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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2019

Für mich leider ein Fehlgriff

Preise, Zins und Wechselkurse
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Dieses Buch habe ich mit Interesse erwartet und gelesen. Leider ist es für Laien in Wirtschaftswissenschaften wie mich, nicht einfach zu lesen.

In insgesamt sechs Kapiteln versucht der Autor seine theoretischen ...

Dieses Buch habe ich mit Interesse erwartet und gelesen. Leider ist es für Laien in Wirtschaftswissenschaften wie mich, nicht einfach zu lesen.

In insgesamt sechs Kapiteln versucht der Autor seine theoretischen Kenntnisse an den Leser zu bringen.

Vom Goldstandard zu marktbestimmten Wechselkursen
Zahlungsausgleich bei flexiblen Wechselkursen
Stabilitätspolitische Autonomie bei flexiblen Wechselkursen
Der Konjunkturverband bei flexiblen Wechselkursen
Mikro- und makroökonomische Anpassungsprozesse bei flexiblen Wechselkursen
Reflexionen zum Stand der Wissenschaft und zu wirtschaftspolitischen Folgerungen

Das Buch ist bereits 1987 erschienen und wurde für diese Ausgabe überarbeitet. So kommt es, dass es sowohl zum Vorwort als auch zur Einleitung und natürlich zu den Kapiteln selbst, noch „Nachworte“ gibt, was einigermaßen verwirrend ist.

Meine Meinung:

Von diesem Buch habe ich etwas anderes erwartet. Ich dachte, ein wenig die Zusammenhänge erklärt zu bekommen. Leider ist genau das Gegenteil eingetreten. Der Autor setzt umfassende Kenntnisse über wirtschaftwissenschaftliche Zusammenhänge voraus, über die wohl die wenigsten Leser verfügen. Er zitiert jede Menge Wissenschaftler, fast nur auf auf englisch. Hier wäre zum besseren Verständnis doch die deutsche Übersetzung angebracht.

Der Schreibstil ist wissenschaftlich theoretisch. Lange Schachtelsätze verlangen dem Leser hohe Konzentration ab.

Fazit:

Fachleute werden mit diesem Buch vielleicht eine Freude haben, Leser, die gerne mehr über die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge erfahren wollen, müssen wohl zu anderer Lektüre greifen. Für mich persönlich leider ein Fehlgriff.

Veröffentlicht am 14.07.2019

Auftakt einer fesselnden Reihe

Die Maske der Gewalt
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Jennifer B. Winds bisherige Bücher stehen für garantierte Gänsehaut. So auch dieser Thriller, der der Auftakt einer Reihe rund um Richard Schwarz, seines Zeichens Ermittler im LKA Wien, ist.

Worum geht’s?

Richard ...

Jennifer B. Winds bisherige Bücher stehen für garantierte Gänsehaut. So auch dieser Thriller, der der Auftakt einer Reihe rund um Richard Schwarz, seines Zeichens Ermittler im LKA Wien, ist.

Worum geht’s?

Richard Schwarz ist an Körper und Seele gezeichnet, weil er als Kleinkind mit einem Topf heißen Wasser verbrüht hat. Als ihm seine Mutter zu Hilfe kommen will, wird sie von ihrem letzten Freier ermordet. Der schwer verletzte Richard musste das miterleben. Zu seinem Glück findet er, nach langer Reha-Zeit, Aufnahme in einer Zirkusfamilie.
Um den Mörder seiner Mutter zu finden, wird er Polizist. Nebenbei tritt er bei Sarah, seiner Ziehschwester, im Zirkus auf. Hier fühlt er sich unter der Maske eines Dominos wohl und geschätzt.

Während Richard in Wien zwei Morde an Frauen aufklären muss, wird Sarah in München entführt. Welche Rolle spielt Oliver, der seit Tagen verschwundene Lebensgefährte von Sarah? Soll Sarah nur als Druckmittel fungieren? Richard ist hin und her gerissen zwischen der Sorge um Sarah und der Pflicht, die Wiener Frauenmorde aufzuklären.

Meine Meinung:

Wir haben es hier mit einem Thriller erster Klasse zu tun. Die eine oder andere Szene ist nichts für Zartbesaitete. Dennoch gleitet die Handlung niemals ins Voyeuristische ab.
Die Charaktere sind sehr gut angelegt. Die Zweifel und Schuldgefühle von Richard kann der Leser hautnah miterleben, genauso wie seinen Ehrgeiz Frauen vor gewalttätigen Männern zu schützen. Eine interessante Figur ist Theres Lind, eine Psychiaterin,die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Sie glaubt, den Frauenmörder zu kennen und in dessen Begutachtung einen Fehler begangen zu haben.
Das Wiener Team rund um Richard ist gut eingespielt. Eine Person, die eine erstaunliche Wandlung durchmacht, ist der pensionierte General Böckinger, der zunächst ziemlich unsympathisch, weil wichtigtuerisch, angelegt ist.

