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Venatrix

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Veröffentlicht am 06.10.2019

Auch für interessierte NIcht-Wissenschaftler lesenwert

Unser Platz im Kosmos
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Seit Menschengedenken fragen sich die Erdenbewohner woher sie kommen und wohin sie gehen, ob sie alleine „auf der Welt“ sind.

Autor Arnold Hanslmeier, Professor für Astrophysik an der Uni Graz, ist diesen ...

Seit Menschengedenken fragen sich die Erdenbewohner woher sie kommen und wohin sie gehen, ob sie alleine „auf der Welt“ sind.

Autor Arnold Hanslmeier, Professor für Astrophysik an der Uni Graz, ist diesen Fragen in elf Kapiteln nachgegangen.
Er spannt den Bogen von den alten Kulturen bis in die aktuelle Wissenschaft. Naturgemäß können nicht alle Fragen beantwortet werden. Manches bleibt derzeit noch unerforscht. Aber die nachfolgenden Generationen brauchen ja auch noch ein Betätigungsfeld.

Erde und Mensch im Mittelpunkt
Das Weltbild im Mittelalter und in außereuropäischen Kulturkreisen
Vom Mittelalter in die Neuzeit
Die Frage nach dem Warum der Planetenbewegungen
Ist alles vorhersagbar
Von der Sonne zu den Sternen
Die Welt im Kleinen
Chaos oder Ordnung
Das expandierende Universum und der Urknall
Leben im Universum
Gibt es mehr als ein Universum?

Die einzelnen Kapitel sind gut aufbereitet und verfügen über ansprechende Grafiken und Abbildungen, so dass sie auch Leser, die sich noch nicht so intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, begeistern.
Überhaupt ist die Aufmachung des im Anton Pustet Verlag erschienenen Buch hochwertig. Daher eignet sich das Buch nicht nur zum Selberlesen sondern auch als Geschenk für alle jene, die gerne wissen wollen, wo „Unser Platz im Kosmos“ denn sein könnte.

Veröffentlicht am 05.10.2019

Ein Drama von Schuld und Sühne

Schuldacker
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Der junge Benedikt stolpert nach einem gewonnenen Fußballmatch trunken vor Freude (und sonstigem) über eine Leiche. Der Tote ist recht schnell identifiziert: es handelt sich um Paul Winterpracht, der vor ...

Der junge Benedikt stolpert nach einem gewonnenen Fußballmatch trunken vor Freude (und sonstigem) über eine Leiche. Der Tote ist recht schnell identifiziert: es handelt sich um Paul Winterpracht, der vor einiger Zeit seinerseits einen jungen Mann durch einen Faustschlag getötet hat. Aufgrund seiner Jugend und seiner geringen geistigen Fähigkeiten, ist er mit einem milden Urteil davongekommen. Das wiederum hat einige Bewohner von Westerwick wie den Journalisten Gerd Nollmann und seine Bürgerwehr ziemlich aufgeregt. Spielt hier Selbstjustiz eine Rolle? Und was haben die Hinweise auf Bibelsprüche zu bedeuten.

Heinrich Tenbrink und Mail Bertram müssen in alle Richtungen ermitteln und durchleuchten sowohl die Familie Winterpracht als auch die Aukemas, deren Sohn das Opfer von Pauls Gewaltausbruch war. Die Familie Aukema gehört zu den strenggläubigen Mennoniten und hätten ein veritables Motiv. Allerdings erlegt ihnen ihr Glaube allerlei strenge Regeln auf und untersagt ihnen, Gewalt auszuüben und erlegt . Doch halten sich wirklich alle dran?

Meine Meinung:

Tom Finnek ist wieder ein fesselnder Krimi gelungen, der durch die unterschiedlichen Charaktere sowohl bei den Ermittlern als auch bei den Dorfbewohnern besticht. Heinrich Tenbrink hat nach wie vor einige Aussetzer nach seinem Schädelbruch und ist eigentlich die Karriereleiter hinauf gefallen. Allerdings, so argwöhnt der Münsterländer Dickschädel, soll er so aus dem Alltagsgeschäft herausgehalten werden, da seine Ermittlungsansätze hin und wieder gewöhnungsbedürftig sind. Ihm zur Seite steht wieder Maik Bertram, der manchmal etwas ungestüm ist und nach wie vor von seiner Vergangenheit als Drogenfahnder in Magdeburg eingeholt wird. Trotz aller Unterschiede ergänzen sich die beiden so gut, dass sie nun gemeinsam mit Pudel Flocke eine Männer-WG in Tenbrinks Haus bilden. Diesmal spielt Flocke ein recht große Rolle, die dem Krimi eine humoristische Tone gibt.

