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Venatrix

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Wer will Johann Strauss ermorden?

Die Johann-Strauss-Verschwörung
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Man schreibt das Jahr 1872. Johann Strauss befindet sich am Zenit seiner Karriere. Vor kurzem hat er den Walzer „An der schönen blauen Donau“ komponiert. Allerorts jubelt man ihm zu. Doch der Erfolg ruft ...

Man schreibt das Jahr 1872. Johann Strauss befindet sich am Zenit seiner Karriere. Vor kurzem hat er den Walzer „An der schönen blauen Donau“ komponiert. Allerorts jubelt man ihm zu. Doch der Erfolg ruft auch Neid und Missgunst hervor.

Nach Gastspielen im Zarenreich soll er nun in die USA, zum Weltfriedensfest nach Boston reisen. Nun so eine lange Reise ist nicht jedermanns Sache und die von Strauss schon gar nicht. Er hat lieber festen Boden unter seinen Füßen, wenn er schon reisen muss. Aber ein Dampfschiff? Nie und nimmer! Schließlich nimmt er das Engagement wegen des großen Honorars an und Leibdiener Pepi sowie Zimmermädchen Anna begleiten ihn. Ehefrau Jetty gibt ihm noch Francis, einen Zirkusartisten als Aufpasser mit, der ihm allzu aufdringliche Fans (vor allem weibliche) vom Hals halten soll.

Wenig später ist man auf dem Schiff und Strauss wird von den anderen Erste-Klasse-Gästen belagert. Dann kommt ein Mann zu Tode, der eine Schwalbe am Handgelenk tätowiert hat. Um die Passagiere nicht zu verunsichern und sich bei der Reederei nicht rechtfertigen zu müssen, lässt der Kapitän den Toten im Meer verschwinden. Und er wird nicht der einzige Tote bleiben bis das Schiff in New York anlegt.

Meine Meinung:

Johann Strauss Sohn gilt die ganze Aufmerksamkeit im Jahr 2025, feiert man doch seinen 200. Geburtstag. Grund genug, aus diesem Anlass zahlreiche Bücher, die mit dem Jubilar mehr oder weniger viel zu tun haben, herauszugeben. Auch der Emons-Verlag reiht sich mit diesem historischen Krimi in diese Liste der Gratulanten ein. Gleich vorweg, Attentate auf den Walzerkönig hat es niemals gegeben, die Reise zu Gastspielen nach Boston und New York, schon.

Maria Jelenko hat hier einen amüsanten historischen Krimi verfasst, der sich mit dem Charakter von Johann Strauss beschäftigt. Auf Grund seines Lebenswandels ist er überarbeitet, trinkt und raucht zu viel. Obwohl er sich in der Bewunderung seiner Fans, vor allem der Frauen, sonnt, sind ihm die aufdringlichen Avancen ein Gräuel. Tja, was soll man dazu sagen: Die Geister, die er rief, sind kaum zu bändigen.

Auch wenn es die hier beschriebenen Attentate auf Strauss nie gegeben hat, so sind sie recht gut inszeniert. Agatha Christie lässt grüßen. Ein Schiff auf so langer Überfahrt eignet sich perfekt zu dieser closed room-Situation. Keiner kann das Schiff zwischendurch verlassen oder neu dazukommen. Natürlich entfallen auf einem Dampfer wilde Verfolgungsjagden, sodass sich die Ermittlungen auf heimliche Durchsuchen von Kabinen beschränken muss.

Der Autorin ist es gut gelungen, die Stimmung an Bord einzufangen. Auf der einen Seite die Müßiggänger, die Johann Strauss umschmeicheln und auf der anderen Seite die Bemühungen den Komponisten vor einem Attentäter zu schützen.

Eine kleine Bemerkung muss ich noch anbringen: Zu Beginn (S. 14) lässt Maria Jelenko Hup- und Motorengeräsche vor der Villa Strauss in der Wiener Maxingstraße erschallen. Da hat sie der Technik um mehr als drei Jahrzehnte vorgegriffen. Es gibt zwar bereits die „Wiener Allgemeine Omnibus-Aktiengesellschaft“, motorisiert fährt man allerdings erst ab 1909. Zu Zeiten von Johann Strauss sind vor die Omnibusse genauso wie bei der Pferdetramway Pferde vorgespannt. Hufgeklapper, Peitschengeknall und Flüche der Kutscher sowie Gestank inklusive, was den lärmempfindlichen Maestro, der oft erst im Morgengrauen zu Bett geht, natürlich stört. Der einzige Unterschied: die Pferdetramway ist schienengebunden, der Omnibus nicht.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi rund um eine Verschwörung, deren Ziel die Ermordung von Johann Strauss ist, aber niemals stattgefunden hat, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Ein gelungener hist. Roman

Grüne Mark und Weißer Tod
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Gudrun Wieser nimmt ihre Leser in ihrem zweiten historischen Krimi rund um den jungen Ermittler Franz Stahlbaum und seinen Freund, den Arzt Dr. Titus Pyrner in das Graz von 1897 mit. Worum geht es diesmal?

