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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2019

Eine gelungene Annäherung

Stauffenberg - mein Großvater war kein Attentäter
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Die Autorin und Historikerin Sophie von Bechtolsheim ist die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der gemeinsam mit einer Gruppe von beherzten Männern am 20. Juli 1944 dem Hitler-Regime ein ...

Die Autorin und Historikerin Sophie von Bechtolsheim ist die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der gemeinsam mit einer Gruppe von beherzten Männern am 20. Juli 1944 dem Hitler-Regime ein Ende bereiten wollte. Dafür waren er und seine Mitverschwörer bereit, zu sterben.

Die Autorin geht auf die Suche nach dem Großvater, den sie nie kennenlernen durfte. Sie führte lange Gespräche mit ihrer Großmutter Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg, mit ihrem Vater Franz Ludwig und anderen Verwandten.
Als Jugendliche, sie ist 1968 geboren, haben die Fahndungsfotos, mit denen nach den Terroristen der RAF gesucht wurde, die Frage aufgeworfen, ob ihr Großvater in die selbe Kategorie einzuordnen wäre.
Was ist der Unterschied zwischen Tyrannenmord und Terrorismus? Ist die Beseitigung eines Diktators legitim?

Die Verschwörer des 20. Juli 1944 haben ein Scheitern und ihren Tod bewusst in Kauf genommen, um für Deutschland und seine Menschen eine Änderung herbeizuführen. Denn, das Ende des Nazi-Regimes und des Krieges wäre nur ohne Hitler und seine Entourage möglich gewesen.

„Das Furchtbarste ist zu wissen, dass es nicht gelingen kann und dass man es dennoch für unser Land und unsere Kinder tun muss.“ (Berthold Stauffenberg, Claus’ Bruder).

Behutsam nähert sich die Historikerin ihrem Großvater. Zu ihrem Leidwesen gibt es wenige authentische schriftliche Quellen. Denn diese mussten in den Stunden nach dem misslungenen Umsturz, um eventuelle Mitwisser nicht zu gefährden, vernichtet werden.

Diversen Gedenkveranstaltungen sowie Filmen, die das Leben ihres Großvaters darstellen, steht sie mitunter reserviert gegenüber. Dennoch spricht Sophie von Bechtolsheim auf Einladung in Schulen oder Kasernen über ihren Großvater.

"Er folgte seinem Gewissen. Was immer man von ihm denken mag, er hat es nicht verdient, am Ende, wie schon 1944, als "der Attentäter" verurteilt zu werden."


Fazit:

Eine liebevolle Annäherung an einen Großvater, den die Autorin nur aus den Geschichtsbüchern kennt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Der bislang persönlichste Fall für Wolfgang Hoffmann

Hoffmanns Erwachen
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Im dritten Band dieser Krimi-Reihe halten Autor und Leben besondere Herausforderungen für den Ermittler des Wiener Drogenreferates bereit.

Auf der einen Seite bescheren verunreinigte Drogen der Polizei ...

Im dritten Band dieser Krimi-Reihe halten Autor und Leben besondere Herausforderungen für den Ermittler des Wiener Drogenreferates bereit.

Auf der einen Seite bescheren verunreinigte Drogen der Polizei jede Menge Arbeit, da es mehrere Tote gibt. Auf der anderen Seite wird bei dem passionierten Raucher Wolfgang Hoffmann, kurz bevor er nach längerer Zeit wieder eine Beziehung mit einer Frau eingehen kann, Lungenkrebs diagnostiziert.

Doch der Reihe nach: Helmut Seifried, ein Eventveranstalter im Haupt- und Drogengroßhändler im Nebenberuf (oder ist es doch umgekehrt?) Überschüttet, ohne es zu wissen, die Szene mit Waschmittel gestreckten Drogen.

Um weitere Tote zu verhindern, bedient sich Wolfgang Hoffmann eines alten Gegners, um die Wiener Drogenszene vor der verschmutzten Ware zu warnen.
Wird es Hoffmann gelingen, die Machenschaften von Seifried und seinen Kumpanen aufzudecken? Denn, Seifried ist nicht nur in Drogengeschäfte verwickelt, sondern unterhält Klubs, in denen Neonazis ihren abscheulichen Neigungen auf Kosten von jungen, meist afrikanischen Prostituierten frönen.