Ein abermaliges Wiedersehen mit Jan Bonnema, dem niederländischen Polizisten bewahrt Maik vor einer Riesendummheit. Ach ja, Dummheit - Maik und die Frauen sind auch so ein Kapitel mit dem wir uns hier beschäftigen. Diesmal ist er zwar der Gelackmeierte, aber so ganz unschuldig ist er an der verzwickten Situation nicht.

Natürlich darf auch ein bisschen Gesellschaftskritik nicht fehlen. So sehen wir uns unterschiedlichen Kategorien von Flüchtlingen gegenüber: Zunächst die Ostpreußen, die seinerzeit von der Roten Armee vertrieben worden sind. Die sind zumindest akzeptiert, weil ja immerhin Deutsche. Dann die Bürger der ehemaligen DDR, auch Deutsche, aber schon eher scheek beäugt, weil die ja lieber im Westen von Sozialhilfe leben, als in den neuen Bundesländern arbeiten zu gehen. Und dann natürlich die Ausländer, egal woher sind sie die dritte und unterste Klasse von Flüchtlingen, denen man alles zutraut. Interessanterweise ist man auch auf Niederländer nicht gut zu sprechen.

Wie wir es von Tom Finnek gewöhnt sind, sind einfache Lösungen seine Sache nicht. Er schickt Ermittler wie Leser auf allerlei falsche Fährten und in mehrere Sackgassen, die zuvor viel versprechend ausgesehen haben.

Der fiese Cliffhanger am Ende des Buches und die Ankündigung des Autors, an einen vierten Fall für Tenbrink und Bertram zu schreiben, lassen mich voller Vorfreude auf die Fortsetzung warten.

Fazit:

Ein verzwickter Krimi, bei dem nichts so ist, wie es aussieht. Gerne gebe ich hier wieder 5 STerne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Geschichte
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2019

Staatsanwältin Riley einmal anders

Hotel Cartagena
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In einer schicken Bar in St. Pauli treffen sich Staatsanwältin Chastity Riley und fünf weitere Kriminalbeamte, um den 65. Geburtstag von Faller, dem Chef der Mordkommission, zu feiern. Doch die lustig ...

In einer schicken Bar in St. Pauli treffen sich Staatsanwältin Chastity Riley und fünf weitere Kriminalbeamte, um den 65. Geburtstag von Faller, dem Chef der Mordkommission, zu feiern. Doch die lustig lockere, alkoholgeschwängerte Feier endet plötzlich: Ein Dutzend schwer bewaffneter Männer dringt in die Bar ein und nimmt alle Barbesucher als Geiseln. Die Geiselnehmer ahnen nicht, dass sie es mit einem zusammengeschweißten Team von Kriminalbeamten und der Staatsanwältin zu tun haben, die sich auch nur mit Blicken bestens untereinander verständigen können. Zuvor mussten alle Geiseln ihre Mobiltelefone abgeben. Nur gut, dass KHK Calabretta neben einem Messer ein Zweittelefon in seinen Cowboystiefeln trägt und Hilfe rufen kann.

In vielen Rückblenden bis ins Jahre 1984 wird langsam klar, dass es sich hier um Rache an einem Hamburger Schnösel handelt, der die Familie des nunmehrige Anführers der Geiselnehmer auf dem Gewissen hat. Etwaige aktuelle Opfer sind Kollateralschäden. Doch welche der Geiseln ist er?