Innerhalb ...

Gudrun Wieser nimmt ihre Leser in ihrem zweiten historischen Krimi rund um den jungen Ermittler Franz Stahlbaum und seinen Freund, den Arzt Dr. Titus Pyrner in das Graz von 1897 mit. Worum geht es diesmal?

Innerhalb kurzer Zeit werden zwei Männer ermordet, die so scheint es zunächst, so gar nichts miteinander zu haben, wenn da nicht jeweils eine kryptische Botschaft und blaue Glassplitter bei den Leichen zu finden wären ...

Dennoch kommen die Ermittlungen nicht voran, zum einen, weil Franz immer wieder unter dem ehrgeizigen Polizeiagenten Anton Meisl zu leiden hat, der ihm, dem Untersuchungsrichter, regelmäßig Steine vor die Füße wirft, und zum anderen weil die technischen Methoden damals noch nicht vorhanden waren. Franz stützt sich auf das von Prof. Dr. Hans Gross verfasste Handbuch für Untersuchungsrichter.

Als sich wenig später ein Hinweis auf eine Lungenheilstätte im Wienerwald und eine medizinische Geheimgesellschaft, in der auch Titus‘ allmächtiger Vater Mitglied ist, ergibt, wird auch dort ermittelt. Doch der Leiter der Anstalt verschanzt sich hinter der Geheimgesellschaft.

Da die Neugierde ein Hund ist, ruft diese Heimlichtuerei Resi, Franzens Verlobte, und Salome, die Freundin von Titus, die in der Schweiz Medizin studiert, auf den Plan. Sie nehmen in der Lungenheilstätte nicht nur eine Arbeit an, sondern beginnen auch zu ermitteln. Dabei decken sie ungewollt das Geheimnis von Anton Meisl auf und kommen dem Mörder gefährlich nahe.

Meine Meinung:

Grüne Mark und Weißer Tod ist eine sehr gut gelungene Fortsetzung der Geschichte von Franz Stahlbaum und Titus Pyrner, die gemeinsam das Gymnasium besucht haben und nicht wirklich die besten Freunde waren. Das hat sich inzwischen geändert, sind sich die beiden doch ähnlicher als man glaubt. Beide sind durch ihre Herkunftsfamilie geprägt. Der eine, Franz, als Kind einer Arbeiterfamilie, und Titus durch seinen übermächtigen Vater, der sehr wenig von seinem Sohn hält. Immer wieder stolpern sie über ihre zahlreiche Strategien, Fehler zu vermeiden.

Da haben es Resi und Salome schon fast ein wenig leichter. Da man Frauen grundsätzlich nichts zutraut und sie kaum beachtet, pfeifen sie auf Konventionen und unterstützen ihre Männer tatkräftig. Während Franz und Titus zu viel nachdenken, krempeln Resi und Salome ihre Ärmel auf. Dass sie sich dabei auch in Gefahr bringen, um von ihren Männern gerettet werden müssen, rückt das damalige Frauenbild wieder ein wenig zurecht.

Ich bin schon neugierig, wie es mit Franz und Titus sowie Anton weitergehen wird, denn Resi und Salome haben ja das delikate Geheimnis des Polizeiagenten aufgedeckt. Ob Meisl seine arrogante Art, Franzens Herkunft zu erwähnen, aufgeben wird?

Gudrun Wieser Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Methoden zur Aufklärung sind sehr gut recherchiert. Den einzelnen Kapiteln sind, wie schon im ersten Band dieser Reihe (Geheimnisse der Grünen Mark), Zitate aus dem 1893 von Professor Dr. Hans Gross (1847-1915) herausgegebenen Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik. vorangestellt. Professor Gross ist der erste Kriminologe und hat einen Lehrstuhl an der Uni Graz begründet. Ich finde es immer spannend, mit welchen einfachen Mitteln die Ermittler von damals auskommen mussten. Es wird noch bis 1900 dauern, bis die Anwendung der Daktyloskopie auch in der Donaumonarchie eingeführt wird. Ihren Durchbruch wird sie dann mit der Erfindung von Rudolf Schneider, der die sogenannte „Wiener Folie“ zum Patent angemeldet hat, erringen.

