Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2019

Maht neugierig, Biografien abseits von Lincoln und Kennedy zu lesen

Trinker, Cowboys, Sonderlinge
0

Wer glaubt, dass Donald Trump der erste und einzige etwas sonderbare Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, wird eines Besseren belehrt. Schon einige vor ihm sind durch Exzentrik oder unkonventionelles ...

Wer glaubt, dass Donald Trump der erste und einzige etwas sonderbare Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, wird eines Besseren belehrt. Schon einige vor ihm sind durch Exzentrik oder unkonventionelles Benehmen aufgefallen. Es war nur nicht gar so bekannt. Immerhin haben Nachrichten im 18. und 19. Jahrhundert einige Wochen gebraucht, um an ihr Ziel zu gelangen. Halbwahre/halbfalsche Geschichten von und über Präsidenten sind auch nichts wirklich Neues. Allein die übermäßige Präsenz des derzeitigen Amtsinhaber nervt zusehends. Wenn weder Zeitungen noch TV über ihn berichten würden - eine Wohltat.

Doch zurück zu vorliegendem Buch: Autor Ronald D. Gerste ist Augenarzt und (Medizin)Historiker, der vor allem durch seine Biografien über Abraham Lincoln
und John F. Kennedy bekannt geworden ist.

Wir erfahren einiges über

Andrew Jackson
Franklin Pierce
Ulysses S. Grant
Rutherford B. Haynes
Chester A. Arthur
Grover Cleveland
Theodore Roosevelt
William Howard Taft
Calvin Coolidge
Harry S. Truman
John F. Kennedy
Richard Nixon

Wie es für Kurzbiografien üblich, kann es nur Blitzlichter in den Leben der Porträtierten geben.

Ein bisschen verwirrend ist das amerikanische Wahlsystem. Allerdings hat es schon früher denkbar knappe Wahlausgänge in den diversen Wahlbezirken gegeben. Man könnte fast sagen: „alles schon einmal da gewesen“ - egal ob verhaltensoriginelle, besonders Umtriebige oder Revolverhelden.

Einzig das Wort „Sonderlinge“ ist für mich nicht ganz greifbar. In Zeiten der Duelle und der rauchenden Colts, ist es ganz normal zur Waffe zu greifen, auch wenn man Präsident der Vereinigten Staaten ist. Oder übermäßiger Alkoholgenuss ist ein Thema, aber gesellschaftlich akzeptiert. Es muss also ein Mann ein besonders starker Trinker gewesen sein, wenn dies extra erwähnt wird. Ich denke, das Prädikat „Sonderling“ muss im Kontext des jeweiligen Jahrhunderts bzw. Jahrzehnts gesehen werden. Nicht vergessen darf man auch, dass Journalisten, Biografen oder sonstige Zeitgenossen nicht immer die ganze Wahrheit über die Präsidenten kannten oder sagten.

Fazit:

Dieses Buch weckt die Neugier und das Interesse, andere Biografien der Präsidenten abseits von Kennedy und Lincoln zu lesen. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 29.09.2019

Wieder ein verzwickter Fall für Lukas Born

Dumm gelaufen, Martha
0

Lukas Born, suspendierter KHK und nunmehriger Privatermittler, wird von eine jungen, gut aussehenden Notarsgattin beauftragt, ihren verschwundenen Ehemann zu finden. Das ist eine angenehme Abwechslung ...

Lukas Born, suspendierter KHK und nunmehriger Privatermittler, wird von eine jungen, gut aussehenden Notarsgattin beauftragt, ihren verschwundenen Ehemann zu finden. Das ist eine angenehme Abwechslung in seinem eher spartanischen Leben. Denn die Suche nach vermissten Katzen, mit denen er sonst seinen Lebensunterhalt verdient, ist nicht ganz so prickelnd.

Wenig später finden sein Hund Manolo und er die Leiche des Notars im Wald. Einer betagten Frau, die möglicherweise zweckdienliche Hinweise geben könnte, hat die Polizei wenig Beachtung geschenkt. Born spricht mehrmals mit der Zeugin und ihre Beobachtungen führen ihn zu einem Kollegen und einer Motorradgang.

Meine Meinung:

Erwin Kohl ist es wieder gelungen einen fesselnden Krimi zu schreiben, der viele humorvolle Details enthält. Wer den Autor kennt, weiß, dass er sich nicht mit dem Offensichtlichen begnügt. Daher ist klar, dass alle Hinweise auf den Mörder viel zu „aufgelegt“ sind. Die Puzzleteile passen viel zu gut zusammen. Daher muss es anders gelaufen sein.

Herrlich wieder die Zusammenstellen der SoKo vom Campingplatz. Hund Manolo ist ja überhaupt der heimliche Star. Doch diesmal hat er Konkurrenz durch die Katzen, die ihrer betagten Gräfin entwischen.