Meine Meinung:

Dieser nunmehr 9. Krimi rund um die unkonventionelle Staatsanwältin Chas Riley ist ein wenig anders als die bisherigen. Nicht Riley und ihr eher ausschweifendes Privatleben und der erhöhte Alkoholgenuss stehen im Mittelpunkt, sondern Henning Garbarek, der vor Jahren aus Hamburg fortging, um in Cartagena, Kolumbien, sein Glück zu machen. In diesem zweiten Handlungsstrang und gekonnt erzählten Rückblicken erfährt der Leser, wie es Henning in Cartagena ergangen ist. Wer bei „Kolumbien“ sofort an Drogen denkt, liegt nicht so ganz falsch.

Wer Simone Buchholz‘ Schreibstil nicht kennt, wird ein wenig irritiert sein. Ihre kurzen, knappen Sätze und die manchmal derbe Ausdrucksweise stoßen manche Leser vor den Kopf. Aber, das macht genau den Reiz dieser Krimi-Reihe aus. Die Wirklichkeit im Hamburger Kiez ist rau, derb, brutal und voll mit Drogen aller Art - das färbt auch auf die Ermittler ab.

Diesmal kommt sogar etwas wie Humor auf, denn die Autorin gibt ihren Kapiteln seltsam anmutende Überschriften wie „Ein Mann eine Wurst“ oder „Kopf in der Kreissäge“. Auch die kurzen Passagen, die in einer Art Lyrik dargeboten sind, wirken abgefahren.

Skurril auch, dass Chas mit fast jedem der anwesenden Polizisten ein Techtelmechtel hatte, aber der aktuelle Lover (noch) nicht dabei ist. Der wird einen waghalsigen Befreiungsversuch starten. Gleichzeitig taxiert sie die Geiselnehmer, ob die auf von ihr angebotenen Sex anspringen würden. Besonders den Anführer hat sie diesbezüglich im Visier.

Ein kleiner Kritikpunkt ist das Aufsehen, dass um Chas‘ lädierten linken Daumen gemacht wird. Wo hat sie sich diese Verletzung, die sich im Laufe der Zeit zu einer veritablen Blutvergiftung auswächst, überhaupt zugezogen?

Fazit:

Wie gewohnt, ein Krimi abseits des Mainstreams, anspruchsvoll und mit überraschenden Wendungen gespickt. Hochspannung für die Fans von Chas Riley und 5 Sterne für das Buch.

Veröffentlicht am 05.10.2019

Die Geister, die ich rief ...

Die Hinrichtung des Martin P.
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Martin P. ist ein Durchschnittsbürger. Er ist seit längerem arbeitslos. Wieder einmal fährt er zu einem Vorstellungsgespräch, das sich zunächst Erfolg versprechend aussieht, um wenig später, wieder im ...

Martin P. ist ein Durchschnittsbürger. Er ist seit längerem arbeitslos. Wieder einmal fährt er zu einem Vorstellungsgespräch, das sich zunächst Erfolg versprechend aussieht, um wenig später, wieder im Nichts zu verschwinden. Freundin hat er auch keine, nur Rosi, eine ehemalige Arbeitskollegin, trifft er ab und zu.
Frustriert über die abermalige Ablehnung postet er betrunken, in den Sozialen Medien, das was sich viele denken: Den Mörder eines kleinen Mädchens eigenhändig zu töten.
Als er dann von höchster Stelle, ein Jobangebot erhält, ist dies diesem Posting geschuldet. Doch an diesen Arbeitsvertrag ist eine Bedingung geknüpft...

Meine Meinung:

Schon der Titel macht neugierig. Martin P. wird hingerichtet? Wieso?Weshalb?Warum? Auch die drei Kapitelüberschriften „Tat“, „Urteil“ und „Strafe“ verkünden Unheil.

Was ist die Tat? Der Mord an dem kleinen Mädchen? Oder das Hassposting? (Wieder einmal eine b’soffene G’schicht, die aus dem Ruder gelaufen ist?)

Das Urteil? Die (fiktive) Todesstrafe für Tim? Oder die Anordnung der Ausführung für Martin?

Die Strafe? Das Weiterleben von Martin P. mit einem Schuldenberg, den er niemals abzahlen kann und einem schlechten Gewissen?

