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Venatrix

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Veröffentlicht am 21.04.2019

"Haltung zeigen" ist bei POlitikern oft unerwünscht

Haltung
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Dieses Buch ist am Tag seiner Vorstellung (17. April) zum Aufreger der österreichischen Innenpolitik geworden. Doch schon zwei Tage nach dem Erscheinen, wird kaum mehr darüber berichtet. Ein Schelm, der ...

Dieses Buch ist am Tag seiner Vorstellung (17. April) zum Aufreger der österreichischen Innenpolitik geworden. Doch schon zwei Tage nach dem Erscheinen, wird kaum mehr darüber berichtet. Ein Schelm, der sich hier etwas Böses denkt.

Was ist an „Haltung“ so aufregend?

Der frühere Vizekanzler, Minister und ehemalige ÖVP-Parteichef Reinhold Mitterlehner schreibt über sein Leben, seine Arbeit und seine Demontage als Politiker.

Er spricht aus, was viele Menschen denken, nämlich dass er einer internen Intrige zum Opfer gefallen ist. Allerdings ist er da nicht der erste (und vermutlich wird er nicht der letzte) ÖVP-Chef sein. Parteiobmänner abzusägen, ist bei den Konservativen Österreichs eine Art Volkssport. Die Art und Weise, wie es diesmal (2017) geschehen ist, ist allerdings ein Novum: Kein spontanes Sägen am Sessel des Obmanns sondern eine seit langem vorbereitete, konzertierte Aktion.

Allein, dass kaum jemand aus den diversen Bünden und den Parteigremien für Mitterlehner aufgetreten sind, spricht schon Bände. Was wurde diesen Funktionären versprochen, dass sie den Umbau der Volkspartei so still hinnehmen? Manche Gesetze oder Verordnungen, die in der Zwischenzeit erlassen worden sind, sind Zugeständnisse an die Wirtschaft und gehen zu Lasten der Arbeitnehmer. Eine Partei, die sich auf die Fahnen heftet, die Familie hochzuhalten, kürzt nun die Familienbeihilfe für kinderreiche Familien.

Manche seiner Ex-Kollegen halten dieses Buch für eine späte, wehleidige Abrechnung mit der aktuellen Parteispitze. Besonders seine direkten Vorgänger gehen hart mit Reinhold Mitterlehner ins Gericht, wenn sie ihm Versagen an der Parteispitze vorwerfen. Was haben die beiden getan, um die Volkspartei zu stärken?

Den einzigen Vorwurf den man Reinhold Mitterlehner machen kann ist, das Amt des Vizekanzlers, Ministers und Parteichefs ein wenig zu blauäugig übernommen zu haben.

Wie sagt doch Heimito von Doderer so schön? „Wenn du dich in Familie begibst, kommst du darin um.“ Ein wenig abgewandelt kann es hier heißen: Wenn du dich in Politik begibst, kommst du darin um.“

Reinhold Mitterlehners Sorge um die Zukunft Österreichs ist berechtigt.

Veröffentlicht am 17.04.2019

Ein facettenreicher Krimi

Spreewaldwölfe (Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner 4)
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In ihrem vierten Krimi rund um die Polizeiobermeisterin Klaudia Wagner bekommen es die Leser mit den unterschiedlichen Meinungen zum Thema „Wiederansiedlung von Wölfen“ zu tun: Die einen strikt dagegen, ...

In ihrem vierten Krimi rund um die Polizeiobermeisterin Klaudia Wagner bekommen es die Leser mit den unterschiedlichen Meinungen zum Thema „Wiederansiedlung von Wölfen“ zu tun: Die einen strikt dagegen, die anderen unbedingt dafür.

Da gießt, die im Wald aufgefundene Leiche eines jungen Mannes, Öl ins Feuer, denn es sieht so aus, als ob er von Wölfen angefallen und getötet worden wäre. Doch die Todesursache ist eine andere.

Als Klaudia herausfindet, dass das Opfer über eine größere Summe Geldes verfügt hat, um einen teuren Laptop und hippe Klamotten zu kaufen, bekommt der Fall eine unerwartete Wendung.

