist der Tote? Ein ehemaliger Wehrmachtsangehöriger? Ein Grenzgänger? Gibt es noch mehr davon?

Und hängen der plötzliche Tod von Eszter Lowetz und das Verschwinden der Studentin damit zusammen? Beide, Eszter und die, Locke genannte Studentin, haben unangenehme Fragen zur verdrängten NS-Vergangenheit der Bewohner gestellt. Und warum restauriert ausgerechnet jetzt eine Gruppe langhaariger Gestalten den verwahrlosten dritten Friedhof von Dunkelblum? Warum der kleine Ort gleich drei Friedhöfe braucht? Jeder Bewohner, ob katholisch, evangelisch oder jüdisch wurde auf „seinem eigenen“ Friedhof beerdigt - sortenrein, quasi.

In Dunkelblum scheinen eine Menge von skurrilen Personen zu leben. Alte Frauen, die 1945 der Roten Armee in die Hände gefallen sind, ebenso alte Männer, die sich ewige Treue und Schweigen geschworen haben sowie mancher, der einiges zu verbergen hat.

Unklar ist, ob die Reschen-Resi, seinerzeit Zimmermädchen, im Hotel Tüffer eine von den Guten oder doch eine Nutznießerin ist. Immerhin hat sie 1938 von der jüdischen Hotelbesitzerin den Schlüsselbund erhalten und ihn bislang nicht hergeben müssen. Ob bei den Recherchen von Eszter und Locke Erben der Familie Tüffer ausfindig gemacht werden, die Ansprüche stellen könnten? Und wer ist dieser Fremde, der im Hotel logiert?

Meine Meinung:

Ich bin bei diesem Roman ein wenig zwiegespalten. Das hängt zum einem mit der Sprache und dem Schreibstil von Eva Menasse und zum anderen mit der Vielzahl von Themen zusammen.

Zur Sprache und Schreibstil:

Die Autorin verwendet zahlreiche Austriazismen, die mir gut gefallen. Sie hat dem Volk auf’s Maul geschaut. Viele Anmerkungen sind subtil und wirklich bösartig. Nervig hingegen ist für mich persönlich der Verzicht auf die direkte Rede. Damit kann ich mich so gar nicht anfreunden.

Zusätzlich dauert es sehr lange, bis die Autorin zum Kern kommt. Manches wird wiederholt. So verliert sich Eva Menasse in sehr vielen Details, ohne dass hier ein Informationsgewinn entsteht.

Der Schreibstil ist für viele Leser anstrengend. Die Fabulierkunst wird hier auf die Spitze getrieben und dient irgendwie nicht der Geschichte sondern einer Art Selbstverliebtheit.

Vielzahl der Themen:

Die Episode mit den DDR-Flüchtlingen, die wie seinerzeit die Ungarn-Flüchtlinge 1956, halbherzig wohlwollend aufgenommen werden, passt irgendwie nicht oder doch in die Geschichte. Ist die Hilfe für die DDR-Bürger eine späte Reue? Oder nimmt man sich ihrer nur deswegen an, weil sie Deutsche sind, auch, wenn die gemeinsame Sprache einiges Trennendes mit sich bringt?

Der Streit um eine eigene Wasserversorgung oder den Anschluss (böses Wortspiel!) an eine kommunale Wasserleitung ist nur ein weiteres davon.

Eva Menasse lässt uns an Familienzwisten teilhaben und springt ein wenig durch die Zeit, weniger durch den Raum, denn die Ereignisse aktuell oder vergangen, spielen sich in Dunkelblum bzw. in der unmittelbaren Umgebung ab. So kommt der Weinskandal von 1985 zur Sprache, der einige Winzer in den Abgrund reißt. Apropos Winzer! Manchmal hat man den Eindruck, ganz Dunkelblum lebt nur von flüssiger Nahrung in Form von Wein und Schnaps. Selbst wenn den einzelnen Familienmitgliedern täglich vor Augen geführt wird, dass der exzessive Alkoholkonsum letal ausgehen wird, mit dem Saufen aufhören ist keine Option. Sich die unbequeme Wahrheit schönreden, Pardon, schönsaufen schon.

