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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.08.2019

EIn Appell

Rettet die Berge
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Ich bin ja zugegebener Maßen kein richtiger Fan von Reinhold Messner. Zwar zolle ich ihm Respekt vor seinen Leistungen sowohl beim Bergsteigen als auch später, bei der Errichtung seiner Museen. Allerdings, ...

Ich bin ja zugegebener Maßen kein richtiger Fan von Reinhold Messner. Zwar zolle ich ihm Respekt vor seinen Leistungen sowohl beim Bergsteigen als auch später, bei der Errichtung seiner Museen. Allerdings, ist er ein begnadeter Selbstdarsteller. Und genau das macht ihn für mich ein wenig unsympathisch. Für sich nimmt er in Anspruch als erster Mensch alle Achttausender mit oder ohne Sauerstoff zu besteigen, sich der Stille der Berge hinzugeben und spricht diese Herausforderung anderen Menschen ab.

Erst durch seine Bücher, Filme und Vorträge, die wirklich grandios sind, hat er viele Bergsteiger animiert auf die interessanten Berge zu steigen. Jetzt, findet er, ist es an der Zeit, die Massen von den Bergen fern zu halten. Der moderne Alpinismus ist 250 Jahre alt und Reinhold Messner hat einen großen Anteil daran, dass es diese Auswüchse gibt, die es eben gibt. Hunderte Menschen im Gänsemarsch aneinandergereiht, um auf den Mount Everest zu steigen, ist schon recht krank. er vor wenigen Tagen sind solche Fotos durch die Presse gegangen.

Wenn jetzt Reinhold Messner mit diesem Buch einen Appell an die Welt richtet, die Berge zu retten, ist wenig Substantielles oder Konkretes zu finden. Z.B. den Nepalesen verbieten, eine Art Eintritt zu verlangen? Obwohl das die einzige Möglichkeit ist, zu Devisen zukommen?
Da gefällt mir sein Ansatz „heile Berge bestehen aus der Summe von Kulturlandschaft und Landschaft“ (S. 8) schon viel besser.

Gut beschreibt er, wie die Alpinisten der frühen Jahre in einer besonderen Art „bescheiden“ waren. Sie haben Entbehrungen auf sich genommen und waren nicht so gierig auf den „ultimativen Kick“, wie viele Menschen heute, die glauben, mit dem entsprechenden Kleingeld jeden Gipfelsieg für sich in Anspruch nehmen zu können.

Gut gefällt mir die Sammlung diverser Fragen an den Autor, die manchmal ein wenig kurios wirken.

Fazit:

Das Buch hat meine Erwartung erfüllt, denn aus jeder Zeile spricht ein authentischer Reinhold Messner, wenn auch sein Appell die wenigsten erreichen wird. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 31.08.2019

Zerstört an Körper und Geist -Kriegsheimkehrer

Der Weg zurück
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Diese Buch ist die Fortsetzung zu dem viel bekannteren Buch „Im Westen nichts Neues“.

Hier erzählt Erich Maria Remarque wie es der Handvoll Soldaten ergeht, die als Schüler auf die Schlachtfelder des ...

Diese Buch ist die Fortsetzung zu dem viel bekannteren Buch „Im Westen nichts Neues“.

Hier erzählt Erich Maria Remarque wie es der Handvoll Soldaten ergeht, die als Schüler auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs eingerückt und danach an Körper und Geist verletzt wieder in ihr privates Umfeld zurückkehren.

Nichts ist mehr wie vorher. Den jungen Männern, die desillusioniert und orientierungslos sind, schlägt statt der einstigen Kriegsbegeisterung nur noch Verachtung entgegen. Niemand hat ein offenes Ohr für ihre berechtigten Anliegen. So schweigen auch diejenigen, die ein wenig über die erlebten Kriegsgräuel reden wollten auch noch.

Dieser Roman wird aus Sicht von Ernst Birkholz geschrieben (Paul Bäumer ist ja in den letzten Kriegstagen gefallen). Auch Ernst hat große Probleme an das Leben vor dem Krieg anzuknüpfen. Seine Schulkollegen und er können/sollen das Abitur nachmachen. Doch angesichts der Traumata ist es kaum möglich, sich mit Latein, Altgriechisch oder mathematischen Formeln zu beschäftigen.

