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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2019

Ein sehr persönlicher Einblick in die Kindheit

Kinder der Poesie
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„Kinder der Poesie“ ist quasi der zweite Band zu „Melange der Poesie“. Statt Kaffeehäusern stehen Kindheitserinnerungen bekannter Schriftsteller im Fokus von Autorin Barbara Rieger und Fotograf Alain Barbero.

Folgende ...

„Kinder der Poesie“ ist quasi der zweite Band zu „Melange der Poesie“. Statt Kaffeehäusern stehen Kindheitserinnerungen bekannter Schriftsteller im Fokus von Autorin Barbara Rieger und Fotograf Alain Barbero.

Folgende 18 Autoren, geboren zwischen 1924 bis 1994 haben uns einen Einblick in ihre höchst persönliche Kindheit gewährt: Theodora Bauer · Dimitré Dinev · Milena Michiko Flašar · Barbara Frischmuth · Sabine Gruber · Norbert Gstrein · Josef Haslinger · Bodo Hell · Elias Hirschl · Alfred Komarek · Barbi Marković · Friederike Mayröcker · Robert Menasse · Petra Piuk · Kathrin Röggla · Julian Schutting · Anna Weidenholzer · Daniel Wisser

So lesen wir von Friederike Mayröcker und ihrer Großmutter, begleiten Josef Haslinger durch seine Schulzeit im Klosterinternat oder halten mit Norbert Gstrein Rückschau auf eine Kindheit, die im heutigen Licht ein wenig anders aussieht als damals.

Diese sehr intimen Gedanken werden durch einfühlsame Texte von Barbara Rieger ergänzt. Alain Barbero steuert geniale schwarz/weiß Fotos bei, die den Geschichten noch mehr Tiefe verleihen.

Gut gefällt mir auch, dass dem Geburtsjahr jedes Autors ein "was sonst noch geschah" beigefügt ist. So kann der historische Kontext gut hergestellt werden.

Das ungewöhnliche Format (A4 quer) hebt sich von den vielen Büchern in den Regalen ab. Die Verarbeitung ist hochwertig.


Fazit:

Ein wenig anders als „Melange der Poesie“, dennoch kann ich mit gutem Gewissen eine Leseempfehlung und 5 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 22.09.2019

Tod in der Volskmusikszene

Der Tod tanzt in Graz
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Es ist wieder September in der Steiermark und die Landeshauptstadt Graz rüstet sich für das alljährliche Fest des „Aufsteirerns“. Ursprünglich ein Brauchtumsfest, ist es nun zu einem Event des allgemeinen ...

Es ist wieder September in der Steiermark und die Landeshauptstadt Graz rüstet sich für das alljährliche Fest des „Aufsteirerns“. Ursprünglich ein Brauchtumsfest, ist es nun zu einem Event des allgemeinen Schunkelns zu volkstümlicher Musik und alkoholgeschwängerter Luft geworden. Außerdem ist natürlich jede Menge Geld für Veranstalter und Mitwirkende im Spiel.

Wenige Tage vor dem Fest wandern ein bekannter Volksmusikant gemeinsam mit seinen Fans auf der Teichalm. Dann fällt ein Schuss und der Musiker, MItglied eines bekanntes Ensembles, stirbt vor den Augen seiner Fans. Unverzüglich wird die Truppe rund um Ermittler Armin Trost mit der Aufklärung betraut. Trost selbst, der in seinem letzten Fall seine Familie verloren hat, ist unauffindbar. Allerdings gibt er auf dem Off Hinweise und taucht unvermittelt in der Dienststelle auf.

Noch während sich Anette Lemberg, die Trosts Nachfolge antritt, mit dem Tod von der Teichalm beschäftigt, geschieht ein zweiter Mord. Wieder ist ein Musiker das Opfer. Wo ist der Zusammenhang? Wer will verhindern, dass diese Musikergruppe beim „Aufsteirern“ aufspielt? Jemand, der die Kommerzialisierung der Volksmusik hasst?

