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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2020

Leider eine herbe Enttäuschung

Das Mündel des Hofmedicus
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Dieser historische Roman, der die Jahre 1804-1820 umfasst, hat mir leider nicht gefallen. Warum?

Die Idee, den von Kurfürst und späteren König von Napoleons Gnaden Friedrich von Württemberg ausgerufenen ...

Dieser historische Roman, der die Jahre 1804-1820 umfasst, hat mir leider nicht gefallen. Warum?

Die Idee, den von Kurfürst und späteren König von Napoleons Gnaden Friedrich von Württemberg ausgerufenen Wettstreit, welche Erziehungsmethode, nämlich die durch Prügel und Strenge oder jene nach Heinrich Pestalozzi, mit Liebe und Zuneigung, bessere Erfolge bringt, habe ich sehr interessant gefunden.

Doch was habe ich bekommen?
Eine sehr verworrene Geschichte um Christiane, genannt Nanele oder Nanette, die angeblich die außereheliche Tochter einer nicht näher genannten Adeligen sein soll und bereits als Baby durch zahlreiche Hände gegangen ist, bis sie in der kinderreichen Familie des Pfarrers von Metzingen eine glückliche Kindheit verbringen darf.

Allerdings ändert sich Nanettes Leben mit knapp acht Jahren von Grund auf. Sie wird nach Stuttgart gebracht, wo Elisabeth Hehl, die Gattin des dortigen Bergrates und Schwester des Hofmedicus‘, ihre „Erziehungsmethoden“ anwendet. Frau Hehl gibt sich als leibliche Mutter aus und entpuppt sich als sadistische Psychopathin, die das Kind wegen jeder oft nur erfundenen oder echten Verfehlung misshandelt.

Immer mitten drinnen im Geschehen sind auch zwei Spielkarten - die Herzsieben und die Ecksteinsieben, um die es ein besonderes Gerangel gibt.

Der Schreibstil entspricht der Geschichte - kurze abgehackte Sätze, wenig Struktur, viele Wiederholungen. So wird einem Mantra gleich, x-Mal die Herkunft der Hehl („ich bin eine Geborene von Klein“) erwähnt. Auch der Hofmedicus wird in ähnlicher Weise mehrfach erwähnt. („Zum Blasensteinschneiden führte er in einem Etui....“). Diese Wiederholungen bringen die Handlung so gar nicht weiter. Wenn sie als „Stilmittel“ verstanden werden sollten, so ist das bei mir daneben gegangen. Mich haben sie ziemlich genervt.

Die eingeflochtenen Dialaktpassagen sind ein Versuch, ein wenig Lokalkolorit in den Roman zu bringen. Andererseits dürfen wir an den Gedankengängen der Nanele teilhaben, die schon mit drei bzw. fünf Jahren recht gespreizt wirkende Sätze denkt oder spricht.

Parallel zu diesem historischen Roman habe ich „Der Wintersoldat“ von Daniel Mason und „Schatten der Welt“ von Andreas Izquierdo gelesen. Beides historische Romane, die sich durch Struktur und außergewöhnliche Erzählkunst hervorheben. Obwohl beide das Thema „Erster Weltkrieg“ behandeln, lassen sich diese Bücher flüssig lesen. Vielleich fällt dieser historische Roman auch deswegen so stark ab.

Hier bei „Das Mündel des Hofmedicus“ habe ich mehrmals damit gerungen, das Buch abzubrechen. Immer wieder habe ich mich gefragt, was die Autorin ihren Lesern mitteilen möchte und bis zum Schluss, hat sich mir der Sinn dieser Erzählung nicht erschlossen. Schade um das interessante Thema der unterschiedlichen Erziehungsstile.

Fazit:

Den hohen Bewertungen zahlreicher Leser kann ich mich nicht anschließen. Einzig der Recherchearbeit der Autorin verdankt das Buch die 2 Sterne.

Veröffentlicht am 13.08.2020

Ein gelungener hist. Roman

Schatten der Welt
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Man schreibt das Jahr 1910. Der deutsche Kaiser will in seiner Großmannsucht seinem Reich Weltgeltung verschaffen und vergisst dabei auf das Innere des Landes zu schauen, wo es mehr als genug Möglichkeiten ...

Man schreibt das Jahr 1910. Der deutsche Kaiser will in seiner Großmannsucht seinem Reich Weltgeltung verschaffen und vergisst dabei auf das Innere des Landes zu schauen, wo es mehr als genug Möglichkeiten zur Entfaltung gäbe. Die Diskrepanz zwischen arm und reich ist riesig. So auch im kleinen Ort Thorn in Westpreußen. Drei Jugendliche wachsen inmitten von Armut und Gewalt auf.

Carl Friedländer, der schmächtige Sohn eines jüdischen Schneiders, der seinem Modesalon der Vergangenheit in Riga nachtrauert, Artur, der Sohn des gewalttätigen Wagners und die gerissene Louise, genannt Isi. Die drei wollen aus ihrer Armut entfliehen und entwickeln bereits als Halbwüchsige eigene Ideen, die nicht immer den Gesetzen entsprechen. So nehmen sie das Erscheinen des Kometes Halley, der all 75 Jahre der Erde nahekommt zum Anlass, Überlebenspillen und Gasmasken, die Isi zuvor aus dem Magazin des preußischen Heeres „beschafft“, an die abergläubische Bevölkerung zu verkaufen.