Meine Meinung:

Wie wir es von Christiane Dieckerhoff gewöhnt sind, mauern die Dorfbewohner. Sie sind misstrauisch, die Grenze zu Polen ist nicht weit, die Vorurteile nach wie vor groß. Ihre Charaktere haben alle so ihre Ecken und Kanten. Jeder hat so sein kleines (oder größeres) Geheimnis. Die Stimmung ist recht düster. Mehrere Personen haben traumatische Erlebnisse erfahren müssen, die sie prägen und deren Handlungen gut nachvollziehbar sind. Klaudia Wagner selbst scheint ihre Traumata langsam überwunden zu haben.

Sehr spannend finde ich das Thema „Wolf“, das die wenigsten kalt lässt und Freunde zu Feinden macht. Hier hat die Autorin akribisch recherchiert. Die Informationen werden subtil vermittelt, ohne dass der Leser mit Info-Dump überschüttet wird. So mancher Hundebesitzer, sowohl im Krimi als auch in Natura, wird vielleicht die Rolles seines Hundes überdenken müssen.

Sehr geschickt verknüpft die Autorin die Einzelschicksale der Menschen, mit dem Naturschutz. Da dürfen natürlich auch Beschreibung der Landschaften und Fahrten auf der Spree nicht fehlen.

Ich gebe zu, recht bald die Zusammenhänge entdeckt zu haben, dennoch habe ich mich keine Minute gelangweilt. Die Ermittlungen werden gut
Beschrieben. Natürlich darf der eine oder andere schwierige Kollege nicht fehlen. Die Rolle der Staatsanwältin ist für mich ein wenig undurchsichtig angelegt, weil sie scheinbar andere Ermittlungsansätze als die bodenständige Klaudia Wagner verfolgt.

Fazit:

Wieder ein facettenreicher Krimi aus der Feder von Christiane Dieckerhoff, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 17.04.2019

Ein gruseliger Reiseführer

Spuk in Bayern
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Mit diesem Buch unternehmen wir unter fachkundiger Leitung durch Gabriele Hasmann einen Streifzug durch Bayerns Schlösser sowie einen Ausflug an mystische Orte, an denen es spuken soll.

Allen voran steht ...

Mit diesem Buch unternehmen wir unter fachkundiger Leitung durch Gabriele Hasmann einen Streifzug durch Bayerns Schlösser sowie einen Ausflug an mystische Orte, an denen es spuken soll.

Allen voran steht natürlich Ludwig II., der „Kini“, um dessen Leben und Sterben sich allerlei Mythen ranken. Das Titelbild von Neuschwanstein ist bestens geeignet für diese Sammlung von Spuk-Geschichten.

Neben so prominenten Spukgestalten treffen wir auch auf alte Sagen und gruselige ehemalige Hinrichtungsstätten. Hinrichtungen – DAS Spektakel vergangener Zeiten, mit Volksfestcharakter und wenig Abschreckung.

Gabriele Hasmann wirft auch ihren Blick auf den Beruf des Henkers, der obwohl als notwendig erachtet, aus dem Sozialgefüge der Dörfer und Städte ausgeschlossen war.

Immer wieder weist die Autorin darauf hin, dass manche dieser Erscheinungen von sensiblen Menschen auch heute noch wahrgenommen werden können.

Die einzelnen Geschichten um diese Orte lassen sich leicht lesen. Fotos und eine Landkarte runden dieses Buch ab.

Fazit:

Für Fans von nicht alltäglichen Reiseführern ein nettes Mitbringsel.
Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 17.04.2019

Fesselnd und sozialkritisch

Der Horizont der Freiheit
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Schauplatz dieses eindrucksvollen historischen Romans ist Frankfurt am Main im Jahre 1848. Die Nationalversammlung tagt in der Paulskirche. Soll man die Monarchie abschaffen? Weg mit den alten Zöpfen, ...

Schauplatz dieses eindrucksvollen historischen Romans ist Frankfurt am Main im Jahre 1848. Die Nationalversammlung tagt in der Paulskirche. Soll man die Monarchie abschaffen? Weg mit den alten Zöpfen, weg mit den als Schmarotzern empfundenen Adeligen? Revolution, Aufstand liegt in der Luft.

