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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2019

Faszination Stille

Stille
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In ihrem zweiten Buch schreibt die Autorin und Journalistin, Micky Kaltenstein, über die „Stille“. Etwas, das in unserer lauten Zeit schon sehr selten geworden ist. .
Die Autorin hat 9 Personen heraus ...

In ihrem zweiten Buch schreibt die Autorin und Journalistin, Micky Kaltenstein, über die „Stille“. Etwas, das in unserer lauten Zeit schon sehr selten geworden ist. .
Die Autorin hat 9 Personen heraus gepickt, die bewusst nach Stille gesucht und sie auch gefunden haben. Diese Menschen hat sie befragt und porträtiert. Der Bogen ist dabei weit gespannt.

Peter Svatek
Bella Meyer
Christopher Lewis
Elisabeth Pozzi-Thanner
Sven Jungclaus
Anne Boster
Bernd Kober
Karin Michalke
Wilfried J. Brandner

Diese neun höchst unterschiedlichen Menschen erzählen, wie sie ihre persönliche inneren und äußere Stille gefunden haben. Sie berichten, dass manchmal die Herkunft oder Leben an sich ihnen einige Stolpersteine in den Weg gelegt hat, die sie überwinden konnten.

Meine Meinung:

Jede der Geschichten ist einzigartig, wie die Person, die sie erzählt. Eine möchte ich besonders hervorheben, nämlich di von Elisabeth Pozzi-Thanner, die die Stille, die die Nazi-Zeit in Österreich bis die 1980er Jahre hinterlassen durchbricht, indem sie als „Oral-Historian“ Überlebende der Shoah interviewt hat.

Interessant auch die Bemerkung von Christopher Lewis, der wegen allerlei Unfug
von seiner Mutter Hausarrest auferlegt bekommen hat, und diesen mehr als Segen denn als Strafe empfunden hat, konnte er doch, alleine und in der Stille seinen Gedanken nachhängen. Das fehlt den Kinder von heute vielfach. Denn die werden 24 Stunden 7 Tage die Woche bespaßt und haben kaum Möglichkeit sich zurückzuziehen. Wenn man ihnen mehr Möglichkeit zur Entdeckung der Stille böte, wer weiß, ob der eine oder andere Konflikt gar nicht entstünde.

Der Schreibstil ist ansprechend, locker und flüssig. An manchen Stellen kann man die Stille richtig spüren.

Fazit:

Ein nettes Mitbringsel aus dem Salzburger Pustet-Verlag, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 23.10.2019

FRauen können Technik - eh, klar!

Frauen können Technik
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Eh, klar, möchte man meinen. Warum auch nicht? - sagen andere. Warum muss man das nach wie vor hervorheben? Weil die liebsten Berufe von Mädchen nach wie vor Friseurin, Verkäuferin oder Bürokraft sind. ...

Eh, klar, möchte man meinen. Warum auch nicht? - sagen andere. Warum muss man das nach wie vor hervorheben? Weil die liebsten Berufe von Mädchen nach wie vor Friseurin, Verkäuferin oder Bürokraft sind. Genau jene Berufe, in denen es wenig zu verdienen gibt und wenige Aufstiegschancen bieten.

Reinhard Engel zeigt in 26 Kapiteln, dass es auch anders geht. Er hat Absolventinnen der Montanuni Leoben, BOKU und der TU-Wien nach ihren Erfahrungen befragt. Ja, aber - höre ich schon Zweifler sagen, Akademikerinnen, die haben’s ja einfacher. Haben sie es wirklich einfacher?
Dass nicht nur „Studierte“ ihren sprichwörtlichen Mann stellen, zeigt er an Hand der Karrieren der Schlosserinnen aus dem Burgenland, der Luftfahrzeugtechnikerin im Fliegerhorst Hinterstoisser, der Mechatronikerinnen oder der Lokführerin.

Nicht alle Lebensläufe liefen von Anfang an rund. Manchmal gab es Umwege und Irrungen. Doch einmal vom Virus der Technik befallen, gibt es kaum einen Weg zurück.