Als einer der der Heimkehrer wegen Mordes vor Gericht steht, wirft der Autor die (berechtigte) Frage auf, warum das Töten im Zivilleben anders bewertet werden soll, als das vielfache Töten als Soldat. Darauf weiß natürlich keiner eine Antwort.

Fazit:

Ein weiteres beeindruckendes Buch aus der Feder von Erich Maria Remarque, das zu Unrecht im Schatten von „Im Westen nichts Neues“ steht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.08.2019

Ein Krimi, den es zu lesen lohnt

Totenland
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MIchael Jensen entführt uns in den April 1945. Das Ende des Nazi-Regime steht kurz bevor. Nur die meisten Nazis glauben (noch) nicht daran. Die Alliierten rücken von allen Seiten auf die Hauptstadt Berlin. ...

MIchael Jensen entführt uns in den April 1945. Das Ende des Nazi-Regime steht kurz bevor. Nur die meisten Nazis glauben (noch) nicht daran. Die Alliierten rücken von allen Seiten auf die Hauptstadt Berlin. In diesem historischen Umfeld ist dieser Krimi eingebettet.

Jens Druwe, ein Kriegsversehrter und ehemaliger Kriminalkommissar, ist als Polizist von Berlin in das kleine Dorf Glücksburg (Schleswig-Holstein) abkommandiert worden. Obwohl nunmehr nur einfacher OrPo erwacht sein kriminalistischer Instinkt wieder, als er zur Leiche eines hochrangigen NSDAP-Funktionärs gerufen wird. Gerhard Lessling, so der Name des Toten, ist alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse. Davon kann sein Bruder Paul, der in der Nähe des Tatorts eine Landwirtschaft betreibt, ein Lied singen.

Bei seinen ersten Erkundigungen stößt Druwe unter den Fremdarbeitern auf Lesslings Hof auf Ludwig Steinfeld, einen Sozialisten, der bei der Evakuierung des Konzentrationslagers Fuhlsbüttel, abgehauen ist. Doch nicht nur Steinfeld hat sich dort versteckt sondern mehrere Juden. Druwe sieht darüber hinweg und holt sich nur Steinfeld zur Befragung.

Inzwischen sind die zuständigen Ermittler aus Flensburg eingetroffen. Ausgerechnet Hans Oberbauer, Druwes früherer Mitarbeiter, leitet die Morduntersuchung. Ihm zur Seite steht Peter Jünger, ein junger, ehrgeiziger Mann, der ein eingefleischter Nazi ist. Der „Rote Ludwig“ istfür die beiden der ideale Mörder.

Druwe glaubt nicht so recht an Steinfelds Schuld und recherchiert auf eigene Faust weiter. Er stellt sich damit gegen das Regime. Jens Druwe will nur eines: Den wahren Täter finden und der Gerechtigkeit zum Erfolg helfen.

Meine Meinung:

Dem Autor ist hier ein beklemmender Krimi gelungen, der den Fanatismus, den die Nazis an den Tag legen, aufzeigt. Obwohl Deutschland in Trümmern liegt, die Alliierten von allen Seiten auf Berlin marschieren, glauben viele der verblendeten Menschen noch immer an den „Endsieg“. Das wird eindrücklich durch Sidesteps nach Berlin in den Regierungsbunnker dargestellt.

Jens Druwe selbst ist mit seinen fünfzig Jahren ein gezeichneter Mann. Er hat den Kaiser, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, Stalingrad und den Zweiten Weltkrieg überlebt. Obwohl es ihm beruflich geschadet hat, ist er niemals der NSDAP beigetreten. Allerdings hat er, wie er später den Steinfelds erzählen wird, Schuld auf sich geladen, weil sich dem Regime (wie viele andere) nicht entgegen gestellt hat.

Peter Jünger ist ein indoktrinierter junger Mann, der nichts anderes als die Propaganda der Nazis kennt. Anders hingegen Hans Oberbauer, der sein Mäntelchen immer in die richtige Richtung zu hängen weiß. Hauptsache, seine Karriere schreitet zügig voran.