Meine Meinung:

Wie wir es von Robert Preis gewöhnt sind, ist das Einfache nicht seine Sache. Hintergründig bis hinterfotzig legt er seine Charaktere an.
Da ich mehrmals im Jahr in Graz bin, kann ich den Spuren des Krimis sehr gut folgen. Abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten wie Schlossberg samt dazugehörigem Uhrturm, erkunden wir die steirische Landeshauptstadt. Wir folgen Annette Lemberg zu weniger bekannten Plätzen.

Das Verhalten von Armin Trost stellt Vorgesetzte, Kollegen und die Leser vor ein Rätsel. Was treibt ihn an? Ist seine Familie jetzt wirklich tot oder konnte sie gerade noch gerettet werden? Kann es sein, dass Trost wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung den Verstand verloren hat? Oder spannt uns der werte Herr Autor „nur“ auf die Folter? Mit der Beantwortung dieser offenen Frage werden wir uns wohl oder übel bis zum nächsten Fall gedulden müssen.
Nicht immer ist es leicht, Trosts Handlungen und/oder Gedanken nachzuvollziehen.

Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Der Spannungsbogen ist hoch gehalten. Man merkt, dass sich der Autor mit der manchmal gruseligen Welt der Sagen und Mythen beschäftigt hat und die Leser dorthin mitnimmt. Siehe auch den Hinweis auf die Verteidigung der Stadt Graz im Jahre 1809 gegen die Napoleonischen Truppen. Hierzu hat Robert Preis ein eigenes Buch geschrieben („Das Gerücht vom Tod“).

Besonders gut gelungen sind die kritischen Anmerkungen zur volkstümlichen (oder wie manchmal auch gesagt wird „volksdümmlichen“), die mit dem Ursprung der Musik aus den unterschiedlichen Regionen so rein gar nichts mehr zu tun hat.

Für Leser, die (noch) wenig mit der Steiermark zu tun haben, gibt es am Ende des Buches ein kleines Lexikon mit den wichtigsten Vokabeln.

Fazit:

Ein Krimi abseits des Mainstreams, dem ich gerne 5 Sterne und eine klare Empfehlung für (nicht nur) Krimiliebhaber gebe! Allerdings sollte bei Band 1 begonnen werden.

Veröffentlicht am 22.09.2019

Eine Genussreise

GenussSpur Steiermark
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Krimiautorin Claudia Rossbacher und Genusscoach Sabine Flieser-Just entführen ihre Leser in die neun kulinarischen Regionen der Steiermark. Diese sind:

Weststeiermark
Hochsteiermark
Südoststeiermark
Oberes ...

Krimiautorin Claudia Rossbacher und Genusscoach Sabine Flieser-Just entführen ihre Leser in die neun kulinarischen Regionen der Steiermark. Diese sind:

Weststeiermark
Hochsteiermark
Südoststeiermark
Oberes Murtal
Alpine Steiermark
Oststeiermark
Südsteiermark
Region Graz
Graz

Wir kosten uns durch regionale Küchen und Keller durch, und erfahren einiges über Land und Leute. Die Rezepte für die köstlichen Speisen sind natürlich abgedruckt. Zusätzlich gibt es einen Mini-Kurzkrimi aus Claudia Rossbachers Feder. Wunderschöne Fotos von den Speisen und der Landschaft vervollständigen dieses prächtige Buch. An dieser Stelle möchte ich auch die Fotografin nennen: Lucija Novak.

Gemeinsam war das Drei-Mäderl-Haus rund ein Jahr und 12.000 km auf und mit diversen Fortbewegungsmitteln unterwegs, um für dieses Buch zu recherchieren. Dass die Speisen und Getränke dabei verkostet wurden, bevor sie Aufnahme in das Buch gefunden haben, ist selbstverständlich.

