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Venatrix

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Veröffentlicht am 20.07.2019

Hat mich nicht angesprochen

Angst und Macht
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Von diesem Buch habe ich mir etwas mehr erwartet als Zitate aus einem anderen Buch des Autors („Warum schweigen die Lämmer?“). Ich dachte, hier Denkanstöße zum Erkennen von Manipulation oder Mechanismen ...

Von diesem Buch habe ich mir etwas mehr erwartet als Zitate aus einem anderen Buch des Autors („Warum schweigen die Lämmer?“). Ich dachte, hier Denkanstöße zum Erkennen von Manipulation oder Mechanismen der bzw. Rüstzeug gegen solche Beeinflussungen Macht zu erhalten.

Leider musste ich einige eher unpräzise Begriffe lesen. Zum Beispiel wird häufig der Begriff „Neoliberalismus“ strapaziert, ohne dass der Autor dies für diesen Kontext erklärt.
Meint er, wie Noam Chomsky, dass Neoliberalismus „die Herrschaft großer Konzerne ist“ zu denen die USA, heute mehr denn je, durch Importzölle einen gewichten Beitrag leistet. Oder geht seine Interpretation in Richtung „Neomarxismus“?

„Demokratie und Kapitalismus sind, wie mehrfach sorgfältig aufgezeigt wurde, nicht miteinander vereinbar. Damit ist es aus grundsätzlichen Gründen auch unmöglich, in einer „kapitalistischen Demokratie“ die drei demokratischen Versprechen,- nämlich gesellschaftliche Selbstbestimmung, friedliche Lösung innerer und äußerer Konflikte und Freiheit von gesellschaftlicher Angst - einzulösen.“

Ist der Umkehrschluss aus diesem Zitat, dass eine kommunistische Demokratie, oder gar eine Diktatur erstrebenswert wäre? Sind die Menschen in der Türkei, in China oder in Nordkorea „selbst bestimmt“? Leben sie ohne gesellschaftlicher Angst? Lösen die beiden Staaten ihre inneren Konflikte friedlich? Dasselbe könnte man von eingen Staaten in Südamerika in Afrika oder auch in Osteuropa sagen.

Spielen die Staatsmänner dieser Länder nicht ebenfalls mit der Angst der Bevölkerung, um ihre Macht aus zu üben oder zu erhalten? Was nicht passt, wird passend gemacht. Regimekritiker werden im besten Fall mundtot gemacht, im schlechtesten Fall ermordet. Ob diese Gesellschaftsform so erstrebenswert erscheint?

Fazit:

Ich habe hier etwas anderes erwartet und kann dem Buch nicht allzu viel abgewinnen.

Veröffentlicht am 20.07.2019

Ein leichter Urlaubskrimi, dem die Spannung fehlt

Lago Mortale
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Simon Strasser, Halbitaliener und ehemaliger Polizeireporter aus Frankfurt, genießt sein Leben abseits des hektischen Berufsalltags, in einem kleinen Haus am Lago d’Orta. Allerdings kann er es nicht lassen, ...

Simon Strasser, Halbitaliener und ehemaliger Polizeireporter aus Frankfurt, genießt sein Leben abseits des hektischen Berufsalltags, in einem kleinen Haus am Lago d’Orta. Allerdings kann er es nicht lassen, seine Nase in vermeintliche oder echte Kriminalfälle zu stecken. Und so ist er der erste an Bord einer scheinbar führerlosen Segelyacht und findet (kaum überraschend) eine Leiche. Da es sich um den Sohn der reichen und bekannten Industriellenfamilie Zanetti handelt wäre hier Diskretion angebracht, an der es Strasser doch ein wenig mangelt. Weil er glaubt, die Polizei, ermittle halbherzig und möchte den Tod als Unfall recht schnell zu den Akten, beginnt Simon Strasser zu recherchieren. Mit seinen Recherchen macht er sich weder bei den Zanettis noch bei Marescialla Carla Moretti, der ermittelnden Beamtin Freunde. Er stößt auf einige Familiengeheimnisse der Zanettis, die weit zurückreichen und ihn selbst in Lebensgefahr bringen.

Meine Meinung:

Dieses Krimi-Debüt einer deutschen Journalistin reiht sich in die schier endlose Reihe von Regio-Krimis ein. Diesmal ist es das Piemont und nicht die Provence, die Bretagne oder die Algarve.

