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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2021

Hat mich nicht vollends überzeugt

Die im Dunkeln sieht man nicht
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Das Buch geht auf eine Initiative der NachDenkSeiten zurück, jener Webseite, die zum kritischen Nachdenken anregt und die ich auch gerne besuche, um einen anderen Blickwinkel zu erhalten.

In 70 ausgewählten ...

Das Buch geht auf eine Initiative der NachDenkSeiten zurück, jener Webseite, die zum kritischen Nachdenken anregt und die ich auch gerne besuche, um einen anderen Blickwinkel zu erhalten.

In 70 ausgewählten Briefen und eMails werden die Erfahrungen, Ängste und Nöte der deutschen Bevölkerung mit der Covid-19-Pandemie dargestellt. Vieles liest sich ähnlich, der Aufschrei, seine persönliche Freiheit sei eingeschränkt und die eigene Bequemlichkeit beschnitten, macht mich persönlich ärgerlich.

Als Österreicherin kann ich nicht beurteilen, ob dies wirklich so ist, wie beschrieben.

Leider gibt es auch bei uns Menschen, die Verschwörungstheorien verbreiten und sich nicht an die verordneten Maßnahmen halten. In meinem Umkreis haben viele gejammert, dass die Urlaube ausfallen und man nicht reisen durfte. Was ist die Alternative zu den strengen Regeln? Alles offenlassen? So tun als ob es keine Pandemie gäbe? Einen ähnlichen Weg hat Schweden eingeschlagen, den „Erfolg“ sieht man an den Sterbezahlen.

Natürlich sind die Einkommensverluste und Einbußen groß, aber deswegen gleich eine Diktatur des Staates vermuten? Vielleicht liegt der Aufschrei auch daran, dass die meisten von uns in der sozialen Hängematte großgeworden sind und weder Krieg noch Diktatur und die damit verbundenen Beschränkungen erlebt haben.

Natürlich sind die Politiker überfordert. Eine solche Pandemie ist in unserer satten Gesellschaft ein Novum.

Natürlich sind manche Entscheidungen zu hinterfragen. Aber das Geraunze, dass in einem deutschen Bundesland dieses und in einem anderen jenes erlaubt oder verboten ist, ist Jammern auf hohem Niveau. Warum beginnt die Ausgangssperre in einem Bundesland früher bzw. später? Warum beschließen die unterschiedlichen Kommunen verschiedene Maßnahmen? Die Unterschiede passieren deswegen, weil wir in demokratischen Ländern leben.

Natürlich muss man sich als mündiger österr. Staatsbürger wundern, warum Buchhandlungen nicht aufsperren durften, aber Waffengeschäfte „als Geschäfte zur Abdeckung des persönlichen Bedarfs“ schon. Da wiehert der Amtsschimmel doch gewaltig. Also ich stufe meinen täglichen Bedarf an Büchern höher ein als an Munition. Von ersteren brauche ich viele, von zweiterem genau gar nichts.

Auch meine Familie war und ist betroffen. Wir sind noch immer im Homeoffice, unser Sohn war mehrere Wochen in Kurzarbeit. Unser Urlaub ist ins Wasser gefallen. Wir durften unsere Oldies, die in einem Pensionistenheim in Wien leb(t)en von 13. März bis 08. Mai nicht sehen. Die beiden wurden von den Betreuern fürsorglich behandelt, mehrmals getestet (immer negativ). Auffallend war, dass weil die täglichen langen Spaziergänge ausgefallen sind (nur der Garten bzw. die Dachterasse war erlaubt), ein langsamer Muskelschwund eingetreten ist. Als Oma im Bad gestürzt ist und im Krankenhaus anschließend ein überdurchschnittlich schnell wachsendes Karzinom festgestellt wurde, hat die Pflegedienstleitung ihren dementen Mann in eine entsprechende Station verlegen lassen. Alles sehr liebevoll und professionell, nie hatten wir Zweifel an der Richtigkeit der Maßnahmen. Die letzten paar Tage ihres Lebens durfte Oma im Zimmer von Opa erleben. Wir konnten uns auch von ihr verabschieden. Oma ist im Sommer von uns gegangen, Opa Anfang Dezember. Auch hier, trotz erneuten Lockdowns durfte er unter Einhaltung besonderer Vorsichtsmaßnahmen doch noch besucht werden. Im Gegensatz zu den im Buch beschriebenen Zuständen/Vorfällen haben wir bei Anrufen immer Auskunft bekommen, im Gegenteil, das Pflegepersonal hat auch ungefragt zwei bis dreimal in der Woche über Opas Zustand berichtet, dass er letztlich an einer Lungenentzündung gestorben ist, hat sicher auch damit zu tun, dass er Oma vermisst hat, mit der er (bis auf wenige Wochen) mehr als 60 Jahre täglich zusammen war.