Meine Meinung:

Mir gefällt diese Reihe vor allem deshalb, weil sie das Wien fernab von Manner-Schnitten, Stephansdom und Sisi-Kitsch zeigt. Kaum eine Szene spielt in der Innenstadt, sondern in den ehemaligen Arbeiterbezirken. Das Kommissariat ist in Ottakring angesiedelt und Hoffmann wohnt in der Brigittenau, dem 20. Wiener Gemeindebezirk, gleich neben dem Augarten, jener barocken Gartenanlage, die neben der berühmten Porzellanmanufaktur auch Heimat der Wiener Sängerknaben ist. Das war’s aber schon mit herrschaftlichen Ansprüchen. Die meisten Bewohner dieser Gegend sind alte Menschen und/oder Zuwanderer, die in den 1970er Jahren nach Wien gekommen sind.
Dieser Band ist der bislang persönlichste mit Wolfgang Hoffmann. Er zeigt den verletzlichen Mann, der es mit der Krankheit aufnimmt. Als Mann von klaren Worten, dem das Herumeiern auf die Nerven geht, verlangt Hoffmann auch von seinen Ärzten, Klartext zu reden. Da der Ausgang von Chemo und Operation nicht klar sind, bricht er das zart aufkeimende Pflänzchen einer Beziehung zu Kollegin Sigrid Körner gleich einmal wieder ab. Immer wieder reflektiert er seine gescheiterte Ehe und stellt fest, dass Ermittler und Ehefrau nicht gut zusammenpassen. Doch im Stillen sehnt er sich nach einer Gefährtin und der Gedanke an Kinder spukt immer wieder in seinem Kopf herum. Vor allem, wenn er Kollegen wie Assmann oder Windisch neben sich sieht, die über ein Familienleben verfügen.

Günter Neuwirths Schreibstil ist locker und flüssig. Die Querelen in der Dienststelle sind nicht so überzeichnet wie in manch anderen Krimis. Klar, will der Staatsanwalt hieb- und stichfeste Beweise, bevor er einen Durchsuchungsbefehl bzw. Haftbefehl ausstellt. Das ist sein Job und er ist den Gesetzen verpflichtet. Und dass man nicht jeden Kollegen gleich gut mögen muss, ist zutiefst menschlich. Hoffmann selbst ist über sein Team hinaus, geachtet und auch beliebt.

Fazit:

Der bislang persönlichste der Krimis rund um den Wiener Drogenermittler Wolfgang Hoffmann. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Eine unbedingte Leseempfehlung

Die Frau im roten Mantel
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In diesem vierten Krimi rund um den Wiener Polizisten bekommen wir es mit einem sehr komplexen Kriminalfall zu tun. Mehrere Erzählstränge werden zu einem dicken Zopf verknüpft.

Da haben wir einmal Wolfgang ...

In diesem vierten Krimi rund um den Wiener Polizisten bekommen wir es mit einem sehr komplexen Kriminalfall zu tun. Mehrere Erzählstränge werden zu einem dicken Zopf verknüpft.

Da haben wir einmal Wolfgang Hoffmann, der nach Krebsoperation und Chemo noch nicht wieder im Dienst ist. Doch die Weisheit „einmal Kieberer immer Kieberer“ ist ihm auf den Leib geschrieben. So fällt ihm bei einer abendlichen Straßenbahnfahrt eine Frau im roten Mantel mit Sonnenbrille auf, die augenscheinlich von einem Jugendlichen verfolgt wird. Er heftet sich auf die Spuren der beiden und flugs befinden sie sich am Ufer der Donaukanals. Plötzlich hält die Frau eine Waffe in der Hand. Noch bevor sie schießen oder die Waffe ins Wasser werfen kann, entwindet ihr Hoffmann die Pistole. Der Junge verschwindet und auf Grund ihres psychisch labilen Zustandes, liefert Hoffmann die Frau in der psychiatrischen Abteilung des Wilhelminenspitals ab.
Diese geheimnisvolle Frau ist Alice Berg und wenig später steht sie mit einem Koffer vor Hoffmanns Türe und bittet um Hilfe, denn ihr Ehemann Jürgen sowie die Kinder Corinne und Oscar seien spurlos verschwunden. Hoffmann ist von der seltsamen Frau fasziniert und beginnt auf eigene Faust Erkundigungen einzuziehen.