Die Autorin lebt selbst am Lago d’Orta und kann deshalb mit vielen Details dieser reizvollen Gegend aufwarten. Der Leser wird förmlich überschüttet mit diesen Informationen. Leider verlangsamen diese Beschreibungen den ohnehin eher gemütlich dahin plätschernden Krimi weiter. Die detaillierten Hinweise auf sein kompliziertes Privatleben erhöhen die Spannung leider auch nicht. Selbst das gefährliche Unwetter mit entwurzelten Bäumen liest sich recht harmlos.

Erst ab der Hälfte des Buchs kommt so etwas wie Erregung auf. Nämlich, als der ehemalige Polizeireporter die Zusammenhänge zwischen zwei Familien erkennt. Wobei hier die Namensähnlichkeit (Zanetti und Zafferano) möglicherweise für Verwirrung sorgen könnte. Jedenfalls ist Strasser der Polizei immer einen ganzen oder halben Schritt voraus und bringt sich recht bald in Lebensgefahr.

Für mich hätte es die vielen Details von den Nebenschauplätze wie die Beziehung zu Louisa und Nicola nicht gebraucht. Mir hätte ein präziserer Fokus auf die alten Familiengeschichten der Zanettis und Zafferanos besser gefallen. Aber, das ist Geschmackssache.
Ein bisschen unglaubwürdig ist, dass der Zivilist und begabte Laie mehrfach ungestraft Gesetze bricht . Selbst wenn man es in Italien nicht immer mit Paragrafen so genau nimmt, Einbruch bleibt Einbruch und Diebstahl bliebt Diebstahl.

Die einzelnen Charaktere könnten auch schärfere Konturen vertragen.

Fazit:

Ein leicht zu lesender Urlaubskrimi, dem die Spannung weitgehend fehlt. Allerdings macht er Lust, das reizvolle Piemont und seine kulinarischen Genüsse kennen zu lernen. Hier reicht es gerade für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 17.07.2019

Hat mich gut unterhalten

Bretonisches Vermächtnis
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Dieser nunmehr achte Fall für Georges Dupin, den sympathischen Kommissar aus Concarneau ist wieder besser gelungen als der vorhergehende.

Diesmal wird er vor mehrere Herausforderungen gestellt. Da ist ...

Dieser nunmehr achte Fall für Georges Dupin, den sympathischen Kommissar aus Concarneau ist wieder besser gelungen als der vorhergehende.

Diesmal wird er vor mehrere Herausforderungen gestellt. Da ist zum einem das Pfingstwochenende mit dem drohenden Besuch seiner Schwiegereltern in spe, das ihm auf die Nerven geht, zum anderen befinden sich seine Mitarbeiter Nolwenn, Riwal und Kadeg auf Urlaub bzw. Elternkarenz. Ja, und der Mord selbst. Der wird nämlich just in seinem Wohnort Concarneau verübt. Was zuerst wie ein Heimspiel aussieht, wird dann doch eine komplexe Mordermittlung, bei der es nicht nur bei einer Leiche bleiben wird, sondern ein Krimi des Altmeister Maigret eine bedeutende Rolle spielen wird.

Dann erschüttert eine Explosion in der Schiffswerft die Idylle. Besteht hier ein Zusammenhang mit den Toten oder ist das Ganze ein Ablenkungsmanöver oder ein Anschlag?

Der Verdächtigen gibt es viele und auch der Bürgermeister gerät ins Visier der Ermittler.

Meine Meinung:

Nachdem der letzte Band eher zu einem Fremdenführer durch das Finistère verkommen ist, bietet nun der Autor wieder mehr Krimispannung.
Es werden – auf Grund der urlaubsbedingten Abwesenheit dreier seiner Mitarbeiter, zwei neue Charaktere eingeführt, die sich recht gut machen. Ich hoffe, die beiden Frauen dürfen bleiben und in weiteren Fällen ihre Rollen spielen. Amüsant finde ich, dass Dupin Kadeg und Nolwenn mit Hilfe der Gendarmerie aus dem (wohlverdienten) Urlaub holen lässt, weil er auf deren wertvolle Arbeit nicht verzichten kann. Vor allem Nolwenn ist nach wie vor unentbehrlich, wenn es um Geheimnisse des Ortes oder um das elegante Herbeiholen von Informationen geht.