Der Autor zeigt, dass nicht alles schwarz oder weiß ist. Es gibt allerlei Graustufen dazwischen. Das erkennt auch Ludwig Steinfeld, den der Autor folgendes zu Druwe sagen lässt: “... Druwe, durch dich habe ich gelernt, dass die Welt nicht nur Schwarz, oder Weiß ist. Durch dich habe ich ein großes Grau kennenlernen dürfen...“

Sehr gut hat mir gefallen, dass nicht nur die Aufklärung des Mordfalls im Mittelpunkt steht, sondern die Darstellung des sich in Auflösung befindenden 1.000 jährigen Reiches, das glücklicherweise nur 12 (wenn auch dramatische) Jahre angedauert hat.

Dem Autor ist ein Buch gelungen, dass spannend und verstörend zu gleich ist. Es regt zum Nach-und Umdenken an. Michael Jensen hat penibel recherchiert und erklärt im Anhang, was Fakt bzw. Fiktion ist.

Fazit:

Ein Kriminalfall mit Tiefgang, den es zu lesen lohnt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.08.2019

Eintauchen in die Welt Friedrich SChillers

Die Stunde der Räuber
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Mit dieser Romanbiografie tauchen wir in die Welt von Friedrich Schiller ein. Den meisten ist er als Freund und Weggefährte Johann Wolfgang von Goethes bekannt.

Anders als Goethe, der in einem bürgerlichen ...

Mit dieser Romanbiografie tauchen wir in die Welt von Friedrich Schiller ein. Den meisten ist er als Freund und Weggefährte Johann Wolfgang von Goethes bekannt.

Anders als Goethe, der in einem bürgerlichen und wohlhabenden Haus ausgewachsen ist, stammt Friedrich Schiller aus einer ärmlichen Familie. Der Junge ist der einzige Sohn unter fünf Schwestern und von schwächlicher Konstitution. Deshalb strebt sein Vater einen geistlichen Beruf für den kleinen Fritz an. Vater Schiller ist zuerst Soldat, dann Gärnter in Herzog Carl Eugens Diensten und ein einfacher Mann, der loyal zu seinem Landesfürsten steht. Diese Loyalität kommt auch dann nicht ins Wanken, als Carl Eugen beschließt, den kleinen Fritz in seine „Pflanzschule“ zu übernehmen und ihm eine Ausbildung als Jurist zu ermöglichen. Was der Herzog als fürsorglich empfindet, ist für den siebenjährigen Schiller und seine Leidensgenossen, ein Bruch seiner Welt. Die Pflanzschule ist eine militärische Erziehungsanstalt, die nur eines zum Ziel hat: Entweder gehorsame Soldaten oder anders brauchbare Eliten zu hervorzubringen. Natürlich auf Kosten der Kinder. Es herrscht schier unmenschlicher Drill, Hunger, Kälte (nicht nur in den Räumen) und Strafen für auch nur das kleinste Vergehen.

Kein Wunder, dass sich die jungen Eleven ihre eigene Welt erschaffen, um nicht gänzlich gebrochen zu werden. Schiller vertieft sich in verbotene Schriften wie z.B. von Shakespeare, Lessing oder den inhaftierten Schubart. Interessant ist, wie die Jungs immer wieder Möglichkeiten finden, solche Schriften in die Schlafsäle zu schmuggeln. Sie diskutieren den verschwenderischen, absolutistischen Lebensstil des Herzogs, der gemeinsam mit seiner Mätresse, das Geld mit vollen Händen ausgibt. Letztendlich beginnt Schiller selbst zu schreiben, um (geistig) zu überleben:

„Konnte dies sein eigener Weg sein? Konnten die Worte, wohl gesetzt in Vers und Reim die Welt weiten, Stütze sein auf der Suche nach der Wahrheit und Freiheit?“ (S. 22)

Das Ende der Ausbildung in der Pflanzschule scheint gekommen zu sein und Schiller ein mittelmäßiger Wundarzt, als der Herzog verfügt, dass Schiller noch ein Jahr bleiben muss. In der Zwischenzeit arbeitet Schiller an seinem ersten großen Werk „Die Räuber“, in dem er seine ganze Auflehnung gegen den Herzog legt. Als ihn dann der Herzog Schreibverbot und bei Zuwiderhandeln Festungshaft anordnet, sieht sich Friedrich gezwungen, aus Stuttgart und damit auf dem Einflussbereich des Herzogs zu fliehen.

Meine Meinung:

Mit dieser sehr lebendigen Romanbiografie ist es dem Autor gelungen, die Zeit von Schillers Jugend opulent und intensiv darzustellen. Opulent ist zwar nur der Lebensstil des Herzogs, der der Eleven (und der anderen Untertanen) ist karg und beschwerlich.