Fazit:

Eine kulinarische Rundreise durch die Steiermark, der ich gerne 5 Sterne gebe. Als Geschenk für Steiermark-Fan und solche, die es noch werden wollen, eine großartige Idee. Wohl bekomm’s!

Veröffentlicht am 22.09.2019

Täter oder Mitläufer?

Aspergers Kinder
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Die amerikanische Autorin und Historikerin Edith Scheffer, die selbst einen autistischen Sohn hat, begibt sich auf Spurensuche nach Dr. Hans Asperger, dessen Name für einen Teil des Autismus steht.

War ...

Die amerikanische Autorin und Historikerin Edith Scheffer, die selbst einen autistischen Sohn hat, begibt sich auf Spurensuche nach Dr. Hans Asperger, dessen Name für einen Teil des Autismus steht.

War Asperger wirklich eine Art „Oskar Schindler“, der Kinder vor der Tötung des Euthanasie-Programmes der Nazis rettete? Oder war er vielmehr eines der zahlreichen Räder, die diese Tötungsmaschine aufrecht erhalten hat?

Asperger war streng gläubiger Katholik und nie Mitglied des NSDAP. Doch genügt das, um ihn von den Verbrechen der Nazis frei zu sprechen? War er nicht Nutznießer des Systems? Heute scheint es fast sicher, dass er zahlreiche Kinder durch eine positive Beurteilung vor dem Tod bewahrt hat, aber einige auch bewusst in den Tod geschickt hat. Dass er, Arzt an der Universitätskinderklinik nicht gewusst haben will, was in Heilanstalt (was für ein Widerspruch) „Am Spiegelgrund“ vor sich gegangen ist, nimmt ihm keiner ab.

Deutlich wird auch durch dieses Buch, dass er sich (wie viele tausende Menschen dieser Zeit auch) einfach durchlaviert hat. Seine zwiespältige Rolle ist mit dem Wissen von heute anders zu bewerten, als damals. Ohne die Nazis hätte er niemals eine solche Karriere erreichen können. Er profitiert also davon, dass die jüdischen Ärzte aus Wien vertrieben bzw. getötet werden und eine Stelle für ihn frei wurde.

Neben Asperger kommen einige Ärzte, wie Dr. Heinrich Gross, in diesem Buch vor, bei denen es wirklich bewiesen ist, dass sie eigenhändig Kinder getötet haben.

Viele Kapitel widmen sich der Euthanasie und dem Vorgehen von Familien und Jugendämtern. Dass Mütter ihre Kinder (und vor allem Stiefkinder), mit denen sie nicht zurecht kamen, der Tötungsmaschinerie übergaben, ist kaum zu ertragen. Andererseits gab es Eltern, die ihr Kind, das ihnen von der Fürsorge abgenommen worden ist, unbedingt wieder haben wollten.

Interessant finde ich, dass zwischen ähnlichem Verhalten von Jungen und Mädchen Unterschiede gemacht wurden. Was bei einem Jungen toleriert und als „erziehbar“ gegolten hat, war für Mädchen ein Todesurteil.

Aspergers Einteilung in „lernfähige“ oder eben „nicht lernfähige“ Kinder, ist heute umstritten. Damals hat man versucht alles in Schematismen einzuordnen. Wer nicht einem Schema entsprach, wurde entweder passend gemacht oder aussortiert (und umgebracht).

Die Autorin erzählt an Hand von Akten die Leidensgeschichte mehrerer Kinder, wie z.B. das Schicksal der fünfjährigen Elisabeth Sch., die nach einer Gehirnhautentzündung nicht mehr sprechen konnte, also in der Diktion der Nazis „nicht entwicklungsfähig zu einem vollwertigen Mitglied der Volksgemeinschaft sein würde“.