Claire, Dupins Freundin, ist ja an die unregelmäßigen Arbeitszeiten gewöhnt, zumal sie als Ärztin auch keinen „nine-to-five“-Job hat. Claires Mutter nervt Dupin (und die Leser) ungemein, glaubt sie doch das Klischee der unfähigen, Pause machenden Polizisten bestätigt.

Ein genialer Schachzug ist das Integrieren von Georges Simenons Krimi „Der gelbe Hund“ in die Handlung. Dieser Kriminalroman spielt zu Beginn eine zunächst unklare Rolle. Bald jedoch wird Dupin der Zusammenhang mit den aktuellen Mordfällen klar.

Fazit:

Diesmal wieder ein gelungener Krimi aus dem Finistère, dem ich gerne wieder 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 17.07.2019

Hat mich gut unterhalten

Tierische Jobs
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Wer an tierische Jobs denkt, denkt vor allem an Tragtiere wie Esel, Pferd oder ein wenig exotischer an Kamele, Dromedar oder Elefanten. Auch Nutztiere, die vor allem als Nahrungsmittellieferanten fungieren, ...

Wer an tierische Jobs denkt, denkt vor allem an Tragtiere wie Esel, Pferd oder ein wenig exotischer an Kamele, Dromedar oder Elefanten. Auch Nutztiere, die vor allem als Nahrungsmittellieferanten fungieren, kommen einem in den Sinn. Bei polizeilichen und Rettungseinsätzen kommen auch noch Rettungs- und Spürhunde zum Einsatz. Vielleicht ist dem einen oder anderen ein Blindführhund oder eine Delfintherapie noch ein Begriff. Nicht zu vergessen die sprichwörtlichen „Versuchskaninchen“ und „Laborratten“, die für Produkte der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie Jahrzehnte lang leiden mussten

Doch Tiere werden auf Grund ihrer vielseitigen Fähigkeiten auch noch zu anderen, bisweilen fragwürdigen „Diensten“ herangezogen.

Knapp 50 davon stellt der Biologe Mario Ludwig in diesem Buch vor.

Einiges, abseits der üblichen Jobs, ist mir bereits bekannt, z.B. dass Adler als Drohnenjäger eingesetzt werden oder der Schwangerschaftstest durch Frösche.

Sehr interessant, weil detailliert beschrieben sind die Gambia-Riesenratten und ihre Tätigkeit.

»Dank ihres überragenden Geruchssinns können Gambia-Riesenratten nicht nur überaus erfolgreich bei der Minensuche eingesetzt werden, sondern nach entsprechendem Training auch äußerst zuverlässig Tuberkuloseerreger in Speichelproben identifizieren. Erstaunlicherweise haben die Ratten bei der Identifikation von potenziellen Tuberkuloseerkrankten eine signifikant höhere Trefferquote als ein Labortechniker mit seinem Mikroskop. Und nicht nur das: Auch in Sachen Geschwindigkeit bei der Probenauswertung sind die tierischen Diagnostiker ihren menschlichen Kollegen weit überlegen. Benötigt ein Labormitarbeiter etwas 2 Tage, um 100 Proben auf Tuberkuloseerreger zu untersuchen, schaffen die Ratten das in gerade mal 20 Minuten.«

Da könnte man diese Ratten fast sympathisch finden.

Auch unter den Tauben finden sich Gelehrige, die nach entsprechender Einarbeitungszeit für medizinische Diagnosen genützt werden können.

Vieles, das wir hier lesen, ist derzeit eher in den USA üblich, weil dort die Tierhaltegesetze (sofern überhaupt vorhanden) laxer gehandhabt werden als in Deutschland oder Österreich.

Den Hüteesel, der statt eines Hütehundes auf Schafe aufpasst, finde ich charmant. Da wird sich wohl so mancher hungrige Wolf eine blutige Schnauze holen.

Wer sich in dieses Thema weiter vertiefen möchte, findet im Anhang eine umfangreiche Aufstellung von Literatur sowohl in Buchform als auch online.

Fazit:

Eine Übersicht über Fähigkeiten von Tieren, die sich der Mensch zu Nutze macht. Humorvoll be- und geschrieben. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 17.07.2019

Hat mich nicht vollends überzeugt

Rosentod
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„Rosentod“ ist ein Thriller aus Hans-Peter Vertacniks Feder. Der Autor war lange Jahre selbst Kriminalbeamter und kennt daher die „Szene“.

Worum geht’s?

Die Kriminalbeamtin Ulla Spärlich wird von ihrer ...