Ein weiterer Erzählstrang beschäftigt sich mit Lukas, dem Jugendlichen aus der Straßenbahn, der sich Sorgen um die verschwundene Corinne Berg macht.

Als dann eine Leiche mit Kopfschuss und abgetrennten Händen aufgefunden wird, schwenkt die Handlung zu Hoffmanns ehemaligen Kollegen und mühsame Polizei.

Noch laufen die Handlungsstränge teilweise parallel, doch nähern sie sich asymptotisch aneinander. Den Durchbruch gibt es, als die Leiche als ehemaliger Mitarbeiter von Jürgen Berg und Geliebter von Alice identifiziert wird. Das ist auch der Moment, in der Hoffmann wieder in den Kriminaldienst zurückkehrt.
Er will wissen, welches Geheimnis die Familie Berg verbirgt.

Meine Meinung:

Hier haben wir es mit einem eher unkonventionellen Krimi zu tun. Kaum hat der Leser (und Wolfgang Hoffmann) eine Idee, was hinter dem seltsamen Verhalten von Alice stecken könnte, ist die auch schon wieder abgetaucht. Nicht verschwunden hingegen ist ihre bettlägerige Schwiegermutter, die Hoffmann dehydriert und verwahrlost in ihrer Villa findet. Doch auch die überrascht den Polizisten als sie nach kurzer Zeit forschen Schrittes aus dem Krankenhaus verschwindet.

Günter Neuwirth führt, neben den bislang bekannten Charakteren ein neue Figur ein: Lukas, jenen Jugendlichen, der auf der Straße bzw. in der Autonomen Szene lebt, durchaus „lebensklug“ erscheint und nach anfänglichem Misstrauen, dem Kieberer sein Herz ausschüttet. Ich hoffe, der Autor findet ein Plätzchen in einem der nächsten Krimis für diesen emphatischen Burschen, dem das Leben bisher nur übel mitgespielt hat.

Erst als Hoffmann mit seinen quasi privaten Ermittlungen nicht mehr weiterkommt, es fehlt ihm natürlich der Polizei-Apparat, sucht er seine ehemaligen Kollegen auf und - ist gleich wieder mitten drin.

Die Auflösung schockiert, denn damit war nicht wirklich zu rechnen. Trotzdem ist sie schlüssig. Man muss beinahe den Atem anhalten, so fesselnd sind die letzten Seiten. Auch gutbürgerliche Kreise haben ihre bröckelnden Fassaden.

Fazit:

Günter Neuwirth ist hier ein Krimi der Spitzenklasse gelungen. Vielschichtig und hintergründig stellt er die sogenannte „bessere Gesellschaft“ Außenseitern gegenüber. Dabei haben eher die Erstgenannten die Leichen im sprichwörtlichen Keller. Gerne gebe ich hier wohlverdiente 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Düster, derb und gewalttätig - London im 19. Jh.

Arrowood - Die Mördergrube
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Dies ist der zweite Fall für Privatschnüffler William Arrowood und seinem Assistenten Barnett im Viktorianischem London.
Nach wie vor hadert Arrowood damit, dass Sherlock Holmes seine Fälle aufklärt und ...

Dies ist der zweite Fall für Privatschnüffler William Arrowood und seinem Assistenten Barnett im Viktorianischem London.
Nach wie vor hadert Arrowood damit, dass Sherlock Holmes seine Fälle aufklärt und diese spektakulär in Szene setzt. Die Gazetten sind voll des Lobes und er, Arrowood hat gerade so sein Auskommen.

Diesmal soll er dem Verbleib einer jungen Frau nachgehen, die nach ihrer Verheiratung jeglichen Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen hat. Dies scheint ein einfacher Fall zu sein, denn die Adresse und der Name des Ehemanns sind bekannt.

Doch es wäre nicht Mick Finlay, würde sich dieser Auftrag als simpel entpuppen.

Arrowood und Barnett stoßen auf einige Ungereimtheiten sowohl bei den Auftraggebern als auch auf der Farm. Bei näherer Betrachtung der Umstände, stechen sie in ein Wespennest von Korruption und Betrug rund um eine Nervenheilanstalt.

Die Hartnäckigkeit, mit der Arrowood seinen Ermittlungen nachgeht führt letztlich zum Erfolg, wenn auch ein wenig anders als erwartet.