Die Charaktere hingegen finde ich sehr gut gelungen. So begegnen unter anderem einem Altnazi und ungeschoren davongekommenen Mördern. Aber auch einem Anflug von Reue ("Wäre er erst einmal in Gewahrsam gewesen, hätten vielleicht ein paar andere auch etwas gesagt. Sie wollte nicht die Einzige sein") sowie selbstgeschaffene Differenzierungen ("Josef, ihr Mann und Vater ihres Sohnes, war ein anständiger Nazi"). Gab es „anständige Nazis“? Oder ist das wieder nur Schönfärberei?

Wenig ist hier im Ort schwarz oder weiß, das meiste, passend zum Ortsnamen dunkelgrau.

Wer sich mehr mit dem Massaker an den jüdischen Zwangsarbeitern beschäftigen will, dem sei das Buch „Und was hat das mit mir zu tun?“ von Sacha Batthyany, dessen Großtante Gräfin Margit Thyssen-Batthyány empfohlen. Sie war in eines der schrecklichsten Nazi-Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In ihrem Schloss in Rechnitz gibt sie ein rauschendes Fest für führende Nazi-Bonzen. Gegen Mitternacht verlassen die Gäste das Schloss und erschießen 180 Juden. Was genau in dieser Nacht geschieht, ist bis heute unklar. Die Toten nach wie vor nicht gefunden.

Fazit:

Leider wirft dieser Roman, wie man an meiner Rezension sieht, mehr Fragen auf, als er beantwortet. Dieser irgendwie unrunde Schluss ärgert mich. Immerhin bin ich der Autorin durch einen Wust an Themen, Schwurbeleien und einer großen Zahl an beteiligten Personen gefolgt. Da hätte ich mir doch einen Abschluss, ob versöhnlich oder nicht, bleibt dahingestellt, verdient. So lässt mich der Roman unbefriedigt zurück. Daher kann ich ruhigen Gewissens auch nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 14.09.2021

Eine österreichische Familiengeschichte

Der Jahrhundertelefant
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Hanna Molden, Journalistin und Schriftstellerin, ist Witwe nach Fritz Molden (1924-2014). Sie hat in diesem Buch die wechselhafte Geschichte der Familie Molden aufgezeichnet. Im Mittelpunkt steht die Figur ...

Hanna Molden, Journalistin und Schriftstellerin, ist Witwe nach Fritz Molden (1924-2014). Sie hat in diesem Buch die wechselhafte Geschichte der Familie Molden aufgezeichnet. Im Mittelpunkt steht die Figur des Elefanten Jakob, der einst von ihrem Schwiegervater Ernst Molden, erfunden wurde.

Die Geschichte des fiktiven Elefanten begleitet Fritz Molden seit seiner Kindheit durch alle Lebensabschnitte. Für seine eigenen Kinder hat er die Gedanken weitergesponnen.

Jakob und der kleine Bub
Jakob und der wilde Kerl
Jakob und der alte Mann
Der Jahrhundertelefant

In wohlgesetzten, geschliffenen Worten erzählt die Autorin aus dem Leben der Familie Molden. Fritzens Eltern sind Ernst Molden und Paula von Preradović, die 1947 den Text der österreichischen Bundeshymne verfasst hat.

Bereits als 14-Jähriger - kurz nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland - engagiert er sich als Mitglied des katholischen Untergrunds an Aktionen gegen den Nationalsozialismus, landet mehrere Male im Gefängnis und überlebt seine Versetzung zu einem Strafbataillon an die russische Ostfront, wo er sich zu Partisanen nach Italien absetzen kann. Nach seiner Flucht in die Schweiz wird er Mittelsmann der Österreichischen Widerstandsbewegung "O5" zu den Alliierten.
Später wird er Autor und Verleger. Der Verlag schlittert trotz zahlreicher Bestseller 1982 in den Konkurs. Fritz Molden verliert bis auf den Familienwohnsitz in Tirol alles. Dennoch lässt er sich nicht unterkriegen und gründet den Verlag 1995 neu. 2005 verkauft er den Verlag Molden an die Styria-Gruppe in der das vorliegende Buch auch erschienen ist.

Das Buch erscheint in einer gediegenen Aufmachung: silbergraues Hardcover mit einem roten Lesebändchen. Auf dem Cover ist der Titel gebende, aus Buchstaben zusammengesetzte Elefant in elegantem Zinnoberrot aufgedruckt. Dieser Elefant findet sich auch im Buch immer wieder.

Fazit:

Wer sich für österreichische Familiengeschichten interessiert, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich für die Biografie des Widerstandskämpfers, Verlegers und Vorbilds 5 Sterne.