„Rosentod“ ist ein Thriller aus Hans-Peter Vertacniks Feder. Der Autor war lange Jahre selbst Kriminalbeamter und kennt daher die „Szene“.

Worum geht’s?

Die Kriminalbeamtin Ulla Spärlich wird von ihrer alten Dienststelle in Graz in die kleine Universitätsstadt Leoben versetzt. Als einzige Frau im Team der Kripo hat sie eine schweren Stand in dem männerbündlerischen Team. Dann verschwindet eine Studentin der Montan-Uni und keiner, außer Ulla, will an ein Verbrechen glauben. Als dann die Vermisste tot und eine zweite weiblichen Leiche tot aufgefunden werden, steht die Dienststelle ein wenig ratlos da und ein Ermittler des LKA Steiermark steht vor der Tür. Blöderweise handelt es sich dabei um den ehemaligen Freund Ullas, der nichts unversucht lässt, Ulla zu desavouieren.

Meine Meinung:

Grundsätzlich versteht es der Autor realistische Figuren darzustellen.
Der Dienststellenleiter, der als Führungskraft völlig versagt und hauptsächlich durch blöde Sprüche und dem täglichen Zitat aus einem Kalender auffällt, den gibt es in der einen oder anderen Form sicherlich nicht nur bei der Polizei.

Ulla Spärlich selbst ist ebenfalls eine schwierige Person. Ihre traumatische Kindheit und Jugend sowie eine extrem klammernde Mutter haben Spuren auf ihrer Seele hinterlassen. Zum Teil lebt sie das Leben ihrer Mutter, die von ihrem Mann wegen einer jüngeren, schlankeren Frau verlassen worden ist. Daher lebt sie von Appetitzüglern, Schmerztabletten und zu viel Alkohol – unheilvolle Kombination. Ihre Alleingänge und ihr konfuses Privatleben machen sie nicht unbedingt sympathisch. Außerdem trägt sie ein (dienstliches) Geheimnis mit sich herum, das erst recht spät gelüftet wird. DAS verstehe ich als Beamtin ja gar nicht. Die Polizei ist ja ein recht inzestuöser Haufen, wo jeder jeden kennt und die Buschtrommeln bestens funktionieren als anderswo. Dass dieser Vorfall vor vier Jahren in Graz, keinem der Kollegen bekannt sein soll, ist unglaubwürdig. Das chaotische Privatleben mit einem viel jüngeren Studenten, der sie (und viele anderen Frauen)ausnützt sowie die Verhältnisse mit zwei Kollegen sind nachvollziehbar. Die Szene, in der sich der aktuelle und abgelegte polizeiliche Liebhaber prügeln, habe ich mit Schmunzeln gelesen.

Die Ermittlungen kommen über den Befindlichkeiten von Ulla stellenweise ins Hintertreffen. Da hätte einiges gestrafft werden können. Mehrmals ist von Unterleibsschmerzen Ullas die Rede und man wartet auf einen Blutsturz oder einen akuten Blinddarm – nichts dergleichen. Der Polizeiarzt stellt dann eine Diagnose, die man glauben kann oder auch nicht.

Der Autor erzählt den Krimi aus mehreren Perspektiven und so dürfen wir auch die Sicht des Mörders kennen lernen. Ich habe den Täter relativ früh ausgemacht. Das stört mich grundsätzlich einmal nicht, denn ich finde es immer spannend, die Ermittlungsarbeit der Polizei zu beobachten.

Die Motive des Täters sind durchaus schlüssig.
Was mich wundert ist, dass die Ermittler, die schon Jahre in Leoben ihren Dienst tun, so wenig vom Brauchtum der Studenten der Montanuni wissen.
Aufgefallen ist mir noch, dass mehrfach von einem „Oberbürgermeister“ die Rede ist. So etwas gibt es in ganz Österreich nicht. Ob da ein deutsches Lektorat zugeschlagen hat?

Leider ist dieser als Thriller beschriebene Krimi nicht das beste Buch des Autors. Mir gefallen die Reihen um Peter Zoff bzw. Radek Kubica viel besser. Vielleicht liegt es daran, dass dort männliche Ermittler im Mittelpunkt stehen, deren Darstellung einfach glaubwürdiger ist.

Fazit:

Ein Thriller, der nicht zu den besten Büchern des Autors zählt. Leider kann ich hier nur 3 Sterne vergeben.