Der Titel passt sehr gut zur Handlung, denn die Steiermark wird ob der vielen Wälder auch heute noch Grüne Mark und die Lungenkrankheit Tuberkulose Weißer Tod oder Wiener Krankheit genannt. Obwohl der Erreger bereits 1883 von Robert Koch entdeckt worden ist, gilt sie als nicht heilbar. Zeitweise waren in den Wiener Spitälern, auf Grund der prekären Wohnsituation der (Wiener) Bevölkerung, mehr als 50% der Betten mit TBC-Patienten belegt. Die Luftkuren in Sanatorien z.B. in der Schweiz, die heilen sollten, können sich nur reiche Kranke leisten. Doch auch dort sterben mehr als 25% der Erkrankten. Sie werden, wie hier im Buch erwähnt „zum Abschied entlassen“ - gelten also als austherapiert. Erst die umfassende Vorsorge und Früherkennung (Lungenröntgen in Schulen und Fabriken, Tuberkulin-Test) sowie den Einsatz von Antibiotika dämmen die Krankheit ein. Die Abschaffung des Gesundheitswesen in der Stadt New York in den 1970er bringt die TBC zurück. Was aktuell in den USA mit dem Gesundheitswesen, in dem ein Impfgegner und Ignorant den Vorsitz hat, geschieht, lässt Böses ahnen.

Doch zurück zu diesem Buch - ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Manchmal musste ich über den Tatendrang von Resi und Salome schmunzeln Ich hoffe auf eine Fortsetzung dieser Reihe.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der in der Donaumonarchie spielt 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Zudem rate ich, den ersten Band Geheimnisse der Grünen Mark zu lesen.

Veröffentlicht am 25.06.2025

EIne Leseempfehlung!

Felix Austria
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Wenn ein junger Mann kurz nach den Olympischen Spielen in Berlin 1936 von Wien-Stadlau nach Amerika auswandern will, liegt es nicht nur daran, dass Stadlau alles andere als der Nabel der Welt ist, sondern ...

Wenn ein junger Mann kurz nach den Olympischen Spielen in Berlin 1936 von Wien-Stadlau nach Amerika auswandern will, liegt es nicht nur daran, dass Stadlau alles andere als der Nabel der Welt ist, sondern daran, dass er entweder Jude, Kommunist oder schwul ist oder eine Kombination davon. Zunächst erfährt der geneigte Leser nichts über die Gründe, warum Felix auswandert. Die werden erst im Laufe der Geschichte offenbar. Felix Austria, wie man den 16-jährigen, der anfangs kaum ein Wort englisch spricht, nennt, will eigentlich nur der Enge von Stadlau entkommen.

Er schließt sich einem Zirkus an, der genossenschaftlich organisiert ist. Alles gehört allen, die Eintrittsgelder und Ausgaben werden gerecht aufgeteilt. Ein Modell, das höchst ungewöhnlich ist, fast kommunistisch anmutet. Die Welt in diesem Zirkus erscheint ihm voller Freiheit.Die Ensemblemitglieder sind ziemlich unterschiedlich. Felix teilt seinen Schlafplatz im Zirkuswagen mit Zazie, einem jungen Schwarzen. Als er sich in den Trapezkünstler Jack verliebt, ist klar, dass er Männer liebt. Gemeinsam arbeiten sie am Trapez bis eines Tages ein Unfall passiert und Felix sich die Schuld daran gibt. Hals über Kopf verlässt er den Zirkus und Amerika, zumal sich im Nachkriegsamerika die Zeiten ändern und Menschen, die andere Lebensformen als konservative Familien bevorzugen, als Kommunisten und Schwule vom Mob verfolgt werden. Der Traum von der Freiheit scheint ausgeträumt.

Doch auch seine ehemalige Heimatstadt Wien ist für Homosexuelle nach wie vor kein guter Platz. Gleichgeschlechtlich Liebende, egal ob Mann oder Frau, machen sich nach wie vor strafbar, weshalb einige von ihnen als Tarnung eine Scheinehe eingehen. Felix lernt Franzi kennen, der während der „schlimmen Zeit“, wie man die NS-Zeit beschönigend nennt, in einem KZ inhaftiert und gerade noch überlebt hat, kennen.