Da Sarah in München entführt worden ist, ist es Aufgabe der dortigen Polizei, sie zu finden. Hier kennt Richard Kollegen und wird deshalb in die Ermittlungen einbezogen. Eine vorbildliche grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die sich wohltuend von den sonst üblichen Querelen in der internationalen Kooperation abhebt.

Die Autorin schafft es, gleich mehrere Themen miteinander zu verquicken, ohne dass der Thriller mühsam konstruiert wirkt. So müssen wir uns mit gewalttätigen Ehemännern, Drogenhandel, Prostitution sowie geistig abnormen Rechtsbrechern und zerstörter Kindheit auseinandersetzen.

Die beiden Fälle werden gut aufgelöst. Doch durch einen fiesen Cliffhanger kann der Leser sicher sein, dass der eigentliche Drahtzieher nach wie vor am Leben ist und für eine Fortsetzung weitere Straftaten ausheckt.

Fazit:

Der Auftakt einer Thriller-Reihe auf hohem Niveau, bei dem die Spannung nicht abreißt. Gerne gebe ich hier wohlverdiente 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.07.2019

Gute Krimiunterhaltung

Schlossteichleich
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In ihrem 3. Fall für Dorothea „Dorli“ Wiltzing und Wolfgang „Lupo“ Schatz entführt uns die Autorin in das winterliche Triestingtal.

Der bekannte Maler Livio Moretti wird auf dem Christkindlmarkt auf ...

In ihrem 3. Fall für Dorothea „Dorli“ Wiltzing und Wolfgang „Lupo“ Schatz entführt uns die Autorin in das winterliche Triestingtal.

Der bekannte Maler Livio Moretti wird auf dem Christkindlmarkt auf Schloss Hernstein hinter dem Punschstand von Marianne tot aufgefunden. Die klingelt natürlich sofort Dorli aus dem Schlaf, hat man ja zur örtlichen Polizei nicht so das richtige Vertrauen. Zu Recht, wie sich bald herausstellen wird. Morettis Lebenspartner ist verschwunden und so glaubt die Polizei an eine Beziehungstat, bis die dessen Leiche im Hernsteiner Schlossteich entdeckt wird – tiefgefroren unter einer dicken Eisschicht.
Gleichzeitig vermittelt Dorli dem ewig klammen Lupo einen lukrativen Auftrag: Er soll für Morettis Vater den Mörder seines Sohnes ausfindig machen. Also machen sich Dorli und Lupo auf Spurensuche, nichts ahnend, dass diesmal nichts so ist, wie es scheint.

Meine Meinung:

In diesem dritten Fall spricht die Autorin nicht die üblichen Verbrechen wie Drogenhandel, Mafia und Ostbanden an, sondern auch Fremdenhass und rechtes Gedankengut. Denn der Dorfpfarrer ist auf Reha und seine Haushälterin im wohlverdienten Urlaub. Als Vertretung wird ausgerechnet ein Schwarzafrikaner nach Buchau entsendet. Ein echter Skandal für den ewig gestrigen Teil der Gemeinde. Außerdem ist der Aushilfspfarrer in Begleitung einer jungen Frau. Dass dies seine Schwester sein soll, die sich noch dazu einer Nierentransplantation unterziehen musste, glaubt keiner von denen. So wird gehetzt und gehusst und letztlich stirbt die junge Frau, weil ihr jemand im Supermarkt ein volles Einkaufswagerl just in die Nierengegend gestoßen hat. Dieser Teil des Krimis ist mir zu kurz gekommen. Da hätte ich mir etwas mehr erwartet.

Neben den bekannten Figuren wie Dorli, Lupo, Leo Bergler sowie Bürger-meister nebst Trulla, bekommt diesmal Kräuterweiberl Anna wieder ihren großen Auftritt.

Herrlich auch Lupo, der bei „Bär“, dem Chef der „Devils“ Unterricht im Motorradfahren nimmt, Stürze inklusive. Heimlich natürlich, denn er will ja Dorli damit überraschen.