In diesen unruhigen Zeiten kämpft die Witwe des Buchdruckers Walther Pfaff, Wilhelmine um den Erhalt der Druckerei. Frauen ist es nicht gestattet, eine Firma zu führen. Sie muss sich gegen heiratswillige Gesellen und Konkurrenten wehren und übersieht, dass ein geeigneter Lebens- und Geschäftspartner in unmittelbarer Nähe zu finden ist: Joseph Rütten, der Verleger, der ohnehin heimlich in sie verliebt ist.
Während Wilhelmine sich um ihr finanzielles Auskommen sorgt und kleine und kleinste Aufträge übernimmt, spitzt sich die politische Lage dramatisch zu – es kommt zu Straßenschlachten und ein Delegierter wird ermordet.
"Ist der Fürst erst totgemacht, die Demokratie so richtig lacht" mit solchen Parolen entgleiten die Proteste.

Mitten im revolutionären Chaos befindet sich Wilhelmines beste Freundin Henriette Zobel. Henriette, Gattin eines reichen Verlegers, ist seit Jahren an der Seite der Arbeiterbewegung politisch aktiv. Sie ist schon längst im Fokus der Polizei. Bei der dramatischen Aktion zur Rettung von Henriette kommen sich Joseph und Wilhelmine endlich näher …

Meine Meinung:

Ich kenne einige Bücher, die die dramatischen Ereignisse rund um die Revolution(en) im Jahre 1848 zum Thema haben. Dieser hier ist ausgesprochen gut gelungen. Das Setting rund um den Frankfurter Verlag Rütten & Loening (aus ihm wird später der Aufbau-Verlag), der mit den Einschränkungen durch die Zensur, aber auch mit antisemitischen Anfeindungen kämpft, sowie um die Druckerei der Wilhelmine Pfaff ist perfekt gewählt. In diesem Mikrokosmos rund um Bücher spiegeln sich Verhältnisse Deutschlands bzw. Österreichs wieder. Gedruckt darf nur das werden, was der strengen Zensurbehörde genehm ist, Frauen haben sittsam und möglichst unsichtbar zu sein und dürfen keine Firma leiten. Sozialkritische Töne wechseln sich mit Zweifeln und zarten Frühlingsgefühlen ab.

Die Charaktere sind treffend und authentisch entwickelt. Auf der einen Seite haben wir Wilhelmine, die nach dem Tod ihres Ehemannes Walter beinahe vor dem Nichts steht, weil der Gute das gesamte Vermögen in wertlose Aktien gesteckt hat, und auf der anderen die engagierte und gut situierte Verlegersgattin Henriette Zobel, die buchstäblich „auf die Barrikaden geht“. Zobel ist eine historisch verbürgte Figur, wie wir aus den Anmerkungen im Anhang erfahren.
Die beiden Frauen sind starke Gegensätze und dennoch beste Freundinnen. Das wird sich in der Extremsituation, in die Henriette gerät, noch bewähren.

Herrlich auch die Figur der Haushälterin im Hause Pfaff, die alle Welt nur das „Salzweib“ nennt.

Dann haben wir noch das Dienstmädchen Aurelie im Hause Rütten & Loening, das von Wilhelmines Druckergesellen Johannes schwanger sitzengelassen wird. In dieser Figur ist die ganze Tragik unverheirateter Frauen bzw. Mütter sichtbar: Obwohl ihre Dienstherren sie nicht verstoßen, lehnt sie das Kind ab und ist erleichtert, als sich eine Lösung für das „Problem“ abzeichnet. Ein Ausnahmefall in der damaligen zeit. Für gewöhnlich werden ledige Mütter aus dem Haus gejagt, enden in bitterer Armut bzw. Prostitution und töten mitunter das Kind, sei es durch Vernachlässigung oder ermorden es sogar. Die Männer ziehen sich fast immer mit fadenscheinigen Ausflüchten aus der Affäre. Die übliche Verleumdung, die Frauen hätten einen liederlichen Lebenswandel und würden sich mit jedem einlassen, das Kind sei nicht von ihm etc. etc..

Dann begegnen wir noch Dr. Heinrich Hoffmann, dem „Irrenarzt“, der nicht nur den „Struwwelpeter“ geschrieben hat, sondern hier in dieser Geschichte eine Rolle spielen wird. Oder auch Robert Blum.

Der Schreibstil ist packend und die bildhaften Beschreibungen lassen Frankfurt um 1848 vor den Augen der Leser erstehen. Die historischen Details sind penibel recherchiert. Die Autorin weiß, wie spannende Bücher geschrieben werden.