Der Schreibstil ist wunderbar. Ich bin so tief in diese Epoche hineingefallen, dass ich sogar zu meinem Mann „Bringe er mir eine Flasche Rotwein“ gesagt habe. Natürlich habe ich ungläubige Blicke geerntet, aber da wir ja im Sommer in Weimar waren, war der Zusammenhang gleich klar.
Wir haben uns über die Lebenswege von Goethe und Schiller Gedanken gemacht. Der eine, aus saturiertem Elternhaus, mit einer Beamtenstelle und regelmäßigem Salär, der andere aus einfachen Verhältnissen, der schon früh ums Überleben kämpfen musste.

Ob Schillers Werke auch so überzeugend nach "Freiheit" gerufen hätten, wenn er einen ähnlichen Lebensweg wie Goethe gehabt hätte?

Als Mensch dürfte Schiller ein wenig schwierig gewesen zu sein. Er ist ruppig zu seinen Freunden und ich wundere mich, dass er doch so viele Menschen um sich hatte, die ihn unterstützt haben.

Besonders gut gefällt mir die aufwändige Recherche, die der Autor betrieben hat, um uns Lesern Friedrich Schiller näher zu bringen. Einen Teil der Recherche stellt Udo Weinbörner auf seiner Homepage zum Nachlesen zur Verfügung.


Ich bin schon auf den zweiten Teil gespannt, der ja die folgenden Lebensjahre Schillers beleuchtet. Hier, in diesem ersten Buch ist Schiller vor allem Revoluzzer.

Fazit:

Eine farbenprächtige Schilderung von Friedrich Schillers Jugendjahren, die so angenehm gar nicht waren. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.08.2019

Familien am Rande des Abgrunds

Mallorquinische Leiche zum Sa Rua
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Zwei Familien aus Deutschland treffen sich zufällig auf der Ferieninsel Mallorca. Man freundet sich an, Sarah und Sophie, die kleinen Töchter spielen miteinander. Und dann, plötzlich ist Robert Kirsch, ...

Zwei Familien aus Deutschland treffen sich zufällig auf der Ferieninsel Mallorca. Man freundet sich an, Sarah und Sophie, die kleinen Töchter spielen miteinander. Und dann, plötzlich ist Robert Kirsch, einer der Väter tot. Erstochen während des Faschingsumzuges, inmitten der Menschenmenge. Ein Zufallsopfer?
Die mallorquinische Kommissarin mit deutschen Wurzeln, Mercedes Mayerhuber, wird mit der Aufklärung des Falles betraut. Was zunächst wie ein gewöhnlicher Mord aussieht, entpuppt sich als komplexer Kriminalfall, in den zahlreiche angesehene Männer aus verschiedenen Ländern verwickelt sind.


Meine Meinung:

Die Krimi-Handlung hat mir gut gefallen. Mehrfach wird der Leser in die Irre geführt. Allerdings habe ich recht bald den richtigen Riecher, was ein mögliches Mordmotiv sein könnte, gehabt.

Mit den Ermittlern bin ich nicht so ganz warm geworden. Miguels Macho-Sprüche mag ich jetzt nicht so richtig. Wahrscheinlich halten mich Mercedes und Miguel ähnlich unterkühlt, wie ihre Kollegin Rebecca aus Berlin, die ihren Beitrag zu den Ermittlungen beiträgt. Außerdem ist mir deren Privatleben ein bisschen zu breit ausgewalzt. So hätte mir dasjenige von Mercedes genügt, Rebeccas Unzufriedenheit bringt die Krimihandlung nicht weiter.

Sehr gut hingegen gefällt mir, dass heikle Themen wie der jährliche Ansturm der (deutschen) Touristen und der Ausverkauf von Grundstücken angesprochen wird. Da sind die Mallorquiner nicht zu beneiden. Hier spürt man, dass die Autorin auf Mallorca lebt und eine aufrechte Leidenschaft für die Insel entwickelt hat. Hier beißt sich allerdings die Katze in den Schwanz: Die Insel, ihre Bewohner und das gute Essen werden so farbenfroh geschildert, dass ich Lust bekommen habe, hinzufliegen. Also wieder eine Touristin mehr.

Fazit:

Ein durchaus fesselnder Krimi,der sich ernster Themen annimmt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.