Mit fällt es diesmal schwer, das Buch zu bewerten. Einerseits ist es wichtig und notwendig, andersdenkenden Raum zu geben, andererseits finde ich diese siebzig ausgewählten Wortmeldungen nicht unbedingt als repräsentativ. Das Sample ist meiner Meinung nach nicht aussagekräftig genug. Nach welchen Kriterien sind die Beiträge ausgewählt worden?

Mit dem Unverständnis und Ärger, dass Fußball für kleine Vereine verboten, aber internationale Spiele stattfinden dürfen, gehe ich 100% d’accord.

Ich denke, das Gemeinwohl hat im Fall einer solchen Bedrohung Vorrang gegenüber der Freiheit des Einzelnen. Wie heißt es so schön „Meine Freiheit endet dort, wo die des nächsten eingeschränkt wird“.

Veröffentlicht am 04.01.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

Das dunkle Dorf
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Dieser 6. Fall für Commissario Grauner bringt ihn und sein Team an die Grenzen der Belastbarkeit.

Sara Grauner ist seit ein paar Tagen nicht nach Hause gekommen und ihre Eltern machen sich natürlich Sorgen. ...

Dieser 6. Fall für Commissario Grauner bringt ihn und sein Team an die Grenzen der Belastbarkeit.

Sara Grauner ist seit ein paar Tagen nicht nach Hause gekommen und ihre Eltern machen sich natürlich Sorgen. Bei der Suche nach Hinweisen zu ihrem Aufenthalt entdecken sie eine größere Menge Suchgift. Ein wahres Teufelszeug, wie er nach der Analyse erfährt, denn es wird aus handelsüblichen Chemikalien in großen Mengen hergestellt und überschwemmt zum Spottpreis auch Südtirol.

Gleichzeitig muss er den mysteriösen Tod eines Dorfpolizisten aufklären, der in einem Nobelhotel in Wolkenstein, im Grödnertal, erschossen aufgefunden worden ist.

Als dann noch sein Kollege und Freund Claudio Saltapepe spurlos verschwindet, läuten alle Alarmglocken. Saltapepe ist nämlich zu seinem Schutz aus Neapel nach Südtirol versetzt worden, hat er doch maßgeblich zur Verhaftung eines mächtigen Mafiabosses beigetragen. Ist dieser Clan jetzt auf Rachefeldzug?

Meine Meinung:

Schon in den letzten beiden Fällen ist die Leichtigkeit der Krimis ein wenig verloren gegangen. Doch diesmal schrammt Grauner haarscharf an der Katastrophe vorbei. Dass man als Polizist (in Italien) immer damit rechnen muss, von Verbrechern entführt und getötet zu werden, ist Grauner grundsätzlich bewusst. Dennoch ist er von der Brutalität der Gangster hier in seinem geliebten, manchmal auch verschrobenen Südtirol überrascht. Beinahe auf sich alleine gestellt, wirft er seine üblichen Marotten über Bord und reist (er der seine enger Heimat nicht gerne verlässt) sogar nach Neapel. Grauner kann sich (beinahe) auf niemanden mehr verlassen. Fast im Alleingang, ohne Wissen seiner Vorgesetzten wie Staatsanwalt Belli, begibt er sich in die Höhle des Löwens. Denn wem kann er noch trauen? Es scheint, als opferte Belli Saltapepe für ein „großes Ganzes“.

Lenz Koppelstätter ist ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel gelungen, bei dem lange nicht klar ist, wer die Katze bzw. die Maus ist. Diesmal räumt er mit der Idylle im verschneiten Südtirol gründlich auf. Selbst die neapolitanische Mafia geht von ihren eisernen Grundsätzen wie der „famiglia“ ab und verbündet sich mit denen, die ihnen den meisten Gewinn versprechen.

Bis zum Schluss ist nicht ganz klar, ob die Katastrophe ausbleibt oder nicht.

Gut gefällt mir, dass Silvia Tappeiner, die Assistentin in der Questura mehr Raum erhält und mit Dottoressa Filippi, der Gerichtsmedizinerin, ihren Beitrag leistet. Schmunzeln musste ich, dass Tappeiner dem Neapolitaner Saltapepe das Skifahren beibringen soll.