Meine Meinung:

Ein interessantes wie wichtiges Buch, das sich mit den Gräueln der Nazis beschäftigt. Einen Stern muss ich leider abziehen, denn ich orte eine vorgefasste Meinung in der Betrachtung von Hans Asperger. Aber, vielleicht liegt das an der Übersetzung.

Als betroffene Mutter hat die Autorin bestimmt meterweise Literatur über Autismus gelesen und mit Kapazitäten gesprochen. Obwohl die Beschreibung des frühkindlichen Autismus beinahe gleichzeitig von Leo Kanner in den USA beschrieben worden ist, trägt diese Spielart des Autismus seit 1981 den Namen des vergleichsweise unbekannten Aspergers. Das muss man wohl als Treppenwitz der Geschichte ansehen. Ob die britische Psychiaterin Lorna Wing, die Aspergers Arbeit fortgesetzt, bewusst war, nach wem sie diese Abweichung des Autismus benannt hat?

Das beeindruckende Titelfoto zeigt die 772 Stelen, die an die, in der Heilanstalt „Am Spiegelgrund“ ermordeten Kinder, erinnert.

Veröffentlicht am 21.09.2019

Neukölln, Mietskaserne, HInterhaus - Kindheit in den 1960er Jahren

Der Hamlet und die Schokolinse
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Bernd Mannhardt ist den meisten von uns als Schöpfer des KHK Hajo Freisal und dessen Assistentin Yasemin Gutzeit bekannt. Diesmal plaudert er aus dem Nähkästchen und in seinen Kindheitserinnerungen als ...

Bernd Mannhardt ist den meisten von uns als Schöpfer des KHK Hajo Freisal und dessen Assistentin Yasemin Gutzeit bekannt. Diesmal plaudert er aus dem Nähkästchen und in seinen Kindheitserinnerungen als Dreikäsehoch in den 1960er Jahren.

Seine ersten Eindrücke sind eine Eintopf kochende Großmutter und ein eher unkonventioneller Opa, der manchmal die Spüle für andere Zwecke missbraucht. Das alles spielt sich in einer Mietskaserne „Altbau, Hinterhaus, erste Etage links“ in Berlin-Neukölln ab.

Gemeinsam lernen wir „Hamlet“ kennen, jenen schwarz/weiß Fernseher mit Nussholzfurnier, der wohl zu jener Zeit in beinahe jedem Haushalt gestanden ist.

Wir teilen so manche Erinnerung an eine unbeschwerte Kindheit und Freiheit, die es heutzutage für die Kids nicht mehr gibt. Querfeldein alleine durch die Straßen eilen? Ohne das andauernde Tracking durch ein Mobiltelefon? Heute völlig unmöglich, damals ganz normal mangels Überwachungs- und Ortungsgerät. Man war froh, einen Festnetzanschluss zu haben.

Die Episode mit dem Pfeilschuss, der beinahe ins Auge ging, hat mich kurz die Luft anhalten lassen.

Ein wenig später erleben wir die ersten frühen schriftstellerischen Ergüsse. Froh bin ich, dass es mit der Sangeskarriere nichts geworden ist. Als Autor finde ich Bernd Mannhardt echt klasse.

Mit viel Humor und Selbstironie nimmt mich Bernd Mannhardt in sechs Kapiteln auf die Reise in seine (und auch meine) Vergangenheit mit. In eine Zeit, als Musik aus dem Radio oder vom Plattenspieler kam. Sehr aufschlussreich ist auch die beinahe kriminelle Ader des werten Herrn Autors. DAS habe ich mich nie getraut. Nun kann er ja als Krimi-Autor seinen Neigungen ungestraft, ja sogar bezahlt, nachgehen.

Den „Hamlet“ gibt es nicht mehr, Schokolinsen schon und hoffentlich bald einen neuen Krimi aus der Feder unseres verehrten Autors.

Fazit:

Ich habe mich herrlich amüsiert und ein wenig wehmütig an die eigene Kindheit und Jugend zurückgedacht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.