Wie die Geschichte weitergeht, müsst ihr schon selbst lesen ...

Meine Meinung:

Mit diesem Buch hat Christopher Wurmdobler einen berührenden Roman geschrieben, der lesenswert ist. Als Wienerin habe ich so eine Ahnung wo sich das Lokal von Tante Adele befunden hat und wer sich hinter dem Schauspieler Bobby Heimlich, der eine Scheinehe mit einer Kollegin führt, versteckt.

Wurmdobler spricht neben der Homosexualität ein anderes Kapitel der Wiener Geschichte an: Den Missbrauch an den Mädchen, die zwischen 1961 und 1973 im Schloss Wilhelminenberg untergebracht waren. Bei der juristischen Aufarbeitung ab 2011 wurde bekannt, dass die damals zuständigen Stadträtinnen, wie im Roman beschrieben, zahlreiche Briefe über die Missstände erhalten haben, aber keine Abhilfe schafften.

Das Buch ist gut zu lesen. Wer mehr über Homosexualität während der NS-Zeit lesen will, dem seien die Biografien „Franz“ sowie „Dorothea“ von Jürgen Pettinger empfohlen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das die fiktive Geschichte eines jungen Mannes, der seine Homosexualität im geschützten Raum eines Zirkus‘ findet, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Gelungener Abschluss der Trilogie

Der Weg der Frauen
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In ihrem dritten und finalen Band der Trilogie rund um Pauline Martins Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen wird es noch einmal richtig spannend und turbulent.

Man schreibt das Jahr 1912 und die ...

In ihrem dritten und finalen Band der Trilogie rund um Pauline Martins Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen wird es noch einmal richtig spannend und turbulent.

Man schreibt das Jahr 1912 und die Schülerin Sophie wird im nahegelegenen Metz bei einer Aktion für Frauenrechte verhaftet. Obwohl Pauline ihre Schülerinnen dazu anhält Zivilcourage zu zeigen, ist sie doch ein wenig entsetzt, da das Mädchen ihr Vertrauen missbraucht hat und durch diese Aktion das Pensionat in Misskredit bringt. Doch es wäre nicht Pauline, wenn sie dieser Aktion nicht auf den Grund ginge, zumal Sophie völlig verändert an die Schule zurückkehrt.

Daneben taucht unerwartet Roland, ihr Ex-Verlobter in Thionville auf und macht ihr, nunmehr Witwer mit kleinem Sohn recht auffällig den Hof. Das bleibt natürlich Hauptmann „Gnadenlos“, Erich von Pliesnitz, nicht verborgen, der sich, anstatt mit Pauline darüber zu sprechen, diskret zurückzieht. Die Sache mit den Frauen ist ja kompliziert!


Neben den Problemen in der Schule, in der es wegen diffamierender Briefe zu mehreren Abmeldungen kommt, hält dieser letzte Band für Pauline (und uns Leser) einige Überraschungen bereit. Sei es, dass ein neuer Lehrer (ja ein Mann) oder eine neue Schülerin oder eine neue Hausangestellte Unruhe in das Pensionat bringen.

Aber, das müsst ihr schon selbst lesen ...

Meine Meinung:

In diesem dritten Band erleben wir, wie sehr Paulines Bemühungen, ihre Schülerinnen zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen, gefruchtet haben. Dass es manchmal zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten kommen kann, zeigt Sophie, die mit ihrer Cousine Emma an einer Demo teilnimmt. Aber auch die anderen Mädchen zeigen Interesse an einer fortschrittlichen Denkweise. So empört sich beispielsweise Ernestine, die eine Karriere als Journalistin anstrebt:

„...“Wieso bitte soll denn eine Frau nicht am Steuer sitzen?“ Beinahe kämpferisch hatte Ernestine sich vor der Klassenkameradin aufgebaut und schaute sie böse an. „Glaubst du etwa, Männer könnten das so viel besser?“...“

Ja, die unkonventionelle Erziehung von Pauline, den Mädchen zu eigenständiger Meinung und selbständigem Denken hinterlassen ihre Spuren. Das muss auch der neue Lehrer erkennen, der zunächst gönnerhaft seine „humanitäre Hilfe für das Entwicklungsgebiet einer Mädchenschule“ anbietet.