Lukas‘ Noch-Frau spielt diesmal keine so strahlende Rolle als Ermittlerin. Sie kann diesmal froh sein, dass Lukas die heißen Kastanien aus dem Feuer holt. Insgesamt kommt die Polizei nicht gar so toll weg. Zeugenaussagen ignorieren, sich manipulieren lassen, Ermittlungsergebnisse ausplaudern - auweia, da war die Truppe nicht ganz auf der Höhe. Gut, dass es Lukas Born gibt, der auch den einen oder anderen nicht immer ganz legalen Kniff anwenden kann.

Die Charaktere sind wieder gut gezeichnet, denn alle haben ihre Ecken und Kanten.

Fazit:

Wieder ein verzwickter Fall für Lukas Born, der eigentlich wieder als KHK arbeiten sollte. Gerne gebe ich hier 4 Sterne

Veröffentlicht am 29.09.2019

Folgen wir lieber der Freude als dem Stress

stressbefreit
0

Yoga-Lehrerin und Coach Susanne Busson stellt in ihrem neuen Buch einige Thesen abseits des üblichen „Schluss mit Stress“-Themas auf.

In 5 Kapiteln führt sie interessierte Leser in ihre Ideen ein. Wer ...

Yoga-Lehrerin und Coach Susanne Busson stellt in ihrem neuen Buch einige Thesen abseits des üblichen „Schluss mit Stress“-Themas auf.

In 5 Kapiteln führt sie interessierte Leser in ihre Ideen ein. Wer nun bereit ist, sich auf diese Entdeckungsreise zu begeben, kann hier nachlesen.

Stress oder Flow
Vier Bewusstseinswelten
Mehr oder weniger Stress
Das Ende vom Stress
Weniger denken, mehr sein

Niemand soll sich mehr dem Stress hilflos ausgesetzt fühlen. Mit einigen, wenn auch manchmal radikal anmutenden Ideen, kann es gelingen, den Druck, den die Arbeit, die Freizeit oder die Familie erzeugt, abzubauen.

Die Autorin erklärt, wie man mit einfachen Prinzipien und Erkenntnissen, Stress entweder gar nicht entstehen oder schnell wieder abflauen lassen kann.
Dazu bedient sie sich fernöstlicher Weisheiten und Lebensgewohnheiten. Sie erklärt, wie Ernährung sich ungünstig bzw. günstig auf unser Stressempfinden auswirkt. Dieser Ansatz gefällt mir ganz gut, auch wenn es manchmal nicht einfach erscheint, lieb gewonnene Speisen vom Speiseplan zu eliminieren. Aber, wie heißt es so schön? Probieren geht über studieren.

Das Buch aus dem Orac-Verlag ist in schöner Aufmachung erschienen. Das Cover in dezentem Weiß mit der goldfarbenen Schrift, hebt sich wohltuend von zahlreichen anderen Ratgebern zum Thema Stress ab. Es wirkt reduziert, beinahe asketisch und lässt den Leser sich auf das Wesentliche konzentrieren.

FAzit:

Ein etwas anderer Ratgeber zum Thema „Ist Stress notwendig?“ Folgen wir lieber der Freude - da haben alle etwas davon. Gerne gebe diesem Buch 4 Sterne.

Veröffentlicht am 29.09.2019

ein interessantes Stück Zeit-, Familien- und Musikgeschichte

Lebensklänge
0

Milan Turković ist ein bekannter Dirigent und begnadeter Solist an einem eher ungewöhnlichen Instrument, dem Fagott.

In dieser Biografie beschreibt er seine Herkunft und aus dem Leben seiner Mutter, die ...

Milan Turković ist ein bekannter Dirigent und begnadeter Solist an einem eher ungewöhnlichen Instrument, dem Fagott.

In dieser Biografie beschreibt er seine Herkunft und aus dem Leben seiner Mutter, die mehrmals der Kollaboration bezichtigt wurde und aus dem damaligen Jugoslawien flüchtete.

In vielen Anekdoten erfahren wir, was ihn geprägt hat und wie er das Fagott kennen und lieben gelernt hat.
Einen großen Teil nimmt seine Arbeit bei den Wiener Symphonikern (nicht zu verwechseln mit den Wiener Philharmonikern), die Zusammenarbeit mit Musikgrößen wie Nikolaus Harnoncourt ein. “

Wir erfahren, dass sein Leben nicht nur eine Sonnen- sondern auch eine Schattenseite hat.

Dieses Buch habe ich gerne gelesen, da es einen dezenten Einblick in das Leben anderer Menschen gibt, der niemals voyeuristisch ist. Milan Turković ist ein stiller, genauer Beobachter. Seine Ausdrucksweise ist gepflegt und gebildet.

Eine Vielzahl von auch höchst privaten Bildern bereichern diese gediegen ausgestattete Buch, das als Geschenk für Musikfreunde bestens geeignet ist.