Wie immer legt die Autorin falsche Fährten und die Leser dürfen Dorli und Lupo über die Schulter schauen, wenn die beiden ihre oft unorthodoxen Ermittlungsmethoden anwenden.
Anders als in den Bänden 1 und 2 flicht Veronika A. Grager nun auch ernste Themen in ihre Krimis ein. Trotzdem kommen der bisweilen schwarze Humor, das Lokalkolorit und die skurrilen Dorfbewohner nicht zu kurz.

Fazit:

Ein unterhaltsamer Krimi, der auch ernste Themen streift. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.07.2019

"Ganz leben, oder ganz nicht"

Flamme sein!
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Wer kennt diesen Namen nicht? Hans Scholl – Gründungsmitglied der Weißen Rose, jener Widerstandsbewegung gegen Hitler.

Der evangelische Theologe Robert M. Zoske zeichnet ein bislang eher unbekanntes ...

Wer kennt diesen Namen nicht? Hans Scholl – Gründungsmitglied der Weißen Rose, jener Widerstandsbewegung gegen Hitler.

Der evangelische Theologe Robert M. Zoske zeichnet ein bislang eher unbekanntes Porträt von Hans Scholl. So erfahren wir, dass Hans Scholl zunächst von den Nationalsozialisten war und es bis in der Hitlerjugend sogar bis zum Fähnleinführer bringt. Gleichzeitig liest Hans Scholl heimlich verbotene Bücher und widersetzt sich damit dem Regime. Dieser zivile Ungehorsam wird letztlich in der Gründung der Widerstandsbewegung und im Verteilen der Flugblätter münden. Beides wird ihm, seiner Schwester Sophie und Christoph Probst das Leben kosten.

Meine Meinung:

In diesem Buch beleuchtet der Autor die tiefe Religiosität von Hans Scholl sowie dessen Vorliebe zu Lyrik. Allerdings haben genau diese Ge-danken und Gedichte meinen Lesefluss unterbrochen. Die Gedichte sind manchmal schwermütig und häufig schwülstig. Damit kann ich persönlich wenig anfangen.

Sehr interessant ist, dass der Autor der sexuellen Ausrichtung von Hans Scholl so breiten Raum widmet. Das grenzt für mich schon ein wenig an Voyeurismus. Natürlich ist es für Hans‘ Werdegang wichtig, dass er wegen des §175 StPO angeklagt worden ist. Immerhin reicht während der Nazidiktatur schon allein der Verdacht homosexuell zu sein, um in ein KZ eingeliefert und ermordet zu werden.

Gut ist die Zerrissenheit des jungen Medizinstudenten, der verbotene Autoren wie Nietzsche oder Thomas Mann gelesen hat, beschrieben.
In seinen zahlreichen Briefen spürt man, dass Hans Scholl nicht nur gegen das Regime kämpft sondern auch gegen sich selbst. Eigentlich will er nur ein „normales“ Leben führen. Doch was ist im Nazi-Staat schon normal?

Hans Scholl ist ein ewig Suchender, ein Wanderer, der durchais wider-sprüchlich ist.

„Hans Scholl sollte bis an sein Ende der werdende Wanderer bleiben, doch nur auf den Wandel wollte er sich trotzdem nicht festlegen. Sprunghaft-widersprüchlich versuchte er, die Gegensätze von Ruhe und Ruhelosigkeit miteinander zu verei-nen.“

Hans Scholl ist kein Mann für halbe Sachen. „Ganz leben oder gar nicht“ – das wird zu seinem Leitspruch. Letztlich wird er sich für „gar nicht“ entscheiden.

Aufgefallen ist mir, dass Robert M. Zoske die Rolle Sophie Scholls in der „Weißen Rose“ herunterspielen versucht. Hat sie wirklich so wenig Anteil am Widerstand, wie uns der Autor weismachen will?

Beiden Geschwistern ist gemeinsam, dass sie sich der Gefahr in der sie schweben, bewusst sind und ihre Hinrichtung in Kauf genommen haben. So-wohl Hans als auch Sophie zeigen eine tiefe Gelassenheit und ein Gottvertrauen, die bewundernswert ist.

Neben vielen Auszügen aus den Briefen von Hans Scholl finden sich im Anhang die Originaltexte der Flugblätter sowie alle Gedichte.

Der Titel „Flamme sein!“ ist ebenso perfekt gewählt wie das folgende Zitat von Christian Morgenstern:

„Nur wer sich selbst verbrennt, wird den Menschen ewig wandernde Flamme.“

Fazit:

Eine sehr interessante Biografie, die durch akribische Recherche be-sticht. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.07.2019

Wie viele deutsche stecken in den Windsors?