Langweilig wird es in Thionville/Diedenhofen nie! Das liegt neben den fein herausgearbeiteten Charakteren und der Zeit, in der die Reihe spielt, auch an Marie Pierres genialen Schreibstil. Flüssig und mit französischen sowie elsässischen Einlässen wirkt dieser historische Roman lebendig und authentisch. Die Haltung der Bevölkerung, die die aktuelle Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich nicht besonders schätzt, wird durch Rolands Bemerkung gut in die Handlung eingeflochten, was wiederum Erich desavouiert:

"Diese Stadt hier, mit ihrem Dreck und Ruß, ihren ungewaschenen Arbeitern und dem ganzen deutschen Militär ist nicht der richtige Ort für Pauline."

Geschickt wechseln wir mehrmals die Perspektive, sodass wir auch Einblick in die Gefühlswelt von Erich oder anderen Protagonisten erhalten.

Wie schon in ihren anderen Büchern versorgt uns die Autorin mit zusätzlichen Informationen wie Stadtplan, einem Glossar und einem umfangreichem Nachwort.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Abschluss dieser Trilogie rund um das Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen, der mich durch seine Turbulenzen und Protagonisten sowie ernsten Themen bestens unterhalten hat, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Dauerstress für Pierre Dupin

Bretonische Versuchungen
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Der 14. Fall führt Commissaire Pierre Dupin in die Welt der Schokolade. Noch nie war er so froh über das Klingeln des Smartphones, das einen neuen Fall ankündigt, denn er absolviert eben ein Training gegen ...

Der 14. Fall führt Commissaire Pierre Dupin in die Welt der Schokolade. Noch nie war er so froh über das Klingeln des Smartphones, das einen neuen Fall ankündigt, denn er absolviert eben ein Training gegen seine Angst vor dem Meer, die ein wenig widersinnig ist, liebt er doch das Schwimmen in selbigen. Aber, was weiß man schon.

Nun, der Fall ist klebrig, denn die Mitbesitzerin einer bekannten, exquisiten, von einem Geschwister-Trio geführten Schokoladenfabrik wird kopfüber in einem Bottich flüssiger Schokolade gefunden. Obwohl alle Befragten einstimmig bekunden, es würde keine Konflikte geben, ist Dupin mehr als misstrauisch. Liebe, Wonne, Waschtrog und dennoch ein Mord? Wenig später ist ein weiteres Drittel der Inhaber, der Bruder, tot und die Anteile an der Firma gehören nun der letzten Schwester. Wollte sie die Firma in ihren alleinigen Besitz bringen? Und warum stirbt nun als dritte noch jene innovative Mitarbeiterin, die in Konkurrenz zum aktuellen Maitre Chocolatier steht?

Meine Meinung:

Wieder gelingt es Jean-Luc Bannalec einen spannenden Krimi rund um Pierre Dupin und seine Kollegen zu spinnen. Obwohl, das muss ich schon bemerken, dass sich die einzelnen Personen nicht weiterentwickeln und das eine oder andere von passionierten Krimi-Lesern durchaus vorhergesehen werden. Dupin ist nach wie nach Kaffee süchtig, hat das eine oder ander Mal Zoff mit seinem Vorgesetzten, vor allem wegen der hohen Kosten, die die eigenmächtig angeforderten Hubschrauber verursachen, und will seinen altersschwachen Citroen XM nicht durch ein neues Modell ersetzen. Diesmal darf Nolwenn tatkräftig direkt an seiner Seite ermitteln.

Dupin und sein Team verfolgen verschiedene Spuren, rasen quer durch Frankreich, um im Baskenland Erkundigungen über die Familie der Toten einzuziehen. Dass der XM mit Motorschaden liegen bleibt, Dupin sich mit den Kollegen vom Rauschgiftdezernat anlegt und letztlich dem Verdächtigen dann trotz seiner Angst vor dem Meer auf selbiges folgt, macht den Krimi spannend. Allerdings halte ich es für grob fahrlässig, nahezu vierzig Stunden ohne ausreichend Schlaf durch Frankreich zu rasen. Nun ja, es ist eine fiktive Geschichte, in der der Arbeitnehmerschutz und die Straßenverkehrsordnung nur marginale Bedeutung haben.

Sehr gut gefallen haben mir die vielen Informationen über die Kakaobohne und die Herstellung von Schokolade. Dabei eine ich nicht, die herkömmliche Schokolade, die man in Supermarkt erhält, sondern die exquisite Handarbeit.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 14. Fall, der Commissaire Dupin, schlaflose Nächte besorgt, 5 Sterne.