Fazit:

Ein fesselnder historischer Roman, der uns in die Zeit von 1848 zurückholt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Hat mich nicht vollends überzeugt

Der Untergang der Welt von gestern
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Anhand von Arthur Schnitzlers Werken und Tagebüchern zeigt Autor Arne Karsten seinen Lesern die letzten Jahre der Donaumonarchie zwischen 1911 und 1919.

Neben Schnitzler steht immer wieder die junge ...

Anhand von Arthur Schnitzlers Werken und Tagebüchern zeigt Autor Arne Karsten seinen Lesern die letzten Jahre der Donaumonarchie zwischen 1911 und 1919.

Neben Schnitzler steht immer wieder die junge Stephanie Bachrach im Fokus des Buches. Wer ist sie nun, die Frau, die Schnitzler viele Zeilen in seinen Tagebüchern wert ist und als Vorlage für einen Charakter in seinen Stücken dient? Eine weitere Liebschaft? Das bleibt ein wenig der Fantasie des Lesers überlassen. Stephanie, Tochter des jüdischen Unternehmers Julius Bachrach und seiner Frau Eugenie, ist zunächst eine reiche Erbin. Nach der Pleite und dem Selbstmord des Vaters 1912, ist sie nun keine gute Partie mehr. Sie versucht ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Im Ersten Weltkrieg wird sie, so wie viel andere Frauen, eine Krankenschwesternausbildung absolvieren. Anders als viele ihrer gutbürgerlichen bzw. adeligen Kolleginnen wird sie direkt in ein Frontspital verlegt und erlebt dort die Grausamkeit des Krieges. Als sie 1916 notgedrungen den Dienst quittiert, ist sie körperlich und seelisch ein Wrack. 1917 begeht sie Selbstmord.


Meine Meinung:

Leider hat mich dieses Buch nicht vollends überzeugt. Der Titel erinnert deutlich an Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ bzw. an Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“.

Über die letzten Jahre der Habsburgermonarchie gibt es deutlich profundere Bücher (u.a. z.B. Hannes Leidinger „Untergang der Habsburgermonarchie“). Und über Arthur Schnitzler gibt es mehrere Biografien, die sich mal gut mal besser mit dem Schriftsteller und Lebemann auseinandersetzen („Arthur Schnitzler. Anatom des Fin de Siècles“/Max Haberich oder „Die Schnitzlers“/Jutta Jacobi).

Arne Karsten verzweigt sich, ausgehend von der Person Schnitzler, weit in die politischen und gesellschaftlichen Bereiche des Fin de Siècles. Er beleuchtet die erhitzte Situation am Balkan, die Begehrlichkeiten des Zarenreiches ebendort mehr Einfluss zu gewinnen nachdem das Osmanische Reich dahinschwächelt. Wir begegnen den unterschiedlichen Personen und Persönlichkeiten. Vom ermordeten Thronfolger Franz Ferdinand bis hin zu den Kriegstreibern im Generalstab wie Franz Conrad von Hötzendorf oder schriftstellerischen Weggefährten Schnitzlers. Karsten kommt allerdings immer wieder auf Schnitzler und seine Tagebücher zurück, die so etwas wie den „roten Faden“ dieses Buches bilden.

Der Autor lässt Zeitgenossen Freunde Schnitzlers zu Wort kommen und fügt reichlich Zitate aus Schnitzlers Werken ein. Manchmal sind mir die detaillierte Schilderung der Genese eines Werkes und die abgedruckten Auszüge ein wenig zu viel. Da hätte ich mir mehr Zeitgeschichtliches erhofft. Der Antisemitismus, der in Wien zu jener Zeit herrscht, ist gut herausgearbeitet.

Eine angenehme Ergänzung sind die im Anhang aufgeführte Zeittafel und das ausführliche Literaturverzeichnis sowie die teilweisen bislang unbekannten Fotos aus dem Nachlass bzw. Archiv Schnitzlers.

Fazit:

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor sich zwischen den beiden Themenwelten „Schnitzler und sein Werk“ und „Ende der Donaumonarchie“ nicht ganz entscheiden konnte und so erweckt der Inhalt das Gefühl „nicht Fisch, nicht Fleisch“ zu sein.
Leider kann ich hier nicht viel mehr wie 3 Sterne vergeben, schade.