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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2025

Erleuchtung oder Tod?

Echnatons Fluch
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Nach der Aufklärung ihres ersten gemeinsamen Falles Kleopatras Grab und der Zerschlagung eines Verschwörerringes in dem auch hochrangige Politiker verstrickt waren, fristet der degradierte Polizist Fadi ...

Nach der Aufklärung ihres ersten gemeinsamen Falles Kleopatras Grab und der Zerschlagung eines Verschwörerringes in dem auch hochrangige Politiker verstrickt waren, fristet der degradierte Polizist Fadi al Sawi ein Leben in einer fensterlosen Abstellkammer, um Strafbescheide gegen Tempo- und Parksünder auszustellen. Theodora Costanda befindet sich in einem 300 km südlich von Kairo gelegenen Yoga-Retreat, um über ihre Zukunft nachzudenken. In Ägypten, der Heimat ihrer Mutter bleiben oder nach Belgien zurückkehren?

Die Antwort auf ihre Fragen wird ihr quasi vom Schicksal abgenommen, denn beim Besuch eines Marktes trifft sie auf eine Gruppe gelb gekleideter Menschen, die sich auffällig benehmen. Sie beginnt Fragen zu stellen und erfährt, dass diese Personen Anhänger des Sonnengottes Aton sind und ihm in einem Tempel in der Nähe huldigen. Als Theo wenig später in jenem Grab, das als Echnatons gilt, eine geheime Kammer und Blutspuren entdeckt, , ist es mit Entspannung und Yoga endgültig vorbei und die Ermittlerin in Theo erwacht abermals. Sie lernt eine besorgte Mutter, deren Tochter dieser Gruppe angehören soll und händeringend um Hilfe bittet, kennen. Denn niemand, der sich diesen Aton-Anhängern angeschlossen hat, ist jemals wieder aufgetaucht...

Gleichzeitig sorgt sich Theo um ihre Mutter, die sie seit einigen Tagen nicht mehr erreichen kann. Sie bitte aIso Fadi, erstens bei ihrer Mutter vorbei zu schauen und zweitens, Informationen über diese Aton-Fans zu herauszubekommen.

Was sie damit auslöst, müsst ihr schon selbst lesen ....

Meine Meinung:

In seinem zweiten Fall für Theo Costanda und Fadi al Sawi lässt sich Autor Constantin Schreiber mit einem ziemlich umstrittenen Herrscher ein - mit Echnaton, Gemahl der Nofretete, der zunächst seinem Vater Amenophis III. als Amenophis IV. folgt, um wenig später dem Polytheismus abzuschwören und Aton, den Sonnengott als alleinige Gottheit einzuführen. Weder das Volk noch die entmachteten Priestern der bisherigen Götter sind mit dem neuen Monotheismus einverstanden. Rücksichtslos setzt sich Echnaton, wie sich Amenophis IV. nun nennt, durch. Nach seinem bislang ungeklärten Tod erfolgt die Rückkehr zu den alten Göttern.

Klar, dass so eine interessante und umstrittene Herrscherpersönlichkeit die Fantasie zahlreicher Autoren anspornt. Diese historischen Details sind sehr gut recherchiert und gut in den Krimi integriert, der sich flott lesen lässt.

Und hier liegt auch schon mein kleiner persönlicher Kritikpunkt: Für mich hätten es gern ein paar Seiten mehr sein können.

Was zunächst nur wie eine der zahlreichen Menschen fangenden Sekten beginnt, entwickelt sich zu einem fesselnden Krimi, der sich mit Wunderheilern und illegalen Experimenten auswächst. Der Glaube an Wunder, die unheilbar Kranke wieder gesund machen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Die damit verbundenen Experimente sowie Heilsversprechen und Scharlatanen, ebenso.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 04.05.2025

Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt

Was am Ufer lauert
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Nachdem ich den ersten Band dieser Krimi-Reihe rund um Gianna Pitti-Sanbaldi gelesen und für interessant befunden habe, war ich sehr neugierig auf die Fortsetzung. Gleich vorweg, ich bin leider enttäuscht ...

Nachdem ich den ersten Band dieser Krimi-Reihe rund um Gianna Pitti-Sanbaldi gelesen und für interessant befunden habe, war ich sehr neugierig auf die Fortsetzung. Gleich vorweg, ich bin leider enttäuscht worden. Dabei hat mich der Klappentext, in dem es um ein bislang nicht gelüftetes Geheimnis von Winston Churchill gehen sollte, angesprochen.

