Dämonen der Vergangenheit
Kinderspiel - Die Fesseln der VergangenheitTobi(as) Miller kehrt nach Jahren des selbst gewählten Exils aus den USA nach Wien zurück. Er hat in den USA als Gefängnispsychiater vor allem mit zum Tode verurteilten gearbeitet. In seiner Heimatstadt ...
Tobi(as) Miller kehrt nach Jahren des selbst gewählten Exils aus den USA nach Wien zurück. Er hat in den USA als Gefängnispsychiater vor allem mit zum Tode verurteilten gearbeitet. In seiner Heimatstadt Wien soll er als „Profiler“ der Polizei mit Rat und Tat zur Seite stehen. Doch bevor es zu dieser Anstellung kommt, überfallen ihn die Dämonen der Vergangenheit: Florentina Wagner, die Nichte seiner Jugendfreundin Ilona, die als 7-jährige spurlos verschwunden ist, ist plötzlich aus dem elterlichen Haus abgängig. Tobi hat ein déjà-vu-Erlebnis und ist ohne sein Zutun mitten in den Ermittlungen von Chefinspektor Bruno Horvath, der ihn ja als Profiler haben will.
Aufgrund seiner emotionalen Nähe zur Familie Wagner, kann Miller seine gewohnte Professionalität nicht ausspielen und gerät selbst unter der Verdacht.
Letztendlich müssen Tobi Miller und Bruno Horvath tief in die Vergangenheit der Familie eintauchen, um dem streng gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen.
Ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit beginnt und endet in einem Showdown, der ganz anders ist, als der Leser erwartet.
Meine Meinung:
Autor Michael Seitz hat ein Faible für komplexe Täter-/Opferbeziehungen. Viele Handlungsstränge, die weit in die Vergangenheit reichen, erfordern ein genaues Lesen sowie zuvor ein genaues Formulieren. Manchmal wünschte ich, der Autor hätte die eine oder andere Szene nur angedeutet.
Diesmal konfrontiert uns Michael Seitz mit erschreckenden Erlebnissen in der Kindheit verschiedener Mitglieder der Familie Wagner. Manchmal ist es schwer zu sagen, wer Opfer, wer Täter ist. Denn häufig sind die Täter von heute, die Opfer von gestern. Wieder spielen das Kinderheim am Wilhelminenberg und das psychiatrische Krankenhaus „Am Steinhof“ eine prägende Rolle. Auch der der Wiener Psychiater Dr. Heinrich Gross, der unter den Nazis grauenvolle Versuche mit Kindern, die in seiner Obhut waren, anstellte, geistert durch die Seiten.
Autor Michael Seitz weiß wovon er schreibt, ist er doch im Brotberuf im psychosozialen Dienst beschäftigt. Solche und ähnliche Vorkommnisse sind sein tägliches Brot.
Die Handlung spielt sich auf mehreren Zeitebenen, die einst im Ostpreußen von 1945 ihren Ausgang genommen haben. Die Rückblenden auf frühere Ereignisse lassen zwar einen Zusammenhang mit dem aktuellen Verschwinden von Florentina erahnen, was allerdings wirklich dahinter steckt, enthüllt sich dem Leser erst spät.
Verwirrend sind die Beziehungen der Täter, Opfer und Zeugen untereinander, die sie vor der Polizei nicht offen legen. Manchmal wechseln sogar die Rollen.
Der Einsatz von widersprüchlichen Verhalten, undurchsichtigen Verdächtigen und falschen Fährten, halten die Spannung recht hoch. Hin und wieder hätte ich mir eine kurze Ruhepause gewünscht, um das Gelesene einzuordnen.
Chefinspektor Bruno Horvath ist kein gänzlich unbekannter. In den Krimis rund um den Privatermittler Falco Brunner ist Horvath derjenige, der Falco die Frau ausspannt. Auch Falco darf hier in diesem Buch einen kurzen Auftritt haben, wenn auch nur als Abwesender: Tobi wird in Falcos Wohnung untergebracht, als die Situation in der Familie Wagner zu eskalieren droht.
Diesmal bin ich mit den Charakteren nicht ganz zu Rande gekommen. So richtig sympathisch ist mir in diesen Familien niemand, auch Tobi Miller nicht, Bruno Horvath vielleicht.
Fazit:
Dieser Psycho-Thriller ist nichts für schwache Nerven und mir an manchen Stellen sogar ein wenig zu viel. Daher gibt es diesmal nur knappe 4 Sterne.