Fazit:

Ein Highlight am Krimihimmel, das bis zur letzten Seite fesselt. Gerne gebe ich für diesen 6. Band bzw. für die ganze Reihe eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.01.2021

Fesselnder Bergkrimi aus Tirol

Kalter Fels
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Dieser Krimi ist der zweite rund um den wegen MS pensionierten Polizisten Paul Schwarzenbacher und der jungen Extrembergsteigerin Marielle Czerny. Mit von der Partie sind noch Dr. Helmut Reuss, Rechtsanwalt ...

Dieser Krimi ist der zweite rund um den wegen MS pensionierten Polizisten Paul Schwarzenbacher und der jungen Extrembergsteigerin Marielle Czerny. Mit von der Partie sind noch Dr. Helmut Reuss, Rechtsanwalt in Innsbruck sowie Pablo, Marielles Freund.

Schwarzenbacher und Reuss haben ein eigenartiges Hobby: Sie versuchen, bislang nicht aufgeklärte Verbrechen in den Bergen abseits der üblichen Polizeiroutine aufzuklären. Jeder der beiden hat eine attraktive Anzahl von Zeitungsberichten über mysteriöse Todesfälle gesammelt. Doch der Fall, den Reuss an diesem Nachmittag aus dem Talon zieht, wird das Quartett an seine eigenen Grenzen bringen.

Die Schwester des im Jahr 1974 tödlich verunglückten Bergsteigers Karl Mannhardt glaubt auch 35 Jahre danach nicht an ein Unglück. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass ihr Bruder ermordet worden ist.

Nach anfänglichen Zweifeln machen sich Schwarzenbacher sowie Marielle und Pablo auf, zu recherchieren. Der eine bei seinen Ex-Kollegen und dem damaligen Staatsanwalt sowie beim Alpenverein, die beiden Bergfexe in der Natur. Dabei entdecken sie insgesamt fünf Fälle, in denen Bergsteiger durch Steinschlag zu Tode gekommen sind. Ist hier ein Serienmörder unterwegs? Nur, warum sind die Abstände zwischen den möglichen Taten so groß und die Tatorte so weit auseinander? Das Quartett kann kein wirkliches Muster erkennen.

Meine Meinung:

Ich bin ja alles andere als ein Bergfex und kann nicht verstehen, warum man unbedingt auf Berge steigen (und manchmal auch herunterfallen) muss. Trotzdem haben mich die Schilderungen des Kletterns und die Erläuterungen zum Steinschlag fasziniert. Sehr spannend und lehrreich geschrieben.

Die Recherchen Schwarzenbachers, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, fördern einiges aus der Vergangenheit zutage, das nun in der Gegenwart seine Opfer fordern.

Sehr interessant sind die Perspektivenwechsel und Rückblenden. Da ist zum einem die Sicht von Karl Mannhardt sowie der Blick auf die mysteriösen Ereignisse im Jahr 1974.

Dann, nur ganz kurz angerissen, der Vorfall, bei dem Marielle ein Trauma („Schattenwand“) davongetragen hat. Sie klettert zwar wieder, muss sich aber ihren Zweifeln und Ängsten stellen.

Auch der vorerst anonyme Blick des Täters ist gut eingeflochten.
Als der dann persönlich in Erscheinung tritt, habe ich recht schnell den Auslöser für seine Taten vermutet (und recht behalten).

Neben dem Mord an Karl Mannhardt wird dann noch - so quasi im Vorbeigehen - das Rätsel um zwei Bergsteiger, die 2002 und 2003 tot aufgefunden worden sind, gelöst. Dazu schwenkt die Geschichte nach Deutschland: Zwei Männer haben unabhängig voneinander ähnliche Albträume. Sie haben damals, als Jugendliche, aus Langeweile, getötet. Diesen Handlungsstrang hätte es meiner Ansicht nach nicht unbedingt gebraucht, denn außer, dass Schwarzenbachers Exkollege Hosp Berichte bzw. Aufrufe in den Alpenvereinszeitschriften lanciert, tragen Schwarzenbacher & Co. wenig dazu bei. Obwohl, das schlechte Gewissen und die Notiz in der Zeitung lassen einen der Täter handeln. Dieser Teil wäre wohl als eigenständiger Krimi sehr interessant.

Der Showdown ist sehr gut gelungen. Hier bin ich schon beim Lesen außer Atem gekommen.


Zwei kleine Kritikpunkte muss ich anmerken:

Zum einen hat mir ein bisschen gefehlt, wie das erste Zusammentreffen von Schwarzenbacher/Reuss mit Pablo und Marielle zustande gekommen ist und zum anderen ist die Kletterei von Pablo und Marielle in Frankreich für die Krimihandlung nicht wirklich relevant. Da hätte getrost gekürzt werden können.