Fazit:

Dieses Buch ist ein schönes Stück Zeit-, Familien- und Musikgeschichte, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 29.09.2019

Fesselnd bis zur letzten Seite

Stille Havel
0

Als der Kunstexperte Helmut Lothroh erschlagen unter Bauschutt im Park von Sanssouci aufgefunden wird, ahnen die Ermittler noch nicht, in welche Abgründe sie dieses Mordopfer führen wird.

Der Tote hat ...

Als der Kunstexperte Helmut Lothroh erschlagen unter Bauschutt im Park von Sanssouci aufgefunden wird, ahnen die Ermittler noch nicht, in welche Abgründe sie dieses Mordopfer führen wird.

Der Tote hat sich auffallend für ein Gemälde im Museum Barberini interessiert, das eine Witwe mit verschleiertem Antlitz zeigt. Niemand weiß, wer diese Frau ist. Die Ermittlungen gestalten sich ein wenig mühsam, da die Zeugen oder Verdächtigen alles samt wenig kooperieren. Und Verdächtige gibt es viele. Sei es ein Antiquitätenhändler, dessen Kundschaft auffällig an Nazi-Devotionalien interessiert sind oder eine Museumsdirektorin die in Internet-Foren ihren jüdischen Mädchennamen und im gesellschaftlichen Leben Berlins einen anderen führt. Und dann ist da noch Marie Hellström, die einer herrschaftlichen Villa an der Havel wohnt, die das Mordopfer mehrmals fotografiert hat. Was hat sie mit Helmut Lothroh zu tun?

Richtig Schwung kommt in die Ermittlungen, als Marie auf dem Foto des Bildes mit der geheimnisvollen, verschleierten Frau ihre Großmutter erkennt. Und welche Rolle spielt die seltene Goldmünze?

Meine Meinung:

Wie wir es von Tim Pieper gewöhnt sind, sind einfache Charaktere oder Handlungsstränge seine Sache nicht. Der Krimi spielt auf zwei Zeitebenen.

Diesmal tauchen wir tief in die Zeit der Nazis ein, in der Propagandaminister Joseph Goebbels das Filmstudio UFA in Babelsberg fest in seiner diktatorischen Hand hält: Kein Filmstoff, kein Drehbuch, kein Regisseur oder Schauspieler kann ohne sein Placet auskommen. Er missbraucht seine Macht und zwingt Schauspielerinnen ihm zu Willen zu sein. Wer ihm nicht gehorcht, hat keine Chance am Set und wird verfolgt. Dass die „Besetzungscouch“ auch heute noch nicht ausgedient hat, beweisen Anklagen und Berichte diesseits und jenseits des Atlantiks.

Gekonnt verknüpft der Autor geschichtliche Fakten und Personen mit Fiktion. Dabei werden die historischen Details völlig unaufgeregt in die Handlung eingebettet, so dass bei den Leser niemals der Gedanke aufkommt, gerade eben Geschichtsunterricht zu erhalten. Da mag ich an Tim Piepers Art zu schreiben, besonders.

Auch die Charaktere sind alles ander als einfach. Da haben wir einmal KHK Toni Sanftleben selbst: ein trockengelegter Alkoholiker, der immer auf der Hut sein muss, nicht wieder dem Dämon Alkohol zu erliegen. Sein Privatleben ist ein Trümmerhaufen, seit ihn seine Frau verlassen und der gemeinsame Sohn in Amerika lebt. Ein Lichtblick in seinem Leben ist Staatsanwältin Caren Winter, zu der er sich hingezogen fühlt. Diesmal taucht mit Marie Hellström eine neue Frau auf, die ihm interessant erscheint. Wie wird er sich entscheiden? MArie oder Caren heißt das Match.

Sein Mitarbeiter Phong, ein EDV-Freak ist ebenfalls ein schwieriger Charakter. In den Vorgängerbänden hat er sich mit Junkfood und Süßem vollgestopft. Jetzt hat er zwar abgespeckt, aber die Kost aus teilweise blutigem Fleisch, hat sein Wesen nachhaltig verändert. Er ist anmaßend, präpotent und gebärdet sich wirklich unmöglich.

Auch die Täter, Opfer und/oder Verdächtigen sind gut gezeichnet. Die Mitglieder der Familie Hellström zum Beispiel oder die Direktorin des Museums. Manche Figuren sin sehr zwiespältig angelegt und polarisieren bei den Lesern. Einige, wie Lydia, muss man im Kontext der Zeit und der Lebensumstände betrachten. Hier muss man aufpassen, diese Personen nicht mit dem Wissen von heute über die Nazi-Zeit zu beurteilen.

Die Leser werden durch unterschiedliche Hypothesen auf so manche falsche Fährte gelockt. Doch eines ist bald klar: Es geht um viel Geld.

Fazit:

Ein Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt und durch aufwändige Recherche besticht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.