Meine Meinung:

Das Thema hat mir, obwohl gruselig sehr gut gefallen. Im 19. Jahrhundert ist der Umgang mit behinderten oder in ihrer Entwicklung retardierten Menschen grausam. Man sperrt sie weg oder verwendet sie als Arbeitssklaven und nimmt ihren frühen Tod durch Mangelernährung und Überarbeitung billigend in Kauf.

Nicht so gut hat mir die Entwicklung, William Arrowood seit dem ersten Fall nimmt, gefallen. Er entpuppt sich als grantiger Mann, der auch vor Tätlichkeiten nicht zurückschreckt. Selbst Assistent Barnett (der Ich-Erzähler) ist davor nicht gefeit. Auch Arrowoods Konsum von Schnaps, Laudanum und in Wein aufgelöstem Kokain ist überdurchschnittlich. Seine Kopfschmerzen am Tag danach auch.
Arrowood kann es weder verwinden, dass Sherlock Holmes eine gute Presse erhält, noch, dass ihm seine Frau davongelaufen ist. Also mich wundert das nicht - siehe vorhin.

Schaurig, aber durchaus authentisch sind die Lebensumstände der Menschen, wenn sie nicht gerade der Upper Class angehören, beschrieben. Diesmal ist fast alles schmutzig, derb, depressiv und gewalttätig. Wenig Aussicht auf Hoffnung und Verbesserung.

Fazit:

Ein düsteres Kapitel der englischen Geschichte. Gerne gebe ich hier 4 Sterne und hoffe auf eine Verbesserung von Arrowoods Lebenssituation.

Veröffentlicht am 28.06.2019

Auftakt zu einer Trilogie - hist. Roman

Hurentochter - Die Distel von Glasgow
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Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie, der im 19. Jahrhundert in Schottland spielt.

Die 17-jährige Emily, ist just in jenem Bordell geboren und aufgewachsen in dem Bordell, ...

Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie, der im 19. Jahrhundert in Schottland spielt.

Die 17-jährige Emily, ist just in jenem Bordell geboren und aufgewachsen in dem Bordell, in dem ihre Mutter Ines seit 17 Jahren arbeitet. Dort lebt sie, den Umständen entsprechend ein behütetes Leben, weiß aber mit Bestimmtheit, den Beruf ihrer Mutter niemals ergreifen ergreifen zu wollen. Doch die neuen Bordellbesitzer sehen das ein wenig anders.

Noch bevor es dazu kommt, werden Ines und ihre Kolleginnen ermordet und das Puff geht in Flammen auf. Emiliy und Liam, ebenfalls ein Kind einer Hure und hier aufgewachsen, fliehen gemeinsam und wollen abseits der käuflichen Liebe ein neues Leben aufbauen. Das ist jetzt nicht ganz so einfach, sind doch beide beinahe mittellos, nur eine alte Uhr und ein Medaillon sind Emily von ihrer Mutter geblieben. Gerade dieses Medaillon birgt das Geheimnis um Ines‘ Herkunft.

Emily ist wild entschlossen, dieses und andere Geheimnisse zu lüften.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist das Debüt von Tabea Koenig und reiht sich nahtlos in den Bereich ähnlicher Romane ein. Der Schreibstil passt zum Genre. Mir persönlich sind es ein paar Zufälle und Verstrickungen zu viel. Die Basisgeschichte ist vielschichtig angelegt, verzweigt sich aber mehrmals und bleibt dennoch spannend, auch wenn der geneigte Leser ähnlicher Bücher den Ausgang der Geschichte recht bald erahnen kann.

Geschickt ist die Distel, die als Teil des schottischen Wappen gilt in die Geschichte eingeflochten. Das ist eine nette Idee.

Ein bisschen Kritik muss ich am Piper-Verlag üben: Die Anzahl der Tippfehler geht über das sonst übliche Ausmaß hinaus. Das bin ich von Piper so gar nicht gewöhnt. An einigen Stellen hätte der Geschichte ein wenig Hilfe durch das Lektorat gut getan.

Im Nachwort sind die historisch belegten Ereignisse angeführt, so dass sich geschichtlich interessierte Leser gut zurecht finden.

Fazit:

Ein Debüt-Roman, der durch aufwändige Recherche und Detailtreue ein genaues Bild dieser Zeit erstehen lässt. Gerne geb ich hier 3 Sterne (der nicht vergebene 4. geht zu Lasten des Verlags).