Der Schreibstil ist fesselnd und die Erklärungen zu Bergsteigen, Klettern und die Gefahren, die sich Menschen im alpinen Gelände aussetzen, sind verständlich. Das ist allerdings kein Kunststück, denn Autor Stefan König war selbst Extrembergsteiger und schreibt auch Sachbücher zum Thema Berge.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi aus dem alpinen Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich, der auch an die Grenzen einzelner Protagonisten geht. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 01.01.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Elsas Glück
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Man schreibt das Jahr 1928 und im Palais Sonnstein leben drei Generationen der Familie Sonnstein unter einem Dach: Mathilde, die Matriarchin, die dem Kaiserreich nachtrauert und ein strenges Regiment führt, ...

Man schreibt das Jahr 1928 und im Palais Sonnstein leben drei Generationen der Familie Sonnstein unter einem Dach: Mathilde, die Matriarchin, die dem Kaiserreich nachtrauert und ein strenges Regiment führt, der verbitterte Simon, der den Familienbetrieb übernommen hat und Jakob, dem Facharzt für Lungenheilkunde, der traumatisiert aus dem Großen Krieg gekommmen sit, mit Ehefrau Lotte, die in ihrer Jugend als Verkäuferin im Bergsportgeschäft der Mizzi Langer-Kauba gearbeitet hat, sowie deren inzwischen erwachsenen Kindern Elsa und Conrad. Nach wie vor hat „man“ Personal, wenn auch nicht so viel wie unterm Kaiser.

Conrad hat seinem Vater zuliebe Medizin studiert, obwohl er das Leid der Kranken nicht ertragen kann, denn viel lieber ist er, wie seine Mutter, in den Bergen.

Elsa studiert Psychologie und Pädagogik und ist den modernen Ideen in der Erziehung der Kinder aufgeschlossen. Um bei den Studienkollegen nicht aufzufallen, verschweigt sie ihre Herkunft. Im Zuge ihrer Ausbildung muss sie in der KÜST, der neu geschaffenen Kinderübernahmestelle der Stadt Wien, hospitieren und lernt Werner kennen. Werner wurde anlässlich der Schuleinschreibung seiner Mutter abgenommen, weil sie nach dem Tod ihres Mannes Arbeit bzw. Wohnung verloren hat und anschließend obdachlos geworden ist.

Gemeinsam mit Studienkollege Moritz Grün, verhilft sie den Heimkindern im Schloss Wilhelminenberg zu ein paar fröhlichen Stunden. Doch während sie Moritz nur freundschaftliche Gefühle entgegenbringt, scheint Otto, ein überzeugter Sozialdemokrat und Reporter, ihr Herz zu gewinnen. Doch als sie ihn bittet, gemeinsam mit ihr nach Werners Mutter zu suchen, zeigt Otto sein wahres Gesicht, das alles andere als sozial eingestellt ist.

Enttäuscht reist sie Hals über Kopf an den Attersee zurück, wo ihre Tante in einer lesbischen Beziehung lebt. Die Überraschung ist groß, als sie dort auf einen behinderten jungen Mann trifft, der ein streng gehütetes Familiengeheimnis ist.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist der zweite Teil der „Sonnstein-Trilogie“. Schon im ersten Band („Lottes Träume“) bekommen wir es mit einer starken Frau zu tun: Lotte, Elsas Mutter.

Diesmal steht eben Elsa im Mittelpunkt, ebenso stark und dickköpfig wie klug sucht sie ihr privates und berufliches Glück. Wir begegnen alten Bekannten wie Mizzi Langer-Kauba und anderen historischen Persönlichkeiten.

Das Buch stellt sich und seine Protagonisten vor sozialkritische Fragen: Ist es noch zeitgemäß, Personal zu haben oder ist es auch Lotte und Elsa zumutbar, Arbeiten im Haushalt zu verrichten? Mathilde ist strikt dagegen, dass die „Herrschaft“ also Mitglieder der Familie Sonnstein auch nur irgendeinen Handgriff im Haushalt tun. Das führt zu der komischen Situation, dass, nach der Kündigung der Köchin, nur mehr zwei Gerichte auf den Tisch kommen: Kraut- oder Schinkenfleckerl.