Es scheint, als hätte es das Trio geschafft, als Artur mit dem ergaunerten Geld einen der modernen Lastwagen kauft und ein florierendes Geschäft aufbaut.

Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs macht alle Hoffnung zunichte. Die drei Freunde werden getrennt. Werden sie sich je wiedersehen?

Meine Meinung:

Ich habe diesen historischen Roman, der die damalige Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Macht in einer rückständigen Kleinstadt darstellt. Innerhalb einer Nacht gelesen.

Autor Andreas Izquierdo gelingt es vorzüglich, die Verhältnisse zu beschreiben. „Großbürgertum, Adel und Militär bildeten undurchdringliche Kasten, und das Dreiklassenwahlrecht sorgte dafür, dass sich das niemals ändern würde.“

Die Charaktere sind liebevoll beschrieben und ausgezeichnet ausgearbeitet. Die Schlitzohrigkeit von Isi ist kaum zu überbieten. Der schüchterne Carl entwickelt sich erst später, als er statt in des Vaters Fußstapfen als Schneider, eine Lehre als Fotograf antritt und später als Kriegsberichterstatter im Dienst der Donaumonarchie an den diversen Fronten auftaucht.

Die Schrecken und Gräuel des Krieges werden nicht nur direkt auf den Schlachtfeldern beleuchtet, sondern auch die Auswirkungen in der Heimat.

Einige Fragen bleiben offen, was eine Fortsetzung sehr wahrscheinlich macht. Auf eine solche freue ich mich.

Fazit:

Ein gelungener hist. Roman aus der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges, der die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft plastisch darstellt. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne und warte gespannt auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 13.08.2020

Ein guter Überblick

Chaos im Darm
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Dieses Buch stellt eine gute Übersicht über jene Mechanismen im Darm dar, die für chronische Krankheiten und/oder Allergien verantwortlich gemacht werden.

Das Buch soll und darf keine Diagnose durch einen ...

Dieses Buch stellt eine gute Übersicht über jene Mechanismen im Darm dar, die für chronische Krankheiten und/oder Allergien verantwortlich gemacht werden.

Das Buch soll und darf keine Diagnose durch einen Arzt ersetzen, sondern soll dazu beitragen, sich mir seinem Darm näher zu beschäftigen.

Sehr interessant finde ich die Darstellung der Körperhaltung, wenn die Darmflora geschädigt ist. Hier erfahren die Lese einiges zum Thema Darmbakterien.

Wir finden eine gute Zusammenfassung von diversen Krankheiten, diagnostischen Möglichkeiten und Therapieansätze mit Heilmitteln. Zahlreiche Tipps zu einer darmverträglichen Lebensweise ergänzen diesen Ratgeber aus dem Verlag Gräfe & Unzer.

Der Schreibstil ist meiner Ansicht gut verständlich. Im Anhang gibt es noch Tipps für weiterführende Literatur.

Fazit:

Insgesamt ein gelungenes Buch, das einen guten Überblick über „Das Chaos im Darm“ gibt. Dafür gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.08.2020

Ein beeindruckender hist. Roman

Der Wintersoldat
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Lucius Krzelewski, Sohn vermögender Industrielle, steckt mitten im Medizinstudium, als der Erste Weltkrieg Europa überrollt. Obwohl die Eltern, vor allem die Mutter, versucht, ihren Sohn in der Etappe ...

Lucius Krzelewski, Sohn vermögender Industrielle, steckt mitten im Medizinstudium, als der Erste Weltkrieg Europa überrollt. Obwohl die Eltern, vor allem die Mutter, versucht, ihren Sohn in der Etappe unter zu bringen, wird Lucius als Arzt verpflichtet, auch wenn er keine praktische Erfahrung hat. Ihn, den Idealisten, verschlägt es nach Lemnowice, einem kleinen Ort in den Karpaten. Dort hat das k. und k. Kriegsministerium ein provisorisches Kriegslazarett aufschlagen lassen.

Statt eines erfahrenen Kollegen findet Lucius lediglich eine Krankenschwester vor, die weitaus mehr von Chirurgie und Amputationen versteht als der studierte Mediziner. Gemeinsam nehmen sie Herausforderung an. Sie kämpfen gegen Läsue, Typhus und den viel zu knappen Medikamenten. Hier und da verzeichnen sie den einen oder anderen Genesungserfolg, wissen aber doch, dass sie Verwundeten nur schnell zusammengeflickt werden sollen, um möglich schnell wieder zur kämpfenden Truppe zurückzukehren. So soll auch der als „Wintersoldat“ bezeichnete Mann unverzüglich wieder zu seiner Einheit einrücken, denn offensichtlich ist er körperlich unversehrt, sondern hat ein schweres Trauma und Depressionen. Schwester Margarete und Lucius können den Mann nicht vor der barbarischen Strafe des „Anbindens“, nämlich nackt an einen Baum gefesselt zu werden, schützen. So müssen die beiden zusehen, wie er zwar gerade noch überlebt.
Wenig später kommt die Front immer näher und eines abends verschwindet Margarete. Als sich Lucius auf die Suche nach ihr macht, verirrt er sich und überlebt nur mit Mühe.