Doch sind Frauen in technischen bzw. Männerberufen nicht wirklich Neues. Diesem Umstand beschreibt der Autor in einem der Kapitel. Um das Familieneinkommen aufzubessern, verdingten sich schon seit Jahrhunderten Frauen (und Kinder) im Bergbau als „Steineklauberinnen“ oder in Fabriken als Fließbandarbeiterinnen. In Ersten Weltkrieg mussten Frauen die Arbeiten der abwesenden Männer übernehmen, um nach deren Rückkehr aus dem Krieg oder der Gefangenschaft sofort wieder an den Herd gedrängt zu werden. Widersprüchlich (wie das meiste der Nazi-Herrschaft) die Rolle der berufstätigen Frau im Zweiten Weltkrieg: Eigentlich nicht erwünscht, weil die ideale Rolle die der Mutter war, mussten dennoch viel Frauen in Rüstungsbetrieben schuften.

Gut gefällt mir das Beispiel jener Lehrerin, die mittels der Technik-Box bereits in Volksschulen das Interesse der Mädchen an technischen Berufen weckt.

Fazit:

„Die Zukunft der Technik ist auch weiblich“ - ein Satz, den man nicht oft genug wiederholen kann. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Opulenter Ausflug in das Wien des 18. Jahrhunderts

Im Schatten des Turms
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Autor René Anour nimmt seine Leser auf eine Reise in das 18. Jahrhundert nach Wien mit. Es ist die Zeit des, als Reformkaiser bezeichneten, Sohnes von Maria Theresia, Joseph II.. Der Herrscher will das ...

Autor René Anour nimmt seine Leser auf eine Reise in das 18. Jahrhundert nach Wien mit. Es ist die Zeit des, als Reformkaiser bezeichneten, Sohnes von Maria Theresia, Joseph II.. Der Herrscher will das buchstäblich verzopfte Reich modernisieren. Dazu ist ihm nahezu jedes Mittel recht. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt den Leiden der Kranken. So lässt er 1785 die „medizinisch-chirurgische Militärakademie“, kurz „Josephinum“ genannt, errichten. Ein paar Jahre zuvor, ab 1783 wird das große Armen- und Siechenhaus in das „Allgemeine Krankenhaus“ umgewandelt. Zusätzlich lässt Joseph II. erstmals eine Einrichtung für psychisch Kranke errichten - den Narrenturm.

Und genau hier hier, ist ein Teil der Handlung dieses historischen Romans angesiedelt. Doch der Reihe nach ...

Man schreibt das Jahr 1787: Alfred Wagener ist mit Leib und Seele Medizinstudent. Weil er aus armen Verhältnissen stammt, ist es nicht selbstverständlich, dass er studieren darf. Um die Studiengebühren und seinen Lebensunterhalt zu verdienen, verdingt er sich u.a. als Hilfskraft im nahe gelegenen Allgemeinen Krankenhaus.
Eines Tages ist es ihm und seinem Kommilitonen gestattet, unter der Aufsicht von Prof. Auenbrugger, den Narrenturm und seine Insassen zu besuchen. Wagener ist über die Zustände dieser Anstalt entsetzt. Vor allem das Schicksal einer jungen Frau, die merkwürdige Male an ihren Handgelenken hat, lässt ihm keine Ruhe. Doch bevor er hier etwas genaueres in Erfahrung bringen kann, tritt Helene in sein Leben und bringt dieses gehörig durcheinander.

Helene ist eine junge Adelige, die mit ihrem unkonventionellen Vater auf Schloss Weydrich lebt. Außergewöhnlich, weil sie statt höfischer Etikette Unterricht in Latein bekommt. Der Lateinlehrer ist, von einem Freund des Vaters empfohlen, Alfred Wagener. Wie Schicksal und Autor es wollen, stirbt der Vater und die böhmische Tante wird Helenes Vormund. Sie reißt sich Schloss und Vermögen unter den Nagel und hat ehrgeizige Pläne mit Helene, in denen ein mittelloser Medizinstudent keinen Platz hat ...

Meine Meinung:

René Anour ist ein beeindruckender historischer Roman gelungen. Durch die bildhafte Sprache lässt er diese Zeit plastisch auferstehen. Man kann es förmlich riechen, wie der Inhalt der Nachttöpfe aus den Fenstern geleert werden, wie riesig die Kluft zwischen Adeligen und Nichtadeligen ist. Noch ist die Leibeigenschaft nicht wirklich beseitigt. Man spricht nach wie vor ziemlich abstrakt von „Seelen“, wenn man von Bewohnern der Ländereien spricht. Die Bediensteten sind auf Gedeih und Verderb den Arbeitgebern ausgeliefert.