Coburg Darmstadt Windsor
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Dieses Buch über die weitverzweigte Familie der Windsors ist anlässlich der 200. Geburtstage von Königin Victoria (24.05.1819) und ihres Gemahls Albert von Sachsen – Coburg & Gotha (26.08.1819) herausgegeben. ...

Dieses Buch über die weitverzweigte Familie der Windsors ist anlässlich der 200. Geburtstage von Königin Victoria (24.05.1819) und ihres Gemahls Albert von Sachsen – Coburg & Gotha (26.08.1819) herausgegeben.

Autor Mark Grinsted entführt seine Leser an Deutschlands Fürstenhöfe. Unsere Reise durch die Geschichte beginnt 1757 mit Fürstin Auguste Caroline Sophie von Sachsen – Coburg & Gotha und endet mit der Ermordung von Alexandra Romanowa, der letzten Zarin, einer Enkelin von Königin Victoria.

Dazwischen stehen jede Menge Töchter und Söhne der Coburger, die wie Import/Export-Ware an andere Königshäuser oder an das Zaren-reich regelrecht verhökert worden sind. Wie in Adelshäusern üb-lich, ist das persönliche Glück völlig nebensächlich. Hier herrscht dynastisches Denken rund um Land- und Machtgewinn vor.

Meine Meinung:

Der Hauptteil dieses knapp 700 Seiten umfassenden Buches ist Königin Victoria gewidmet. Das ist meiner Meinung nach gleichzeitig Stärke und Schwäche des Werks. Da Victoria zeit ihres langen Lebens Tagebuch geführt hat und tausende von Briefen geschrieben hat, sind die hier Grundlage. Manchmal werden diese außergewöhnlich gut recherchierten (und vom Autor selbst übersetzten) Quellen nur durch wenige, fast dürr wirkende Sätze verbunden. Der erste Teil, also vor dem Auftritt von Victoria, hat mir ein wenig besser gefallen, weil er mehr rundum Informationen beinhaltet.

Natürlich ist Victoria eine beeindruckende Persönlichkeit, dennoch habe ich mich von dieser detaillierten Fülle fast erschlagen gefühlt, zumal ich schon mehrere Bücher über jene Frau gelesen habe, die Mutter bzw. Großmutter mehrerer Königinnen und Kaiserinnen war.

Autor Mark Grinsted ist britischer und deutscher Staatsbürger und hat alle jene Quellen, die noch nicht in deutscher Sprache vorgelegen sind, selbst übersetzt. Die englischen Originaltexte sind als Fußnote nach jedem Kapitel angehängt. Zu Beginn habe ich diese noch gelesen. Das hat meinen Lesefluss dann ein wenig gestört, weshalb ich dann nur noch die deutschen Texte gelesen habe, die sehr gut übersetzt worden sind.

Drei Dinge muss ich allerdings anmerken:

Zum einen hat mich die Figur der Ärztin Charlotte Heidenreich von Siebold (1788-1859), die sowohl bei Victorias als auch bei Alberts Geburt dabei war, angetriggert. Der Autor erwähnt dies bei der Erstellung der Leserunde. Über diese Frau hätte ich gerne mehr gelesen, doch sie verschwindet im Dunkeln der Geschichte.

Das zweite ist das doch eher abrupte Ende dieses Buches mit dem Schicksal der Alexandra Romanowa. Hier hätte ich mir noch die Überleitung zu dem aktuellen Windsors gewünscht. Zumal ja Elizabeth II. nicht nur selbst aus dieser Dynastie stammt sondern ihr Gemahl, Prinz Philipp ein Battenberger (Mountbatten) ist. Aber, das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau.

Und als drittes: Ganz klar fehlt, vor allem ob der verzwickten Familienverhältnisse sowie der zahlreichen Alberts, Victorias oder Edwards, ein Stammbaum. Selbst innerhalb der Familie(n) hat man die Personen nicht immer auseinanderhalten können und Nicknames vergeben.

Gut gelungen ist die Auswahl an Fotos von den Personen selbst oder von Gemälden, die hier abgedruckt sind. Hier kann man sich ein Bild von den beschriebenen Persönlichkeiten machen, obwohl es sich um offizielle Fo-tos/Bilder handelt, auf denen die Menschen eher steif wirken.

Fazit:

Ein sehr detailreiches, penibel recherchiertes Werk über die engen ver-wandtschaftlichen Verhältnisse zwischen England, Deutschland und Russ-land, die manche gerne vergessen (wollen). Gerne gebe ich 4 Sterne.