Meine Meinung:

Daniel Mason ist hier ein einfühlsamer und bildgewaltiger historischer Roman gelungen, der uns die Schrecken des Ersten Weltkriegs plastisch vor Augen führt. Dieser realitätsnahe Roman hat mich bis zur letzten Seite gefesselt.

Der idealistische Medizinstudent macht nicht nur durch seine Erlebnisse im Kriegslazarett eine Entwicklung zum Mann durch, sondern auch durch seine Verbundenheit mit Schwester Margarete. Er wird sie jahrelang suchen. Lucius hat es, wie vieler seiner Zeitgenossen und Kriegskameraden nicht leicht, in seiner Heimatstadt Wien wieder Fuß zu fassen. So muss er, der mit unzureichenden Mitteln Krankheiten bekämpft hat und sogar ein Kind zur Welt gebracht hat, wieder die Schulbank der Universität drücken. Kein einziger Tag seines Frontarztlebens wird ihm angerechnet.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der peniblen Recherche. Damit sich der Leser eine Vorstellung der genannten Örtlichkeiten vor Augen hat, ist im Vorsatzblatt eine Landkarte zu finden. Überhaupt ist die Aufmachung gediegen, mit Schutzumschlag und Lesebändchen.

Der Schreibstil ist sehr realistisch und ohne Sentimentalitäten oder Sensationslust. Manchmal wirkt er beinahe distanziert sachlich, um die Kriegsgräuel ein wenig auf Abstand zu halten.

Fazit:

Ein beeindruckender historischer Roman, den ich in kürzester Zeit gelesen habe. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.08.2020

Ein gelungener Reihenauftakt

Das Lichtenstein - Modehaus der Träume
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Dieser historische Roman ist der Auftakt zu einer Trilogie rund um das fiktive Modehaus „Lichtenstein“ in Berlin.

Schon der Prolog ist fesselnd, denn das Modehaus brennt. Doch danach schwenkt der Roman ...

Dieser historische Roman ist der Auftakt zu einer Trilogie rund um das fiktive Modehaus „Lichtenstein“ in Berlin.

Schon der Prolog ist fesselnd, denn das Modehaus brennt. Doch danach schwenkt der Roman in die Perspektiven der vielen Protagonisten: Da sind zum einem einmal die ungleichen Brüder Jacob und Ludwig Lichtenstein, die gemeinsam mit den Eltern das Modehaus führen. Während Jacob Ideen für die Zukunft hat, ist Ludwig der Bewahrer des Althergebrachten. Konflikte bleiben da natürlich nicht aus. Doch was wäre das Modehaus ohne die Angestellten? Die Vorzimmerdame, die emsig auf ihrer geliebten Schreibmaschine hämmert und alles weiß, oder die zahlreichen Verkäuferinnen und Näherinnen? Hier stechen Thea und Hedi heraus, die bald befördert werden und die neue Linie des Modehauses verkörpern. Und nicht zu vergessen Hannes Hellberg, der als Chefdesigner viele gute Ideen hat.

Der hist. Roman ist in die Jahre 1913-1918 eingebettet. Die Familie Lichtenstein bekommt den aufkeimenden Antisemitismus bereits zu spüren und wird auch von den Auswirkungen des verlorenen Ersten Weltkriegs nicht verschont.

Meine Meinung:

Der Schreibstil der Autorin, die bereits mehrere Bücher unter einem Pseudonym veröffentlicht hat, ist leicht und flüssig zu lesen. Durch bildhafte Darstellungen ersteht ein Bild dieser Zeit. Selbst die Traumata von Hannes Hallberg, der im Krieg ein Bein verliert, sind gut beschrieben.

Die Kapitel sind kurz und beleuchten aus den verschiedenen Perspektiven das Geschehen.

Gut in den Roman ist das historische Umfeld eingeflochten. So erfährt der Leser, wie die Frauen ihre, an den diversen Fronten befindlichen Männer ersetzen, und um das Wahlrecht kämpfen. Allerdings wird eher das Augenmerk auf die Berliner Mittelschicht gelegt. Die wirklich Armen wie ausgebeutete Fabriks- oder Heimarbeiterinnen werden nur am Rande erwähnt.

Nachdem hier eine Trilogie vorbereitet wird, werden schon einzelne Hinweise auf die Fortsetzung geliefert. Der Bruderzwist wird vermutlich weiter schwelen, zumal Ludwig und Jacob um die gegenseitigen Geheimnisse wissen. Wer nun welches zur Unzeit ausspielen wird, ist bestimmt im nächsten Band zu lesen.

Einzig mit dem Cover bin ich nicht ganz zufrieden, denn die abgebildete Frau ist für die Zeit zwischen 1913 -1918 zu modern gekleidet.

Fazit:

Ein flüssig geschriebener Auftakt einer Trilogie, auf deren Fortsetzung ich mich freue. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.