Gianna soll auf Bitte ihres Vaters Arnaldo, einem ehemaligen Investigativjournalisten, am Ufer das Gardasees einen Informanten treffen, der Aufschluss zu Churchills Geheimnis geben könnte. Doch der erscheint nicht, stattdessen findet Gianna eine Frauenleiche und eine leer CD-Hülle mit der Aufschrift „Churchills Geheimnis“.

Offensichtlich war hier jemand schneller. Nur wer? Der englische Geheimdienst, der Churchills Geheimnis um jeden Preis gewahrt haben will? Geschäftemacher? Oder doch die Ewiggestrigen und ihre Nachkommen, die Mussolini & Co. gar nicht so übel fanden und finden?

Meine Meinung:

Einem geschätzten Staatsmann, ein wohl gehütetes Geheimnis entreißen zu wollen, dass vielleicht an seinem Saubermann-Image kratzt, ist ein interessanter Ansatz. Leider ist die Umsetzung nicht so toll gelungen. Wir Leser stolpern mit der Familie Pitti-Sanbaldi, das sind Gianna, die Brüder Arnaldo und Francesco sowie Arnaldos Ex-Frau (mit zwielichtigem Lover) und seine aktuelle Freundin, Giannas Chefin Elvira durch die Handlung. Oftmals stehen die komplizierten Familienverhältnisse dem flüssigen Lesen und der Spannung im Weg.

Die Jagd nach Churchills Geheimnis nimmt nur wenige Tage in Anspruch und endet mit einem Showdown sowie einer unerwarteten Auflösung, die zum Schmunzeln anregt. Echte Spannung und Polizeiarbeit, die ich von Commissario Grauner und Saltapepe kenne, fehlen hier gänzlich.

Die Charaktere, ausgenommen Francesco Marchese Pitti-Sanbaldi, der mir durch seine unkonventionelle, bisweilen schrullige Art gut gefällt, bleiben eher blass.

Fazit:

Der erste Fall mit Gianna Pitti Was der See birgt hat mir wesentlich besser gefallen. Hier reicht es nur für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 03.05.2025

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Drei Leichen zum Frühstück
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Autorin Eva Reichls neuester Krimi spielt wieder in Oberösterreich. Diesmal geht es um einen Täter, der bei seinen Opfern einen Sinnspruch hinterlässt. Dem ersten, das am Traunsee gefunden wird, hat er ...

Autorin Eva Reichls neuester Krimi spielt wieder in Oberösterreich. Diesmal geht es um einen Täter, der bei seinen Opfern einen Sinnspruch hinterlässt. Dem ersten, das am Traunsee gefunden wird, hat er die Beine abgetrennt und einen Zettel mit den Worten „Lügen haben kurze Beine“ beigefügt. Das lässt auf eine persönliche Täter-Opfer-Beziehung schließen. Nur, welche?

Chefinspektorin Lotta Meinich und ihr Kollege Daniel Proschko haben einiges zu tun, um das Umfeld des Toten, der sich als Anwalt und Politiker jede Menge Feinde gemacht hat, zu durchleuchten. Damit noch nicht genug, muss sie sich mit ihrem Vater Gustav, einem pensionierten Chefinspektor mit hoher Aufklärungsquote, der sich mit dem Unruhestand nicht abfinden kann und seine neugierige Nase in Lottas Ermittlungen steckt, herumschlagen.

Als er dann noch entdeckt, dass dem tödlichen Arbeitsunfall eines Bauleiters ein Zitat, das bei den Todesanzeigen in der Lokalzeitung abgedruckt ist, vorangegangen ist, ist man in Lottas Dienststelle wenig amused. Gustav und sein Freund Rudi geraten kurzfristig in das Visier der Ermittler und Lotta, die für ihre Alleingänge bekannt ist, hat einen schwarzen Punkt mehr.

Meine Meinung:

Eva Reichl ist wieder ein spannender Krimi gelungen, der zeigt, dass es nach wie vor Ressentiments Frauen in Führungspositionen gegenüber gibt. Die sind bei der Polizei deutlich größer als im Durchschnitt. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Privatleben. Dass Lotta ebenso wie ihr Kollege Daniel geschieden ist, wird dennoch unterschiedlich bewertet. Erschwerend kommt bei Lotta hinzu, dass ihr Vater Anzeichen einer beginnender Demenz zeigt, allerdings dies nicht einsehen will. So muss sich Lotta dennoch Beruf den Spagat zwischen Beruf und Familie zu meistern versuchen. Ich denke, da wird noch einiges an Konfliktpotenzial auf uns Leser warten.

Die Grundzüge der Charaktere sind, wie bei Eva Reichl üblich, sehr gut herausgearbeitet und haben die Möglichkeit in alle Richtungen zu wachsen.