Die Leser erfahren noch einiges an Zeitgeschichte. Ganz unaufgeregt, fast nebenbei, weil schlüssig in die Handlung eingebettet geht es auf den Balkan: Das Osmanische Reich bedrohen wieder die Habsburgischen Lande. Wir erfahren, dass Soldaten nicht nur „angeworben“, sondern auch zwangsrekrutiert worden sind, dass es Jägerbataillone gegeben hat, die sich aus Jägern und Forstarbeitern rekrutiert und im Gebirge gekämpft haben. Zu Recht kann der Kaiser auf seine Tiroler Standschützen stolz sein. So mag ich das! Geschichtsunterricht, ohne dass die Leser das bemerken. Dass Alfred beim Schießtraining nichts (oder nur wenig) trifft, könnte mit einer Fehlsichtigkeit zusammen hängen? Wobei mit den alten Vorderladern (Musketen) auf 300 Schritt zu treffen, ist schon eine große Leistung. Statistisch gesehen haben, bei idealen Bedingungen, nur rund 20% der abgegebenen Schüsse ihr Ziel erreicht.

Lachen musste ich über die Aussage von Helenes Vater (S. 58) “Wäre doch eine Schande, wenn eine prachtvolle Stadt wie Wien für den Genuss dieses scheußlichen Kaffeegebräus berüchtigt würde“. Hier hat er sich gründlich getäuscht. Es sei ihm verziehen!

Für Leser, die sich in der Geschichte Wiens nicht so gut auskennen, gibt es ein Namens- bzw. Personenverzeichnis, in dem historische Personen wie Prof. Auenbrugger als solche gekennzeichnet sind. Außerdem hilft das Glossar, die ungewohnten Wiener Ausdrücke zu übersetzen.

Mir hat der Ausflug in das 18. Jahrhundert sehr gut gefallen. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr „Medizingeschichte“ gewünscht, vor allem beim Feldzug. Hier hätte sich ja einiges angeboten - z. B. wie Alfred die schrecklichen Verletzungen überlebt hat. Das ist ja gar nicht so selbstverständlich in diesen Zeiten, in denen man noch nichts über Hygiene, Narkose oder Antibiotika weiß. Aber, das ist Meckern auf allerhöchstem Niveau.

Gut gelungen finde ich das Cover, auch wenn es nicht den Narrenturm zeigt. Seine Abbildung findet sich bei jeder Kapitelüberschrift.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem opulenten historischen Roman, der im 18. Jahrhundert spielt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Zwischen Lagerfeuerromantik und Bombenhagel - Kindheit in Nazi-Deutschlad

Der Kinderzug
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Michaela Küpper nimmt ihre Leser in eine unheilvolle Zeit mit: In den Zweiten Weltkrieg. Man schreibt das Jahr 1943. Die Flugzeuge der Alliierten werfen Bomben auf deutsche Städte ab. Besonders betroffen ...

Michaela Küpper nimmt ihre Leser in eine unheilvolle Zeit mit: In den Zweiten Weltkrieg. Man schreibt das Jahr 1943. Die Flugzeuge der Alliierten werfen Bomben auf deutsche Städte ab. Besonders betroffen ist das Ruhrgebiet. Deshalb werden tausende Kinder zwischen 10 und 14 Jahren in vom Krieg (noch) nicht betroffene Gebiete verlegt. Kinderlandverschickung (KLV) nennen die Behörden diese Evakuierung.