Daneben kommen auch die Mitglieder der Sozialdemokraten nicht ganz so gut weg. Otto verabscheut Arbeitslose, ohne sich näher zu informieren, warum die Menschen ihre Arbeit verloren haben. Für ihn sind sie Gesindel und Arbeitsscheue, die man am besten hinter Gitter bringt. Eine günstige Wohnung sollen nur jene erhalten, die Arbeit haben und in die Partei eingetreten sind. So bricht er auch eine Lanze für die Kinderheime, in die Kinder aus desolaten Verhältnissen eingeliefert werden. Wie man (heute) weiß, ist weder die KÜST noch das Kinderheim im Schloss Wilhelminenberg ein Hort des liebevollen Umgangs mit Kindern, eher das Gegenteil.

Weiters werden die traumatisierten Kriegsteilnehmer, die krank an Körper und Seele heimgekehrt sind, thematisiert. Stellvertretend für diese Gruppe ist Jakob Sonnstein, der mitansehen musste, wie zahlreiche seiner Kameraden in den Dolomiten bei Lawinenabgängen ums Leben gekommen sind.

Auch die ungewöhnliche Lebensweise von Elsas Tante kommt zur Sprache. Man tuschelt hinter deren Rücken, das gute Geld nimmt man allerdings gerne.

Diese vielen Aspekte und Einblicke verdichten sich zu Weihnachten bzw. zu Chanukka einem dramatischen Höhepunkt.

Beate Maly hat mit diesem Roman einen ziemlich authentischen Bericht der Zeit um 1928 abgegeben. Die wirtschaftliche Not, die politischen Umwälzungen und der stets stärker werdende Antisemitismus spielen ebenso eine Rolle wie die Abscheu vor Behinderungen aller Art (auch wenn sie die eigene Familie betreffen) wie das Skilaufen und ein wenig Romantik.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung der Familiengeschichte der Sonnsteins, der ich gerne 5 Sterne gebe und mit Spannung auf den dritten Teil warte.

Veröffentlicht am 31.12.2020

Opulent, fesselnd - Einblick in die Bronzezeit

Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra - Neue Horizonte
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Dieses prachtvolle Buch ist der Begleitband zur Ausstellung in Halle an der Saale, die von 4. Juni 2021 bis 9. Jänner 2022, stattfinden wird.

Erstmals werden die Ergebnisse von knapp 20 Jahren Forschung ...

Dieses prachtvolle Buch ist der Begleitband zur Ausstellung in Halle an der Saale, die von 4. Juni 2021 bis 9. Jänner 2022, stattfinden wird.

Erstmals werden die Ergebnisse von knapp 20 Jahren Forschung zur Bronzezeit gezeigt. Im Fokus steht natürlich die die „Himmelsscheibe von Nebra“, die nach wie vor als historische Sensation gilt. Sie stammt aus einer Zeit, in der die Völker/Stämme Europas keine schriftlichen Hinweise hinterlassen haben. Diese Darstellung von Sonne, Mond und Himmel ist einzigartig. Nicht nur in ihrer Gestaltung, sondern zeugt auch von ausgedehnten Handelsbeziehungen der bronzezeitlichen Menschen. Die verwendeten Werkstoffe stammen aus unterschiedlichen Ländern: so ist das Kupfererz der Himmelsscheibe aus Österreich und ihr Gold aus Cornwall. Allerdings hat man auch Gedanken ausgetauscht, denn der Mythos vom Sonnenschiff kommt wahrscheinlich aus dem Alten Ägypten und das Wissen um die Plejaden aus dem Orient.

Die Himmelsscheibe wird in dieser Ausstellung gemeinsam mit anderen Funden der sogenannten Aunjetitzer Kultur präsentiert. Zahlreiche andere wertvolle Objekte wie das goldene Cape von Mold, die Silberdiademe von El Argar und der Goldhut von Schifferstadt werden im historischen Kontext (neu) interpretiert.

Nach Geleit-, Vorworten und einem Zeitkreis, sowie ausführlichen Karten, auf denen die Fundorte eingezeichnet sind, führen uns sieben Kapitel in das Wissen um die Himmelsscheibe:

Das Ende der Steinzeit
Die ersten Europas
Das Reich der Himmelsscheibe
Staaten und Armeen
Sakraler Ort - sakrale Landschaften
Schätze aus Flüssen, Meeren und Bergen
Neue Horizonte

Fazit:

Dieser opulente Bildband gibt uns Einblick in ein vernetztes Europa, das zwar keine Schrift, aber mit zahlreichen goldenen Objekten für Rituale, Kultanlagen und Fürstengräbern eine faszinierende Kultur hinterlassen hat. Diesem Buch, das sich als perfektes Geschenk für alle jene, die sich für unsere Herkunft interessieren, eignet, gebe ich gerne 5 Sterne.