Fazit:

Mir hat dieser Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe sehr gut gefallen, daher erhält der Krimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.04.2025

Raffinierte Psychospiele

Blaues Wunder
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Der Chef der Privatbank Bronstein & Söhne lädt zwei seiner besten Mitarbeiter Kilian und Ferdinand samt Ehefrauen auf eine mehrtägige Schiffsreise auf seiner Privatyacht ein. Auch Walters erwachsener Sohn ...

Der Chef der Privatbank Bronstein & Söhne lädt zwei seiner besten Mitarbeiter Kilian und Ferdinand samt Ehefrauen auf eine mehrtägige Schiffsreise auf seiner Privatyacht ein. Auch Walters erwachsener Sohn David ist mit dabei.

Es sollen, so wird gemunkelt, die Weichen für die Zukunft der Bank gestellt werden. Das hat zur Folge, dass seitens der beiden möglichen Nachfolger, Kilian und Ferdinand geschleimt wird, was das Zeug hält. Auch die Ehefrauen sind angehalten, sich dem Chef gegenüber von ihrer besten Seite zu zeigen, und die Spielchen, die Walter mit allen treibt, hinzunehmen.

Der Trip auf der Yacht wird vor allem für die Ehefrauen zu einem Erlebnis der besonderen Art, da sich auf dem Mikrokosmos Schiff nicht alles verbergen lässt. Am Ende der Reise ist nichts mehr so wie es vorher war. So mancher hat sein oder ihr blaues Wunder erlebt.

Meine Meinung:

Anne Freytag wählt für ihre Erzählperspektive einen interessanten Kunstkniff: Obwohl die Frauen auf dieser Reise nur als Anhängsel ihrer Männer gedacht sind, wird die Geschichte ausschließlich aus deren Sicht erzählt. Die Perspektive der Männer wird kaum berücksichtigt, obwohl es scheinbar um deren Position in der Bank gehen soll. Walter, der Initiator der Reise und Chef der Privatbank, schwebt wie ein dunkler Schatten über allem und tritt als Potentat auf. Er provoziert und kaum jemand lehnt sich gegen seine Unverschämtheiten auf. Als es dann doch eine der Ehefrau wagt, einen spielerisch vorgetragenen, aber demütigenden Befehl nachzukommen, halten die anderen entsetzt die Luft an.

Fazit:

Die Geschichte, die ausschließlich auf der Yacht spielt, ist von psychologischer Raffinesse. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.04.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der Bulle in der Hafencity
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Dieser Hamburg-Krimi ist der dritte aus der Reihe rund um den pensionierten Rauschgiftfahnder Gerd Sehling und mein erster von Autor Ben Westphal.

Gerd hilft, wie seine Frau Dörte, im Café-Restaurant ...

Dieser Hamburg-Krimi ist der dritte aus der Reihe rund um den pensionierten Rauschgiftfahnder Gerd Sehling und mein erster von Autor Ben Westphal.

Gerd hilft, wie seine Frau Dörte, im Café-Restaurant „Hang Loose“ seiner Nichte mit. Das Kellnern macht ihm Spaß und noch mehr Freude bereitet es ihm, die Gäste zu beobachten. Immer wieder deckt er dabei kriminelle Machenschaften auf. Diesmal weckt eine Gruppe Südamerikaner seinen Argwohn und als er einen alten Bekannten aus der Drogenszene entdeckt, ist es mit dem Servieren von Alsterwasser kurz einmal vorbei.

Gemeinsam mit seinem ehemaligen Kollegen Tim Dombrowski, der nun der Mordkommission zugeteilt ist, beginnt er, zum Leidwesen seiner Frau Dörte, heimlich zu ermitteln. Wenig später steckt er in einem brutalen Kampf zwischen mehreren rivalisierenden Bande um das einträgliche Geschäft mit Drogen in der Hansestadt.

Meine Meinung:

Hamburg ist ja meine Lieblingsstadt in Deutschland, weshalb ich gerne dort Urlaub mache bzw. Bücher lese, die in Hamburg spielen oder von der Geschichte der Stadt erzählen.

Dieser Krimi hat das besondere Etwas, denn er berichtet authentisch über den Alltag der Drogenfahnder und die Mordkommission. Das ist, wenn man weiß, dass der Autor selbst als Rauschgiftfahnder arbeitet, wenig verwunderlich.

Gut gefällt mir, dass das sonst übliche Kompetenzgerangel zwischen den Abteilungen ausgespart bleibt.

Ich werde jedenfalls die beiden Vorgänger lesen, denn sowohl die Figur des Gerd Sehling als auch jene von Tim Dombrowski sind vielschichtig angelegt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der mich wieder nach Hamburg entführt, 5 Sterne.