In diesem Thriller sieht man, wohin betrunken oder gedankenlos Ausgesprochenes bzw. in den Sozialen Medien Gepostetes führen kann. Auch wenn diese Geschichte fiktiv ist, so kann jede unbedachte Äußerung ungeahnte Ausmaße annehmen und sich verselbständigen. Außerdem ist klar erkennbar, dass jeder seinen Preis hat.

Das Cover ist in seiner Schlichtheit genial.
Der Schreibstil ist dem Genre angepasst. Kurze, knappe Sätze. Die direkte Red statt mit Anführungszeichen mit Bindestrichen zu kennzeichnen, ist anfangs gewöhnungsbedürftig, scheint aber das Zeichen der Zeit zu sein.

Fazit:

Ein Thriller, der nachdenklich macht. Gerne gebe ich hier 5 STerne.

Veröffentlicht am 04.10.2019

Hat mich enttäuscht zurück gelassen

Ein Sohn ist uns gegeben
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Wie der Titel leicht erahnen lässt, spielt hier eine Adoption eine Rolle. Doch nicht von einem Kleinkind, sondern von einem Erwachsenen, der sich als Nichtsnutz und gierig herausstellt.

Es ist der betagte ...

Wie der Titel leicht erahnen lässt, spielt hier eine Adoption eine Rolle. Doch nicht von einem Kleinkind, sondern von einem Erwachsenen, der sich als Nichtsnutz und gierig herausstellt.

Es ist der betagte Kunsthändler Gonzalo Rodriguez de Tejeda, ein Freund von Brunettis Schwiegervater Orazio Falier und gleichzeitig Paolas Patenonkel, der seinen jungen Liebhaber an Sohnes Statt annehmen möchte. Dass das weder Gonzalos Familie noch seinen Freunden wie Falier gefällt, ist nachvollziehbar. Diesmal ist es Orazio, der bei Brunetti einen Gefallen einfordert - der Commissario soll das Leben des Adoptivsohnes durchleuchten...

Noch während Brunetti Signorina Elettra die diversen Datenbanken nach Ungereimtheiten im Leben von Attilio durchforsten lässt, sterben Gonzalo und eine betagte Freundin, die zur Verabschiedung des Toten nach Venedig gekommen ist. Purer Zufall??

Meine Meinung:

Dieser 28. Kriminalfall für Commissario Brunetti ist bei Weiten nicht so gelungen wie seine Vorgänger. In der langen Reihe des Schaffens von Donna Leon hat es immer wieder Fälle gegeben, die ein wenig geschwächelt haben. Dieser wirkt zusätzlich noch ein wenig lieblos hingeschrieben. Klar, die fesselnden Themen wie Umweltverschmutzung, Mafia, Grundstücksspekulationen, Korruption, Nazi-Vergangenheit oder Kunstdiebstähle sind alle schon behandelt worden. Da kann es nicht mehr viel Neues geben. Was ich aber mehr bedauere ist, dass die spitzigen, amüsanten Wortgeplänkel, sei es mit Elettra oder Paola weitgehend fehlen.
Auch die Szenen in Vice-Questore Pattas Wohnhaus wirken irgendwie gequält. Ein Achtjähriger, der Pattas Frau beschimpft und ihr die Schultasche aufs Schienbein drischt, und Patta reagiert hilflos. Das ist nicht leicht zu verstehen.

In den Brunetti-Krimis steht im allgemeinen nicht die Jagd nach dem Täter im Vordergrund, sondern eher die Philosophie der Hintergründe. Diesmal liegen sie so klar und eindeutig vor, sodass es mir wenig Spaß gemacht hat, das Buch zu lesen. Brunetti scheint langsam auch zu altern, denn er liest seinen Euripides noch viel lieber als sonst. Alles wirkt ein wenig retardiert auf mich. Venedig
ist auch nicht mehr das, was es einmal war: Sogar die Blumenhandlung Biancat, in der Sowohl Brunetti als auch Signorina Elettra die schönsten Blumen kauften, musste einem Souvenirladen weichen.


Fazit:

Leider nicht so amüsant wie die meisten seiner Vorgänger. Dieser 28. Fall hat mich enttäuscht zurückgelassen, daher nur mit Nachsicht 3 Sterne. Schade!