Die junge Lehrerin Barbara muss eine Gruppe Mädchen aus Essen auf dem Weg in das KLV-Lager nach Usedom begleiten. Sie selbst ist stärker verunsichert als die meisten Kinder, die anfangs die Reise und das Lager als Abenteuer empfinden. Es gibt mehr zu essen als daheim, frönt einer Art Lagerfeuerromantik und man strickt Socken für die Soldaten. Natürlich muss auch ein wenig Unterricht sein, daher die Lehrkraft. Während es im Mädchenlager so etwas wie Urlaubsstimmung gibt, werden die männlichen Schüler im benachbarten Lager paramilitärisch gedrillt. Indoktriniert werden die Kinder beiderlei Geschlechts. DIe Jungs wollen natürlich kämpfen. Doch ihre Einstellung ändert sich rasch, als sie dann tatsächlich an der Front und unter Beschuss stehen. Doch bis es soweit ist, müssen sowohl die Mädchen als auch die Jungen mehrmals ihr Quartier wechseln, weil auch nun Usedom bombardiert wird.
Die Odyssee der Mädchengruppe, die mit ihrer Lehrerin von einem Lager zum anderen verlegt werden, wird bis Kriegsende dauern.

Meine Meinung:


Dieser Roman nimmt sich eines Themas an, über das noch wenig geschrieben wurde: Die Kinderlandverschickung. Was als Gesundheitsaufenthalt für unterernährte Stadtkindern in den 1920er Jahren begonnen hat, wird als Evakuierungsmaßnahme im Bombenkrieg fortgesetzt.

Der Schreibstil ist dem Thema angepasst und nicht sensationslüstern. In eindringlichen Worten lässt Michaela Küpper ihre Protagonisten ihre Sicht der Dinge darlegen.
Die mehrfachen Perspektivenwechsel (Barbara, Gisela und ihr Tagebuch sowie Karl) erzählen die Geschichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Da ist zum einen die verunsicherte Lehrerin, die eigentlich nichts anders will, als von ihrer Verantwortung entbunden zu werden. Gisela, die auf ihre kleine Schwester Edith aufpassen soll, vertraut ihre Gedanken und Sehnsüchte einem Tagebuch an. Auch der Einblick in die Gedankenwelt eines 16-jährigen Jungens, der es kau erwarten kann, Soldat zu werden, ist aufschlussreich. Dass er und seine Freunde letztlich als Kanonenfutter der Waffen-SS zugeteilt werden, hat er sich nicht erträumt. Hier klaffen die heroischen Märchen, die den Kindern seit Jahren eingebläut werden, und die Wirklichkeit weit auseinander.

Die Charaktere sind fein herausgearbeitet. Stellenweise muss man mit Barbara fast Mitleid haben. Eine etwas widersprüchliche Person ist Lydia, das Gesundheitsmädel. Sie ist ein Produkt ihrer Zeit, völlig dem Nazi-Regime verfallen. Häufig wirkt sie verschlagen. Dann während der Scharchlach-Epidemie wächst sie über sich hinaus und pflegt gewissenhaft die Kranken. Doch sie will mehr, als nur „Gesundheitsmädel“ sein. Frontkrankenschwester möchte sie sein, oder zumindest in einem Lazarett arbeiten. So verlässt sie ohne Skrupel die Mädchengruppe unerlaubt und verursacht damit den Lynchmord an dem polnischen Zwangsarbeiter, den man für ihren Mörder hält.

Michaela Küpper ist ein beklemmender, weil ziemlich authentischer hist. Roman gelungen. Die meisten von uns Lesern können ihre Großeltern nicht mehr über diese Zeit befragen. Die penible Recherche, die diesem Buch zu Grunde liegt, lässt die Zeit wieder auferstehen.

Fazit:

Ein gelungener Einblick in die Zeit von 1943-1945. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Ein Fall für Antoine Sturni

Pariser Enthüllungen - Kommissar Sturnis zweiter Fall
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In seinem zweiten Fall für den Elsässer Mordermittler Antoine Sturni präsentiert Autor Stefan Böhm gleich mehrere Themen: Zum einem der ambivalente Umgang mit Atomstrom in Frankreich, dem Schicksal der ...

In seinem zweiten Fall für den Elsässer Mordermittler Antoine Sturni präsentiert Autor Stefan Böhm gleich mehrere Themen: Zum einem der ambivalente Umgang mit Atomstrom in Frankreich, dem Schicksal der Immigranten und der sehr patriotischen Haltung im Elsass.

Sturni wird von seinem Chef nach Paris „weggelobt“, um in einer Gruppe von verschiedensten Ermittlern eine Untersuchungskommission zu bilden, die einen „Persil-Schein“ für die Atomlobby ausstellen soll. Denn die Atomkraftwerke in Frankreich sind längst nicht so sicher, wie die Betreiber das den Menschen vorgaukeln (wollen). Für viele Franzosen ist es wichtig, dass der Strom billig und stets aus der Steckdose kommt. Sicherheitsbedenken? Nicht bei uns in Frankreich. Schrottmeiler haben die anderen, die Russen, die Japaner usw.. Dass dem doch nicht so ist, und ausgerechnet das Atomkraftwerk im Elsass ein enormes Sicherheitsrisiko birgt, hat die junge ambitionierte Journalistin Zoé Le Coq herausgefunden. Wenige Minuten nachdem sie Sturni höchst brisante Informationen übergibt, wird sie mit ihrem Auto in die Luft gesprengt. Als dann noch die Untersuchungskommission aufgelöst und die Pariser Mordkommission hier nicht ermitteln darf, ist für Sturni klar, dass die Ermordete im Recht war. Und so begibt sich Antoine Sturni auf eine private Recherche. Mit von der Partie sind die Mitglieder seiner WG Sophia, Saba und Abdel.

Der zweite Handlungsstrang um die algerischen Immigranten Saba und Abdel, die es auf ähnliche Weise nach Paris, der Stadt ihrer Träume verschlagen hat, zeigt die Probleme der illegalen Einwanderer. Besonders Frauen wie Saba sind häufig sexuellen Angriffen durch ihre Arbeitgeber ausgesetzt.

Der dritte Handlungsstrang ist das komplizierte Privatleben Sturnis. Seit einem Jahr geschieden und mit seiner feschen Sekretärin Margeaux liiert, leidet er unter seiner dominanten Mutter Clothilde. Bei einem Besuch von Margeaux und Clothilde, die auch Sturnis Sohn Christian nach Paris mitbringen, kommt es zum Eklat.

Meine Meinung:

Wie schon im letzten Fall wird Sturni ein bisschen hinterwäldlerisch dargestellt, der in der großen weiten Welt verloren wirkt. So ist Antoine aber nicht. Bodenständig ja, er liebt seine Heimat das Elsass sehr und fühlt sich außerhalb anfangs nicht sehr wohl. Er ist durch und durch ein Genussmensch und so kann er über die lukullischen Speisen auch Paris etwas abgewinnen. Trotzdem, ein Gericht mit Elsässer Sauerkraut schmeckt ihm doch noch am besten.

Autor Stefan Böhm erzählt die Geschichte mit feinem Humor und die Eigenarten einzelner Personen lässt die Leser schmunzeln. Clothilde Sturni ist, wie wir aus Band 1 wissen, sehr, sehr bodenständig, und so trägt sie beim Paris-Besuch Elsässer Tracht und wird für eine Touristenattraktion gehalten. Über diese ihre Empörung habe ich herzlich lachen müssen. Sonst ist die Dame ziemlich nervig. Ihre „Jetzt-komm-ich“-Mentalität ist ziemlich überzogen. Mehrmals müssen sich Antoine und der siebenjährige Sohn für Clothilde genieren. Ich hätte sie ja von den Flics abholen lassen.

Lachen musste ich auch über die Abreiseszene und die Bahnreise. Der intensive Geruch des Munster-Käses die Mitreisenden aus dem Abteil vertreibt.
Sehr gut ist die katastrophale Wohnungsnot in Paris geschildert. Da werden klitzekleine Verschläge als Wohnungen vermietet. Denn in Paris entscheidet oft die Adresse, ob man einen Job erhält oder nicht. Eine Innenstadt-Adresse ist hui, eine in den Banlieus pfui.

Einen Stern muss ich trotzdem abziehen: Einiges wird mehrfach wiederholt. Auch wenn wir Leser manchmal mehrere Bücher parallel lesen, können wir uns Informationen merken. Ich hoffe, dass Clothilde im nächsten Fall, auf den ich mich übrigens freue, ein wenig zurecht gestutzt wird. Ihre Auftritte sind mir persönlich zu dominant.

Fazit:

Ein vergnüglicher Krimi mit ernsten Untertönen, dem ich gerne 4 Sterne gebe.